Saturday, May 26

Eskimo Joe und das Alltägliche

Ich weiß schon gar nicht mehr wie lange es her ist, als ich den letzten Eintrag geschrieben habe. Es kommt mir vor, als ob es eine Ewigkeit ist. Wenn ich nachdenke, weiß ich, dass das nicht stimmt.

Wir haben wieder viel erlebt, gesehen, erfahren, diskutiert, gesehen und gestaunt. Es fällt mir nicht leicht, das alles nun in gebündelter Weise darzustellen. Wo fange ich an?

Mit meiner Arbeit, denn schließlich ist es dann Topthema der letzten Wochen. Gestern habe ich nun endlich auch meinen Arbeitsvertrag bekommen und erwarte mein erstes Gehalt in der nächsten Woche. Mein neuer Chef hat mich gefragt, ob ich Sorge hatte, dass ich nicht bezahlt werde. Ich hatte häufig nach dem Vertrag gefragt und wahrscheinlich ist es unüblich, nachzufragen. Man wartet ab. Mittlerweile sollte ich begriffen haben, dass hier alles viel länger dauert als bei uns. Es fällt mir schwer, dies zu akzeptieren.

Täglich habe ich nun einen Patientendurchlauf von 4-5 Personen. Nach knappen zwei Wochen bin ich überwältigt von den Anliegen und erkenne meine eigenen Schwächen wieder. Häufig habe ich es mit jungen Menschen zu tun, die eine Depression haben. Ich merke, dass ich mich sehr konzentrieren muss, damit sie meine volle Aufmerksamkeit bekommen. Ab und an ertappe ich meine Gedanken auf Wanderschaft. Es ist einfach nicht mein Thema, zur sehr bin ich ein Optimist, auf Lösungen orientiert und kreativ genug, um Herausforderungen zu meistern. Hier habe ich den Eindruck, dass selbstständiges Denken doch eine Lücke ist und die Kreativität noch in den Kinderschuhen steckt. Grundsätzlich ist das, was ich bisher gehört habe, nicht repräsentativ genug, um Schlussfolgerungen, oder gar Gründe benennen zu können. Da die Gründe mich sehr interessieren, wird dann das Thema Depression wieder interessant für mich. Hallo, wir leben in einem Sonnenscheinscheinland, in dem wir mehrmals täglich hören „no worries“ (keine Sorge, alles kein Problem). Alle sind nett, keiner streitet, keiner diskutiert.

Erst kürzlich erzählte Thomas, dass sich ein Kollege von ihm beschwert hat. Thomas hatte ihn einfach gebeten, bei zukünftigen Ereignissen zu informieren. Das genügte schon für eine Beschwerde beim Chef über Thomas.

Manche Studenten wollen ihre schweren Gedanken beschreiben und scheitern am eigenen organisatorischen Geschick, Dinge zu planen. Oft habe ich Leute bei mir, die tatsächlich einen Rat wollen. Mein professioneller Hintergrund, eher wenig bis gar nicht direktiv in solchen Beratungen vorzugehen, sondern einen Schritt hinter den Klienten zu bleiben, funktioniert wenig. Sie wollen Lösungen. Na gut, hier ist eine: „Du machst einmal in der Woche eine Stunde den Computer aus und nutzt diese Zeit für andere Sachen. Oder: Immer wenn Du nach Hause kommst, dann beginnst du erst mit den Sachen, die Du nicht magst (1 Stunde). Danach machst Du das, was Dir Spaß macht.“ Unglaublich, schon wenn ich das schreibe sträubt sich in mir alles. Ich will nicht in die Tiefe gehen, sonst wird der Blog so lang, wie alle bisherigen Einträge insgesamt. Vielleicht versteht der ein oder andere Leser, was ich meine. Wenn man nicht selbst erkennt, was machbar und was nicht machbar ist, sondern immer auf Anweisungen von außen erwartet, wie denkt man dann selbst und benutzt die rechte Hirnhälfte? Gerne unterstütze ich, aber vorgeben liegt mir weniger. Sonst hätte ich nämlich schon das Super-Rezeptbuch geschrieben. So viel dazu. Ich meckere und meckere über dieses und jenes. Muss doch auch alles mal gesagt werden. Es ist nicht immer Sonne im Leben. Zum Glück.


Schönes erleben wir. Letzte Woche hatte Thommy Geburtstag. Zum Abendbrot haben wir uns Pizza bringen lassen. Nachmittags in der City gebummelt und Wein getrunken. Es war sein erster in Perth, sein erster im Herbst, sein erster ohne Familie und engste Freunde. Wie viel wir wohl noch erleben werden, was das erste Mal hier ist, und in Deutschland so selbstverständlich war?

Donnerstag waren wir zum ersten Konzert hier in Perth. Um 8.00 abends sollte es beginnen. Um 8.00 war aber auch erst Einlass. Nun ja – nicht wundern – wir sind in Australien. Da wundert man sich ja sonst auch über alles. Zurück zum Geschehen: Wir standen tatsächlich brav in der langen Schlange, bis die Türen um 8.00 aufgemacht wurden. Irgendwann waren wir dann auch mal drin, nachdem wir draußen vor dem unmittelbaren Einlass noch schnell die Verhaltenscodex und Dress-codex gelesen hatten (ich sag doch, man muss nicht denken).

Drin: Tolle Location! Erstmal ein Bier, sonst geht es nachher los und wir verdursten. Wir wussten gar nicht wie recht wir damit haben würden. Die Halle war angenehm gefühlt, wir hatten einen guten Blick, und ausreichend Platz. Irgendwann, so gegen 8.45 kam die Vorband der Vorband. Nun ja, mein Geschmack war es nicht. Dann kam eine Weile nichts. Ich sah auf die Uhr und bekam einen Schreck. Oh Gott, schon halb 10; dachte sogleich daran, dass ich am morgen um 5.45 aufstehen musste und meine Nacht immer kürzer wird. Egal.


Dann kam Little Birdy http://www.littlebirdy.net/littlebirdy.html – eine Frau. He? Ich denke, der Sänger von Eskimo Joe ist ein Mann? Es ist aber schon 10.00/22.00. Sie hat den ganzen Saal zusammen gerockt. Ein Vorhang der Kulisse gab den Blick auf die Wand dahinter preis, das Micro schubste sie um usw. Super Mucke – ich kannte mal alle Lieder. Wir hatten dann auch gecheckt, dass das nicht Eskimo Joe war. Als sie den letzten Ton gesungen hatte, wurde umgebaut. Alles musste runter von der Bühne. Und die Uhr zeigte schon 22.30. Mein Rücken schmerzte, meine Augen waren müde, mein Füße taten weh – kurzum ich wollte in mein Bett.

Um 23.00 kam dann endlich der „Superstar“ http://www.eskimojoe.net/ Es hatte wirklich den Anschein, dass der rote Teppich nicht gefunden werden konnte und er deshalb so spät kam. Letztendlich sind wir um 12.30 nachts raus. Es war ein klasse Konzert, wirklich. „New York“ ein aktueller Titel erinnert mich daran, dass für uns vieles in New York begann. Die ersten Mails und Telefonate haben wir dort gelesen und geführt. Und nun standen wir dort, in Perth.

Der Tinnitus, den wir anschließend hatten, wog uns in den Schlaf. 1.00 – Licht aus. Schönes Erlebnis. Vielleicht noch ein paar Worte zum Publikum: Es war wirklich alles dabei: ältere Leute, junge Leute, kurze Röcke, tiefe Ausschnitte, hohe Hacken, rollende Augen (kam vom Alkohol), dicke, dünne, große, kleine, kreischende Mädchen auf den Toiletten – alle hatten besonders Eines gemein: sie waren unheimlich geduldig. Was hätten wir in Deutschland gepfiffen, wenn der Star des Abends auf den Teppich wartet.

:0)




Friday, May 18

Tatort Uni

Mein wirklich verdientes Wochenende beginnt mit einem Putzanfall und Wäsche waschen. Freitag - für mich der schönste Tag in der Woche. Ich bin froh, dass die Woche rum ist und froh, dass das Wochenende noch bevor steht.

Ich habe nun im Counsellingservice der Curtin University meinen Vollzeitjob aufgenommen. Wer meinen letzten Eintrag gelesen hat, könnte etwas verwirrt sein. Ja zu Beginn der Woche sah es noch komplett anders aus. Ich berichtete von zwei Tagen Unijob und drei Tagen Printingjob. Ich gewöhne mich daran, dass sich Dinge schnell ändern können und einiges an Flexibilität verlangen.

Nachdem ich einen ganzen Tag in die Abläufe meines Jobs bei einer Druckerfirma eingearbeitet wurde, musste ich bereits einen Tag später wieder absagen. Das war mir sehr unangenehm, da ich sehr umfangreich und zeitintensiv eingearbeitet wurde.

Aber das Angebot an der Uni konnte und wollte ich nicht ausschlagen. Letzte Woche sah ich es noch als unmöglich an, hier als Frau einen Vollzeitjob zu bekommen. Nun habe ich ein und bin happy. Die Arbeitsbedingungen lassen sich sehen: eigenes Büro und PC, gute Bezahlung und ein sehr professionelles Arbeitsklima sowie ein freundliches Team.
http://counselling.curtin.edu.au/index.html

Ich genieße nun meinen wohlverdienten Wochenabschluss und freue mich aufs Ausschlafen. Musste ich doch ganz schön früh die Tage aus den Federn und täglich ca. 50 km Fahrweg absolvieren. Mein Kalender für die nächste Woche ist schon gut gefüllt mit Patienten, so dass ich am Wochenende ein wenig Vorbereitungen treffen kann. Der Job ist ein klassischer Psychologen - Therapeutenjob. Die Anliegen der Studenten sowie einiger Mitarbeiter der Uni reichen von: "ich brauche eine Bescheinigung" bis "wie kann ich meine Depression in den Griff bekommen". Unglaublich, was so junge Studenten schon alles in ihrem Rucksack haben. Kein Wunder, dass der schnell zu schwer wird.

So und jetzt werde ich Tatort sehen und kuscheln.

Sunday, May 13

Back to work

Seit heute morgen bin ich wieder ein "Brotbüchsler" und tauche nach 6 Monaten "Urlaub" in den australischen Arbeitsalltag ein.

Was mich wirklich erwartet und wie meine Verfassung diesen abrupten Wechsel über die Woche verkraften wird, weiß ich noch nicht. Ich stelle mich auf lange Tage und frühe Nächte ein.

Thomas hat gelesen, dass die Australier mehr Stunden im Jahr arbeiten als die Deutschen. Sie stehen damit an der Spitze, was die Arbeitszeit anbelangt. Das habe ich nicht vermutet, mir aber bis heute auch nicht wirklich Gedanken drum gemacht.

Mittlerweile habe ich den ersten Tag geschafft. Morgen, Dienstag, beginne ich den Job an der Uni. Ich bin relaxt und guter Dinge. Irgendwie wird schon alles. Ich habe nun drei unterschiedliche Jobs, wovon ich einen wohl kündigen werde. Schließlich will ich nicht nur arbeiten.

Die Woche über bin ich zum einen in einer Printfirma (mal was ganz anderes) und zum anderen zwei Tage an der Uni. Kontraste, die größer nicht sein könnten. Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben ist ein einzigartiges Kontrastprogramm. Ich genieße das Eintauchen in unterschiedliche Arbeitswelten und werde sicher so manch Überraschung erleben.

Thomas und ich müssen die Woche jetzt neu organisieren. Das beginnt mit dem Nutzen des Autos, der Gestaltung des Haushalts und die Einkäufe. Da die Supermärkte um 17.00 schließen, werden wir wohl den Donnerstag zum abendlichen Einkauf nutzen. Wie ich bereits berichtet habe, haben die Läden an diesem Tag länger geöffnet. Den Samstag möchte ich nicht wirklich für Dinge dieser Art "verschwenden".

Die Abende werden kühler und um so öfter läuft unser kleiner Gasheater auf Hochtouren, wenn auch gesundheitlich nicht einwandfrei. Andere Lösungen müssen her.

Francie ist wieder gut gelandet und hat bald ihren ersten Arbeitstag nach der großen Reise hinter sich. Zum Glück hat sie eine kurze Woche, dank Himmelfahrt und Brückentag. Himmelfahrt wie auch Pfingsten gibt es hier nicht. Schade!


Saturday, May 12

Wenn Du lachst











Wenn Du lachst
bin ich angesteckt
Ich lache mit.

Wenn Du strahlst
geht die Sonne auf
Der Himmel wird blau.

Wenn Du niest
kommt das Meer zu Dir
Der Sand bettet Dich.

Wenn Du traurig bist
bin ich es auch
Ich weine mit.

Wenn Du stark bist
kann ich es auch
Mein Tempo ist ein anderes.

Wenn Du genießt
fühle ich mich wohl
Die Wärme umhüllt mich.

Wenn Du aufstehst
gibt es Frühstück
Der Tag fängt gut an.

Wenn Du ißt
dann nimmst Du Dir Zeit
Dein Magen freut sich.

Wenn Du telefonierst
geht der Alarm
Der Account ist schnell leer.

Wenn Du shoppst
denkst Du immer an andere
Deine Seele fühlt sich wohl.

Wenn Du sprichst
dann sprudelt es
Die Gedanken wollen raus.

Wenn Du Tiere siehst
dann strahlen Deine Augen
Deine Achtsamkeit ist wach.

Wenn Du über die Straße gehst
dann geht dein Blick nach links
Die Autos halten nicht.

Wenn Du die Liebe vermisst
dann schweigst Du
Die Traurigkeit liegt in Deinen Augen.

Wenn Du hoffst
dann wirst Du unruhig
Dein Herz macht einen Sprung.

Wenn Du enttäuscht bist
dann ziehst Du Dich zurück
Deine Gerechtigkeit wartet nicht.

Wenn Du schläfst
dann träumst Du
Die Erinnerung arbeitet.

Wenn Du gehst
dann bist Du bedacht
Das Tempo gehört nicht Dir.

Wenn Du schwärmst
glänzt Dein Blick
Die Phantasie wird lebendig.

Wenn Du mich ansiehst
kann ich nicht wegsehen
Diese Nähe gehört uns.

Wenn Du fort bist
kann ich nicht lachen
Die Trauer ist überall.

Planetenwanderung

Sie ist zwischen den Planeten und hat schon mehr als die Hälfte geschafft, in Richtung Heimatplanet. Francie ist gestern Abend abgeflogen und wird am Samstag wieder deutschen Boden betreten. Die Begrüßung daheim wird sicher überwältigend, weil alle froh sind, dass sie wieder da ist. Und Francie kann Abende mit ihren Erlebnisschilderungen füllen: Allein in Australien.
Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen. Meine Tränen kamen einfach so und waren nicht zu stoppen. Meine Nase war verstopft, das Atmen fiel schwer. Meine Augen waren gequollen, die Sicht behindert. Mein Kopf pocherte, freies Denken unmöglich. Der Druck und dieses dumpfe Gefühl zwischen meinen Schädelknochen verschaffte sich in diesem Raum vollen Platz. Mein rationales Denken und Handeln war blockiert. Thomas Fragen konnte ich nicht beantworten, denn bei jedem Ansatz einer Formulierung schob sich ein Kloß in meinen Hals. Der Körper schüttelte sich, als ob ich Fieber hätte. Meine Traurigkeit hatte mich überwältigt.

Heute Morgen bin ich froh darüber, zu sehen, dass ich zu solch intensiven Gefühlen in der Lage bin. Egal, worin sie begründet liegen. Ich kann es zu lassen und erleben. Gleichzeitig gelingt mir die innere Beobachtung, was da mit mir passiert. Neben all dem Beschriebenen weiß ich nun auch, welchen Schmerz meine Eltern und meine Schwester erleben, wenn ich gehe. Die Gefühle von Verlassenheit, Ohnmacht und Hilflosigkeit nehmen ohne Gnade Platz in einem ein. Nichts ist in dem Moment veränderbar, nichts zurück holbar, nichts kontrollierbar.

Das leere Zimmer, in das ich heute Morgen zuerst gesehen habe, versetzte mir einen Stich in meinem Herzen. Sie ist fort und hat einen Teil meines Herzens mit genommen.

Ich komme mir dramatisierend vor, ja faßt jammernd und auch hysterisch in dem was ich denke. Stoppen kann ich es nicht.

Francie's Reise nach und Besuch in Australien war farbenfroh, bunt und voller Freude. Ich war beeindruckt, wenn ich ihren Beobachtungen und Metaphern zum Tag zuhören durfte. Nebenbei dachte ich oft, sie bestätigt meine/unsere Wahl hier in Perth zu leben.

Die Entfernung auszuhalten, fällt mir im Moment besonders schwer und ich frage mich, wie lange ich das kann. Gleichzeitig weiß ich, dass die Intensität wieder abnehmen wird, in der ich gerade meine Liebsten und die Heimat vermisse. Zum ersten Mal habe ich Heimweh.


Monday, May 7

Francie's Reisebericht Teil II

Meine Tante und ich waren am letzten Donnerstag im Aquarium. Wir waren sehr aufgeregt, mal das sehen zu können, was man sonst nur im Fernsehen sieht oder im Radio hört. Es gibt dort verschiedene Fischarten, z.B. Haie, Rochen, Schildkröten, große und kleine Fische, Schlangen, Tintenfische und Skorpione.

Bei den Haien konnte man den Tauchern zu sehen, wie man sie ruhig und gelassen bzw. vorsichtig füttert. Beeindruckend. Die Rochen waren schon fertig gefüttert. Sie kamen aber immer wieder über den Taucher rüber geschwommen und wollten mehr fressen. Die Taucher haben mit Zeichensprache zu verstehen gegeben, dass es nichts mehr zu fressen gibt.

Die Haie hatten weniger Hunger. Einen Haps genommen und zwei Sekunden später verloren. Nicht so schlimm. Es war gigantisch, so riesen große Tiere zu sehen.


Ein Tag später haben wir uns am Strand gegen Mittag hin gesetzt. Die Strände hier sind schön und riesig. Man kann weit gucken. Ich fühle mich wie zu Hause. Erst haben wir am Meer etwas gegessen, dann eine Runde erzählt und beim Hinlegen sind wir dann zwei Stunden im Sonnenschein eingeschlafen. Als wir aufwachten, hatte ich Hunger auf Eis.




Am Samstag waren wir zu dritt im Yanchup National Park, um Koalabären zu sehen. Der Yanchup National Park liegt im Norden von Perth und ist nach einer knappen Stunde mit dem Auto erreicht. In Westaustralien gibt es eigentlich keine Koalas. Nur in diesem Park hat man die Möglichkeit, welche zu Gesicht zu bekommen.

Die Koalas sind süß und klein, einfach zum Knuddeln. Es waren sieben oder mehr Koalas. Der eine hat sich eingerollt und wie ein Bär geschlafen; er ließ sich von den Besuchern nicht stören.

Die Koalas sitzen in den Bäumen und schlafen eigentlich den ganzen Tag und sind erst Nachts aktiv. Ich konnte Kakadus in den Bäumen und den Koalas beim Futtern von Eukalyptusblättern zu sehen. Die haben sich das echt gut gehen lassen. So sind sie total geil und wirken, als ob sie grade aufgestanden wären. Sie sehen ziemlich relaxt aus.


Im Park gab es auch Wanderwege durch den Busch. Beispielsweise einmal um den See = 2 Kilometer. Der Weg war lang. Gefühlt waren das bestimmt 10 Kilometer.

Im Busch beim Wandern war es schön. Viele andere Pflanzen und auch verkohlte Bäume konnte ich betrachten. Einige Bäume sind verkohlt, weil es hier gebrannt hat. Dennoch wachsen ganz schnell wieder grüne Triebe aus ihnen. Ein Baum jedoch sah aus wie Grillkohle. Dann gab es Picknick. Da waren Enten und komische andere Vögel mit roten Schnäbeln um uns herum.

Wir mussten aufpassen, dass die Enten uns nicht das Essen weg schnappen. Meiner Tante sind sie an die Hand gesprungen und haben ihr tatsächlich die Stulle weg gerissen. Sie war erschrocken und wir mussten lachen.

Sonntag waren wir in Fremantle und haben eine Rundreise gemacht. Fremantle ist ein Stadtteil von Perth, dort ist der Containerhafen. Wir haben Häuser, Gebäude, Schiffe und Boote, Surfer, Tiere (wie z.B. Delfine) gesehen. In Fremantle glaube ich, leben die reichsten Leute. Wenn man früh aufsteht, kann man morgens Delfine sehen. Dort gibt es auch schwarze Schwäne. In Australien gibt es keine weißen Schwäne. Vögel, die wie Pinguine aussehen, wenn man etwas weg ist, halten ihren Schnabel in die Luft.

Direkt das Meer vor der Tür bzw. der Swan River, an dem man leben kann. Die Häuser, in denen dort manche Leute wohnen, sind riesig und liegen wirklich nur ein paar Meter vom Wasser.

Im Kings Park in Perth war es herrlich, die Grünanlagen zu sehen. Man denkt, bei dem Ausblick auf die Stadt, dass man in New York City steht.

Meine letzte Woche ist angebrochen und bald muss ich wieder nach Deutschland zurück. Heute waren meine Tante und ich reiten. Es war sehr lustig und hat riesig Spaß gemacht. Interessant war es, das Gelände, in dem wir geritten sind, zu sehen. Beispielsweise Wassergräben, schmale Flüsse und schöne Springplätze. Die Gegend habe ich genossen. Unsere Führerin, die mit uns geritten ist, hat uns einiges über die Gegend erzählt. Nach einer Stunde war dann auch das schnell vorbei.

Ritterin Rostig und Medusa

Ihr Lieben, wenn Ihr auf dem Pferde sitzt, da könnt Ihr was erleben. "... Foll see rünner schlüpp see ünner." Ein Spruch meines Vaters, an den ich denken musste, nachdem ich auf dem Pferd saß.

Heute war es nun endlich soweit. Wir hatten unseren einstündigen Ritt durch das Swan Valley gebucht und meine innere Aufregung stieg mit zunehmender Nähe des Gestüts. Auf dem Weg habe ich mich zweimal verfranst beim Fahren. Es schien, als ob mein Unterbewusstsein schon im Streik war, bevor ich heute überhaupt ein Pferd zu Gesicht bekam. Schlussendlich waren wir pünktlich, zahlten und durften uns Helme sowie Schuhe aussuchen. Alles lag bunt durcheinander gewürfelt in großen Kisten. Schon das Finden des zweiten zugehörigen Schuhs, nachdem man wenigstens einen Schuh fand, der passte, war nicht so einfach. Mit den Helmen war es nicht so schwer. Mein prüfender Blick in das Innenleben des Helms musste sich dann abwenden, denn ein paar Haare, von wem auch immer, waren schon drin. Nun denn, Augen zu und durch.

Wir waren vier Reiterinnen und Lisa (unsere Führerin), davon waren zwei erfahren und zwei (unter anderem ich) noch nie zuvor auf dem Pferd. Auf dem Platz bekamen eine kurze Einführung, wie wir auf das Pferd kommen und wieder runter. Was wir machen müssen, wenn das Pferd nach rechts oder links gehen soll und was wir machen müssen, um anzuhalten. Very easy.

Der Aufstieg auf das Pferd war einfach, denn wir standen auf einer Rampe, das Pferd wurde ran geführt und wir mussten aufsitzen. Und dann saß ich auf einmal auf dem Pferd, Francie war schon lange in der Warteschlafe auf ihrem Gaul (Lion) und blickte sich zu mir um. Ich bin ja heute mit dabei, damit Francie alles versteht. Doch mich überkommt schon jetzt der Eindruck, dass nicht ich, sondern Francie dafür Sorge tragen muss, dass ich alles verstehe und nicht umgekehrt. Und so sollte es kommen.

Auf dem Ritt durch das Gelände hatte ich schon in der ersten Minute Schmerzen in irgendwelchen Knochen, die auf den Sattel drückten und malte mir die Zeit nach dieser Stunde phantasievoll aus. Im "Gänsemarsch" sind wir brav hintereinander her geritten. Lisa vorn weg. Ich war die letzte und verstand akkustisch kein Wort von dem, was sie sagte. Francie drehte sich ab und an um, um nach meinem Wohlbefinden, meinem Gesichtsausdruck und meiner Haltung zu sehen. Danke! Hinterher bekam ich ihre Beobachtungen kichernd zurück gemeldet. Zuerst saß ich wie "ein Schluck Wasser" auf dem Pferd und dann sah ich wohl sehr "angespannt" aus.

Ich hatte also zuerst registriert, welche Schmerzen mir schon das Sitzen auf dem Gaul (übrigens Chrissie) bereitete, dann störten mich die Fliegen, dann fand ich es auf einmal ziemlich langweilig, dann genoss ich endlich den Ausblick. Die letzte halbe Stunde hatte ich mächtige Kopfschmerzen. Der Helm mit seinen runden Klettverschlüssen innen drückte und verursachte höllische Schmerzen, so dass ich mich bereits mit dem Gedanken trug, abzusteigen.

Insgesamt war ich Bummel-Letzte. Die Hügel (hoch und runter) sowie der Ritt durchs Wasser bereiteten Chrissie scheinbar keine Freude. Vielleicht wars für sie langweilig. Ich sprach ihr permanent gut zu, wollte eine Beziehung zum Pferd aufbauen. Vor dem Wasser blieb Chrissie stehen, alle anderen waren schon lange drin. Was muss ich tun, um das Pferd in Gang zu bringen? Francie? Mit dem Hacken ein bißchen anschubsen. Ach so, und schwupp waren Chrissie und ich im Wasser.

Unsere Trockenübungen heute morgen, in der Küche und unter Francie Anweisungen, rücklings auf dem Stuhl sitzend, halfen mir, bei besonders hügeligen Wegen. Zurück lehnen, wenn's runter geht, vor lehnen, wenn es wieder hoch geht.

Am Ende unserer Tour, die schnell vorbei ging, sind wir noch zwischen den Weinbäumen entlang. Wir sollten darauf achten, dass die Pferde nicht so sehr an die Bäume kommen. Einfacher gesagt, als getan. Chrissie ließ es sich nicht nehmen, Halt zu machen und die Sträucher abzukauen. Und ich saß vollkommen kontroll-los oben drauf. Um die Ecke, nachdem ich Chrissie wieder in den Gang bekommen habe, beginnt sie plötzlich Trab. Mir wurde mulmig. Wie soll ich sie anhalten. Francie, ihr Pferd und auch der Koppelzaun kamen immer näher. Francie? Was muss ich tun, um anzuhalten? Sag "Brr". Ich kam mir vor wie im Wildwest und brachte Chrissie zum Stehen. Auch das noch.

Am Ende sollten wir absteigen. Ist ja klar, was sonst. Obwohl ich begriffen hatte, wie ich das tun sollte, blieb ich sitzen und war froh, dass niemand meinen ersten Abstiegsversuch gesehen hatte. Ich war einfach zu ungelenkig, um mein rechtes Bein über den Rücken des Pferdes zu schwingen und abzusitzen. Also stand ich brav da und wartete, was wohl passierte, nachdem dies auffiel. Lisa sagte "absteigen". Okay, nun musste ich und hoffte, dass ich an die Rampe kann, so wie beim Aufstieg. Natürlich nicht. Alos musste ich wohl dreimal Schwung holen, um wieder auf die Erde zu kommen. Wie peinlich ist das denn? Gut, dass mich dort keiner kennt.

Ach so. Medusa sitzt frisch geduscht neben mir. Sie sah nach dem Abnehmen ihres Helmes aus wie gerade aus der Steckdose gekommen. Francie hat es Freude gemacht und wieder ein Erlebnis mehr im Australienrucksack.

Thursday, May 3

Wenn der Hai ....











... aber keine Zähne hat?

Aus sicherer Entfernung und doch so nah, konnten Francie und ich heute einige Zeit im Aquarium verbringen. Besonders interessant war es, auf einem Laufband durch die Unterwasserwelt zu "schippern". Lediglich durch Plexigals getrennt befanden wir uns neben oder unter den Haien, String Rays (Rochen) und vielen anderen bunten wie auch eingenartig aussehenden Fischen.





Nachdem wir dann die Unterwasserfütterung mit ansehen im "Haifischbecken" konnten, dachten wir, dass es eine gute Entscheidung war, nicht an einer Tauchtour teilzunehmen, um den Haien noch näher zu sein.


Die beiden Taucher, die zur Fütterungszeit im Becken waren, hatten Körperkontakt mit den Sting Rays. Die konnten sich nicht satt fressen und versuchten immer wieder an Futter ran zu komen. Dabei legten sie sich mit ihrem ganzen Körper auf den Taucher. Die Größenproportionen, die dadurch sichtbar werden, sind gigantisch. Diese Rochen hier sind teilweise ausgewachsen und bis zu 4 Meter lang.






Die Haie hingegen waren etwas fauler unterwegs. Sogar die bereits aufgespießten toten Fische, dar gereicht vom Taucher und direkt ins Maul geschoben, konnten die Haie nicht wirklich davon überzeugen, das Fressen zu genießen. Häufig fielen ihnen die toten Fische wieder aus dem Maul.






So hätten wir wohl Stunden da stehen und beobachten können, was sich in der Unterwasserwelt tut. Die kleinen, aber auch größeren Fische blubberten vor sich her und machten den Eindruck, dass sie sich wohl fühlen.


Wednesday, May 2

Australien – mein Reisebericht für die Zeitung „Regenbogen“

Seit einer Woche bin ich hier schon im Urlaub bei meiner Tante und meinem Onkel in Australien, genauer gesagt in Westaustralien, in Perth.

Heute ist der 2. Mai 2007. Meine Reise nach Australien geht vom 24. April bis 12. Mai 2007. Meine Tante hat mich mitgenommen und wir sind 24 Stunden unterwegs gewesen. Das ist ein ganzer Tag. Der Flug dauert 17 Stunden. Zurück fliege ich ganz alleine.

Perth liegt in Westaustralien und ist von Deutschland 16.000 Kilometer entfernt. Australien ist wie eine große Insel, es ist der 5. Kontinent. Außerdem sagt man, dass Perth die einsamste Großstadt der Welt ist. Hier leben 1,5 Millionen Menschen. Die nächste große Stadt ist über 2500 Kilometer entfernt.

Es ist hier traumhaft schön. Die Gegend ist interessant, was man hier alles so sehen kann. Hier ist es bunt, die Bäume sehen aus der Luft wie Grünkohl aus. Die Landschaft ist groß und weitläufig. Die Häuser, in denen die Menschen hier wohnen, sehen bunt aus und verrückt. Beinahe jedes Haus sieht anders aus.

Es ist abgefahren, gigantisch und irgendwie anders. Selbst das Schoppen ist so „easy“ (so leicht). Tausend Läden, geile Klamotten. Man kann hier in einigen Läden ganz schön teuer einkaufen gehen. Aber es gibt noch andere Läden, in denen man Geschenke, Kleinigkeiten, Klamotten und im Supermarkt einkaufen gehen kann.

Die Leute sind echt nett. Wie sie sich so verständigen im Englischen, anders als in Deutschland. Die Menschen sind höflich, der Service ist gut beim Einkaufen. An der Kasse wird man immer gefragt, wie es einem geht. Das finde ich gut.

Jeden Tag sehe und erlebe ich etwas Schönes. Egal wo man lebt, hier ist so geil. Hier lerne ich Leute, Freunde und Bekannte bei meiner Tante kennen. Hier gehen die Leute ganz anders mit Dir um. Du kannst es genießen, egal ob Du Tourist, Freund oder Bekannter bist. Du wirst herzlich von den Menschen aufgenommen.

Du hast viele Freizeitsportarten in Australien, z.B. surfen, schwimmen gehen, Fahrrad fahren, walken oder joggen.

Hier in Australien gibt es so viele verschiedene Tiere, z.B. Schlangen, Spinnen, Kängurus, Koalabären, Delfine, Haie, Quallen, Pferde, Hunde, Vögel (der Rabe hört sich an wie eine Katze). Es ist einfach riesig, was die Menschen hier mit den Tieren machen. Ab September kann man die Wale sehen und Waltouren machen. Das möchte ich gerne mal sehen. Vielleicht kann ich nächstes Jahr wieder her kommen.

Bei den Pferden sind das Gelände und die Koppel sehr groß, viel Natur, die die Tiere hier haben. Die Pferde sehen hier gesund aus, besser als in Deutschland. Und bei meinen Pferden in Deutschland ist das alles okay. Man kann hier reiten gehen. Wir waren letztes Wochenende im Swan Valley. Dort wird der Wein angebaut. Die Landschaft ist ziemlich groß. Die Blätter sind bunt, weil hier in Australien gerade Herbst ist. Immer wenn in Deutschland Sommer ist, ist in Australien Winter. Wenn in Deutschland Frühling ist, ist in Australien Herbst.

Ich freue mich darauf, mit meiner Tante zum ersten Mal auf einem Pferd zu sitzen. Sie hat da riesen Respekt vor so einem großen Tier. Ich sitze nicht zum ersten Mal auf einem Pferd, aber meine Tante. Als wir im Swan Valley auf dem Gestüt waren haben wir für mich eine Reitstunde gebucht. Meine Tante muss mit, weil ich nicht so gut Englisch kann und die Frau dort darum gebeten hat.

Heute habe ich ein paar mehr Freunde kennen gelernt. Britta und Mark. Sie lernt Chemie und macht an der Universität ihr Diplom, Mark ist Ingenieur. Ich war mit meiner Tante heute an der Universität und habe in der Bibliothek dort auf sie gewartet. Das war schön und angenehm. Ich konnte relaxt durch die Gegend gucken und Leute beobachten. Nebenbei schrieb ich diesen Bericht.

Dann waren wir noch bei einer besten Freundin von meiner Tante, sie heißt Ramona und lebt schon 19 Jahre in Australien. Sie findet das toll, was ich hier so erleben kann.

Letztes Wochenende haben wir die pinnacles und die Kängurus gesehen. Die pinnacles sind eine Sehenswürdigkeit in Westaustralien, 300 Kilometer nördlich von Perth. Das sind Säulen aus Kalksandstein. Es sieht dort aus wie eine gelbe Sandwüste. Die Säulen fühlen sich rubbelig an, wenn man sie anfasst. Als wir zurück kamen nach Perth waren wir auf einem großen Friedhof, wo ganz viele Kängurus grasten. Ich konnte zwei Kängurus beobachten, die miteinander gekämpft haben. Es war schön, dass ich so nah ran gehen konnte und sie auf 10 cm Entfernung faßt streicheln konnte.

In den nächsten Tagen gehen wir noch ins Aquarium, am Wochenende fahren in den Nationalpark zu den Koalabären. Außerdem gehen wir Montag reiten im Swan Valley, besuchen Freunde, gehen shoppen und wollen noch einiges anderes entdecken.

Sunday, April 29

Ein Tag zwischen Sonne, Meer, Wind und Wolken







Wenn zwei sich streiten

... dann muss das keinen weiter stören.

Nach unserer 600 km langen Fahrt heute in den Norden, um auch Kängurus zu sehen, mussten wir erst wieder in der unmittelbaren Nähe von Perth sein, um unsere Geduld zu belohnen. Auf einem wunderschönen Friedhof in einem groß angelegten Park grasten so viele Kängurus, dass wir uns ausreichend satt sehen und genießen durften. Francie war außer sich vor Freude. Wir konnten so nah heran und sahen auch, wie zwei Kängurus miteinander kämpften. Die Stille drum herum versetzte in uns in eine ruhige Stimmung.

Selbst Thomas lag zum Schluss auf dem Boden, um tolle Tieraufnahmen machen zu können. Auch das war ein Anblick :-)

Mittlerweile war ich selbst nun schon dreimal bei den pinnacles. Es ist eben eine Naturattraktion, die wir unseren Gästen nicht vorenthalten wollen. Das Spiel des Wetters umrahmte den Tag mit Sonne, Sturm und Regen. Beim Picknick am Meer (zwei Meter vor den brandenden Wellen) mussten wir drinnen sitzen bleiben. Draußen wäre uns das leckere Zwischendurch abgehoben.

Francie ist heute den 4. Tag bei uns und ich weiß schon beinahe wirklich nicht mehr, was wir alles gemacht haben. Gestern waren wir im Swan Valley, haben Wein probiert, Schokolade genossen und Menschen beobachtet.

Außerdem haben wir ein Pferdegestüt gefunden, auf dem Francie und ich übernächsten Montag eine Stunde mit Begleitung reiten dürfen. Ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen und hatte es auch gar nicht vor. Doch bin ich gebeten worden bezgl. der Kommunikation mitzureiten. Na das kann ja ein Spaß werden.

Der Herbst zeigt sich auch hier bunt. Im Weinanbaugebiet sind die Blätter farbig und sehen sehr zerbrechlich aus. Die Ernte ist vorbei, der Wein kann nun gekostet werden. Und wie der schmeckt. Bei so einer Reise durch das Wein Valley kann man sich betrinken, wenn man überall anhält und nur ein Schlückchen verkostet.

Herbst in Australien

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Friday, April 27

A Cola

Die Sonne begrüßt uns am frühen Morgen. In der Küche klappert bereits das Geschirr, der Gasherd wird in Betrieb genommen, die Mikrowelle auch. Francie ist aktiv und sorgt für ein ausgiebiges Frühstück. Verwöhnprogramm ist angesagt.

Während ich Thomas zur Arbeit fahre hat Francie den PC bereits zum Laufen gebracht, um ihre Emails zu checken. Ich kann so nachvollziehen, wie sie sich über Post freut und dass sie allen berichten möchte, was hier so passiert.

Abends müssen wir uns dann zu dritt mit zwei Internetzugängen arrangieren und können dies gut organisieren. Die Zeitverschiebung macht den Tag lang, denn in Deutschland jemanden per Telefon oder Skype zu erreichen bedeutet, dass wir länger als 22.00 auf sein müssen. Francie scheint das nichts auszumachen. Für die Kommunikation in Australien haben wir Francie eine Handykarte gekauft, so dass sie uns im Fall der Fälle anrufen kann.

Im Nachhinein fallen mir immer noch ein paar Geschichten ein, wie wir hier her gekommen sind. Im Flieger beispielsweise hat Francie nicht ein einziges Video gesehen, sondern ausschließlich Musik gehört. Ich war erstaunt und beeindruckt. Den ersten Teil des Fluges (von Hamburg nach Dubai) hat sie nicht einmal geschlafen, so dass ich schon dachte, dass sie bis Perth wach bleiben will. Ich war da nicht ganz so fit und bin einige Male eingeschlafen. Zwischendurch wurden wir gut verpflegt und als das erste Mal eine Stewardess kam und nach unserem Getränkewunsch fragte antwortete Francie "A Cola". Ich musste schmunzeln. Letztendlich hat sie bekommen, was sie wollte. In Dubai auf dem Flughafen hat Francie schnell das Prozedere (Ein- und Ausschecken) verstanden, so dass ich mich schon fragte, warum wir einen Begleitservice für die Rücktour organisiert haben. Nachdem wir dort endlich zwei Liegestühle ergattert haben, bin ich noch einmal los, um Getränke zu besorgen. Als ich wieder kam, war mein Platz immer noch leer. Francie hatte es geschafft alle Platzsuchenden zu vertreiben. Die frisch gekauften Getränke konnten wir eigentlich nicht mit in den Flieger nehmen. Darauf wurden wir nach der Gepäckkontrolle beim Boarden in den nächsten Flieger aufmerksam gemacht. Brav versuchte ich, meine Flasche Wasser und Cola auszutrinken, bevor wir ins Flugzeug stiegen. Als wir in Perth unsere Koffer auspackten sah ich, dass Francie einfach beides mit genommen hat.

Heute werden wir wieder auf die Piste, es gibt eine Menge zu sehen. Tagsüber begleiten uns ca. 23 Grad. In der Sonne ist es ganz schön warm und ich merke den direkten Unterschied der Intensität zu Deutschland. Hier zwiebelt es schon auf der Haut.

Thursday, April 26

Bäume wie Grünkohl

Unser Anflug auf Perth war am frühen Abend, so dass wir die Küste und das Land sehen konnten. Francie sagte, dass die Bäume hier wie Grünkohl aussehen. Was für eine Assoziation :-). Und tatsächlich mit etwas mehr Fantasie sehen die Bäume aus der Luft wirklich so aus.

Nach einer erholsamen Nacht in einem ordentlichen Bett und endlich ausgestreckten Füßen gabs heute morgen schon ein Zauberfrühstück. Wir waren schon um 7.00 wieder auf den Beinen und gut ausgeschlafen. Der Kaffee ließ Francie erst recht wach werden, stark genug war er.

Unseren ersten gemeinsamen Tag haben wir schon ordentlich etwas unternommen. Francie hat schon die City begutachtet und erste Läden entdeckt, in denen es sich gut shoppen lässt. Nebenbei beschreibt sie ihren Eindruck, dass es hier schön bunt ist. Ich bin mal wieder erstaunt in welche Worte sie ihre Erlebnisse kleidet. Ich sehe das Bunte nicht mehr und schärfe meine Aufmerksamkeit.

Dank Skype telefoniert Francie in die Heimat, um alle Freunde und Familie an ihrem Aufenthalt hier zeitnah teilhaben zu lassen. Ich bin fasziniert, wie sie hier alles in sich aufsaugt und welche Energie sie wach bleiben lässt. Immerhin fehlen uns 6 Stunden Zeit.

Abends müssen wir Socken und lange Hosen anziehen, um ohne Zittern das lecker gekochte Abendbrot genießen zu können. Mittlerweile erahne ich, was Thomas immer meinte, als er im letzten Jahr von der Kälte berichtete. Da war es aber auch schon Juli und später. Jetzt haben wir gerade erst mal Herbst.


Zwischen den Planeten

Mittlerweile bin ich wieder in Australien und habe einen Gast mit gebracht. Die Reise haben wir gut überstanden und dank diverser Medien im Flieger recht kurzweilig verbracht. Francie sagt, dass sie sich wie auf einem anderen Planeten vorkommt und beginnt sich einzuleben.

Mein Deutschlandaufenthalt wird mir recht intensiv in Erinnerung bleiben, beruflich wie auch privat. Mein Ankommen gestern sorgte in mir für etwas Heimweh, das ich bis jetzt hier noch nie so erlebt habe. Sicher hatte das auch etwas mit der "Kälte" zu tun. Es ist abends wie auch morgens ordentlich frisch in Australien. Da muss ich mich erst wieder dran gewöhnen. Kann eben nicht mal so einfach die Heizung aufdrehen.


Friday, April 13

Allen Enttäuschten

In Deutschland zu sein bedeutet für mich Freude des Wiedersehens, aber auch Arbeitsdruck, Stress, Jedem gerecht werden, von einem Ort zum anderen fahren/gehen/laufen, Wünsche erfüllen, Hoffnungen befriedigen und Erwartungen stillen.

Nicht alle Freunde oder Bekannte konnte ich wiedersehen. Nicht alle von Ihnen haben einen Versuch unternommen, mich zu kontakten. Dennoch werden Enttäuschungen formuliert, die mich traurig machen, aber auch verärgern.

Nur wenige Freunde konnte ich treffen, zu wenig Zeit konnte ich meiner Familie spenden. Es ist wie in der Mitte eines Tau's zu stehen. Dabei wurmt mich die "Bequemlichkeit" so manch Einem, der nichts dafür tut, mich zu treffen oder zu sprechen. Mich wurmt, dass so manch Einer enttäuscht ist, obwohl er nicht das Recht dazu hat.

Hinter mir liegen 16.000 km Flug, zwei Zeitumstellungen, 4 Wochen Deutschland, zig Telefonate, 3 mal 8 Stunden Kurstage, und viermal mehr Vor- und Nachbereitungen dafür. Hinter mir liegen nur wenige Treffen mit Freunden. Hinter mir liegt immer noch das schlechte Gewissen, zu wenig DA zu sein. Hinter mir liegt der tagtägliche Druck. Hinter mir liegt die Organisation diverser Arzttermine. Hinter mir liegt die Korrespondenz mit dem australischen Berufsverband, der noch zwei schriftliche Referenzen haben will. Hinter mir liegt zum Glück nun endlich meine Berufsanerkennung vom Board. Hinter mir liegt die emotionale Begleitung Unglückseliger. Hinter mir liegen aber auch 5 Tage Ostern mit meiner Familie (das war mein Urlaub!).

Vor mir liegen 4 mal 8 Stunden Kurs in Berlin. Vor mir liegen Abende in Berlin, an denen ich meine ganzen Planungen ändere, Materialien auswerte und mir Gedanken mache, es noch teilnehmer orientierter zu gestalten. Vor mir liegen noch zwei nette Abende mit Freunden (Ihr Anruf begann mit "Wann sehen wir uns, ich bin flexibel und komme dahin, wo es am besten ist für Dich?"). Vor mir liegen noch wenige Tage in Gemeinsamkeit mit meiner Familie. Vor mir liegt noch der emotionale Abschied. Vor mir liegen noch einmal 16.000 km und eine Zeitumstellung. Vor mir liegt der neue Job in Perth, den ich gut machen will.

Wie vielen Menschen gelingt es eigentlich wirklich, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen?

Euch Enttäuschten wünsche ich alles Gute und die Kraft, mit mir im Kontakt zu bleiben. Mir wünsche ich, dass ich mich von den Teilen des schlechten Gewissens frei machen kann, die überhaupt keine Berechtigung haben.


Thursday, April 12

Mama Mia

Wir fahren 1000 Kilometer Donnerstag bis Montag im April.
Es ist Ostern an der See und überall.

Die Familie ist nicht ganz vollzählig. Mittendrin fehlst Du! Schade.
Wo ist die Zeit geblieben; in Bildern fest gehalten.
In Erinnerung eingebrannt, die Emotionen leben auf.

Mama Mia war das ein Spass - das ganze Leben in Stunden.
Zu Tränen gerührt und zum Lachen gebracht. Die halbe Nacht durch gemacht.

Der Fußball rollte, zwischen uns der Atem und die Not. Am Abend waren wir wie tot.
Geschwommen kann man das nicht nennen, zaghaft gedippt und dann doch überwunden.
Yippie - was war das kalt. Wie ein gekochter Hummer - so rot die Schenkel.

Das Meer - es sieht so anders aus, und dennoch ist es nur Wasser. Hier wie dort. Die Sonne leuchtet uns den Weg in den Abend. Der Mond übernimmt und führt uns durch die Nacht. Unser Blick aus dem Fenster sieht die Kronen des Neptun. Der Wind lässt uns wackeln - nun schon das 10. Jahr?

Thursday, April 5

Auf dem Teppich des Seins

Schwere Gedanken, tiefgreifende Gespräche,
emotionsgeladene Momente, hin und her gerissene Gefühle,
erwartende Haltungen, selbstgemachte Unruhe,
bewegende Fronten, traurige Augen, offene Münder,
unterstützende Arme, fragende Köpfe,
springende Herzen ...

(... dazwischen
d
ie Liebe)

(... dazwischen
die Hoffnung)

(... dazwischen
die Sehnsucht)

... füllen, bewegen, machen ...

... das Leben.

Schöne Ostern


Der Regen klimpert mit einem Finger die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger. O Widerspruch voll Harmonie.

Der Mond in seiner goldenen Jacke versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe und kommt sich ein bißchen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt: Er hat ihn in den April geschickt.

Und schon hoppeln die Hasen, mit Pinseln und Tuben und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben durch Gärten und Straßen und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob's gar nichts wäre, aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere. Er blickt dabei entschlossen ins Leere.
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden. Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden: Hinterm Ofen, unterm Sofa, in der Wanduhr, auf dem Gang, hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.

Da kräht der Hahn den Morgen an! Schwupp, sind die Hasen verschwunden. Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer. Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann. Über die Hänge läuft grünes Feuer die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt er, kommt also heuer. Er spürt nicht Wunder, noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein Pinsel im Grase? Auch das kommt dem Manne seltsam vor. Er merkt gar nicht, dass ihn ein Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

Erich Kästner: Die 13 Monate. Der April

Monday, March 26

Eine Woche

Eine Woche ist vergangen, seit dem ich wieder in der vertrauten Heimat bin. Gestern habe ich im Kopf gezählt, wieviele Menschen ich in dieser einen Woche gesprochen habe. Und ich komme auf ca. 35 Personen (Familie, Freunde, Kursteilnehmer etc.). Den Jetlag in den Griff bekommen, nach Berlin fahren und das erste Kursmodul leiten, Freunde besuchen und treffen usw. - all das zählte zum Kompaktprogramm der ersten Woche. Seit gestern komme ich dazu, mir Ruhe zu gönnen und Luft zu holen. So viele unterschiedliche Reize, denen ich ausgesetzt war, die ich ordnen will.

Nach einer relativ kurzweiligen Flugreise und einer 40-minutigen Verspätung in Hamburg falle ich meiner Schwester, meinem Schwager und meiner Nichte in die Arme. Tränen begleiten das Wiedersehen und die Freude. Dann ca. 2 Stunden Autofahrt von Hamburg nach Güstrow. Mein Blick schweift über das weite Land im Norden und ich beginne auf mein inneres Gefühl zu hören. Ich freue mich, wieder da zu sein. In Güstrow angekommen feiern wir Geburtstag. Die Familie ist komplett und es ist, als ob es nie anders war. Alles ist mir vertraut, wir haben keine Schwierigkeiten den Abend meiner Ankunft sowie den Geburtstag meiner Sister zu feiern. Ich fühle mich wohl; meine Augen allerdings können kaum noch gegen die Schwerkraft ankämpfen. Ich bin schließlich seit über einem Tag auf den Beinen und überwiegend wach geblieben. Um 21.00 geht dieser erste Abend zu Ende und meine erste Nacht beginnt.

Montag um 5.30 schon wieder auf den Beinen. In Perth ist es ja schon 8 Stunden später. Kein Wunder also, dass ich wach bin, auch wenn ich noch müde bin. Frühstück und Kaffee, bevor wir hier in den Tag starten. Ich packe alle meine Sachen aus, richte mich ein und bereite mich vor. Morgen (Dienstag) muss ich nach Berlin. Alles in allem begleitet mich eine unendliche Ruhe. Meine Mutter bereitet ein vorzügliches Mittag und ich muss mich in Acht nehmen, dass ich nicht alles auf einmal esse. Thomas Familie besuche ich am Abend.

Dienstag komme ich in Berlin um 17.30 an. Dank meines Schwagers, der mir ein Auto zur Verfügung gestellt hat, bewege ich mich komplett unabhängig. Das macht die Umsetzung meiner Vorhaben und Planungen wesentlich einfacher. Berlin liegt beinahe im Dunkeln, als ich bei meinen ehemaligen Nachbarn aufkreuze, um dort die Tage von Dienstag bis Samstag zu verbringen. Das herzliche Willkommen, die Vertrautheit meiner alten Wohnumgebung erleichtern mir das Ankommen und Eintauchen in den Alltag, den ich vor knappen 4 Monaten verlassen habe. Mit reichlich vielen Tropfen köstlichen Weins verbringen wir unser Wiedersehen, das herzlicher nicht sein könnte.

Mittwoch morgen weckt mich das innere Lampenfieber. Heute geht es los mit dem Kurs, den ich im letzten Jahr entwickelt habe. 11 Wissbegierige warten ab 11.00 auf mich und wollen Neues lernen. Der Druck in mir wächst, die Verantwortung, die ich für diesen Kurs habe wird mir auf einmal bewusst. Sie reisen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands an und haben nicht wenig für den Kurs bezahlt. Selbstverständlich bin ich nun am Zug, den Teilnehmern zu zeigen, dass sich ihr Aufwand gelohnt hat.

Ein paar Stunden später am Tag bin ich geschafft, positiv gestresst und schon auf dem Weg, ehemalige Arbeitskollegen in einer Kneipe zu treffen. Die überschwengliche Begrüßung, die uns ein volles Glas Wein kostete :-) ging in einen sehr netten Abend über. Mein Blick schaut aus dem Fenster. Es schneit. Die dicken Flocken holen den Winter zurück und ich freue mich. Im Schnee in Berlin. Ich bin überwältigt. Nachts noch bis um 1.00 gearbeitet, bevor ich noch schnell ein paar Stunden schlafen kann.

Donnerstag bis Samstag reise ich weiter mit der Straßenbahn durch Berlin, rege mich nicht über das miespetrige Wetter auf, sondern genieße jeden Schritt und jeden Blick. Ich sauge alles auf, was mir in den Weg kommt. In meinem Rucksack habe ich bereits jetzt so viele Eindrücke und so viel Freude, dass ich kaum damit umgehen kann. Berlin verzaubert mich und ich weiß, dass ich von dieser Stadt nicht los komme.

Zwischendurch versuchen Thomas und ich zu telefonieren. Er ist interessiert, wie ich mich fühle und voller Sorge vor dem Satz: "Ich will hier bleiben". Es gelingt mir, ihn zu beruhigen. Ich freue mich, wieder nach Perth zurück zu können. Wir haben alles richtig gemacht.

Ich vergleiche täglich jede Bewegung, jede Einstellung, jedes Gehabe, jedes Wort mit meiner neuen Lebenswelt in Australien. Ich rege mich über die Jammermentalität nicht auf, sie gehört hierher wie an keinen anderen Platz der Welt. Ich rege mich nicht auf über die BMW-Fahrer, die mich von der Bahn schubsen wollen, auch sie sind das Symbol der Ungeduld, Schnelligkeit und Arroganz der Deutschen. Ich will nicht werten, nur beobachten. Ich will in mich lauschen, was ich denke und zu mir sage.

Ich bin geduldiger geworden mit mir und meiner Umwelt. Unglaublich, dass ich das sage.

Camping unterm Sternenhimmel

Thomas verbrachte sein letztes Wochenende im Norden von Perth (Lancelin). Die Bilder sprechen für sich und mir bleibt nur noch zu erwähnen, dass diese Tour eine Männertour war. Die Nacht haben sie am Meer unter freiem Himmel verbracht.









Monday, March 19

Vor der Tür

ist es lausig kalt. Gefühlte Temperatur: Minus 7 Grad.

Ich habe Kaffee getrunken, bin einigermaßen ausgeschlafen und gönne mir ein Tässchen Kaffee und eine Zigarette vor der Tür. Angemummelt wie die Babuschka stehe ich draußen und beobachte das morgendliche Treiben auf der Straße. Mein Blick ist auf graue Wolken gerichtet, die die blattlosen Bäume noch lebloser erscheinen lassen. Die Luft ist angenehm und klar.

Draußen fahren alle zur Arbeit. In dicken Jacken sitzen sie hinter ihrem Lenkrad und machen sich warme Gedanken. Ich mir auch :-)

So plötzlich bin ich auf einmal wieder auf der anderen Halbseite der Erdkugel und habe das Gefühl, nicht weg gewesen zu sein. Meine Familie hat mich sehr herzlich empfangen. Bis um ca. halb 10 Abends (Sonntag) konnte ich aushalten, dann hat mich aber die Müdigkeit lahm gelegt und mich problemlos in einen tiefen Schlaf gewogen.


Mit dem Wissen darum, dass es in Australien super warm ist, sitze ich nun hier und habe Sorge, dass ich als erstes Bekanntschaft mit der Erkältung mache. Ich hatte mich hier auf Frühling eingestellt und muss nun erstmal checken, was ich hier zu tragen habe. Ich könnte schon im Wohnzimmer die Mütze auf dem Kopf haben und den Schal um den Hals. Nur der Blick nach draußen lässt mich zittern.

Wieder da, in Deutschland.

Saturday, March 10

Thomas is back

and I'm happy.

Short talk:
T: Riechst Du diese Luft?
R: Ja.
T: Achte darauf, wenn Du in Deutschland bist.
R: Warum?
T: Weil es dort anders ist.
R: Ich habe es ja nicht so mit dem Riechen.
T: Schließ mal die Augen.
R: (Ich schließe die Augen)
T: Riechst Du es jetzt?
R: Ja ich rieche das Meer.

Es ist Samstag, Cottesloe am Beach (ca. 7:00 pm). Am Meer ist eine Ausstellung von Künstlern, die Skulpturen zum Thema: "In und am Meer" aufgestellt haben. Auf unserer Rücktour von Fremantle sind wir dort spazieren gegangen und haben es genossen, wieder zusammen zu sein. Die große Billardkugel schwimmt auf dem Meer und vertreibt sich ihre Einsamkeit, in dem sie Blicke auf sich zieht. Die Submarine steht am Beach und lässt uns hinein sehen. Wie es wohl wäre mit ihr abzutauchen. Ein überdimensional großer Fischer (aus Holz) zieht das Boot aus dem Meer. Eine Schwangere im Bronzekleid sitzt am Meer und genießt den Ausblick. Diverse andere Gegenstände schießen gen Himmel und lassen uns assoziieren, was sie wohl mit dem Thema zu tun haben.

In Fremantle wollten wir Thomas' neue Sonnenbrille abholen (Marke IC Berlin). Doch leider sah sie so dermaßen sch... aus, dass Thomas sich dazu entschied, diese nicht zu kaufen. Der Optiker unterdrückte seine Verärgerung, sagte aber, dass wir das Geld wieder bekommen. Thomas' Bemühen um eine Verhandlung bezüglich eines anderen Rahmens etc. stieß auf Widerstand. Der Optiker gab uns klar zu verstehen, dass er keine Geschäfte mehr mit uns macht. Konsequent und ungewöhnlich. Auf einmal bewegte mich die Frage, wer hier eigentlich der Kunde ist und war froh, dass Thomas nicht das restliche Geld bezahlt hat und nun mit Frust durch die Gegend läuft. Ist ja zum Glück nicht der einzige Optiker.

Entspannt haben wir uns danach mit einem Bier im little creatures (Brauerei) und dann bei Lifemusik in einem Pub bei Cocktail und Bier. Der erste Caipi hier, ohne Pitu. Hat trotzdem geschmeckt.

Es ist Samstag, wir haben den Nachmittag in Fremantle und den Abend in Cottlesloe am Beach verbracht. Der Sand unter den Füßen ist kalt, um so näher wir uns zum Wasser bewegen. Das Meer rauscht im Hintergrund, viele Menschen philosophieren über die Absichten der Künstler, die Kinder integrieren sich in die Kunstwerke und mißachten Schilder wie "don't touch". So manch Erwachsener übrigens auch.

Mein Antrag auf Registrierung als Psychologin ist im Briefkasten abgetaucht. Mein Schreibtisch um einen Papierstapel lichter.

Die Nächte werden wieder ruhiger, ich kann besser schlafen. Thomas kämpft noch ein wenig mit dem Jetlag und bereitet sich gedanklich auf seine Arbeit hier vor. So geht alles in einem Fluss weiter. Manchmal wird dieser Fluss wieder kurz vorm Austrocknen sein und manchmal wird der Regen wieder für Bewegung sorgen. Der Wind wird uns mal vorwärts, mal seitwärts und auch mal rückwärts treiben lassen. Unser kleines Boot wird all diese Herausforderungen meistern, solange wir am Steuer bleiben.

Thursday, March 8

Wenn die Sonne untergeht

























und 42 Grad den Tag lähmen, ist der Sapziergang am Abend eine wunderbare Form der Entspannung. So viele Menschen sind noch am Strand und wollen diesen unglaublichen Blick auf den Horizont des Indischen Ozeans nicht verpassen. Wenn man nur eine Minute weg sieht kann es sein, dass die Sonne bereits untergegangen ist. Mittlerweile taucht sie ca. 7.48 ins Meer.

Ich bin voller Freude, Thomas endlich wieder hier zu haben und werde in dieser trauten Zweisamkeit zum ersten Mal seit 2,5 Wochen schlafen wie ein Murmeltier.

Meine Unterlagen für die Registrierung habe ich nun fertig. Der Justice of Peace hat 45 Minuten gebraucht, um alle meine Papiere sorgsam abzustempeln. Alles umsonst, also kostenfrei! Ich musste schwören, dass ich die Person bin, die den Antrag unterschrieben hat und die restlichen 40 Minuten haben wir ein wenig Smal talk gehalten. Nun warte ich noch auf ein wichtiges Papier aus Deutschland, das Thomas mit bringt und am Samstag kommt alles zur Post. Wieder was geschafft. Dann heisst es warten.

Sunday, March 4

Einbrecher

Meine Augen haben dunkle Ringe, denn ich habe die letzte Nacht wach im Bett verbracht, auf jedes Geräusch lauschend. Mein Puls drohte aus meinem Hals zu springen.

Um 23.30 klopft es an meiner Tür. Da war ich sowieso noch auf. Tatsächlich traue ich mich an die Tür. Vor mir steht eine junge Nachbarin, die vollkommen aufgelöst war, weil bei ihr eingebrochen wurde. Sie hatte schon einen Freund angrufen, der sie abholen sollte und die Polizei in meinem Beisein kontaktet.

Ich brauche wohl nicht beschreiben, was mir durch den Kopf ging, als sie wieder weg war. Zumal die Polizei von einer gehäuften Einbruchserie in dieser Gegend sprach.

Bis gestern habe ich es so gut geschafft, die Nächte alleine zu verbringen. Was hatte ich für eine Angst davor, und war dann so erleichtert, dass ich gut schlafen konnte. Das war mit einem Schlag vorbei, als ich von dem EInbruch im Haus neben mir hörte.

Nun habe ich schon gecheckt, ob ich ins Hotel gehen kann. Doch das ist ausgebucht. Viele Freunde, die eine Bleibe haben, sind das Wochenende unterwegs. Es ist ja langes Wochenende wegen dem Feiertag.

Heute mittag habe ich von einem befreundeten Paar (das zum Glück zuhause geblieben ist) das Angebot bekommen, dort zu schlafen. Das werde ich wohl annehmen.

Auf einmal fühle ich mich so unsicher hier. Ich sehne Thomas Rückkehr herbei. Ich weiß nicht, wie das werden soll, wenn er nun regelmäßig overseas ist. Mein ganzer Rhythmus ist im Eimer.

Nebenan ist der Glaser und stellt wieder eine äußere Orndung her. In der Ferne ist wieder eine Alarmanlage zu hören. Im Radio hörte ich letzte Nacht von einem Vorfall, dass ein Mann mit einer Axt an einem Bankautomaten überfallen wurde. Auf einmal ist die komplette Wahrnehmung auf solche Dinge gerichtet.

Ich bin müde.

Saturday, March 3

Zukunft in den Sternen

Ich komme von einem netten Abend zurück; es ist hier nun Mitternacht und Thomas rief aus Spanien an. Alles ist bisher erfolgreich; alle sind zufrieden. Der Auftrag wird kommen. Da der Auftraggeber in Österreich sitzt benötigt er vor Ort Support. Thomas ist gefragt worden, ob er ein halbes Jahr vor Ort sein könnte. Spannende Frage, die beinahe dafür sorgt, den Erfolg bis hierhin zu überschatten. Schon steht die nächste Herausforderung an. Ich kommentiere das nicht, sondern warte erst mal ab. Gleiches habe ich Thomas geraten; er soll seinen Erfolg genießen. Ich verdränge, was das bedeuten könnte.

Wieder ist eine Woche rum. Meinen Job an der Uni habe ich noch nicht begonnen; die Mühlen mahlen hier genauso langsam wie bei uns. Eigentlich gut für mich, habe ich doch noch einiges für den Berliner Kurs zu tun, der dank ausreichender Teilnehmerzahl statt finden wird.

Morgen, Samstag, werde ich wieder bei Anglicare arbeiten und Abends hoffentlich ein wenig den Blick auf das Meer genießen können. Das ist in dieser Woche zu kurz gekommen. Ich bin außer heute Abend und letzten Montag nur zum Einkaufen von etwas Essbaren vor der Tür gewesen. Den Rest habe ich am Rechner verbracht. Meine Nächte sind kurz und das Aufwachen morgens dehnt sich weiter in den Tag hinaus.

In zwei Wochen habe ich bereits meine Koffer gepackt und bin um diese Zeit einen Tag später schon in der Luft. Auf dem Weg in die Heimat. Mich ergreift ein Gefühl von Freude und Mulmmigkeit zugleich. Wie es wohl sein wird, als Besucher zurück zu kehren. Berlin aus einer anderen Perspektive erleben, zuhause sein und wahrscheinlich genau das brauchen, was in Australien im Regal steht.

Leute treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Ich hoffe sehr, dass wir mehr als nur den Austausch über Geschehenes, kommunikativ bewältigen können. Wie schnell mir wohl die Puste ausgeht, alles immer wieder zu erzählen? Ich hoffe sehr, dass meine Blogeinträge den Großteil meiner "Informationspflicht" übernommen haben und wir andere Gesprächsthemen finden werden. Ich hasse Oberflächlichkeit und habe Sorge, dass für mehr nicht die Zeit ist.

Gerade dieser Satz bzw. die Verwendung dieser wenigen Worte ...nicht die Zeit... stimmt mich unzufrieden. So oft höre ich, habe keine Zeit usw. Ich habe an anderer Stelle dazu bereits geschrieben, was ich davon halte. Um so mehr muss und will ich mich in die Pflicht nehmen, über diesen Schwachpunkt hinaus zu kommen.

Was mich außerdem beschäftigt, ist die Frage, wann es und ob es wieder zurück geht in die Heimat. Wenn ich die Politik und den sich entwickelnden Arbeitsmarkt verfolge, denke ich, dass es eher schwieriger wird, nach Deutschland zurück zu kehren. Es wird wohl nur gehen, wenn einer von uns beiden ein Jobangebot hat. Wie alt dürfen wir sein, noch einmal zu beginnen? Wann ist der Zug abgefahren, ohne uns? Erwischen wir noch einmal den richtigen Augenblick?

Natürlich entscheiden wir in zwei Jahren unsere nächsten Schritte, vor allem wie es dann weiter gehen soll. Wenn ich daran denke, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage in Deutschland noch schlechter geworden ist, wird mir schlecht. Wie schwer wird diese Entscheidung sein und welche Konsequenzen wird sie haben? Ich weiß, dass einige von Euch nun einen Schreck bekommen und denken, die kommen nie wieder. Ich möchte es, kann dennoch nicht sagen, wie es am Ende aussehen wird. Wovon ich ausgehe, dass diese Frage noch schwerer zu beantworten sein wird, als die Frage 2006, nach Australien zu gehen.

Wenn ich mir meine Lebensbiografie ansehen, dann habe ich so oft neu angefangen und so viel Neues gelernt. Wird sich das bis an mein Lebensende weiter ziehen? Wenn ja, dann weiß ich, dass es noch mal einen Umzug geben wird.

Wohin? Das steht noch in den Sternen.

Monday, February 26

Ernie

Ernie ist ein Gecco, der sich in einem Schrank im Arbeitszimmer verirrt hat. Thomas hatte ihn noch am Abend vor seiner Abreise entdeckt. Als er ihn fangen wollte, war Ernie schon weg. Ich suche seitdem immer fleißig die Zimmer ab und schaue täglich unter meinem Bett nach. Mittlerweile begrüße ich Ernie morgens und frage, ob alles in Ordnung ist. Möglicherweise liegt er vertrocknet irgendwo zwischen den Klamotten. Vielleicht ist er aber auch schon wieder an der frischen Luft.

Thomas hat gestern (Sonntag) endlich wieder Ski fahren können und rief begeistert aus den Bergen an. Samstag war er in Salzburg und erlitt einen Kulturschock. Die vielen historischen Gebäude, Menschen und das Flair haben ihn sehr beeindruckt. Berlin war in seinen Gedanken sofort präsent. Gefühlstechnisch erlebt er diese Reise als zwischen den Stühlen und war bisher noch nicht in der Lage, die Emotionen und resultierenden Gedanken genauer zu formulieren.

Ich habe die erste Nacht alleine in Australien verbracht und bin heute morgen (9.15) noch mächtig müde. Nachdem sich die Wärme gestern so richtig ausgebreitet hat und kein Luftzug für Erfrischung sorgte, musste ich mit dem Geräusch der Klimaanlage einschlafen. Heute habe ich Nackenstarre. Ein Thunderstorm hängt im Himmel und lässt ein paar Regentropfen auf die Erde fallen. Das Ganze geschieht so behutsam und lässt die Hoffnung sterben, dass diese Frische zu einer wirklichen Erleichterung führt.

Sunday, February 25

Zilli, Billi und Willi

Für alle die, die diese Story von den drei Schweinen und dem Wolf kennen.

Nachdem ich nun endlich meinen Feierabend genießen kann, lasse ich meine Eindrücke von meiner Arbeit heute Revue passieren. Zunächst hatten wir ein Fotoshooting, bei dem Szenen nachgestellt wurden und ein Freund von Thomas und mir als "Papa" fungiert hat. Anschließend hatte ich drei Stunden Visit zu oberservieren, zu dem ich keine Vorinformationen hatte. Nicht nur, dass die drei Stunden echt lang waren, sondern auch noch, dass ich einen Daddy mit seinen drei Kids zu beobachten hatte. Neben Klimaanlage, Radio und Nintendo habe ich mich mächtig anstrengen müssen, alles zu verstehen. Letztendlich habe ich es nicht mal geschafft, meinen Report zu schreiben. Das kann ich jetzt zuhause tun.

Während des Visits haben die Kids so viele unterschiedliche Spiele gespielt, so dass mein englisches Repertoire diesbezüglich erweitert wurde. Unter anderem haben die Kids mit Feldtafeln Zilli, Billi und Willi gespielt. Ich dachte ich sehe nicht richtig. Die Geschichte ist eine meiner Lieblingsgeschichten in meiner Kindheit gewesen. Die Neuauflage des Buches habe ich vor einigen Jahren von meiner Familie geschenkt bekommen. Da waren so viele Assoziationen da. Unglaublich. Innerlich musste ich ganz schön schmunzeln, denn die Geschichte hatten die Kids gut drauf. Sie ist hier nicht anders erzählt, als ich sie kenne.

Nun sitze ich zuhause, habe noch schnell ein paar Leckereien zu essen gekauft und gönne mir ganz klassisch mein Feierabendbier.

Thomas ist seit Donnerstag in Österreich und hat glücklerweise nicht zu viel zu tun. Das Material funktioniert genauso gut wie in Australien. Am Dienstag fährt er dann nach Spanien und wird dort die Testvorführung begleiten. Ich drücke ihm die Daumen, dass dort auch alles gut voran geht und am Ende ein neuer Auftrag für seine Firma raus springt. Leider konnte er nicht mal eben einen Abstecher in die Heimat machen; dafür ist er derzeit zu weit weg vom Schuss. Naja, er kommt ja Ende März.

Ich hatte Besuch, den ich heute morgen wieder am Flughafen abgesetzt habe. Wir hatten eine nette Zeit hier und waren viel unterwegs. Jetzt bin ich von dem ganzen Trubel der letzten Tage ganz schön geschafft und könnte eigentlich sofort ins Bett gehen.

Die Arbeit auf meinem Schreibtisch beginnt sich zu türmen. Wenn ich es auch liebe und das so lange herbei gewünscht habe, entscheide ich mich heute für einen ruhigen Ausklang der Woche. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mein Postfach bei google ist leer. Alle haben zu tun und ich nichts zu lesen. Ach ja, doch, ich gönne mir den Spaß ab und an mal bei spiegel online zu lesen und habe den neuesten "Ausrutscher" von dem Herrn in Bayern gelesen und gehört. Du meine Güte, immer wieder einen Lacher wert und zugleich sträuben sich mir alle Nackenhaare. Gibt es eigentlich noch gute Vorbilder in Germany?

Bildquelle: http://www.artshaw.com/artshaw%20seiten/deutsch/kinderbuecher/selbstgeschrieben/zilli.htm