Gerne bin ich bereit Eure weiteren Fragen zu beantworten. Dazu müsst Ihr nur schreiben an reginagerlach@gmail.com.
Ich bin jetzt erstmal weg und melde mich aus Perth wieder.
Auf der Suche nach unserem Lebensabenteuer haben wir uns auf eine Reise begeben, deren Ende wir nicht überschauen können. Über unseren bewusst herbei geführten Abbruch der gesicherten Existenz in Berlin wollten wir vor allem unsere Familie an unseren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lassen.
Gerne bin ich bereit Eure weiteren Fragen zu beantworten. Dazu müsst Ihr nur schreiben an reginagerlach@gmail.com.
Ich bin jetzt erstmal weg und melde mich aus Perth wieder.
Zwischendurch werde ich noch mit allen Leckereien versorgt, die es in Australien nicht mehr gibt. Ist ja klar, denn da gibt es kaum was zu kaufen und schon gar nicht das, was ich hier so liebe. Im Ernst stimmt das natürlich nicht.
Ich genieße dennoch die kulinarischen Aufgebote, werde noch schnell kugelrund und meide bei dem kalten Wetter den Waldlauf. Nicht ganz, schließlich bin ich schon als Laufmasche durch den Wald gejoggt und habe mich gefreut, zu leuchten in diesem tristen Wetter.
Das Damoklesschwert hängt über uns, der Kloß im Hals wird täglich größer. Hoffnungen, dass ich am Samstag sage „.. ach ich bleibe doch hier, war alles nur ein Scherz.“ gibt es immer noch. Jeder geht eben anders damit um. Ich auch. Ich denke in Minuten oder Stunden und nicht an den Tag, an dem ich abfliege. Dadurch wird es leichter für mich. Ich erlaube mir, den Moment zu genießen und noch alles mitzunehmen, was ich haben will.
Momente wie diese: noch einmal mit Sister einen Spaziergang durch meinen Heimatort unternehmen, noch einmal mit meiner Mutter nach Rostock bummeln fahren und Rosenstolz hören, F. noch einmal schminken und die Haare flott machen, mit Sister und Mann durch den schönen Wald joggen, ein letztes Mal mit engen Freunden telefonieren und so weiter.
Keine Angst dies soll kein Schüttelreim werden. Dies ist die Kurzfassung für meinen Zustand, der sich in der Summe dieser genannten Beschreibungen seit Montagabend zu mir gehört.
Mein Magen schmerzt. Wenn ich daran denke, was mich ab Sonntagabend erwartet bin ich auch noch orientierungslos. Stimmt das wirklich, dass ich dann auf dem Kopf stehe und aufpassen muss, nicht von der unteren Hälfte der Erdkugel runter zu fliegen? Bin ich das, die da am Samstag im Flieger sitzen wird und mal eben alles hinter sich lässt? Oder wer fliegt da eigentlich nach Perth. Ich erkenne meinen Hang zum Sprung ins kalte Wasser wieder. Obwohl ich eigentlich nicht mal weiß, ob das Wasser wirklich kalt ist. Alles was ich weiß ist, dass ich erwartet werde. Und das macht es leichter.
Habe ich schon gepackt, weil doch nicht alles in den Koffer passt. Eines habe ich bereist vor zwei Wochen abgeschickt. Ein Zweites wird morgen aufgegeben. Per Seeweg kostet ein 10kg Paket genau 52€. Sollte dies per Luftfracht verschickt werden ist das mal eben der doppelte Preis. Auf dem Seeweg muss man mit 11-15 Tagen rechnen. Ich kann warten.
Der auszufüllende Paketschein schreckt zunächst ab. Was da alles rauf muss? Inhalt, Zollwert etc. Zum Glück kann man auch schreiben „… for own use“ und „no commercial value“. Ich bin gespannt wie alles ankommt. Grundsätzlich werden alle eingehenden Pakete in Australien aufgemacht. Schmuggeln von Dingen, die nicht erlaubt sind, geht also nicht. Die Liste der Lebewesen, Waren und Gegenstände, die nicht eingeführt werden dürfen ist 4 Seiten lang. Am Ende weiß man gar nicht mehr, was am Anfang stand und beginnt wieder von vorne und macht sich eine eigene Stichwortliste. Schließlich gibt man es auf, überhaupt ein Paket zu packen. Mama, Papa können keine Schokolade, keine Lebkuchen, keinen Kaffee, keine Tiere, keine Pflanzen, kein Fieberthermometer, keine was weiß ich noch alles schicken. Da ist es ja echt eine Herausforderung etwas zu finden, was dann ins Paket darf.
Ups.
Und dann kommt der nette Fotograf mit und bringt das Konzept gehörig durcheinander. Hätte ich das gewusst wäre ich doch vorher zum Friseur gegangen, hätte noch schnell ein paar Umzugskisten organisiert und das Arbeitszimmer von Eisis ausgeräumt …
Wie ein Artikel mit Foto entsteht weiß ich nun. Vor und während des Interviews wurde ich immer wieder wegen diesem einen Foto abgelenkt. Ich glaube, die Journalistin auch. Wir waren dennoch nicht aus der Ruhe zu bringen und haben bei einigen Verrenkungen meinerseits (für das Foto natürlich) uns bemüht, den Faden immer wieder aufzunehmen. Zwei Stunden Schwerstarbeit. Gott sei dank musste ich nicht meine Kleidung wechseln.
Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl unwillkommen zu sein. Es ist nicht zu unterschätzen, plötzlich (auch wenn man sich gut kennt) zu viert über zwei Monate zusammen zu leben. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Gastgeber darauf einstellen und zurück nehmen. Während meiner Zeit bei Eisis habe ich nicht nur das Arbeitszimmer blockiert, sondern auch den PC und das Internet. Wenn meine „Gasteltern“ nach Hause kamen, saß ich manchmal schon am Rechner. Wenn meine „Gasteltern“ ins Bett gingen saß ich schon wieder am Rechner. Zwischen den Mahlzeiten und Gesprächen auch. Ich weiß nicht was ich getan hätte, wenn es umgekehrt gewesen wäre und mein PC sowie Schreibtisch dauer belagert gewesen wäre.
Eisis: Ich danke Euch!!!
Die meiste Zeit des Jahres sind ihre Angriffe nicht zu befürchten, aber für ca. 4-6 Wochen verteidigen sie ihre Gegend (August bis Oktober), in der sie die Nester haben, äußerst übermotiviert. Wenn man daran vorbei geht oder fährt (wie Thomas), dann wird man als Eindringling gedeutet. Was heisst das in der Realität? Die Elstern fliegen tief und warnen das andere Geschöpf der Natur damit. Gelegentlich kommt es dann auch zu pickenden Handlungen auf dem Kopf des Feindes.
Was sollte man in diesen Fällen tun?
Bildquelle
www.calm.wa.gov.au/plants_animals/bird_magpie.html
Textquelle
www.nationalparks.nsw.gov.au/npws.nsf/Content/The+Australian+magpie
http://www.usyd.edu.au/anaes/venom/snakeimages/Dugite2.JPG



Quelle des Bildes: http://www.dunsboroughwatersports.com.au/printmap.htm


unterschiedliche Gegenden erkunden. Dieses Wochenende waren es zwei Parks in der Nähe, die auf den Bildern zu sehen sind.
Tierisch ernst
Das Ende unseres Mietverhältnisses am 31.08.2006 in Berlin ist nicht von weltlichem Interesse. (Für mich aber bedeutsam und damit berechtigt hier fest gehalten zu werden.) Schon eher die letztmalige Moderation von Ulrich Wickert der Tagesthemen oder die Niederlegung des Mandats von J. Fischer.



http://citytosurf.activ.asn.au/
Für alle interessierten Sportler und Zuschauer kann man mit dem Link mal sehen, dass Sport Teil des Lebens ist in Australien.
Ich sitze im Kämmerlein, das immer im Notfall und für einsame Zeiten einen idealen Rückzugsort bietet, um allein zu sein mit dem Wissen um die Nähe der Familie. Übersetzt sitze ich im Arbeitszimmer meiner Eltern, in dem ich auch schlafe, wenn es mich am Wochenende in den Schoss der Familie zieht. Hier habe ich ein Stück Geborgenheit, fühle mich nicht so verloren und gut aufgehoben. Trügerisch lockt diese Umgebung alles zu vergessen, was gerade um einen selbst passiert. Rational ist dies jedoch nicht realisierbar. Ich habe ja bereits über die Unterschiede zwischen allein-, gemein- und einsam sein geschrieben.
Die Zeit vergeht im Schneckentempo, so oft habe ich bedauert, dass sie zu schnell läuft. Jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten, dass die noch verbleibenden Monate schneller vergehen also sie ursprünglich ablaufen. Nun denn, Geduld ist mein Thema und das Tempo auch. Manchmal überhole ich mich selbst in dem was ich tue und kann gerade noch den entwickelten Rauch sehen, der an mir vorüber zieht. Den Kolt aus der Tasche ziehen und pusten. Geschafft, weiter geht’s. Meine Tätigkeiten werden hier nun überschaubarer und wesentlich geordneter. Es kehrt allmählich eine Struktur ein, mit der ich nicht vertraut bin und die mich hadern lässt mit mir selbst. Meine Ungeduld meldet sich täglich zu Wort und füttert mein schlechtes Gewissen, so inaktiv zu sein. Dabei habe ich schon noch etwas zu tun-nämlich das Zusammensuchen diverser Unterlagen für meine berufliche Anerkennung in Australien. Die Vielfältigkeit und Komplexität dieser Anforderung verwirrt mich und bremst mich so sehr, dass ich bisher noch nicht wirklich viel erreicht habe. Kontrastprogramm ist angesagt, denn für mehr habe ich nicht gezahlt: Warten, dass die Monate vergehen und das eigene Profil schleifen bis der Arzt kommt. Dazwischen gibt es für mich nichts, das Bewegen zwischen diesen Polen ist vergleichbar mit einem Auto, das mit Kängurusprit betankt ist. Es ruckelt ganz gewaltig und man ich habe das Gefühl, keinen Schritt weiter zu kommen.
Thomas hat bereits die meisten Kisten ausgepackt und Vieles einsortiert. Stühle und Tische bieten Platz für sechs; Schneewittchen ziert sich noch. Das Geschirr ist unversehrt (nur ein Glas ist zu Bruch gegangen) und macht sich gerade mit dem neuen Standort vertraut. Die rote Couch ist platziert und wartet auf den ersten Besuch. Der erste Schreibtisch hat schon schwer zu tragen; der Computer hat sich breit gemacht und funktioniert tadellos. Unsere neue Waschmaschine hat schon ihren ersten Dienst geleistet und ordentlich gewaschen. Aufgrund des Regens gibt es einen Wäschestau, der Trockner fehlt. Das weltbeste Bett der Welt steht seit der Ankunft an der richtigen Stelle und tut der Seele viel Gutes. Thomas hat nicht gefroren, super gut durchgeschlafen und erholt sich allmählich von seiner Erkältung. Ach ja und die Musik zaubert australische, aber auch andere, Töne und untermalt das Chaos (wozu brauchen wir da noch eine 5.1 Anlage?). Ein verwirrtes Kabel, von seiner Zugehörigkeit zu den Geräten undefinierbar, stellt die Verbindung zwischen Laptop und Anlage her. Eine DVD in deutscher Sprache spielt. Zukunft, ich komme.
Gibt es den Zufall wirklich? Oder ist alles Schicksal? Ist Schicksal im Wortgebrauch eigentlich nur negativ behaftet? Eine Vertiefung an dieser Stelle führe ich nicht an, zumal ich mit meinen Eltern dies umfangreich diskutiert habe. Und dann das:
In der letzten Woche sind gleich mehrere Dinge passiert, die ein Wort der oben genannten gut beschreiben würde. Thomas geht mit Daniel in Leaderville (Suburb von Perth) in die Kneipe (übrigens ähnlich wie der P-Berg in Berlin, nur kleiner). Sie quatschen dies und das. Es stellt sich heraus, dass Daniel als Architekt das Haus vom ehemaligen Chef von Thomas gebaut hat. In unser Nachbarhaus zieht eine Deutsche (zum Glück etwas älter – man weiß ja nie, wozu einen die Einsamkeit treibt). Ein Kollege von mir erzählt (allerdings schon einige Wochen her, um ehrlich zu bleiben), dass Daniel und seine Frau auswandern. Auf die Frage „Wohin?“ sagt er „…nach Perth“. Meine Schwester (Lehrerin) beginnt an einer neuen Schule und arbeitet mit einer Frau zusammen, die die Schwägerin eines engen Freundes aus Berlin ist. Ihre Horterzieherin ist eine ehemalige Schülerin von ihr. Die Exfrau meines engsten Studienkollegens heiratet einen Australier und lebt …? Na ja wie sollte die Antwort anders ausfallen: in Perth.
Beim Abholen der Möbel aus dem Lager des Agenten von TNT fällt Thomas’ Uhr in den Blick des Agenten. Eine rote Hightech Pulsuhr, die nicht so sehr leuchtet, aber jedem Sportler ins Auge sticht. Daraufhin angesprochen berichtet Thomas von seinem Hobby (Fahrrad fahren) und steht leibhaftig einem Teilnehmer des Ironman gegenüber. Schnell finden die beiden, dass nicht nur das Fahrrad fahren, sondern auch die zwei anderen Sportarten (Laufen und Schwimmen), in ihrer Summe Triathlon genannt, eine Verbindung zwischen ihnen herstellt. Im Ergebnis dessen wird Thomas gleich mit in die sportlichen Aktivitäten eingeplant und aufgefordert bei den Trainings dabei zu sein und mitzumachen. Das Ziel dieser gemeinsamen sportlichen Aktivitäten ist nicht, am kommenden Ironman zusammen teilzunehmen, denn Thomas hat bisher nur den Minimarathon mitgemacht. Da nun endlich auch die sehnlichst erwarteten Sporträder da sind steht diesem Vorhaben nichts mehr im Wege. Übrig bleibt die unterschiedliche Kondition, ein Hindernis aber keine Mauer.
Perth und Umgebung bietet sehr viele sportliche Möglichkeiten. Schwimmen muss man beispielsweise nicht nur im Meer. Etliche olympische Schwimmbäder bieten ausreichend Komfort und Schutz vor den Haien. Die Kletterhalle sorgt dafür, dass man nicht bei jedem Griff daran denken muss, ob da wohl gerade ein Untier sein Versteck hat. Beim Laufen muss man nur ausweichen, wenn sich einem etwas in den Weg stellt. Das Surfen, Kiten und Wellenreitern kann man hingegen nur auf der Welle. Schutz bietet der Neoprenanzug. Ob der ausreichend im Fall der Fälle ist bezweifle ich. Das Wandern ist des Müllers Lust - das Outback ist so nah. Fliegen, Fallschirm- oder Tandemsprünge sind erschwinglich, wenn man den Weg nach oben schafft und oben die Augen zu macht. Football schauen wir lieber im TV, Rugby ebenso und Cricket verstehen wir erst gar nicht. Soccer ist uns hingegen sehr vertraut – die Heimat schickt einen Gruß.



Nachdem unser Möbelcontainer am Sonntag in Fremantle angekommen ist waren folgende Dinge zu organisieren: 1. Termin mit dem Zoll (dort Zollerklärung abgeben) 2. Transport der Möbel zum Agenten (hat Agent organisiert) 3. Termin mit Quarantäne vereinbaren 4. Transport der Möbel zu unserem Haus.
Reibungslos, aber mit viel körperlicher Anstrengung verbunden, stehen nun die verpackten Möbel und Kisten in unserer Garage und blockieren den trockenen Platz unterm Dach für unser Auto. Die Quarantäne hat sich die Möbel am Freitag angesehen und darum gebeten, die Kisten: Schuhe und Blumentöpfe zu öffnen. Lobend haben Sie die Reinheit bei der Besichtigung erwähnt (ebenso die Sauberkeit unserer vier Fahrräder). Ein Besprühen mit diversen Chemikalien war nicht erforderlich, so dass Thomas die Möbel zeitnah von der Umzugsfirma in die Grand Prom fahren lassen konnte. Überwältigt von der Masse unseres Hab und Gutes haben sie eine Stunde gebraucht, die Möbel in den LKW zu packen (und auch wieder auszupacken). Ohne Thomas Unterstützung hätten die wahrscheinlich noch länger gebraucht. Ca. 1100 $ hat diese ganze Aktion (Zoll, Quarantäne und Transport) zusätzlich, der Umzug von Deutschland nach Perth hat ca. 5000 € gekostet. Im Nachhinein betrachtet ist das doch eine gute Summe, die durchaus ihre Berechtigung hat.