Auf der Suche nach unserem Lebensabenteuer haben wir uns auf eine Reise begeben, deren Ende wir nicht überschauen können. Über unseren bewusst herbei geführten Abbruch der gesicherten Existenz in Berlin wollten wir vor allem unsere Familie an unseren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lassen.
Monday, October 23
Sonnenaufgang leicht gemacht
Haialarm
Friday, October 20
Der Abschied hat schon lange begonnen
Ich habe mich auf den Weg gemacht und als suchende Wanderin bereits von einigen wenigen Menschen verabschiedet. Unvorbereitet und dennoch zu Tränen gerührt. Unwissend darüber, welche Bedeutsamkeit wirklich dahinter steckt.
Abschiede fallen in der Regel nie leicht. Der bleibende Wehmutstropfen ist der Abschiedsmoment an sich. Er lässt das Herz schneller schlagen und regt die Tränensäckchen zur Wasserproduktion an. Der erste durch Wasser verklärte Blick wird sodann vom Hirn wieder geschärft. Das Rationale holt sich die Macht über die Emotionale zurück. Schnell vorbei sind diese Momente.
Die Farben des Abschieds sind bunt und beginnen beim Weiß und enden beim Schwarz. Diese Farben am äußeren Rand gehören dazu, damit das Bunte in seinen Abstufungen herrlich kräftig sein kann. Der Abschied ist mit so viel Freude, Trauer, aber auch Wut, Enttäuschtheit und Ärger verbunden. Der Spiegel dieser Emotionen droht manchmal zu zersprengen.
Der leichte Abschied: ist für mich tränenlos, vielleicht ist ein bisschen Bedauern dabei, aber auch nicht mehr. Grundsätzlich bin ich in Gedanken eigentlich nicht beim Abschiednehmen, sondern bereits in einem anderen Film. Ich habe die Bühne innerlich bereits verlassen. In der Erinnerung wird er für mich blass bleiben, wenn er trotzdem dazu gehört hat.
Der einfach gemachte Abschied: gehört eher in die Kategorie Dunkelgrau, Schwarz. Hier grämen sich mein Ärger und meine Wut über all die hilflos unkompetenten Mächtigen mit ihren Stempeln, über all die sich besser findenden und selbstherrlichen Charaktere, die auch ein Wörtchen mitreden durften und irgendwie dabei ausgerechnet meinen Weg kreuzten mussten. Beziehungsweise musste ich ihren kreuzen und sogar dafür Geld zahlen. Ihre Unfreundlichkeit, Scheinhaftigkeit und Ungenügsamkeit mit sich selbst interessieren mich nicht mehr lange. Adieu!!!
Der mittelschwere Abschied: regt schon mal das Herz an und erhöht den Puls. Die Hände werden feucht. Es ist zweifelsohne eine Steigerung zum leichten Abschied. Hier werden sich meine frisch gesäten Samen der Zukunft mit dem Wachsen gedulden müssen. Die Abstufung der Abschiede hat nichts damit zu tun, wie lange ich die Person kenne. Auch eben erste gewonnene Kontakte mag ich ungern Lebewohl sagen. Na das tue ich ja sowieso nicht. Es gibt immer ein Wiedersehen!!!
Der schwere Abschied: steht mir noch bevor. Berlin – du wunderschöne Stadt – du wirst mir fehlen!!! Wenn ich das letzte Mal in Mitte spazieren gegangen bin, wenn ich das letzte Mal aus der Straßenbahn aussteige, wenn ich das letzte Mal das Haus verlasse und wenn ich das letzte Mal durch diese wundervolle Baumallee gefahren bin, sehe ich am Ende nur noch kurz das Stadtschild Berlin im Rückspiegel. Berlin steht für mich für so viel mehr, dass hier keinen Platz haben kann und soll. Sind es doch zu private Momente, die nur mir gehören. Berlin ich komme wieder – irgendwann!!!
Der aller schwerste Abschied: steht mir noch bevor. Und doch bin ich schon lange mitten drin:
F.: Ich sehe dich in den letzten Tag so oft mit dem Gedanken „irgendwann werde ich dir das letzte Mal hinter her sehen“ und mein Herz wird mir schwer. Es ist unbeschreiblich, was vor allem dieser Abschied bedeutet.
C: Solange haben wir gebraucht, zueinander zu finden und umso mehr habe ich mich gefreut, dass wir eine Chance dazu hatten. Ich bin so froh, dass wir Berlin an manchen Abenden gemeinsam erkundeten. Denkst Du manchmal noch an „das Salz“ ??? Ich werde es nicht vergessen.
S: Ich bin erleichtert, dass unsere Worte zueinander gefunden haben. Im letzten Jahr wäre dieser Abschied halsbrecherisch gewesen und hätte wohl ein langes Schweigen nach sich gezogen. Schicke mir das große R, wenn ich es brauche.
Ich vermisse Euch jetzt schon.
Suchender Wanderer
Die Menschen laufen hektisch im Regen von einem Ort zum anderen. Sie versuchen dabei nicht nass zu werden und berauben sich selbst einer erfrischenden Erfahrung. Nach dem Nass kommt das Trocken, so ist der Rhythmus, der einfach überschaubar ist. Niemand muss ernsthafte Konsequenzen fürchten. Außer? Vielleicht einem Schnupfen.
Die Schultern sind hoch gezogen, der Blick ist tief nach unten gerichtet, die Augen eng zusammen gekniffen. Kann man da noch etwas erkennen? Sieht man in diesen Momenten noch, wo der Weg hinführt? Die Bewegung im Alltäglichen ist vertraut und führt in der Regel immer wieder zum gleichen Ausgangspunkt zurück. Nur ein ungewohntes Hindernis kann dazu führen, dass die Orientierung aus dem Gleichgewicht gerät.
Der unbewusst Suchende wird sich winden und anderen Personen oder dem Wetter die Schuld an der Unterbrechung der Gewohnheit geben. Der bewusst Suchende verhält sich hingegen ganz anders. Er lässt sich absichtlich aus dem Rhythmus bringen, ohne in Panik zu geraten oder gar Schuldige zu suchen. Häufig übersieht er aber auch, was das für ein Kraftakt ist. Nicht jeder Mensch ist ein Gleichgesinnter, gar verständnisvoller.
Einsamkeit ist dabei ein häufiger und vertrauter Begleiter, weil es so wenig Menschen gibt, die Gleiches suchen und erfahren. Die Einfühlung dieser in den Suchenden gelingt nur in den aller seltensten Fällen. Der Versuch dazu häufig auch. Der Wanderer kann nur mit einem Gleichdenkenden intensive Gespräche suchen und darf auch mal jammern, ohne dass das gleich wertend kommentiert wird.
Der Wanderer darf auch mal Fragen stellen, die ungewöhnlich sind. Nur muss er damit rechnen, keine Antworten zu erhalten. Er muss auch in Kauf nehmen, dass Antworten lange Zeit brauchen, obwohl er manchmal keine mehr hat. Die Ungeduld macht den Kopf kribbelig und hoch sensibel.
Verlassen kann er sich auf gar nichts außer auf sich selbst. Das macht das Ganze noch intensiver und anstrengender. Hilfe bekommt er nur, wenn er sie sich holt. Kaum Jemand ist in der Lage mal schneller oder vorausschauender zu denken, als der Wanderer selbst, obwohl das Ziel der Wanderung bekannt ist.
Niemand kann er einen Vorwurf machen, nur sich selbst, Zeit vergeudet, zuviel erzählt und eingebracht, zu viel gehofft und erwartet zu haben. Und immer ist er in seinem tiefsten Inneren allein und mit sich.
Schöne Begegnungen hat er durchaus. Menschen, die das Alltägliche vereinfachen, das Bett betten, ein schönes warmes Essen kochen ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Diese Wärme tut dem Wanderer wohl, kann er dabei auftanken und seine Seele baumeln lassen. Die Seltenheit solcher Erlebnisse bestimmt, was in guter Erinnerung bleibt.
Wednesday, October 18
Die Elster - Magpie
Thomas fährt in der Regel mit seinem Fahrrad zur Arbeit durch einen Park. Regelmäßig wird er an einer bestimmten Stelle von Elstern attackiert. Der Sturzflug kommt von hinten und endet auf dem Helm (zum Glück). Nein nein, das ist nicht witzig, sondern ernstzunehmen. Thomas sagte, dass es echt bedrohlich ist.
Die meiste Zeit des Jahres sind ihre Angriffe nicht zu befürchten, aber für ca. 4-6 Wochen verteidigen sie ihre Gegend (August bis Oktober), in der sie die Nester haben, äußerst übermotiviert. Wenn man daran vorbei geht oder fährt (wie Thomas), dann wird man als Eindringling gedeutet. Was heisst das in der Realität? Die Elstern fliegen tief und warnen das andere Geschöpf der Natur damit. Gelegentlich kommt es dann auch zu pickenden Handlungen auf dem Kopf des Feindes.
Was sollte man in diesen Fällen tun?
- den Bereich meiden, schnell gehen
- andere Menschen warnen
- die Elstern im Auge behalten und vorsichtig weiter gehen
- Augen auf die Rückseite der Kopfbedeckung nähen, malen. Eine umgekehrt aufgesetzte Sonnenbrille würde auch helfen.
- einen Regenschrim tragen oder irgendwas über dem Kopf (Plastiktüten gehen auch)
- beim Rad fahren: vom Rad absteigen, nicht mit dem Stock schlagen (das erregt die Gemüter und Angriffslust)
- den Stock als Abschreckungsmittel einfach nur halten, oder
- eine rote Markierungsfahne am Rad abbringen
Bildquelle
www.calm.wa.gov.au/plants_animals/bird_magpie.html
Textquelle
www.nationalparks.nsw.gov.au/npws.nsf/Content/The+Australian+magpie
Monday, October 16
Macht der Stempel
Brown Snakes
http://www.usyd.edu.au/anaes/venom/snakeimages/Dugite2.JPGSunday, October 8



Sunday, October 1
30°
Mountainbiking
Die Nachbarin wünscht mehr Kontakt, sie geht auch gerne surfen … Nun muss Thommy ran, nicht an die Nachbarin im engeren Sinne, sondern sie zur zweiten Surfstunde mitnehmen. Ich schmunzle.
Huntsman
Irgendjemand hat mal gesagt, dass man während der Nacht einiges an Kleintieren (natürlich unbeabsichtigt) verschluckt. Nur der Gedanke, dass ich nachts zum Wanderweg werde, macht mich doch etwas unruhig.
http://www.amonline.net.au/factSheets/huntsman_spiders.htm
Westcoasteagle gegen Sydney …
Wie soll es anders sein. Thomas hat das Wochenende wieder etwas vor und sucht weiterhin die Gemeinschaft. Am Samstag haben die Footballer (also nicht Fußballer) gegen Sydney gespielt und mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Beim Barbecue und selbst gebrauten Bier lässt sich so ein Nachmittag schon mal gut verbringen. Auch dabei lernt man immer wieder neue Leute kennen. Die Herzlichkeit, die Thomas entgegen schlägt, ist beeindruckend. Viele fragen woher er ist und interessieren sich sogar dafür, ob er aus dem Westen oder Osten stammt. Einige waren selbst schon in Berlin. Es ist nachvollziehbar, dass man bei diesem Interesse gut in den Kontakt kommt. Viele fragen dort schon nach mir und was ich machen werde, wenn ich da bin. Zugleich merken sie in den Gesprächen an, dass ich sicher Arbeit finden werde. Ich bleibe gespannt.
Probezeit
Der Monatsabschluss in der Firma war wieder so gut, dass abends Pizza und Bier mit den Mitarbeitern geteilt wurden. Schöne Geste, alle zumindest per Essen daran teilhaben zu lassen.
Jackpot
Tuesday, September 26
Monday, September 25
Adventure

Quelle des Bildes: http://www.dunsboroughwatersports.com.au/printmap.htm
Gedanklich abwesend
In der Tat bewegen sich meine Gedanken nun wieder mehr nach Perth. Täglich zähle ich nach dem Aufwachen die Tage und schneide den Kalendertag imaginär ab. Er wird stetig kürzer und um so präsenter wird meine Zukunft. Die Angst hat zurzeit Pause. Ich mache mir keine großen Sorgen, was ich in Perth zu tun haben werde. Meine Ideen entwickeln sich und machen mir Mut. Manchmal denke ich schon, ob ich das alles, was ich mir vornehme, auch zu schaffen ist. Meine freiberuflichen Tätigkeiten hier in Berlin sind für's erste abgeschlossen. Der Kurs für das nächste Jahr in Berlin ausgeschrieben. Am Freitag habe ich ein Projekt abgeschlossen und mich gefreut, diese intensive Erfahrung mit dem interkulturellen Team noch vor Austtralien machen zu dürfen. Der Migrationshintergrund dieser Berater hat mir bei der Bearbeitung ihrer Fälle viele Anregungen und Übertragungen eröffnet. Mein Blick ist geschärft. Die Linse ist geweitet und versucht, noch mehr zu erfassen, als vorher zu sehen war. Um so gespannter bin ich, wenn ich dann vor Ort als Ausländer leben werde und welche Erfahrungen sich einstellen.
Werde ich anders? Auch das ist nicht abwegig. Wir haben neulich schon gesagt, dass ich einen Verhaltensbogen führen sollte (im regelmäßigen Abstand), um Veränderungen nicht nur schleichend zu übernehmen, sondern bewusst erkennen zu können. Was könnten das für Fragen sein?: Lache ich weiter viel? Werde ich ein Pessimist? Wie gehe ich mit Abhängigkeit um? Bleibe ich individuell, oder gehe ich in der Einheitsmasse unter? Gebe ich Männern die Hand? Was tue ich, wenn ich ignoriert werde? Was ziehe ich an? Bleibt meine Angst vor den Tieren? Schreie ich laut, wenn ich eine Spinne sehe? Gehe ich ins Meer? Fühle ich mich einsam? Fehlt mir die Heimat? Wie verändert sich mein Tagesrhythmus? usw. Das ist hier eine lose Sammlung erster Fragen, die mir hier beim Schreiben in den Sinn kommen (ohne jeden Anspruch auf Wissenschaftlichkeit/Tiefgründigkeit). Aber ich kenne mich, diese Fragen werden Anlass sein, sie zu vertiefen und viel konkreter zu formulieren. Wieder eine Aufgabe mehr, die ich in Australien zu tun habe. Mein Fragebogen zur Lebenszufriedenheit steht bereits im Regal in Perth. Der wird nach meiner Ankunft in Perth gleich ausgefüllt.
Thomas war dieses Wochenende 300 km südlich von Perth unterwegs und im Team sportlich aktiv. Welche Höhlen und welche Strecke er mit dem Rad bewerkstelligen musste weiß ich zu dieser Zeit noch nicht. Ich hoffe, dass ich demnächst diese Lücke auch hier im Blog füllen kann.
Monday, September 18
Fabelhaftes aus der Tierwelt
Thursday, September 14
Tuesday, September 12
Es muss nicht immer Kaviar sein
Diplomzeugnisse: Kopien amtlich beglaubigen lassen und von einem in Australien anerkannten Dolmetscher übersetzen lassen. Es gibt dafür in Berlin eine Anlaufstelle, die die Unterlagen prüft, einscannt, per Mail nach Neuseeland (zum Übersetzer) schickt und dann natürlich die Kosten einstreicht.
Äquivalenzbescheinigungen: Damit auch alles gut geht (und das ist nicht mal eine Garantie für die Gleichstellung) habe ich von meinem Berufsverband, von der TU und von der Kultusministerkonferenz nun drei Bescheinigungen dieser Art. Kurios daran ist, dass jede dieser Instanzen unterschiedliche Studienzeiten angibt. Die sollten sich mal abstimmen. Für mich gut, denn damit kann ich mir das Beste raussuchen. In einem sind sie sich einig: Aus Diplom-Psychologin wird Master of Science in Psychology.
Es muss eben nicht immer Kaviar sein, um andere Menschen zu beeindrucken.
Monday, September 11
Wohnen in Doubleview


unterschiedliche Gegenden erkunden. Dieses Wochenende waren es zwei Parks in der Nähe, die auf den Bildern zu sehen sind.Saturday, September 2
Die ersten Besucher

Tierisch ernstEin kleiner Gecko ging auf Erkundung und das auf unserer Terrasse (Solange du da draußen bleibst, ist alles in Ordnung!).
S. erzählte, dass man mit Kakerlaken rechnen muss. Die gibt es drinnen wie draußen und sind größentechnisch unseren heimischen weit überlegen. Nicht auszudenken, wenn die von ihren Flügeln Gebrauch machen würden – Monster in der Luft. Meine Phantasie dreht durch und ich kaufe in Gedanken schon diverse Ungeziefergifte. Ich zwinge mich, diesbezüglich noch keine Liste anzulegen.
Menschlich ernst
Die erste Inspektion unserer Wohnung steht an. Die Mietagentin hat sich angekündigt und Thomas bringt alles auf Hochglanz. Aber er muss keinen Kaffee kochen, nicht zu Hause sein und nicht ablenken. Sie kommt auch so ins Haus, hat schließlich einen eigenen Schlüssel und kann in aller Ruhe ihren Rundgang durch die Räume machen. (Ob sie wohl mit Handschuhen über die oberen Kanten der Küchenschränke fährt und nach Staub Ausschau hält?)
Ich werde berichten.
Wie sage ich es?
Die Klienten erfahren nach und nach von mir, dass ich ab 1.November nicht mehr kommen werde. Ich kann z. Zt. noch selbst entscheiden, wann ich es Ihnen sage. (Mit den Kollegen hat es ja per Buschfunk prima geklappt.)
Viele Klienten reagieren mit einem erstaunten Blick und skeptischen Fragen: „Oh, das ist ja schade … Immer gehen die, die so nett sind … Kannst Du nicht bleiben … Warum tust Du uns das an …“ (Körpersprachlich sind ihre Augen dabei weit geöffnet, der Mund ist zu einem spitzen O geformt, der Kopf etwas zur Seite geneigt.) Die nächste Frage ist dann: „Warum machst Du das und was machst Du dann?“ Ich antworte: „Ich ziehe nach Australien.“ Ein Schweigen folgt. Dann kommt: „WAAAS? Oder Was willst Du denn da?“ Die begleitende Mimik meines Gegenübers und die doch etwas lauter gestellte Rückfrage machen mich unsicher. Habe ich mich irgendwie unklar ausgedrückt oder warum klingt dieses WAAAS so entsetzt? Das hört sich an wie: „Bist Du verrückt … Ziehst Du in den Busch?“ Nach meinem Erstaunen über diese Reaktionen komme ich wieder in Schwung und versuche mit einfachen Worten und wenig Aufhebens zu erklären, was ich dort machen will. Es folgen: „Ach so … Ja stimmt, man muss mal was Neues machen … Wir werden Dich vermissen … Schreibst Du uns auch mal …“etc.
Einige Klienten beginnen sofort mit dem Planen eines Abschiedsgeschenks und binden mich in ihre Überlegungen gleich mit ein. Ich bin gerührt und mache ihnen klar, dass die guten Gedanken reichen und in meinen letzten Koffer nichts mehr rein passt. Und dann werden sie einfallsreich.
Mit einer Klientin habe ich neulich mal im Internet auf die Weltkarte gesehen. Ich konnte ihr Australien und Perth zeigen, wie weit das von Deutschland weg ist und wie ich dort hinkomme. Das wurde vorstellbarer für sie. Wahrscheinlich dachte sie vorher, dass Australien gar nicht auf der Erde liegt? Ihre Tränen trockneten jedenfalls schnell, ich war erleichtert, denn auf diese Momente und Begegnungen mit den Klienten habe ich mich nicht wirklich vorbereitet. Diese besagte Klientin äußerte im Weiteren, dass sie auch nach Australien geht. Ich musste innerlich schmunzeln. Auf was für Ideen sie kommen.
Jahreszeiten
Der Herbst kündigt sich an, die Blätter werden braun, das Wetter unbeständiger und die Dunkelheit legt schon um 20.30 ihren dunklen Schleier über die Stadt. In Australien wird es wärmer. Thomas hatte letzte Woche schon die ersten 27 Grad. Beständig ist es dort aber noch nicht, es befindet sich im Wechsel der Jahreszeiten. Der Frühling kündigt sich an. Im Sommer wird es um 4.30 hell. Kein Wunder, dass früher aufgestanden wird. Thomas erzählt, dass es schon ab 8.00 sehr heiß werden kann, da die Sonne sehr hoch steht. Da bleibt also nur die Morgenfrische für den Sport. Ich bin gespannt, ob ich auch aufstehen werde, wenn ich noch keine weiteren Verpflichtungen in Perth habe oder ob ich die Bettwärme bevorzuge.
Schon gewusst?
Das Ende unseres Mietverhältnisses am 31.08.2006 in Berlin ist nicht von weltlichem Interesse. (Für mich aber bedeutsam und damit berechtigt hier fest gehalten zu werden.) Schon eher die letztmalige Moderation von Ulrich Wickert der Tagesthemen oder die Niederlegung des Mandats von J. Fischer.Aus der Bildzeitung: Dieter Bohlen ist neu verliebt; die Serie Verliebt in Berlin (abgekürzt VIB. Hmh? Hört sich nach einer Abkürzung aus dem Osten an) feiert den Showdown in Berlin-Friedrichshain.
Bedenkenswert: Der Iraner Präsident spielt das Katz und Maus Spiel weiter und hat erneut ein Ultimatum verstreichen lassen.
Aus Perth: Thomas treibt es weiter sportlich (z.B. Samstag 110 km mit dem Rad gefahren/Start 6.15!). Ein Freund fragte neulich, nachdem ich von Thomas Befinden berichtet habe, „Arbeitet Thomas auch?“
Thursday, August 31
„Obdachlos“
Eine Symbolik, die gut zu meinem nächsten Vorhaben passt. Beruflich erwartet mich der berufliche Ausstieg, dann der Abstieg und mühsam werde ich mir danach Schritt für Schritt jede Treppenstufe erarbeiten müssen, um meinen Blick über den Dächern (von wo auch immer) wieder schweifen zu lassen.
Die Tür zu meinen Nachbarn ist nun geöffnet (Ich habe einen Schlüssel und muss nicht dauernd klingeln. DANKE!)
Tuesday, August 29
Zum Wohl
Monday, August 28
Sunday, August 27
Picknick
63 Minuten


Eigentlich sollte es mal der Marathon in New York werden. Keinen Gedanken haben wir daran verschwendet, dass es erstmal der größte Lauf in Westaustralien werden wird. Thomas hat vorgelegt und ich muss nachziehen. 2007 steht der Termin schon in meinem Kalender. Dann werde ich auch dabei sein.
BYO
12 Kilometer von der City zum Meer

http://citytosurf.activ.asn.au/
Für alle interessierten Sportler und Zuschauer kann man mit dem Link mal sehen, dass Sport Teil des Lebens ist in Australien.
Sunday, August 20
Im stillen Kämmerlein
Ich sitze im Kämmerlein, das immer im Notfall und für einsame Zeiten einen idealen Rückzugsort bietet, um allein zu sein mit dem Wissen um die Nähe der Familie. Übersetzt sitze ich im Arbeitszimmer meiner Eltern, in dem ich auch schlafe, wenn es mich am Wochenende in den Schoss der Familie zieht. Hier habe ich ein Stück Geborgenheit, fühle mich nicht so verloren und gut aufgehoben. Trügerisch lockt diese Umgebung alles zu vergessen, was gerade um einen selbst passiert. Rational ist dies jedoch nicht realisierbar. Ich habe ja bereits über die Unterschiede zwischen allein-, gemein- und einsam sein geschrieben.
Die Zeit vergeht im Schneckentempo, so oft habe ich bedauert, dass sie zu schnell läuft. Jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten, dass die noch verbleibenden Monate schneller vergehen also sie ursprünglich ablaufen. Nun denn, Geduld ist mein Thema und das Tempo auch. Manchmal überhole ich mich selbst in dem was ich tue und kann gerade noch den entwickelten Rauch sehen, der an mir vorüber zieht. Den Kolt aus der Tasche ziehen und pusten. Geschafft, weiter geht’s. Meine Tätigkeiten werden hier nun überschaubarer und wesentlich geordneter. Es kehrt allmählich eine Struktur ein, mit der ich nicht vertraut bin und die mich hadern lässt mit mir selbst. Meine Ungeduld meldet sich täglich zu Wort und füttert mein schlechtes Gewissen, so inaktiv zu sein. Dabei habe ich schon noch etwas zu tun-nämlich das Zusammensuchen diverser Unterlagen für meine berufliche Anerkennung in Australien. Die Vielfältigkeit und Komplexität dieser Anforderung verwirrt mich und bremst mich so sehr, dass ich bisher noch nicht wirklich viel erreicht habe. Kontrastprogramm ist angesagt, denn für mehr habe ich nicht gezahlt: Warten, dass die Monate vergehen und das eigene Profil schleifen bis der Arzt kommt. Dazwischen gibt es für mich nichts, das Bewegen zwischen diesen Polen ist vergleichbar mit einem Auto, das mit Kängurusprit betankt ist. Es ruckelt ganz gewaltig und man ich habe das Gefühl, keinen Schritt weiter zu kommen.
Ein Stück Heimat
Thomas hat bereits die meisten Kisten ausgepackt und Vieles einsortiert. Stühle und Tische bieten Platz für sechs; Schneewittchen ziert sich noch. Das Geschirr ist unversehrt (nur ein Glas ist zu Bruch gegangen) und macht sich gerade mit dem neuen Standort vertraut. Die rote Couch ist platziert und wartet auf den ersten Besuch. Der erste Schreibtisch hat schon schwer zu tragen; der Computer hat sich breit gemacht und funktioniert tadellos. Unsere neue Waschmaschine hat schon ihren ersten Dienst geleistet und ordentlich gewaschen. Aufgrund des Regens gibt es einen Wäschestau, der Trockner fehlt. Das weltbeste Bett der Welt steht seit der Ankunft an der richtigen Stelle und tut der Seele viel Gutes. Thomas hat nicht gefroren, super gut durchgeschlafen und erholt sich allmählich von seiner Erkältung. Ach ja und die Musik zaubert australische, aber auch andere, Töne und untermalt das Chaos (wozu brauchen wir da noch eine 5.1 Anlage?). Ein verwirrtes Kabel, von seiner Zugehörigkeit zu den Geräten undefinierbar, stellt die Verbindung zwischen Laptop und Anlage her. Eine DVD in deutscher Sprache spielt. Zukunft, ich komme.
Zufälle
Gibt es den Zufall wirklich? Oder ist alles Schicksal? Ist Schicksal im Wortgebrauch eigentlich nur negativ behaftet? Eine Vertiefung an dieser Stelle führe ich nicht an, zumal ich mit meinen Eltern dies umfangreich diskutiert habe. Und dann das:
In der letzten Woche sind gleich mehrere Dinge passiert, die ein Wort der oben genannten gut beschreiben würde. Thomas geht mit Daniel in Leaderville (Suburb von Perth) in die Kneipe (übrigens ähnlich wie der P-Berg in Berlin, nur kleiner). Sie quatschen dies und das. Es stellt sich heraus, dass Daniel als Architekt das Haus vom ehemaligen Chef von Thomas gebaut hat. In unser Nachbarhaus zieht eine Deutsche (zum Glück etwas älter – man weiß ja nie, wozu einen die Einsamkeit treibt). Ein Kollege von mir erzählt (allerdings schon einige Wochen her, um ehrlich zu bleiben), dass Daniel und seine Frau auswandern. Auf die Frage „Wohin?“ sagt er „…nach Perth“. Meine Schwester (Lehrerin) beginnt an einer neuen Schule und arbeitet mit einer Frau zusammen, die die Schwägerin eines engen Freundes aus Berlin ist. Ihre Horterzieherin ist eine ehemalige Schülerin von ihr. Die Exfrau meines engsten Studienkollegens heiratet einen Australier und lebt …? Na ja wie sollte die Antwort anders ausfallen: in Perth.
Sportarten
Beim Abholen der Möbel aus dem Lager des Agenten von TNT fällt Thomas’ Uhr in den Blick des Agenten. Eine rote Hightech Pulsuhr, die nicht so sehr leuchtet, aber jedem Sportler ins Auge sticht. Daraufhin angesprochen berichtet Thomas von seinem Hobby (Fahrrad fahren) und steht leibhaftig einem Teilnehmer des Ironman gegenüber. Schnell finden die beiden, dass nicht nur das Fahrrad fahren, sondern auch die zwei anderen Sportarten (Laufen und Schwimmen), in ihrer Summe Triathlon genannt, eine Verbindung zwischen ihnen herstellt. Im Ergebnis dessen wird Thomas gleich mit in die sportlichen Aktivitäten eingeplant und aufgefordert bei den Trainings dabei zu sein und mitzumachen. Das Ziel dieser gemeinsamen sportlichen Aktivitäten ist nicht, am kommenden Ironman zusammen teilzunehmen, denn Thomas hat bisher nur den Minimarathon mitgemacht. Da nun endlich auch die sehnlichst erwarteten Sporträder da sind steht diesem Vorhaben nichts mehr im Wege. Übrig bleibt die unterschiedliche Kondition, ein Hindernis aber keine Mauer.
Perth und Umgebung bietet sehr viele sportliche Möglichkeiten. Schwimmen muss man beispielsweise nicht nur im Meer. Etliche olympische Schwimmbäder bieten ausreichend Komfort und Schutz vor den Haien. Die Kletterhalle sorgt dafür, dass man nicht bei jedem Griff daran denken muss, ob da wohl gerade ein Untier sein Versteck hat. Beim Laufen muss man nur ausweichen, wenn sich einem etwas in den Weg stellt. Das Surfen, Kiten und Wellenreitern kann man hingegen nur auf der Welle. Schutz bietet der Neoprenanzug. Ob der ausreichend im Fall der Fälle ist bezweifle ich. Das Wandern ist des Müllers Lust - das Outback ist so nah. Fliegen, Fallschirm- oder Tandemsprünge sind erschwinglich, wenn man den Weg nach oben schafft und oben die Augen zu macht. Football schauen wir lieber im TV, Rugby ebenso und Cricket verstehen wir erst gar nicht. Soccer ist uns hingegen sehr vertraut – die Heimat schickt einen Gruß.
Sicher im Hafen



Nachdem unser Möbelcontainer am Sonntag in Fremantle angekommen ist waren folgende Dinge zu organisieren: 1. Termin mit dem Zoll (dort Zollerklärung abgeben) 2. Transport der Möbel zum Agenten (hat Agent organisiert) 3. Termin mit Quarantäne vereinbaren 4. Transport der Möbel zu unserem Haus.
Reibungslos, aber mit viel körperlicher Anstrengung verbunden, stehen nun die verpackten Möbel und Kisten in unserer Garage und blockieren den trockenen Platz unterm Dach für unser Auto. Die Quarantäne hat sich die Möbel am Freitag angesehen und darum gebeten, die Kisten: Schuhe und Blumentöpfe zu öffnen. Lobend haben Sie die Reinheit bei der Besichtigung erwähnt (ebenso die Sauberkeit unserer vier Fahrräder). Ein Besprühen mit diversen Chemikalien war nicht erforderlich, so dass Thomas die Möbel zeitnah von der Umzugsfirma in die Grand Prom fahren lassen konnte. Überwältigt von der Masse unseres Hab und Gutes haben sie eine Stunde gebraucht, die Möbel in den LKW zu packen (und auch wieder auszupacken). Ohne Thomas Unterstützung hätten die wahrscheinlich noch länger gebraucht. Ca. 1100 $ hat diese ganze Aktion (Zoll, Quarantäne und Transport) zusätzlich, der Umzug von Deutschland nach Perth hat ca. 5000 € gekostet. Im Nachhinein betrachtet ist das doch eine gute Summe, die durchaus ihre Berechtigung hat.
Saturday, August 12
Land in Sicht
Im Gegenzug dazu ist die Berliner Wohnung ja nun fast komplett leer. Die letzten 14 Tage brechen an und wollen intensiv genutzt werden. Danach heißt es dann „Ade“ sagen und daran gewöhnen, sich nur noch einen Stockwerk hoch zu quälen anstatt 5. Für die weniger sportlichen ein beachtlicher Fortschritt. Für diejenigen, die wissen, was das eigentlich wirklich bedeutet und auch der persönliche Abschied immer näher rückt nicht wirklich.
Erden
Bitte keine Ratschläge, Wunderfragen, Warum-Fragen. Alles ist gut so wie es ist. Es wäre zu blauäugig, die Kulisse zu ignorieren und nur die Bühne zu betreten. Wie atmet dieses Land, wie funktioniert das Zusammensein, wie die Kommunikation. Wie fühlt es sich an, Ausländer zu sein und was macht das mit uns selbst. Spannende Fragen, die es zu erforschen gilt und die nach Antworten suchen. Dasein heißt nicht Hier- oder Dortsein. Dasein bedeutet wach sein, die Augen aufhalten und die Aufmerksamkeit bewusst auf das Leben richten. Es ist ein Luxus, diese Entdeckungsreise angetreten zu sein und es wird reich an Erfahrung machen. Es ist tatsächlich wie ein Lottogewinn mit dem Unterschied, dass am Ende mehr im Lebensrucksack ist.
Begegnungen
Emotionen
Ich wundere mich immer wieder darüber wie es mir gelingt nach außen eine Ruhe auszustrahlen, die nicht wirklich ein Abbild meines Inneren darstellt. Die Erwartungshaltung vieler Freunde, aber auch der Familie „Das schaffst du schon“ führt eher dazu, mich immer mehr ins Schneckenhäuschen zurück zu ziehen und weniger über meine wirklichen Gedanken zu berichten.
Thomas ist beruflich stark eingebunden; Kontakte im Privaten bahnen sich zierlich an.
Viele neue Personen kreuzen unseren Weg und schaffen eine Art von Verbundenheit. Dennoch folgt nach jedem kurzem Hoch ein mittleres bis schweres Tief. Die Einsamkeit bzw. das Empfinden dieses Zustands lässt sich nicht aus dem Gemüt streichen, sie will gelebt und erlebt werden. Sie ist stark, behindert und vermittelt ein Gefühl von Alleinsein und verleitet auch dazu, alles bisher Unternommene in Frage zu stellen. Mitunter treibt es die Einsamkeit so weit, dass man nur noch in sein Nest will, zurück zu allem und unter tauchen. Der Verstand hat zu tun und gewinnt dabei auch mal die Oberhand.
Down Under
Neuigkeiten: Häuser kosten im Schnitt 450.000 $, die meisten Australier haben ein eigenes Haus und sind hoch verschuldet; es gibt keine Kredite zu einem Festzins; wird der Leitzins nur um 0,25 % erhöht, bedeutet dies für einige das Aus; dafür erhält man einen so großen Kredit ohne Eigenkapital und Sicherheit. Es hat den Anschein, dass Australien somit seine Einwohner an sich bindet. Perth ist mittlerweile die zweitteuerste Stadt Australiens, die Haus- und Grundstückswerte verdoppeln sich beinahe jährlich. Glück dem, der sich vor vielen Jahren dort ein Häuschen gebaut hat. Pech dem, der immer noch Mieter ist.
Wednesday, August 2
Alltag
Die Arbeit ist stressig und druckbesetzt. Die Mechaniker vor Ort fahren ein gewöhnungsbedürftiges Tempo. Sprachliche Auseinandersetzungen sind auszubauen; die Sprache hakt noch. Der oberste Chef bekundet Interesse und Sorge um Thomas. Sogleich hat er dann auch orgnaisiert, dass Thomas in die leere Wohnung eine Couch, eine Waschmaschine und Barhocker gestellt bekommt. Die Abholung unserer Möbel vom Hafen wird ebenfalls von der Firma organisert; ein Firmenwagen während der Reparatur unseres Autos zur Verfügung gestellt. Das hat Gänsehautcharakter und macht einen Moment von vielen leichter und angenehmer. Dennoch meldet sich das Heimweh; die Sehnsucht nach Geborgen- und Vertrautheit. Ein nicht zu unterschätzendes Gefühl, dass den Kloß im Hals ausmacht und täglich zum Vorschein kommt.
Regina in Berlin organisiert die Abwicklung der Wohnung, schlägt sich mit dem Internetzugang rum und vermisst Thomas.
Um alles ein wenig zu verkürzen, habe ich nun auch entschieden, bereits Ende Oktober nach Australien zurück zu gehen. Ein Leben aus dem Koffer kann ich nicht mehr lange aushalten. Ich komme mir wie zu Uni-Zeiten vor. Ein kleines Auto, mit stetig roten Warnlampen, die nicht ausgehen wollen und den Adrenalinspiegel im Verkehr zum Kochen bringen; eine Matraze, die allmählich Rückenschmerzen verursacht; ein Teller, eine Tasse, ein Messer, ein Glas - weniger als mein Startgeschirr zu meinem ersten Studium. Hat alles was und macht das ganze Abenteuer noch intensiver, reicht aber jetzt schon.
Berlin kühlt langsam wieder auf Normaltemperatur runter und Perth regnet sich ein. Gutes Wetter für die bevorstehende Renovierung.
Sunday, July 30
Wednesday, July 26
Das habe ich nicht bestellt
Monday, July 24
Wieder in Deutschland
Nach ca. 40 Stunden Dauerwachseins (im Flugzeug nur kurze Schläfchen, in D spät zu Bett) und einer ca. 6stündigen Nacht sitze ich hier in der Küche meiner Eltern und warte, dass das Alltagsleben beginnt, um mir Ablenkung zu verschaffen.
Auf dem Flug von Perth nach Dubai saß ich neben einer australischen Meteorologin, die auf dem Weg nach Garmisch war, um dort 4 Wochen an einer Konferenz teilzunehmen. An Schlafen war nicht zu denken, obwohl wir beide müde waren, aber viel zu erzählen hatten. Der gemeinsame Kaffee auf dem Flughafen endete darin, dass wir unsere Adressen austauschten und ein möglicher neuer Kontakt in Perth damit angebahnt wurde. Mein Gehirn hat auf Turbo geschaltet und ich bin beeindruckt, was es in solchen Extrembelastungen zu leisten vermag. Wahrnehmung aller und Verarbeitung der Emotionen, englisch sprechen und verstehen und die Geräuschkulisse im Flugzeug ausblenden. Ich halte das für eine Meinerleistung, deren viel ausführlicher Beschreibung in ihrer Komplexität hier den Rahmen sprengen würde. Der Leser soll ja auch ein bisschen Fantasie entwickeln.
Fasten Seatbelt - bitte Anschallen, wir befinden aus auf dem Landeanflug Hamburg und danken Ihnen, dass Sie mit Emirates geflogen sind. Wir hoffen, dass Sie diesen Flug genossen haben und weiter mit uns reisen werden. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.
Der nur halb volle Flieger hat mit einer Affengeschwindigkeit die 6 Stunden Flugzeit von Dubai nach Hamburg absolviert. Routine setzt ein, Koffer aus der Ablage holen. Allen Krempel, den ich Dubai ausgepackt und nicht einmal angefasst habe, wieder einpacken und aufpassen, dass ich nichts vergesse. Und raus aus dem Flieger. Willkommen daheim. Alles spricht deutsch. Die Polizei sitzt am rechten Fleck und fragt Jeden, der aussieht, also ob er hier nicht hingehört, was er in Deutschland will. Und das in einem abgehackten Englisch, aber mit einer ziemlich verbogenen Körperhaltung. Sie spricht Bände, der Polizeibeamte fühlt sich der englischen Sprache nicht mächtig und weiß, dass der Einreisende am Nachbarschalter alles mithören kann. Ich muss schmunzeln.
Um 13.30 durchschritt ich das Tor in den goldenen Westen und hielt Ausschau nach meinen und Thomas Eltern, die mich abholen wollten. Die stickige Hitze, das enge Auto (5 Personen), die „Fachsimpelei“ zwischen unseren Vätern über den nun zurückführenden Weg von Hamburg nach Güstrow, die irreale Kommunikation mit dem Navigerät, das auch einiges zur Diskussion beizutragen hatte und der noch unbequemere Sitz als im Flieger in der Mitte auf der Rücksitzbank füllten die letzten 3 Stunden meiner 16.000 km, 17 Stunden Flugzeit, 3 Stunden Zwischenaufenthalt in Dubai und 6 Stunden Zeitverschiebung langen Reise. Und jetzt? Natürlich habe ich mich gefreut, so herzlich und liebevoll empfangen zu werden. Natürlich schätze ich, was unsere Eltern sich bei diesen derzeitigen klimatischen Bedingungen auf sich genommen, um mich abzuholen und mich mit einigen kulinarischen Lebensmitteln versorgten. Zugleich jedoch spielte ein ganz anderer Film in meinem Kopf ab.
Jetzt beginnt für mich die Zeit des Vagabundierens. Was ich damit meine? Aus dem Koffer leben, in eine leere Wohnung zurückkehren, ab September in der Woche bei meiner Nachbarin im Arbeitszimmer schlafen und an den Wochenenden nach Güstrow fahren und meinen Gedanken reifen zu lassen, eher als geplant zu Thomas zurückzukehren.




















