Thursday, January 5

Rück- und Einblicke

Noch anderthalb Tage in Deutschland und dann geht es wieder zurück nach Perth. Dort erwarten mich wohl über 30 Grad und Hitze. Zurück in den Sommer also. Doch vorher ein Rückblick auf meinen Aufenthalt in Germany.

Angekommen nach über einem Jahr am 23. Dezember 2011 konnte ich wenig Aufregung verspüren. Die Freude darüber, sicher gelandet zu sein, wahr doch schon sehr dominant. Überhaupt hatte ich in letzter Zeit so etwas wie Anzeichen von Flugangst verspürt. Reinatmen in die Angst hatte geholfen und alles in Relation gehalten. Sicher hatte der Flug in Businessclass geholfen, die Angst im Handgepäck zu verstauen.  Wieder auf dem Boden der Erde ging es dann über Dorf, Stock und Stein gefühlte weitere drei Stunden von Hamburg nach Güstrow. Das könnte wesentlich schneller gehen, da dieses letzte Stück der Reise sich immer wie Kaugummi zieht.

Irgendwann angekommen wurde sich dann geherzt und begrüßt. Ein Schluck Wein und ab ins Bett. Diese erste Nacht in der Heimat haben Thomas und ich zusammen verbracht. Drum herum war beinahe alles beim Alten. Die Treppe, das automatische Licht, die erste Kälte auf dem Boden, der vertraute Geruch im Zimmer und die undichte Dusche mit anschließender Überschwemmung im Bad. Kuschelig war es dennoch und heimelig sowieso.

Der erste Morgen war grau, obwohl es schon 9 Uhr war, sah es aus, als ob es 6 Uhr in der Früh war. Ich habe mich nicht daran gestört und fand es die ganze Zeit schön. Es wurde die ganzen 2 Wochen niemals wirklich hell. Manchmal hatte es den Anschein, als ob die Sonne auch im Sommerurlaub war. Endlich mal grauer Himmel, so wie das Leben, in dem nicht immer alles BLAU ist.

Wie auch immer, es war Heilig Abend. Von Schnee war weit und breit nichts zu sehen, und war auch nicht zu erwarten. Also raus und ab zu Mama, Geschenke einpacken und nebenbei in der Wohnstube mit Mama quatschen. Vati war nicht da und kam auch nicht. Sein Bild erinnerte an all das, was im letzten Jahr passiert war. Kleine Engel stehen schützend unter seinem Bild.Und die letzte Rose, die Mutti von ihm zum Geburtstag bekommen hatte, sieht immer noch wie frisch getrocknet aus. Thomas und ich waren am Grab meines Vaters und verweilten in Gedanken an ihn. Dann Kirche, Kinder, Kälte, Abendessen und Bescherrung und wurden in genannter Reihenfolge abgearbeitet. Interessante Beobachtungen waren zu machen und wollten verarbeitet werden. Am Ende des Abends dann zu Sister und Family. Dort gab es dann eine kräftige Bescherrung mit Würfeln und vielen anderen Überraschungen.Thomas fuhr wieder zurück zu seinen Eltern und damit begannen die Nächte unserer Trennung im Schlaf.

Die Weihnachtstage waren bestückt mit Herzlichkeiten, Familiensinn, Freude, Ruhe und Entspannung. Wer den Film 'Das FEST' kennt, kann sich vorstellen, dass es auch davon etwas zu erleben gab. Traditionell am ersten WT gab es Brunch und Ente zum Mittag. Außerordentlich lecker. Danke Mama und Sister. Der frühe Nachmittag frohlockte mit einem Mittagsschlaf. Wobei, ich habe schon vergessen, ob wir das denn auch gemacht haben. Am 2. WT gingen wir am Abend dann alle, inklusive Thomas' Familie, zum Essen im Restaurant. Im Keller und ohne Musik gab es dann Schweigen und den ein oder anderen Versuch, ein Gespräch entstehen zu lassen. Das Fotografieren und Essen hatte die Aufmerksamkeit von der teilweise etwas starren Vielsamkeit weg geführt und den Abend aufgelockert. Als dann die Restaurantbesitzerin bemerkte, dass die Weihnachtsmusik ja gar nicht angemacht wurde, war der Abend schon fast zu Ende.

Dann wieder zurück zur Normalität zwischen den Feiertagen. Weihnachten war vorbei und schon warteten die nächsten Herausforderungen. Freunde treffen, Geburtstag feiern, Sport machen, und natürlich Essen. Zum Glück hatte meine Mutter mir Laufschuhe geliehen, da ich meine vergessen hatte. So war ich kleidungstechnisch mit Geborgtem von Sister und Mama ausgestückt. Der erste Lauf war atemlos und machte mir sehr deutlich, dass das Rauchen im letzten Jahr bereits zu Kurzatmigkeit geführt hatte. Da musste ich tatsächlich doch auch einmal oder zweimal oder sogar dreimal anhalten und gehen. Tai Chi Übungen sorgten für Atemluft und ermöglichten das Weiterlaufen. In den kommenden Tagen dann war alles wieder gut. Mit Aspirin und Coladoping gab es kein Halten mehr. Herrlich. Tai Chi im Wald war dennoch drin und hat für Spaß gesorgt.

Unser Sylvester haben wir in Berlin verbracht. Am 30. Dezember sind wir nach Berlin. Mit dem Auto auf die Autobahn, mal wieder schnell fahren und mit Erinnerungen an alte Zeiten verbinden. So wie früher. Thomas und ich hatten uns verabredet mit Freunden in Berlin. Thomas war klettern und ich hatte einen interessanten Nachmittag mit R. Angekommen im Prenzlauer Berg stellten wir erleichtert fest, dass die Parkautomaten außer Betrieb waren und hatten dann ganz entspannt unseren Kaffee in unserem favorisierten Restaurant HILDE zu uns genommen. Klasse. Ganz schnell hatte ich Verbindung mit meinem Gefühl von Freiheit und unglaublichen vielen Möglichkeiten in dieser Stadt. Dann trafen wir uns mit einem Freund, der in P-berg seit kurzem eine 1 Zimmer Wohnung hatte. Dort konnten wir die Tage verweilen und haben es uns so richtig gut gehen lassen. Ach, war das herrlich. Wir konnten uns gar nicht wieder beruhigen. Die erste Nacht haben wir mit G und seiner Familie auf dem Fußboden in der 21 Quadratmeter Wohnung geschlafen. Mit Kissenschlachten und diversen Albereien tobten wir uns in die erste Nacht in Berlin. Das Frühstück haben wir immer bei HILDE ausgiebig genossen.

Am Sylvesterabend dann das Treffen mit weiteren und anderen Freunden. In Weißensee. Dank unserer über alles geliebten 'Nachbarn Den Eisis', die den Abend fantastisch organisisert hatten, hatten wir viel Spaß gehabt. In der Weißenseer Strandbar haben wir Zigaretten geschlaucht, Sekt getrunken und zugesehen, wie so manch eine/r ins Wanken geriet. Die heisse Soljanka zum Abschluss bei Eisis in der Wohnung war das Tüpfelchen auf dem I und ließ einen außerordentlich schönen Jahreswechsel ausklingen.

Die Aufnahme in den engen Kreis der sexy Mädchen ließ uns dann auch wirklich dazu gehörig fühlen. Das Ritual ging so: WIE KOMMEN WIR ZUSAMMEN? STERNENFÖRMIG. UND WIE GEHEN WIR AUSEINANDER? STERNENHAGELBLAU. UND WARUM SIND WIR SO STERNENHAGELBLAU? WEIL WIR SO SEXY SIND. CHEERS. Dieser Spruch und dieses Prozedere ist ein echter Insider und wird nur denen etwas sagen, die dabei waren. Es war jedenfalls ein lustiger Moment. Auf dem Weg zurück in den P-berg sah es auf den Straßen und Gehwegen aus, als ob Krieg ausgebrochen war. Unglaublich was da verschossen wurde.

Neujahr haben wir ausgeschlafen, gefrühstückt, mit Eisis weiter gefrühstückt und sind dann wieder auf die Piste. Einfach rum fahren. Im Regen. Ach Berlin. In die Ausstellung und dann noch ein kuschliger Mittagsschlaf. Am Abend dann zu Eisis zum Abendbrot und Ausklang unseres Aufenthaltes in Berlin. Die letzte Nacht brach an, und nährte die Sehnsucht nach Mehr von Berlin. So 'mussten' wir noch einmal zu HILDE :-), und dann auch noch zu DUSSMANN. Oh mein Gott! Auf unserer Rücktour nach Gü wurde uns klar, was für ein schönes und priviligiertes Leben wir haben. Beschwehren können wir uns nicht.

Interessant waren vor allem die vielen Begegnungen in Familie und mit Freunden. Das direkte Erleben gestörter und ungestörter bzw. funktionierender Kommunikation war unglaublich erfrischend. Bald erscheint  darüber ein eigenständiger Block. Zickenalarm meinerseits, dass Andichten von was ich will bzw. nicht will, das Fremdeln, das Schweigen, die Tränen, und die Wehwehchen. Dazu dann später viel mehr.

Tuesday, January 3

Neujahrsansprache 2012

Live aus dem HILDE


Liebe Freunde!

3 Tage jung ist das neue Jahr, welches zudem ein Schaltjahr ist. Also einen Tag mehr für Familie, Freunde, Freude, Gesundheit, Pläne, Reisen, Bücher, Faulenzen, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Einsamkeit, Zweisamkeit, Zweifel, Mut, Auseinandersetzung, Herausforderung, Gedanken, Emotionen, Magie, Energie und Frieden. Ach, da könnte ich noch so einiges an Begriffen anfügen, umstellen, in Ordnung bringen usw. Vielleicht findet ihr beim Lesen einen Begriff von den aufgeführten, der für Euch für dieses kommende Jahr steht. Vielleicht vermisst Ihr etwas, was hier nicht aufgelistet ist und fügt es in Gedanken dazu. Dazu seid Ihr herzlich eingeladen und willkommen.


Happy new year! Und danke an alle, an Euch alle, die sich die Mühe gemacht haben, uns zu beherbergen, zu bewirten, uns auszuhalten, zu treffen und einen Moment Eures Lebens mit uns zu teilen.



Wednesday, December 21

Merry Christmas



Endlich ist es soweit. Nach einem wieder mal gefuehltem langem Jahr und so vielen Herausforderungen ist es geschafft. Unsere Weihnachtsfeier mit den Kollegen war ein grosser Spass und hat viel Freude gebracht. Wir haben es alle redlich verdient und werden nun ca. 2 Wochen die Beine baumeln lassen.

Es ist Weihnachten. Hier in Perth ist der Sommer da, so um die 35 Grad und ziemlich schwuel. So muss es sein.

Was bin ich froh, dass ich dieses Jahr an Weihnachten zuhause bin. Immer wenn mich die Wehmut packt, dann muss ich mich selbst stoppen und mir sagen, dass ich das Heimweh nicht aushalten muss. Denn in zwei Tagen sind Thomas und ich auf dem Weg nach Hamburg.

Den interessierten Lesern wuensche ich ein frohes Weihnachtsfest. Auf das ihr alle eine besinnliche Zeit erlebt, wenig Stress habt, Freude daran habt zu geben und einfach nur zu SEIN.Posted by Picasa

Thomas auf dem Meeresgrund


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Tuesday, December 6

Hello

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Wochenendspass





Thomas probiert das neue Boot und die Kamera auf dem Indian Ocean aus. Was fuer ein herrlicher Ausblick. Am Horizont ein Stehender auf einem der neuen 'Surfboards'







Unterwasseraufnahmen beim Baden an einem unserer 'Hausstraende'. Ungefaehr 10 Minuten von unserem Haus entfernt.























It can be great fun.













Great laughter under the sea. Was fuer ein Spass.




BLUBB.
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Bay2Beach Race

Vor einem Jahr hat Thomas sich in den Paddlesport verliebt. Die Anfaenge waren begleitet von diversen Herausforderungen. Waehrend er noch vor einem Jahr sich weniger als 5 minuten im Boot halten konnte, oder nicht durch die Wellen aufs bzw. ins Meer konnte etc hat er das ein Jahr spaeter nun voll im Griff.

Hier ein paar Eindrucke vom Bay zum Beach Race, 17 km vom einer Bucht im Swan River hinaus aufs Meer zum Cottlesloe Beach.

Nicht einmal rein gefallen!









Noch ist alles ruhig. Die Paddler sind zum Briefing. Unter anderem werden sie darueber aufgeklaert, was zu tun ist, wenn ein Hai ihren Weg kreuzt.

Kommentare wie ' Zum Ufer paddeln.' oder 'Und schneller paddeln.' haben fuer Gelaechter gesorgt. Wohl auch dem einen oder anderen Wettkaempfer den Magen verdreht.








Ohne Sonnencreme geht gar nichts. Die Sonne brennt gnadenlos, wenn der Himmel auch nicht blau ist.









Letzte Vorbereitungen, damit die Kamera bei Seegang auch nicht untergeht. Gestern gekauft und heute im Einsatz. Mal sehen, wie sich das bewaehrt.
















Immer wieder ein bunter und interessanter Anblick. All diese Boote und mehr werden spaeter ihre Paddler zum Ziel tragen.



















Robot - auch andere haben die Idee ihren Erfolg per Video aufzunehmen.











Alles ist am Start am diesen Tag. So auch die 'Vielfuessler'.
























Die Mini Nikon ist bereit, in die See zu stechen.






Bewoelkt ist der Himmel, zunehmender Wind ist angesagt. Da hilft nur eins, schnell ans Ziel kommen, um dem Wetter zu entkommen.



Endlich geht es an den Start. Thomas ist hier auf dem blauen Surfski zu sehen.











Ich fahre nebenher im Auto und halte hier und da, um den Wettkampf zu beobachten. Noch sind alle im Pulk.









Und hier beginnt es sich zu lichten. Thomas haelt sich gut.









An der Nord Mole gibt es einen wunderschoenen Blick auf das Meer. Hier ist auch die Flussmuendung des Swan Rivers und dann geht es aufs Meer hinaus. Zwischendurch kreuzen diverse Jachten, denen es egal ist, was ihre Welle ausloesen koennen.









Hier kommen sie.














Die Schnellsten sind schon lange um die Mole rum. Jetzt kommt das Hauptfeld. Wo ist Thomas nur? Ich kann ihn nicht sehen.


















Im Hintergrund das Maritime Museum in Fremantle. Eine schoene Kulisse.









Und da endlich auch Thommy. So allein.














Doch der Schein truebt und es gibt doch immer noch welche, die er ueberholen kann.









Was er wohl denkt? Ich habe ihm schon zugejubelt und angefeuert.













Und siehe da, Thomas uebernimmt die Fuehrung.










Aufholjagd zum Mittelfeld. Nun auf das offene Meer.





























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Bay2Beach Race 2





Und nun geht es auf die 'Zielgerade'. Ist aber doch noch ein ganz schoen langes Stueck, bis das Ziel erreicht ist.













Vom Strand aus ergibt sich ein schoener Anblick auf all die bunten Punkte, die sich dem Ufer naehern.






Cottesloe: Viele sind bereits angekommen und sind sicher froh und stolz auf ihre Leistung. Ich warte und warte auf Thomas.










Immer noch nicht in Sicht.










Auch hier ist er nicht dabei. Die See wird bewegter, ist aber noch haendelbar.






Die Einfahr habe ich auf Video aufgenommen. Den Einlauf ins Ziel dann aber doch lieber als Bild aufgenommen.














Banane und co zum Staerken. Gratulation. Es ist geschafft in einer Stunde und 40 Minuten ganze 17 Kilometer.


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Friday, November 25

Wir haben gewonnen

https://www.youtube.com/watch?v=M8Q8HtzmLrI&feature=player_embedded

Das ist das Video, dass an unserem Service gedreht wurde. Was fuer eine Freude.

Manch einer wird vielleicht nach mir suchen. Aber da muss ich enttaeuschen, denn ich habe mich im Hintergrund gehalten. Alles in allem erhaltet ihr einen Eindruck von uns, wenn auch nur kurz. So sieht es aus hier.

Willkommen in meiner Welt.

Buschbrand in Weinregion

Ich glaube, dass sie mittlerweile Katastrophenzustand ausgerufen haben. 30 Haeuser sind schon zerstoert und das Feuer immer noch nicht geloescht.

Unglaublich, aber wahr: Vorgestern wurde ein sogenannter kontrollierter Brand gelegt, um das Unterholz etc zu verbrennen. Das ist dann komplett ausser Kontrolle geraten.


http://www.perthnow.com.au/news/western-australia/wa-fires-fire-threatens-hills-homes-s-w-resort-at-risk/story-e6frg13u-1226205630864

Saturday, November 19

Berufliche Karriere auf dem Höhepunkt

Wer mir vor 5 Jahren gesagt hätte, dass ich mal Klinische Managerin des größten australischen psychologischen Dienstes an einer Universität arbeiten wurde, dem hätte ich wohl mit großen Augen angesehen und im Leben nicht daran geglaubt, dass das tatsächlich so sein würde.

Heute sitze ich hier und habe dieses Jahr in dieser verantwortungsvollen, herausfordernden, stressigen und vielfältigen Rolle beinahe geschafft. Nur noch ein paar Wochen und dann wird diese Erfahrung zu einem meiner wichtigsten beruflichen Etappen gehören. Im nächsten Jahr kann ich mich dann wieder etwas ausruhen, und mich voll und ganz der Therapie sowie meiner eigenen privaten Praxis widmen.

Jetzt erst einmal ein kleiner Rückblick auf dieses Jahr. Nach dem Tod meines Vaters und meinem langen Aufenthalt in Deutschland im letzten Jahr war ich unglaublich erschöpft, traurig über den schmerzlichen Verlust und mich schuldig fühlend, dass ich so wenig Zeit mit meinen Eltern in den letzten Jahren verbracht hatte, zurück nach Perth gekommen. Diese intensiven neun Wochen in Deutschland hatten ihre Spuren hinterlassen. Graue Haare unter anderem.

Da sind noch weitere dazu gekommen, alle schön über dieses Jahr verteilt und es half nichts, da musste wieder Farbe rüber.

Zu Beginn dieses Jahres hatten wir es gleich mit mehreren Selbstmorden zu tun, bei denen unser Service für die Kriseninterventionen zuständig war. Vom Management bis hin zu den ganz schweren Aufgaben, Mitarbeiter und Angehörigen Betreuung waren dabei an ganz oberer Stelle. So begann mein Jahr in meiner neuen Position und so ging es eine ganze Weile weiter; keine Zeit zum Eingewöhnen. Ständig passierte etwas, manchmal konnten wir noch rechtzeitig intervenieren, bevor Situationen noch mehr eskalierten.

Beispielsweise eine psychotische Studentin, die ihre Fakultät in Atmen hielt, und die laut auf den Fluren ihre sexuellen Dienste anbot. Die Security hatte sie dann zu mir gebracht, aber sie wollte mir partout nicht glauben, dass ich Psychologin bin, fragte ständig nach meinem Ausweis, sagte uns ihren Namen nicht und hatte einen bleibenden Eindruck in unserem Warteraum hinterlassen. Am Ende konnte ich sie nur noch in die Klinik bringen.

Oder ein paranoider Student, verwahrlost aussehend, und sein ganzes Hab und Gut im Bibliothekskaffee auf den Tisch ausbreitend, Mülleimer durchwühlend, wollte sich von der Security nicht zu unserem Service bringen lassen. Also musste ich hingehen und sehen, ob ich ihn überzeugen konnte, mit mir zu kommen. Ein Schauspiel war das für all drum herum sitzenden Studenten, die wohl am Morgen dieses Tages nicht ahnten, welche Performance ihnen noch kostenlos geboten werden sollte. Unter seinen Utensilien hatte dann die Security auch ein Messer gefunden. Gott sei dank, denn sie haben es gleich sicher gestellt. Vor meinem Büro haben sie dann gewartet. Ein Gespräch mit seinem Psychiater führte dann zu einer schnellen Übergabe an den Kollegen. Seit dem war dieser Student nicht mehr gesehen an der Uni.

Eine andere Studentin, die in der Regel in ihrem Auto schläft und regelmaessig ihre aggressiven Wutausbrüche an Anderen auslebte, sorgte für Angst und Schrecken das ganze Jahr über. Ein dritter Klinikaufenthalt mit Hilfe der Polizei, und nach ihrer Drohung vom Dach eines Gebäudes zu springen, schien dann zu helfen, um ihre Emotionen besser zu regulieren. Alles natürlich nur mit Medikamenten. Sie hat uns einiges an Nerven geraubt. Und so gab es einige ähnliche intensive Fälle das ganze Jahr über verteilt. Am Ende lag die Entscheidung immer bei mir, und so manches Mal bin ich mit einem mulmigen Gefühl nach Hause, zweifelnd, ob eine Entscheidung gegen die Klinik die richtige war.

Zu Beginn des Jahres hatten wir dann auch gleich 5 neue Kollegen und 4 Psychologiestudenten in das Team aufgenommen. Eine Herausforderung auf einer ganz anderen Ebene. Unser Team war zu dieser Zeit ziemlich gesplittet, es gab einiges an unterschwelligen Konflikten, die im Rahmen einer großen Mitarbeiterbefragung zu Lichte traten und gelöst werden mussten. Auch das Feedback an das vorherige Management Team war ziemlich schlecht ausgefallen. Da haben mir meine Kenntnisse in Konfliktmanagement und Mediation sehr gut geholfen. Aber auch das hat so manches farbiges Haar gekostet. Der Aufwand und der Verlust von Haarfarbe hatte sich gelohnt!

Was noch so passierte bzw. adressiert werden musste: Strukturveränderungen in unserem Emergency System, 4 – 6 Wochen Wartezeiten auf einen Termin bei uns, Strategieplannung für die kommenden Jahre, Personalplanung, Mitarbeitergespräche, Therapie, Trainings und Fortbildungen usw. Will ich gar nicht weiter im Detail ausführen.

Und im Oktober erfuhren wir dann, dass unser Service für einen ganz besonderen und auch mit Geld dotierten Preis nominiert wurde. Ach, was für eine Freude. Gestern nun war der Tag der Entscheidung. Natürlich waren wir auch alle auf das Video gespannt, dass im Oktober für den Fall der Fälle gedreht wurde und für ne Menge Spaß sorgte. Die Spannung stieg und dann kamen die entscheidenden Worte , The Award Goes to Counselling Services’.

Ich muss wohl nicht betonen, wie stolz ich bin, Teil dieses Teams und Services zu sein. Nach einem Jahr wie diesem, und in meiner Rolle als Klinische Managerin, ist dieser AWARD (Preis) das I-Tüpfelchen meiner Karriere. Das ist ohne Zweifel. Die Sektkorken sind geknallt und wir allen sind voller Freude.

Es geht ein berufliches Jahr zu Ende, von dem ich im Leben nicht gedacht hätte, dass es so erfolgreich werden würde. Was kann da noch kommen? Ich fühle mich bestätigt und erfüllt. Ein wunderbares Gefühl.

Ein ganz normaler Samstag morgen.

Für mich sind es ein bisschen mehr als 5 Jahre, die ich in Perth lebe. Wenn ich an den Anfang zurück denke, dann kann ich das kaum glauben. Diese 5 Jahre waren so voll gepackt mit unterschiedlichsten Begegnungen, Momente, Gedanken, Gefühlen und Verlusten aber auch Erfolgen. Alles in allem eine unglaubliche Bereicherung in meinem, unseren Leben hier. Beinahe alles ist in diesem Blog berichtet und beschrieben worden, manchmal mehr, manchmal weniger im Detail. Ich bin dankbar, dass ich diesen Lebensabschnitt in meinem Blog dokumentiert und festgehalten habe.

Heute ist Samstag, 19. November 2011. Es ist 8:13 am Morgen, den ersten Kaffee mit aufgeschäumter Milch genossen, die erste Serie bereits gesehen, die Emails gelesen und ein wenig Nachrichtenueberblick absorbiert, Thomas ist schon seit um halb sechs auf seinem Rad und dreht die übliche Runde bis nach Fremantle, hat dort seinen ersten Kaffee und begibt sich dann wieder zurück nach Hause. Dann kommen auch frische Brötchen und wir kochen uns ein Frühstück sei, genießen das gemeinsame Frühstück und schauen Heute Journal. Wenn wir kaum was im Kühlschrank haben, das unser Morgenritual bereichern könnte, dann fahren wir auch mal eben ans Meer ins Yelo Kaffee, und haben dort in der Regel einen Lachsbagel, einen Kaffee und ein Mandel Croissant. Um diese Zeit ist dort bereits viel Betrieb. Alle Frühaufsteher, Läufer, Radfahrer, Spaziergänger, alt, jung, Mama, Papa, Kind und Hund stellen sich an, um ihrem ganz speziellen Samstagmorgen Ritual nachzugehen. Wo auch immer wir sind, läuft um diese Zeit in der Regel auch schon die erste oder zweite Waschmaschine und Wäsche hängt bereits zum Trocknen draußen in der Morgensonne und unter blauem Himmel.

Der Sommer kommt mit viel Sonnenschein, Wärme, blauem Himmel, Vogelgezwitscher, einer frischen Briese am Nachmittag und herrlichen Sonnenuntergängen am Abend. Und es macht überhaupt nicht den Eindruck, dass Weihnachten vor der Tür steht, und ein besonderes Jahr auf sein Ende zusteuert.

Saturday, November 5

ein lied

Heute ist es ein Jahr her, als Vati beerdigt wurde. Und das Lied von k.d. Lang 'Halleluja', das wir gespielt hatten, durfte ich heute live hoeren. Denn k.d. Lang war in Perth. Was fuer ein timing.
http://www.youtube.com/watch?v=P_NpxTWbovE

Papsi, wir vermissen dich.

Saturday, October 22

Ein Jahr

Der Himmel ist tief blau, beinahe schwarz. Es blitzt und kurz darauf folgt der Donner. Ein Zeichen, dass dieser Tag ein ganz besonderer und trauriger ist. Ich bin Deutschland sechs Stunden voraus und damit bereits im 22 Oktober angekommen. Vor einem Jahr wussten wir zu dieser Tageszeit nicht, wie dieser Tag ausgehen würde. Am Ende haben wir unseren lieben Vater und Ehemann und Opi verloren.

Die Erinnerungen und Bilder begleiten mich schon seit Tagen. Am Tag und auch in Nacht. Vati erschien mir in meinen Träumen. So habe ich ihn lange nicht gesehen. Und für kurze Momente war es so real und er schien am Leben. Neben mir sitzend, nicht sprechend, aber ich konnte seinen Körper und seine Bewegungen spüren. Und dann war er auf einmal wieder weg. Am morgen, wenn ich aufgestanden bin, sehe ich ihn winken. Doch leider nur von seinem Bild.

Ein paar Stunden spaeter ...

Und so geht dieser Tag in Perth seinem Ende zu, waehrend fuer meine liebe Familie in Deutschland die schlimmsten Erinnerungen beginnen. Ich mag nichts ins Bett gehen, denn ich weiss, dass ich sowieso nicht schlafen kann.

Der Regen hier beginnt wieder leise zu rieseln. Es hoert sich an, als ob der Regen die Blaetter streichelt. Wind und eine frische Briese gesellen sich dazu. Voegel gurgeln im Hintergrund, die Zirpen zirpsen. Und so stimmt die Natur ihren Rhythmus. Alles ist im Einklang.

Wo auch immer du bist
moegest du auch im Einklang und Frieden sein.

Thursday, October 13

eine dose cola

Schon immer war ich Cola fan. Seit ich denken kann bin ich diesem Getraenk erlegen. Es gab Zeiten, da ich Entzugserscheinungen hatte und nur noch darueber nachgedacht habe, wo ich die naechste Cola her bekomme.

In Zeiten der Verwestlichung war das am Anfang noch alles aufregend und so einfach zugaenglich, was nicht gerade geholfen hat, meiner Sucht die Stirn zu bieten.

Heute kann ich Cola trinken, ohne in dieses Suchtverhalten zu fallen. Ab und an ist dann mal ein Aufputsch drin.

Wie auch immer. Heute habe ich mir eine Cola aus dem Automaten gezogen. Immer wieder faszinierend, wie so ein Automat funktioniert. Wenn doch alles so klar sein koennte. Seit ein paar Wochen hat Coca Cola diese Aktion mit den Aufschriften, wie beispielsweise Namen, oder 'mum', 'brother' etc.

Eine Sekunde nachdem ich die 2 Dollar in den Automaten gesteckt habe, faellt die Dose in das Fach zur Entnahme. Die Promotion Aktion hatte ich gar nicht mehr im Kopf. Als ich die kalte Cola dann in meiner Hand hatte und sie umdrehte, um mich an die Kaelte der Dose zu gewoehnen, springt mir ein einziges Wort ins Gesicht.

'DAD'

Bali Erdbeben

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/6/0,3672,8357382,00.html

Thursday, October 6

In Erinnerung

Der Schmerz hoert nicht auf.
Die Augen voller Traenen.
Das Herz wehmuetig.
Der Koerper schwer.
Der Kopf will nicht begreifen.

In Erinnerung an dich.
Dein Geburstag.
Euer Hochzeitstag.

Die Kerzen sind angezuendet.
Die Rosen auf ihrem Weg.
Der Morgengruss gesprochen.

Du fehlst.
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