Wednesday, February 20

Kontakt

Nach einem entspannten Wochenende im Süden von Perth in der Magaret River Region sind wir am Montag wieder im warmen Perth eingetroffen. Es war eine gute Ablenkung nach wieder einmal einem traurigen Abschied von Thomas' Bruder und seiner Familie. Wir werden es nie lernen. ich werde es nicht lernen, einen Abschied ohne Tränen und Schmerz durchzustehen.

Das klassische Konzert auf dem Weingut Leeuwin war etwas enttäuschend. Denn es sangen zwei Opernstars den ganzen Abend, es drifte ab zu einer Entertainmentshow gemacht für die Älteren unter uns. Wir haben über uns gehen lassen, den Sternenhimmel beobachtet, guten Wein getrunken und beobachtet. Dieses Event wird nur einmal im Jahr dort gemacht. Es hat eine ganz besondere Atmosphäre und ähnelt der Berliner Waldbühne sehr. Nur etwas kleiner. das nächste Mal werden wir mehr darauf schauen, was Inhalt des Abends ist. Es ist eben nicht immer drin, was drauf steht.

So hat uns die Abwechslung gut getan und mittlerweile sind wir wieder mitten im Alltag. Mit einigen Überraschungen. Montag lag die Urkunde vom Board of Psychologists im Briefkasten, um mir nun zu bestätigen, dass ich meinen Spezialtitel als clinical psychologist tragen darf. Welch Freude durchströmte meinen Körper. Wieder eine so wichtige Hürde genommen. Auf Arbeit geht es sich gut, viele interessante Konfliktprojekte an der Uni stehen an, an denen ich mitarbeiten kann. Auch das freut mich und sorgt für Abwechslung im täglichen therapeutischen Alltag.

Heute durfte ich einer Buchlesung einer Aborigine beiwohnen, die ihre Lebensgeschichte veröffentlicht hat. Eine Geschichte, ihre eigene, über die Erfahrung als eine von vielen zu der stolen generation zugehörend. Sie signierte mir das Buch mit herzlichen Worten und drückte mich danach. Endlich komme ich dem näher, wonach ich schon lange Ausschau gehalten habe. Ermutigt bin ich dann zur Professorin und Leiterin der Aborigines Studies der Uni gegangen und habe um ein Gespräch gebeten. Natürlich nicht heute, aber die kommenden Tage. Sie gab mir ein Handbuch für Psychologen, die mit Aborgines zusammen arbeiten. Einfach so. Geschenkt. Ich sehe unserem Treffen entgegen und will mich vorbereiten, so viele Fragen habe ich. Vor allem Fragen zu deren Konfliktkultur. Spannend.


Tuesday, February 12

The big day

Zum ersten mal in der Geschichte Australiens entschuldigt sich eine Regierung bei den Aborigines. Ich dachte, dass das lediglich ein Ritual beim Regierungswechsel ist. Das stimmt aber nicht. Um so aufgeregter sind viele Beteiligte, wie, was und in welcher Form diese Entschuldigung formuliert werden soll und wie sie morgen aufgenommen wird.

Morgen, Mittwoch, ist der Tag, an dem Kevin Rudd diese Rede haelt und sich entschuldigt fuer die stolen generation.
In einer Tageszeitung habe ich gestern gelesen, dass 40% der Westaustralier diese Entschuldigung nicht unterstuetzen. Leider war dem Artikel nicht zu entnehmen, warum.

Es existieren viele Reaktionen entlang dieser Entschuldigung (uebersetzt von GetUp, Action for Australia) Beispielsweise:
Der Australier ist nicht verantwortlich und sollte sich nicht schuldig fuehlen.
Das mit der stolen generation gehoert der Vergangenheit an (eines der staerksten Argumente gegen die oeffentliche Entschuldigung).
Die Beteiligten dieser dachten damals, dass sie das Richtige tun.
Eine Entschuldigung macht Vergangenes nicht ungeschehen.
Das wird uns ein Vermoegen kosten.

Die Entschuldigung ist eine zentrale Empfehlung des Bringing Them Home (Bringe sie nach Hause) Berichts von 1997.

Saturday, February 9

The Price of Life

Ich hatte so einen Moment, als ich das erste mal 100 Dollar für eine Tankfüllung bezahlt habe. Ich fahre eine Limousine mit einem normalen Tank. So bin ich erschrocken. Okay vielleicht würde ein durstiger V8, 4rad angetrieben soviel kosten für diejenigen aus WA, die am Wochenende mal eben nach Dunsborough oder Eagle bay fahren, um sich zu erholen. Aber ein einfaches Stadtauto, dass 100 Dollar Sprit kostet?
Ich will gar nicht erwähnen, was das alles 30 Jahre früher kostete, aber es erinnert mich dennoch an die Zeit, als ich noch ein Fahranfänger war und mir der Gedanke niemals kam, dass ich wohl eines Tages 100 Dollar für den Sprit bezahlen muss. Wahrscheinlich hat nie jemand daran gedacht, dass das passiert.
1972 hatte ich einen grünen VW (Baujahr 66), der mich 750 Dollar gekostet hat, als ich ihn (oder besser meine Mutter) erstanden habe. Zu dieser Zeit habe ich 2 Dollar an der BP bezahlt, 11 cent pro Liter. Und nebenbei gesagt, hat dann noch jemand von der Tanke den Wagen aufgefüllt.
Mit diesem Wagen bin ich zum Pub gefahren, um dort 50 cent für einen Bierkrug zu bezahlen (verglichen mit dem heutigen Preis, 15 Dollar, die ich bezahlen musste, als ich einem Testmatch zugesehen habe). Und ich habe früher 40 cent für eine Zigarettenschachtel bezahlt. Vielleicht ist es ungerecht, auch nur den heutigen Preis von Zigaretten zu erwähnen.
Genauso stellt es sich mit Immobilien dar. Ich höre noch, wie ein Kollege von mir vor 10 Jahren erzählte, das er sich ein 1 Millionen Haus gekauft hat. Ich war total beeindruckt. Normale Familien hatten kein Haus mit sieben Räumen. Das hatte man nur in Zeitungen gelesen. Solche Häsuer waren was für Schauspieler, oder Großindustrielle, oder?
Heutzutage hebt man nur lässig die Augenbraue, wenn man hört, dass ein Haus 1 Million kostet. Es ist lange nicht mehr ein Palast, es ist einfach ein Haus in guter Lage. So ist es eben. Eines der Dinge, denen wir gegenüber immun werden bzw. geworden sind.
Also was passiert hier? Wir wissen alle über Zigaretten und Bier Bescheid - es hat was mit den Steuern zu tun. Aber Benzin?
Nein, ich bin kein konspirativer Theoretiker. Ich bin auch ziemlich gut im Verstehen der Inflation, Technologien und des Mangels. Aber diese Preissteigerung beim Benzin lässt mich überlegen, es hat nicht nur was mit dem Einbahn-Verkehr zu tun da draußen. Da sind auch noch andere Dinge, die heute weniger kosten als früher.
Mein erster Farbfernseher hat viel mehr als mein jetziger gekostet. Das Gleiche gilt für meinen DVD Player. Mein erstes Handy war außerordentlich teuerer, als das was ich jetzt habe.
Der Laptop, den ich 5 Jahre zuvor benutzt habe, kostete das Doppelte von meinem aktuellen Laptop. Gleiches gilt für den iPod.
Letzte Woche habe ich mal bei einem Gebrauchtwagenhändler reingeschaut und mir fiel sofort der grüne Volkswagen (66iger Baujahr) ins Auge. Der Gleiche, den ich mal hatte. Es war offensichtlich etwas aufgepeppt entsprechend den heutigen Erfordernissen, and die Kosten, es zu betanken würden den Kaufpreis nach ein paar Monaten weit überholen. Aber es war exakt der gleiche Wagen, und mit dem Preis von 750 Dollar, der gleiche Preis wie in 1972.
Ökonomie und Logik mal beiseite nehmend, ich kann mir nicht helfen, aber irgendetwas läuft schief.

heute im Magazin der Sunday Times gelesen


Friday, February 8

Öffentliche Entschuldigung

The stolen Generation - gestohlene Generation ist immer mal wieder Thema, wenn es um Fragen der indigen Bewohner Australiens geht. Es meint eine Zeit von ca. 60 Jahren im 20. Jahrhundert, in denen die Kinder von Aborigines einfach von zuhause abgeholt wurden und bei weißen Familien unter gebracht. Ohne ein Recht auf Erziehung und Entscheidung der natürlichen Eltern, sind ganze Familien auseinander gerissen worden. Australien hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, doch war es zu dieser Zeit überzeugt, genau das Richtige zu tun.

Seit einiger Zeit hat Australien eine neue Regierung. Und es ist Tradition, zu Beginn der neuen Amtszeit eine öffentliche Entschuldigung auszusprechen. Sie tun sich schwer damit. Die Presse ist täglich voll vom aktuellen Stand des entsprechenden Entwurfes zur öffentlichen Rede. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie diese am Ende lauten wird. Der öffentliche Erwartungsdruck ist hoch, geforderte finanzielle Mittel zur Wiedergutmachung sind abgelehnt worden.

Gestern erreichte mich eine email auf Arbeit mit einem offiziellen Schreiben der Curtin Universität, meinem Arbeitgeber. Es ist ihnen gelungen in einem einseitigen Schreiben einen Beitrag zur Entschuldigung zu leisten und sich zu verpflichten, bisherige Projekte indigene Studenten zu integrieren, weiter zu führen. Damit hat die erste Universität Australiens ein Papier geliefert, das schwarz auf weiß Verantwortungsbewusstein zeigt. Eine Kollegin von mir arbeitet in dem Gremium mit, das dieses Statement erarbeitet hat. Sie war wirklich sehr stolz.

In einem Teil meiner Gedanken regt sich der Eindruck, dass es nur die Absicht war, schneller als alle anderen Unis zu sein. Und nicht die Überzeugung der eigentlich Botschaft. Das ist selbstverständlich eine bittere und, vielleicht, auch ungerechtfertigte Meinung. Es ist schwer, kontinuierlicher im Gespräch mit Australiern darüber zu sein. Das Thema ist präsent, aufgrund der demnächst folgenden öffentlichen Entschuldigung.

Wie lange wird es dauern, bis so etwas nicht mehr einer öffentlichen Entschuldigung bedarf? Wie lange wird es dauern, bis man es nicht erzwingen muss, sondern eine im Alltag verankerte Einstellung bei allen Australiern? Wie lange wird des brauchen, bis Gespräche über das "Oh, nein wechsle lieber die Straßenseite" hinaus gehen? Wie lange wird es dauern, bis die jüngeren Generationen kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen, denn sie haben nichts zu entschuldigen. Oder doch?

Heute Abend wird das Perth Festival eröffnet. Die hier ansässigen Aborigines rufen auf zu Gemeinsamkeit und friedlichem Miteinander. Sie werden in der Minderheit vor der Mehrheit stehen, und sie hoffen immer noch auf ein Gutes. Im letzten Jahr waren wir dabei und mussten mit erleben, wie einige im Publikum lachten, und weniger ernst waren. Peter und der Wolf wurde damals im Anschluss gespielt. Nichts, was mit der einheimischen Kultur zu tun hat. Heute Abend soll ein Baum (Black boy tree) angezündet werden, ganz so wie in der Tradition der Aborigines, um ihn zum blühen zu bringen. Ein Zauber wird uns erreichen, der so schnell wieder vorbei ist, wie er gekommen ist. Übrig wird eine Erinnerung eines fantastischen Abends sein, bei dem auf dem Swan River französische Künstler ihr Können zum Besten gegeben haben.

Ich lasse mich überraschen.

Saturday, January 19

Stimmen sie noch?

Weit ab vom Geschehen der Welt genießen wir Bach, Haydn, Strauss und Co. Es hat Wohnzimmercharakter. Sie geigen und geigen. In der ersten Hälfte hat es den Anschein, dass sie niemals wieder aufhören wollen, so gleichsam spielten sie sich ein. Der Dirigent in blauer Jeans, in einem zu engem Frack und zu vollen Hosentaschen mit überladendendem Bauch gibt sich alle Mühe.

Die Frage kommt auf, warum ein Orchester überhaupt einen Dirigenten braucht? Die Violin Solisten spielen auf, wobei der eine seinen weißen Schwitzlappen lässig an der Violine kleben lässt, wenn sie beklatscht werden. Und sowieso aussieht, als ob er aufgrund von Fettleibigkeit gleich einen Herzanfall bekommt. Seine Hosen sehen aus, als ob sie bereits drei Tage getragen sind. Am rechten äußeren Rande sitzen zwei Musikerinnen, die sehr ernsthaft ihren Beitrag leisten. Ein Lächeln ist ihnen nicht zu entlocken. Sie wirken steif und ohne Freude bei der Sache.

Das Publikum ist alt, 80% älter als 60 Jahre. Eine Reihe vor uns sitzen Mama und Papa. Papa nickt ein und rollt ab und an den Kopf so komisch. Beim Aufrollen des Kopfes öffnen sich schnell die Augen. "Spielen die immer noch?" Ich muss schmunzeln und die Augen schließen, ansonsten würde ich losprusten vor Lachen. Meine Schwester von rechts fragt dann auch noch, ob ein Paukenschläger wohl auch so viel Gage bekommt, wie die anderen. Schließlich hat der ja nicht so viel zu tun.

Pause.

In der Reihe hinter uns unterhalten sich zwei Damen, die schon ganz verwirrt sind, weil die Programmabfolge der Stücke vertauscht wurde. Sie als Bachexperten hätten ja schon lange gemerkt, dass da was nicht stimmt. Peinlich, ich hab das nicht bemerkt.

Der Dirigent erscheint und spricht zum Publikum und wird damit sympathisch. Er spricht seine blaue Hose an und sorgt dafür, dass wir alle wissen, was gespielt wird und wann wir zu klatschen haben und wann nicht. Sind wir hier bei Loriot? Und dann macht er tatsächlich peinliche Ratespiele mit uns und fordert alle auf zu klatschen, wenn sie das Stück erkannt haben. Zum Glück drehte er sich nicht auch noch um und fragte, um welchen Komponisten es sich denn handelte. Glück gehabt. Und dann legen sie richtig los. Spielen energisch und fesselnd. Alte Köpfe wackeln hin und her. Walzertackte auf der kleinen Bühne des Güstrower Theater. Und zum guten Schluss der Radetzki Marsch. Jetzt ist auch der letzte in der hintersten Reihe aufgewacht.

Die Akustik hat was von Wohnzimmeratmosphäre, wobei die alle nicht in mein Wohnzimmer gepasst hätten. Selbst das Theater war zu klein, so dass der Männerchor zuhause bleiben durfte und das Programm umgestellt wurde.

Zum Stimmen sind sie nicht gekommen, und wir nicht zum zählen. Ein herrlicher Abend so weit ab von allem und so nah bei uns.

Friday, January 18

Die Kata

Heute vor einer Woche war ich bereits von Hamburg nach Güstrow unterwegs. Ich freue mich, hier zu sein, ohne Hektik und Verpflichtungen. Keine Arbeit, keine weiten Fahrten. Nur Familie und ein paar Freunde.

Die Zeit ist ausgefüllt und lässt viel Raum für Beobachtungen und Neuentdeckungen. Und auf einmal gefällt mir Güstrow wie nie zuvor.

Wenn da nicht immer wieder engstirniges typisch deutsches Verhalten meine Eindrücke trüben würden. In der Apotheke fragte ich beispielsweise nach bestimmten Ohrentropfen (wenn man Wasser im Ohr hat), die ich bereits in Australien gekauft und an mir ausprobiert habe. Hier bekomme ich einen Blick von oben, ich sehe geradezu wie die Dame hinter dem Schalter wächst und mir zu verstehen gibt, dass es so etwas nicht geben kann. Ohne ein weiteres Interesse, ohne ein weiteres Bemühen, um welches Zaubermittel es sich handeln könnte. Ohne die Suche oder das Angebot von Alternativen. Fertig waren wir und ich hatte eigentlich nichts anderes erwartet (dieses Verhalten hat nichts mit Güstrow zu tun, sondern mit einem generellen Benehmen im Servicebereich). Und ich kam mir sofort klein und dumm vor. So als ob ich gerade einem Harry Potter Buch entstiegen bin und unter einem Realitätsverlust leide. Ich habe noch einige Beispiele dieser Art, verzichte aber auf die weitere Beweisführung meiner Wertung.

Fairerweise habe ich dafür eine Begegnung mit einer Ärztin gehabt, die in mir ein vertrautes Gefühl weckte. Bewusst suche ich hier einen Facharzt auf, zu dem ich nur über das Halb tot sein in Australien vorgelassen werden würde (so jedenfalls mein aktueller Kenntnisstand). Und ich werde behandelt wie ein Star hier. Behutsam, umfangreich, zuverlässig und kompetent. Nun ja. Ich bin aber auch Privatzahler. Ganz sicher ist das eine andere Perspektive. Als Kassenpatient hätte ich vielleicht nicht so einen Check up bekommen.

Ansonsten urlaube ich und entspanne. Gestern fand ich mich auf einmal in einer Turnhalle wieder, die mitten auf einem Feld steht und im Dunkeln wirklich nur zu finden ist, wenn die Scheinwerfer des Autos groß genug sind. Es ist Karatekurs für Anfänger. Was ich dort tue? Ich sehe meiner Nichte zu, wie sie sich bemüht, diverse Koordinationen mit Armen und Beinen durchzuführen. Ich verstehe es nicht mal beim hinsehen und mein Selbstversuch scheitert bereits in meinen Gedanken. Als ich frage, ob ich zusehen darf, erhielt ich folgende Antwort: "Mitmachen ist die Divise. Schließlich ist man ja auch nicht nur halb schwanger." He? Ich denke, was ich mir da wieder eingebrockt habe und setze mich nach dem Ausziehen meiner Schuhe auf die Bank und rühre mich nicht mehr. Hoffend, dass ich nicht noch einmal aufgefordert werde, mich einzureihen und "Go" mitzuschreien. Ich habe Glück gehabt. Ich durfte sitzen bleiben und hatte auch so meinen Spaß.

Tuesday, January 8

Back home

Noch ganze drei Wochen bleiben, um mich zu erholen und mir Gutes zu tun. Thomas ist mittlerweile den zweiten Tag arbeiten und schwitzt schon beim Aufstehen. Der Sommer hat die Hitze nicht mehr im Griff. Und der Wind aus dem Westen kämpft gegen den aus dem Osten. Der Ostwind ist ziemlich warm und bläst wie ein Fön. Es ist ungeheuer lähmend und damit eine Herausforderung, das Haus kühl zu halten.

Unseren Urlaub auf Tasmanien haben wir sehr präsent. Im Moment erzählen wir täglich darüber, weil wir einiges an Mails bekommen, oder hier Freunde sehen, die ganz genau wissen wollen, wie es dort ist. Das hält die Erholung auf Trapp und wirft mich auf Gefühle zurück, die ich dort gehabt habe. Erstmalig habe ich so starkes Heimweh gespürt, weil mir alles so vertraut war. Ich habe sicher schon darüber geschrieben. Es war so intensiv, dass meine Träume beinahe jede Nacht von meinem Zuhause bestückt waren und in der Erinnerung ebenfalls sehr präsent sind.

So fliege ich also übermorgen nach Hause, um mein Bedürfnis nach meinem Familiennest zu befriedigen. Die Rückkehr von Tasmanien nach Perth war von Gedanken begleitet, wieso haben wir eigentlich Perth gewählt? Es gibt so viele interessantere Plätze auf der Welt. Hobart, beispielswiese; ist so viel lebendiger als Perth. Reicht die Lage von Perth am Indischen Ozean aus, um sich wohl zu fühlen? Und wo wird es hin gehen, wenn wir von Perth genug haben? Viele Fragen, ohne Antworten.

Zurück in Perth habe ich mich schneller wieder an mein Hierzuhause gewöhnt. Doch, es ist schön hier. Und ja, das Meer sorgt für Urlaubsstimmung, auch wenn der Alltag wieder präsent wird. Am letzten Wochenende haben wir eine Menge Spaß im Wasser gehabt. Und alle meine zweifelnden Gedanken über Perth waren verstrichen. Im Haus fühle ich mich wohl. Es ist wirklich schön. Doch immer ist dieser Gedanke, wie lange wir hier wohnen dürfen. Wird es bald eine Mieterhöhung geben? Und wenn ja, wieviel bereit sind wir zu zahlen? Oder müssen wir gar wieder Mitte des Jahres ausziehen? Ich mag daran nicht denken, dennoch rutscht es gerade immer mal in mein Bewusstsein.

Das Heimwehgefühl ist weniger geworden, als wir wieder hier waren. Für mich hat es auch damit zu tun, wie einfach es von hier aus, mit meiner Heimat im Kontakt zu sein. Das war in Tasmanien weniger möglich und hat ganz sicher Gefühle wie diese unterstützt.

Jetzt freue ich mich, wieder ein paar Tage in Deutschland zu sein. Am Freitag schon bin ich da und gespannt, wie es sich anfühlt. Damit bin ich erstmalig ein ganzes halbes Jahr von Deutschland weg gewesen. Viel länger kann ich es auch gar nicht aushalten.

Dennoch frage ich mich, ist der richtige Zeitpunkt? Einige meiner Liebsten haben runde Geburtstage, unser traditionelles Ostern, Weihnachten etc. Sollte ich nicht lieber warten, wenigstens bei einem dieser Ereignisse dabei zu sein? Ja, Weihnachten steht dieses Jahr für Familie in Deutschland. Das ist ziemlich klar und darauf freue ich mich. Doch, wenn ich jetzt fliege, sind es 11 Monate bis zu meiner Rückkehr. Im schlechtesten Fall. Ich beruhige mich damit, dass ich meine Sehnsüchte nicht planen kann und sie unabhängig bleiben müssen, von Geburtstagen und Ähnlichem. Manchmal schlüpft ein Gedanke hervor. Ist es zu egoistisch zu fahren, wenn mir so ist. Und dann nicht fliegen zu können, wenn es einen Anlass gibt? Es ist ein müßige Frage und kommt darauf, wann ich sie mir stelle.

Hin- und Hergerissenheit sind neue Begleiter meines Lebens. Und das Aushalten von Durststrecken ohne Wasser auch. Bis kurz vor der Vertrockung. Und dann muss ich eben egoistisch sein und trinken. Soweit ist es jetzt. Ich habe Durst und habe mir ein teures Wässerchen gekauft. Und ich weiß, wie köstlich es schmecken wird, wenn ich es trinken kann.

Sunday, January 6

General exam

Ein Anruf beim Zahnarzt zu einem Check Termin. Am Ende sagte uns die Rezeption, dass wir nun 450 Dollar zahlen müssen. Wir dachten, wir hören nicht richtig. Nur das Röntgen und das bloße Untersuchen der Zähne. Yep zur Kasse bitte. Unsere private Krankenkasse hat zum Glück einen Teil davon bezahlt. Nun haben wir jeder einen Behandlungsplan und wissen, was an weiteren Kosten auf uns zu kommt. Die Zahnärztin war wirklich sehr nett und wir hatten trotz der intensiven Untersuchung nicht den Eindruck der Abzocke. Sie hat alles mit uns besprochen und war sehr interessiert an unseren bisherigen Behandlungen.
Keiner hat mir geglaubt, doch jetzt habe ich den Beweis. Auf dem Röntgenbild meines Gebisses war ein Zahn zu sehen, in dem ein langes Stäbchen steckt. Das ist mein Kindheitstrauma, verursacht durch eine spritzen- und damit betäubungslose Wurzelbehandlung im Kindesalter. Die Zahnärztin sagte, sie wüßte nicht, was das ist. Und sie möchte da auch nicht ran, solange ich keine Schmerzen habe. Touch wood.

Mitbringsel aus Tasmanien



















TASMANIA

Tasmania

Unter dem Bild könnt Ihr Euch die Bilder unserer Reise ansehen. Mittlerweile kann man sogar auf die Tasmanien Landkarte gehen und sehen, wo wir die Bilder gemacht haben. Für ganz Fortgeschrittene kann man das auch in Google Earth runter laden.

Gestern habe ich die ersten Links per Mail verschickt und bekam als Frage zurück, ob in Tasmanien Winter war. Nein, auch wenn es teilweise so aussieht; es war kein Winter! Dennoch sind die Temperaturen in Tasmanien andere als in Perth. Wir hatten wohl im Schnitt um die 22 Grad. Grundsätzlich ist das warm genug. Doch wir haben auch gemerkt, dass wir verwöhnt sind vom Perther Wetter.

Mit unserem Campervan haben wir Tasmanien einmal grob umrundet und sind ca. 2000 Kilometer gefahren. Aus heutiger Sicht, ist Tasmanien ein Muss. Zumindest für diejenigen, die in der Nähe leben. Was für eine wunderschöne Insel. Ich hätte am liebsten jeden Winkel geknippst, um meiner Erinerung nichts entgehen zu lassen. Letztendlich haben wir an die 700 digitalen Fotos, zwischen denen ich für das Album auswählen konnte. Das zu entscheiden, ist nicht immer leicht. Es gibt einen extra Reisebericht mit powerpoint gemacht. Den können wir nicht online stellen, sondern nur auf CD brennen, und verschicken.
Auf der Mappe sind die Strecken eingezeichnet, die wir jeweils gefahren sind. Auf den ersten Blick wird ersichtlich, wieviel noch übrig geblieben ist.

Tasmanien hat ca. 500.000 Einwohner. Hobart ist die Hauptstadt von Tasmanien. 48.000 Einwohner. Höchster Berg: Mt Ossa 1600 Meter (Cradle Mountain, 1500 Meter hoch). Temperaturen: zwischen +40 und -13 Grad.

Tierische Besonderheiten: Tasmanian Crayfish (größter der Welt, kommt nur in Tassie vor, lebt in Flüssen, wird bis zu 3 kg schwer und kann durchaus einen Meter lang sein; Farbe: schwarz); Tasmanische Schlangen sind alle giftig (wir haben eine aus dem Auto gesehen); den Tasmanischen Teufel gibt es immer noch (ich habe ihn lediglich mal in einem Perther Wildlife Park gesehen); Tasmanischer Tiger (ist lange ausgestorben); Wombats haben wir viele gesehen (zuerst überfahren am Straßenrand, dann lebendig und ziemlich nah); Kängurus (gibt es zwei Arten; beim Wandern konnten wir einige sehen)

Hobart hat uns sehr gut gefallen. Eine Stadt, die lebendiger als Perth ist. Beide Städte haben das Glück am Wasser zu sein. Und beide Städte haben dieses Potenzial unterschiedlich genutzt. Im Vergleich hat Hobart da einen deutlichen Vorsprung, was Architektur, Nutzung der Lage, historischen Bauten etc. anbelangt. Hobart wirkt wie eine Hansestadt mit Flair und frischer Meeresluft.

Tasmanien vereint viele unterschiedliche Landschaften und ist damit sehr kontrastreich. Wahrscheinlich habe ich deshalb auch zum ersten Mal so richtiges Heimweh bekommen. Es ist dem Europäischen ähnlich (ein bißchen Norwegen, Schweden, Mecklenburg), hat was von Canada und Kalifornien (sagt Thomas, denn in Kalifornien war ich noch nie).

Der Flug von Perth nach Tasmanien über Sydney war recht nervig. Wir hatten bereits in Perth Verspätung und kamen somit in Sydney später an. Da in Melbourne an diesem Tag (20Dec) Unwetter war, haben wir unseren Anschlussflieger in Sydney zum Glück nicht verpasst. Denn auch dieser war verspätet. So kamen wir um Mitternacht in Hobart an (sind um 13.25 in Perth mit dem Flieger los!), dann schnell noch mit dem Taxi in die Lodge. Schlafen, Frühstücken und ab auf die Tasmanische Road. Am 21 Dec haben wir den Campervan abgeholt, bepackt (wir hatten so viel dabei, als ob wir eine Weltreise machen wollten), eingekauft und sind Richtung Norden entlang der Ostküste. Erstes Ziel war die Wineglass Bay (einer der 10 schönsten Strände der Welt). Wettertechnisch ahnten wir jedoch, dass wir wenig Glück mit dem Ausblick auf die Bay haben werden. Schlussendlich war es auch so. Auf unserer 5 Stunden Wanderung im Freycinet NP haben wir die Wineglass Bay gesehen, sind am Strand gegangen, haben von oben drauf geschaut etc. Einig darin, dass es so viele schöne Strände gibt und etwas verwundert, warum gerade diese Bay zu den Schönsten der Welt gehört.

Unseren Heilig Abend haben wir wie 2006 auf dem Campingplatz verbracht. Thomas hat sich einen Hummer gegönnt (ist das rote Etwas im Album mit dem Preisschild drum herum). Ich hatte beim Zugucken zu tun, dass ich nicht erbreche. Denn er musste diesen Hummer selbst zerlegen.

Alles Weitere kann man den kurzen Bildunterschriften im Album entnehmen.

Zusammenfassend war dieser Urlaub einer der Schönsten. Und Tasmanien läuft Canada beinahe den Rang ab. Wir werden wieder dorthin reisen. Irgendwann. So viel gibt es noch zu entdecken und zu machen.

Noch was Wissenswertes zum Schluss: Tasmanien heißt Tasmanien, weil es von Abel Tasman im 17. Jahrhundert entdeckt wurde. Außerdem war es mal mit dem Festland Australien verbunden. Von den Europäern aber erst im 19. Jahrhundert besiedelt.

Tuesday, January 1

Thursday, December 20

Auf nach Tasmanien

Die Rucksäcke sind gepackt. Wahrscheinlich wieder zu viel. Aber man weiß ja nie. Denn das Klima ist wechselhaft. Im Moment sieht es so aus, als ob uns leichter Regen in Hobart erwarten wird.
Unser Flieger geht um 12.55 mittag, den online check in haben wir schon gemacht, so dass wir uns nicht stressen müssen. Thomas ist noch schnell zum Friseur. Und ich? Was mache ich wohl? Noch einmal saugen, aufräumen. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Das Schweizer Weltenbummler Paar zieht morgen in unser Haus und hütet es, bis wir wieder kommen. Na, dann kann es ja los gehen.


Wir wünschen allen frohe Weihnachten, wie auch immer jeder Einzelne es auf seine Art verbringen mag. Passt auf Euch auf und rutscht gut ins neue Jahr.

Monday, December 17

Jahreszeiten

Während der Frühling in den Endzügen hier liegt, zeigt der Herbst in Deutschland schon seine winterliche Seite und stimmt alle ein. In den Winter. In Australien steht der Sommer bevor. Und im Moment hat es eher den Anschein, als ob es Winter hier wird statt Sommer. Regen. Wolkenbedeckter Himmel. Frischer Wind mit der Neigung zu Stürmen. Ungewöhnlich; wie wir lesen und hören für diese Zeit in Australien. Letztes Jahr war es wesentlich heißer und wärmer um diese Zeit. Auf das Wetter war ja noch nie wirklich Verlass. Doch bisher waren zumindest die Wochenenden warm. Seit einiger Zeit passiert selbst das nicht mehr. So haben wir den dritten Advent in deutschlandähnlicher Stimmung verbracht. Hatte auch was, so konnten wir im Lichte der Kerzen kuscheln, Bücher lesen und Musik hören. Die vier Jahreszeiten stimmen uns ins Wochenende und rufen in mir zum ersten Mal richtiges Heimweh hervor. Ja. Jetzt zu Hause sein. Das wär was.

Die Aufregung der letzten Tage, weniger gute Neuigkeiten aus der Heimat von der Familie haben sich zum Glück wieder aufgelöst. Es scheint immer mal wieder eine Art Probe zu sein, wie lange ich das aushalten kann. Eine neue Rolle begleitet mich . Früher wäre ich, egal wie spät, nach Güstrow gefahren. Heute muss ich einen klaren Kopf bewahren, mich darauf verlassen, mit Informationen auf den aktuellesten Stand gehalten zu werden. Dennoch. Warten. Warten. Und die Ungeduld beginnt einen Nervenkrieg. Ohnmacht gesellt sich dazu. Ein wirkliches Gefühl, als ob mir die Hände gebunden wären. Angst ist der Reißverschluss und schließt das neue Kleid. Und die Panik sorgt dafür, dass das Kleid nicht passen kann.

Wieviel es ausmacht, schlechte Nachrichten zu erhalten. Das Klingeln zu ungewohnter Zeit. Ruhige klare Stimme exakt erklärend was passiert ist. Es hat mir geholfen, Ruhe zu bewahren. Danke Sister! Und dann entsteht eine ungewöhnliche Phase. Stille. Die Ohren aufs Höchste geschärft. Hat es da eben noch einmal geklingelt? Das Telefon nicht mehr verlassen, es zumindest in Sichtweite haben. Nicht aus dem Haus bewegen. Zu wichtig, was ich verpassen würde. Und dann kommt es dann, das lang ersehnte Klingeln. Weniger Ruhe, mehr atemlos und sehr traurig. Ich kann nicht durch das Telefon schlüpfen, ich kann Dich nicht in den Arm nehmen, ich kann nicht neben Dir sitzen, ich kann nicht einfach da sein. All das und wesentlich mehr waren Begleiter meiner Gedanken. Soll ich einen Flug buchen, oder noch warten? Wie lange soll ich warten? Wissend, dass es im Moment beinah aussichtlos ist, das Land zu verlassen, weil alles ausgebucht ist. Das Telefon. Ja ich rufe jetzt selbst an im Krankenhaus. Und endlich die mir vertraute Stimme. Alles ist gut und wird wieder besser. Erste Entwarnung aus der Ferne. Und dann noch ein Anruf. Auch da hat das Daumen drücken und das Schicken guter Gedanken geholfen. Erleichterung schlüpft in meinen Körper. Jetzt erst einmal lange ausatmen.

Mittlerweile ist alles wieder so, wie es in der Regel ist. Jeder ist wieder an seinem Platze. Zu Hause. Alle wieder auf dem Damm und keine weiteren schlechten Nachrichten.

Zur Entspannung hören wir Vivaldi. Den Blick nach draußen gerichtet und alle Bilder im Kopf, die zu dieser Jahreszeit gehören. Die Augen haben es schwer, das Wasser zu halten. Ihr fehlt mir!


Friday, December 7

Worte am Meer

Die Zeit vergeht, weiterhin schnell. Mein Rhythmus ist so ganz anders, als wenn ich täglich meiner Arbeit nachgehen muss.
Wenn ich erwache, ruft der Gedanke an den frisch gemahlenen Kaffee mich aus dem Bett auf die Terrasse. Mit diesem die Emailpost lesend, oder auch nicht. Denn nicht viele schreiben kontinuierlich. Wie auch. Wir haben alle andere Rhythmen und Prioritäten. Meine ist dieser morgendliche Beginn, von dem ich nicht abweiche. Egal, ob ich zur Arbeit muss, oder frei habe. Meine Freiheit hält mich auf Trabb. Jeder Tag will genutzt werden. Ich muss mich nicht quälen, aus dem Bett zu kommen, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Jalousie dringen. Nein, ich begrüße sie und freue mich auf den neuen Tag. Nach allen gelesenen Neuigkeiten geht es in die sportliche Garderobe und ab ans Meer. Jeden Tag zeigt es sich in unterschiedlichen Farben. Je nachdem, zu welcher Zeit ich es schaffe, dort zu sein. Ein Türkisblau empfängt mich, wenn ich sehr früh meinem läuferischen Drang nach gehe. Manchmal ein dunkles Blau, wenn ich doch etwas länger Mails gelesen oder geschrieben habe. Es ist ein Genuss, entlang am Meer zu joggen. Den Blick auf die ersten Surfer lenken, das Gehör auf den fliegenden Hubschrauber zu spitzen, die Gedanken auf das Innere zu fokussieren.
Abends am Meer endet der Tag. Ein letzter Spaziergang noch, Eintauchen in die Wellen, wenn sie den Sand streichen. Wärmer als die Luft. Zur Zeit. Tut es den Füßen gut, sich zu bewegen und zu spüren. Unterschiede zwischen warm und kalt, weich und hart. Zauberhafte Muscheln sammeln. Hier und da. Heute erstmals wieder das Gefühl von Urlaub. Wir gingen so. Am Strand. Dem Wind entgegen. Es ist wie Urlaub. Nein, wir sind nicht im Urlaub. Wir leben hier. Und wir wissen, dass es irgendwann so anders sein wird. So wie hier wird es nicht wieder sein.
Und deshalb genieße ich jeden Moment bewusst. Ich weiß nie, wann er zu Ende ist.

Saturday, December 1

Der erste Advent

steht vor der Tür.

Und in den Geschäften hier ist kein Reinkommen mehr. Alle kaufen Weihnachtsgeschenke, so als ob es morgen schon so weit ist, oder es morgen nichts mehr gibt. Weihnachten. Bedeutet, dass wieder ein ganzes Jahr vergangen ist und sich dem Ende neigt. Menschen rücken näher zusammen, verbingen so manche nette Stunde miteinander. Oder genießen die Abende bei einem schönen Glas Rotwein, einem Gespräch, oder einem Buch, oder mit sich selbst.

Ich will auch. In Weihnachtsstimmung kommen. Wie geht das nur bei so viel Sonne und warmen Temperaturen. Überhaupt nicht so, wie ich es kenne. Anders, so anders. Das es schwierig ist, überhaupt ein Gefühl in die Richtung zu entwickeln.

Ein Gefühl ist jedoch präsent, nämlich die Sehnsucht nach Zusammensein und das Empfinden von Zugehörigkeit. Meine Familie fehlt mir. Und ich weiß, wenn wir dieses Christmas auf einem Campingplatz in Tasmanien verbringen, wird sie mir noch viel mehr fehlen.

In unserem Haus steht nun ein sommerliches Adventsgesteck, das ich gerne dekoriert habe. Es sieht dennoch so aus, als das es zu jeder Zeit dort stehen könnten. Die Sträucher haben nichts mit einer Tanne oder ähnlichen Gewächsen zu tun. Die Kerzen machen es eigentlich zu dem, was es bedeuten soll. Und morgen wird die erste angezündet. Gnadenlos. Ich freue mich schon darauf.

Morgen backe ich Plätzchen, dann kommt auch der Duft, der zu dieser Zeit gehört. Der Geschmack kommt von alleine. Tintentod, ein Buch das ich kürzlich bekommen habe wartet darauf in die Hand genommen und von den Augen gelesen zu werden. Etwas Märchenhaftes also noch.

Meine freie Zeit will ich nutzen, um unsere bevorstehende Reise vorzubereiten. Es ist Hochsaison überall auf der Welt, auch hier. So kommen wir nicht umhin, einige Campingplätze vorzubuchen, wenn wir uns nicht den ganzen Tag mit dem Suchen nach solchen beschäftigen wollen. Beim Durchblättern diverser Lektüre zu Tasmanien steigt die Vorfreude.

Saturday, November 24

Machtwechsel

Australien hat gewählt. Für einen Machtwechsel. Gegen einen seit 11 jahren amtierenden Howard und seiner Partei. Kevin Rudd heisst der neue und ist mit 50 Jahren zum ersten Mal in seinem Leben in einem Amt, dass ihn als Führungspolitiker handeln lässt.

In Australien besteht Wahlpflicht. Wer dieser beim ersten Mal nicht nach kommt muss 250 Dollar zahlen, und wenn ihm das bei der erneuten Verletzung seiner Wahlpflicht noch einmal passiert, dann kann es auch eine Haftstrafe geben.

Das ist der sechste Regierungswechsel seit dem zweiten Weltkrieg. Howard (lLiberals) hat sogar in seinem eigenen Landkreis verloren. Das ist einem anderen 1929 mal passiert. Er hat seine Abschiedsrede fair und ohne Groll gesprochen. Seine Frau, Söhne und Schwiegertochter standen neben ihn. Ein ungewohntes Bild. Auch Rudd (Labor) hat seine Antrittsrede mit seiner Familie neben ihn, zwei Söhne, eine Tochter und der Schwiegersohn, gehalten. Auch er hielt keine Schimpftiraden.

Nun soll es in die Zukunft gehen. Ob das nun was mit einem Regierungswechsel zu tun hat? Man kann sie ja sowieso nicht vermeiden. Nein, es soll besser in der Zukunft werden. Den Wirtschaftskurs von Howard will er weiter verfolgen, denn die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief. Bildung, Klimaschutz, Abzug der Soldaten aus dem Irak, Haltung zur USA sind die Schlagworte.

WESTAUSTRALIEN
Die Liberals haben mehr Stimmen bekommen als die Labor! Dabei haben Labor und die Grünen mehr Stimmen bekommen, als bei der letzten Wahl. Die Liberals verloren ein paar Stimmen.
Aktuell: 3 Sitze für die Liberalen, zwei für die Labor, eine für die Grünen. Bei einer bisherigen Stimmzählung von ca. 72 %.

In Tasmanien und in der Hauptstadt haben die Grünen über 13% bekommen. Ansonsten hält sich wie bei uns in D. Zwei große Parteien liefern sich ein Rennen und dann folgt der Rest. Irgendwo.

Gewartet wird auf das endgültige Ergebnis. Denn es sind noch längst nicht alle Stimmzettel gezählt, die per Briefwahl eingegangen sind. Am Gesamtergebnis für Australien werden sie kaum was ändern. Aber in den einzelnen Bundesstaaten könnten sie evtl. noch einen Einfluss auf einen Prozentpunkt mehr oder weniger haben.



Wednesday, November 14

Final sessions

Mein Terminkalender lichtet sich und damit bin ich mitten drin im Abschließen diverser "Fälle".

Die Therapie von Esstörungen habe ich heute meinen Kollegen in einem Vortrag mit neuesten Ansätzen vermittelt. Abgehakt. Ein Workshop noch, dann packe ich mein Büro ein, bevor ich mein neues (aber erst in zwei Monaten) wieder beziehe.

Der Abschied von Klienten, die ich 10 Sitzungen begleitet habe, fällt mir nicht leicht. Es ist zu spannend, was sich da alles bei den Klienten bewegt hat und wie sie sich nun ohne Unterstützung durch ihr eigenes Leben kämpfen müssen. Ich würde gerne Mäuschen spielen und so naiv bin ich nicht, dass sie nun "geheilt" auf alle Ewigkeit sind.

Ich bin zufrieden mit den finalen Sitzungen. Es gibt einiges an Fortschritten. Und vielleicht werde ich die ein oder den einen nächstes Jahr wieder sehen. Die Aufarbeitungen am Ende zeigen teilweise einen Verlauf, der mir während der Sitzungen nicht so bewusst war. Was für Lebensgeschichten sich dahinter verborgen haben. Und letztendlich handeln sie alle vom Umgang mit dem vermissten Glück, den traurigen Lebensphasen, oder Brüchen.

Wie es in meinem Leben auch passiert. Der Umgang mit fremden Gefühlen. Der Umgang mit Trauer. Der Umgang mit einem Lebenswechsel. Der Umgang mit Oberflächlichkeit. Der Umgang mit Einschränkungen. Der Umgang mit der Ferne. Der Umgang mit dem Hier. Und der Umgang mit der Zukunft. Und was ist mit der Vergangenheit?

Leben ist ein Geschenk, dass ich nur auszupacken verstehen muss. Manchmal zerbricht es schon, wenn ich am Faden ziehe, um es aufzumachen. Oder das Papier beginnt zu reißen. Der Klebstoff bleibt hängen. Die Enthüllung kann überfordernd sein. Muss ich mich bedanken, wenn es mir gerade nicht gefällt? Kann ich es zurück geben, wenn ich es nicht haben will? Oder kann ich es gerade verstecken, wenn es nur mir gehören soll? Ein Geschenk, dass mir unterschiedlich bedeutsam und wertvoll erscheint. Je nachdem, von welcher Seite ich es betrachte. Und es birgt immer wieder eine Überraschung. Wenn ich weiß, wie ich es wenden kann.

Es vebindet, oder trennt. Macht mich einsam, oder zweisam. Als Symbol ist es mitunter nicht fassbar. Oder es ist nicht zu tragen, weil es zu schwer ist? Wenn ich es teile, kann ich mich mehr oder auch weniger freuen. Wenn ich es nicht will, weiß ich nicht wie ich mich davon trennen kann. Wenn ich es halten will, weiß ich nicht wie. Schaue ich von oben drauf, weiß ich nicht was darunter ist. Schaue ich von der Seite hin, weiß ich nicht was dahinter ist.

Und schaue ich egal von wo, weiß ich immer noch nicht was drinnen ist. Groß kann es ein und so winzig im Inneren. Winzig kann es sein und doch so groß, dass es nirgendswo rein passt.

Passt es zu mir, oder zu dem, von dem ich es bekommen habe? Gelingt es mir, es zu meinem Eigen zu machen? Frage ich mich, wie ich damit umgehe, wenn ich mich dafür entschieden habe? Wenn ich mich dagegen entschieden habe, kann ich es dann nicht mehr zurück bekommen? Oder nur in abgewandelter Form.

Verstaubt es, wenn ich es nicht berühre? Oder zerbricht es, wenn ich es täglich anfasse. Kommen mir lauter Einzelteile entgegen, oder ist das Ganze so groß, dass ich nicht weiß, wo ich beginnen soll? Bin ich gelangweilt, wenn es offen ist und vermeintlich alles raus ist? Bin ich gefordert, wenn ich einen Rest verstecke?

Ist es das Finale das, wenn ich entkleide, oder, wenn ich es wieder einstecke? Bekomme ich das Gleiche, wenn ich es wieder raushole?

Das nehme ich von den Abschieden mit und beschäftigt mich in diesem Zusammenhang. Ich bin erleichtert, wieder in alle Richtungen sehen zu wollen.




Tuesday, November 13

Gebrochenes Herz

und Traurigkeit über einen schmerzenden Verlust.

Ich schicke Dir gute Gedanken. Wohin? Vielleicht in den Himmel. Vielleicht in ein neues Leben. Vielleicht zu Deiner Seele.

Du wirst uns erhalten bleiben. In einer Form. Die wir nicht wirklich verstehen. Aber fühlen. Unsere Erinnerungen und Gedanken lassen Dich weiter bei uns sein. Wo auch immer Du jetzt bist.



Unser Kontakt ist rar geworden. Doch das verbundene Gefühl zu Dir, meiner Lieblingstante, ist immer da gewesen. Sorglos bis heute. Traurig ab jetzt.

Dein Herz war gebrochen, einmal mehr über den nicht lange her schlimmen Verlust. Wenn ein Kind vor der Mutter geht. Dann kann das Warum niemals beantwortet werden. Nun bist Du ihm gefolgt und hast ihn hoffentlich wieder in Deinen Armen. Ich wünsche es Dir.

Meine Karte hat Dich nicht mehr erreicht. Sie hätte nichts geändert. Aber mir wäre leichter, wenn wir ein letztes Mal auf diese Art im Kontakt gewesen wären.

Ich wünsche Dir ein Meer von Blumen, eine unendlich wirkende Ruhe. Und. Sorglosigkeit.

Über Nacht ändert es sich. Das Leben. Es nimmt Abschied, ohne dass er sich angekündigt hat. Plötzlich und unerwartet sind Deine Nächsten geschockt und stehen vor der schwersten Aufgabe des Lebens. Trauern und einen Verlust bewältigen, der niemals wieder ausgeglichen werden kann.

Vielleicht weisst Du gar nicht, dass Du meine Lieblingstante warst. Ich habe es Dir nie gesagt.

Du, mein Lieblingsonkel, ich schicke Dir all meine Anteilnahme. Sie wird Dich nicht trösten. Ich umarme Dich dennoch aus der Ferne. Und lass Dich wissen, dass Du mein Lieblingsonkel bist.

Eingebrannt seid Ihr beide in meinem Kopf und so eng verbunden mit meiner Kindheit. An die ich mich sonst nur sehr schlecht erinnern kann.

Lass Dich stützen, an den Abenden und Nächten bist Du allein genug! Sei gewiss, dass viele Deiner engsten Verwandten und Freunde bei Dir sind.

Schwitzen bei über 39 Grad

und heißem Wind. Der Temperatur Regler ist abrupt umgesprungen und bescherrte uns in den letzten Tagen überaus heißes Wetter. Lange ersehnt, von Wolken und Regen befreit zu werden, ist das dann schon wieder zu viel. Das Gestöhne geht bereits los.

Die flimmernde Hitze lässt alles erlahmen, Bewegungen außerhalb klimatisierter Räume werden zu sportlichen Ereignissen, wenn man das ausgeschwitze Wasser auf der Haut interpretiert. Schwitzen ohne Sport und ohne Anstrengung. Wer noch denken kann, weiß das man nicht stolz auf sich sein muss.

Am gestrigen Abend dann der plötzliche Umschwung der Windrichtung, die die lang ersehnte frische Briese zu uns trägt. Ein Aufwind, der mich atmen lässt und raus lockt. Jetzt ist es wirklich möglich, sportlichen Dingen nachzugehen.

Aufgerafft und am Meer den Tag ausklingen lassen. Was für ein herrliches Gefühl. Beim Laufen denke ich an Reaktionen eines meiner Blogs und an unsere Zeit, als wir her gekommen sind. Wir haben uns gerade in den ersten Wochen immer wieder gefragt, wo wir sind. Und wir haben geantwortet: In Australien. Ein Strahlen begleitete diese Worte und es ist immer noch da!

Und es hat immer noch eine große Bedeutung für mich. Ich in Australien. Und irgendwie erscheint es nicht mehr so weit weg von der Heimat. Ein gutes Gefühl. Das Leben bekommt einen Rhythmus. Und ich freue mich wahnsinnig auf meine freien zwei Monate.

Ich bin in Australien. Vor zwei Jahren war das irgendwie noch unvorstellbar, obwohl wir zu dieser Zeit schon wieder mit dem Gedanken gespielt haben, diesen mutigen Schritt zu wagen. Jetzt ist das unsere Geschichte, die ihren Lauf nimmt.

Und liebe Blogfans. Traurigkeit gehört zum Leben. Sie auszudrücken ist nicht gerade einfach. Und es macht einen manchmal noch schwerer, wenn man sie dann ausdrückt. Aber es hilft und ist für mich ganz wichtig. Weiß ich doch, dass danach auch immer wieder Glücksgefühle präsent sind.

So bin ich traurig, dass Thomas nicht hier ist und freue mich schon auf den Abend, wenn ich ihn wieder abholen kann. Das hilft mir, die Zeit zu überbrücken und in mich hinein zu lauschen. Ich kann mich wohl nicht daran gewöhnen, alleine zu sein. Das ist mir deutlich geworden. Alleine, ohne Dich.

Das Leben ist eine Herausforderung und geht nicht irgendwie so. Es hat alles eine Bedeutung und neben der gelebten Leichtigkeit auch eine Schwere. Ich bin froh darüber, diese Spannung zu erleben und zu erkennen. Und nicht einfach so dahin zu schwimmen.

Ich will hier jetzt nicht Schadensbegrenzung zu meinem Blog (ein paar vorher) vornehmen. Alles, was ich geschrieben habe, drückt mein Dasein aus. Und das gehört zu mir. Ich habe es abgewehrt, über 37 Jahre lang und es gefunden, als ich 38 wurde. Die Zeit zum Aufarbeiten und Anerkennung will genutzt werden. Und ich will es nutzen, um fest zu halten, dass ich nicht mein ganzes Leben oberflächlich war. Mein Nach vorne sehen hat mich abgelenkt, von meinem Blick nach innen. Ich bin noch ungeschickt, das zu tun und deshalb wohl im Beschreiben extrem. Letztendlich ist es aber ein Extrem für mich. Und es trifft diesen Lebensabschnitt, für den Thomas und ich uns entschieden haben. das Leben bleibt eine Herausforderung. Manchmal ist alles wie eine Geburt. Und die passiert nicht immer in Sekunden, oder Stunden.

Noch 9 Tage bis ich frei habe und noch 12 Tage, bis Du wieder hier bist.

Sunday, November 11

Weintrauben

Unwichtiges aus dem Lande der australischen Bevölkerung. Trotz schlechter Ernte liegen die Weintrauben zum Kaufe in den Obstständen aus. Bevor wir zugreifen sehen wir lieber auf den Preis. 24,95 Dollar das Kilo! Die Kirschen, die frohlockend im roten Mäntelchen ein Platz daneben haben, können das als einzige Frucht toppen. 34, 95 Dollar.

Eine ganz kleine Traube schafft es an die Kasse und wird befreit für ca. 6,30 Dollar. Doch nicht lange. Mittlerweile ist sie bereits vertilgt. Und nun heißt es Warten auf bessere Zeiten und Preise.

Draußen haben wir 32 Grad, für heute stehen 38 Grad auf der Temperaturvorhersage. Der Wind ist sehr warm und vermittelt das Gefühl eines ständig laufenden auf Höchststufe gestellten Fön. Drinnen ist es doch angenehmer. Doch hier sitzen und raus zu sehen, macht ein schlechtes Gewissen. Draußen reichen 10 Minuten, um wieder in den Schatten zu gehen. Und so schlage ich mich zwischen ja/nein am Sonntag durch die Zeit. Es ist ja nicht der einzige Tag, an dem es warm ist. Die Woche wird so bleiben. Juhu.

Thomas friert in Berlin und wärmt seine Seele bei Freunden. Stabiler Faktor in Berlin und zuverlässig wie immer, sind unsere Exnachbarn. Ach wie toll, dass es sie (dass es Euch) gibt. Eine SMS aus Berlin signalisiert dennoch Freude, wieder nach Perth zu kommen. Wer schon einmal hier war, weiß warum.

Unsere Untermieter haben sich gut ein gelebt und ich bin froh, dass sie hier sind. Es ist wirklich bezaubernd mit anzusehen, wie sie sich mit allem Neuem auseinandersetzen müssen, vom Haus mieten, über Bank, hin zur Versicherung. Für mich ist das schon lange her und es frischt so manche Erinnerung auf.

Mittlerweile haben wir wieder acht Stunden Zeitverschiebung, was den Kontakt zur Heimat nicht einfacher macht. Nach vielen Tlefonaten in der vorletzten Nacht war ich morgens vollkommen durcheinander und wusste nicht mehr, wann ich mit wem telefoniert habe. Es ist verwirrend.

Im Hintergrund wirbelt die Waschmaschine die Sachen umher und versucht dabei auf dem Boden zu bleiben. Mein Blick geht auf unsere überdachte Terrasse nach draußen. Mein Kopf ist schon wieder vorauseilend in Gedanken und mein Körper macht sich schwer. So werde ich wohl in diesem Sonntag verweilen, mit diversen unterschiedlichen Hintergrundgeräuschen und morgen meine letzten zwei Wochen an der Uni beginnen.




Friday, November 9

Wenn alle kommen

Klient, 45 Jahre alt, Australier, Vater. Von einem 11jährigen Sohn, geschieden, mit einer neuen Partnerin lebend, ist ein Quäker (weltweite Organisation, die sich für Menschenrechte etc. einsetzt), kommt zum zweiten Mal, ist durcheinander, und fühlt sich in einer Falle. Sein Sohn hat mit ihm und seiner neuen Partnerin zusammen gelebt, nachdem es bei der Mutter nicht mehr ging. Mit der neuen Partnerin und dem Sohn geht es aber auch nicht. Sie hat ihn physisch verletzt, so sagt zumindest der Sohn, und ging zur Mutter zurück. Die Mutter fährt alle Geschütze auf und hat dem Gericht bereits ihren Report abgegeben. Die Child Protection klopft an der Tür, jetzt wird es schwierig, einen guten Weg zu finden. Die Beziehung zwischen Sohn und Vater ist belastet. Der Sohn wirft dem Vater vor, ihn im Stich gelassen und dieser Bitch (Hexe) überlassen zu haben. Der Vater weiß gar nicht wie er sich verhalten soll und hat jetzt erstmalig Symptome eines Asthma entwickelt. Die Luft zum Atmen ist begrenzt, der Husten kommt unangemeldet. Was will er, der Vater, und wie. Wie kann er zu sich selbst finden und wie diese Situation lösen. Ausziehen und seine Partnerin verlassen, mit dem Sohn eine neue Unterkunft suchen, das ist nicht bezahlbar. Ihn nur sehen, wenn der Sohn ihn eben braucht und mal anruft, ist auch nicht die beste Lösung. So viele Fragen. Mediation ist organisiert, viele unterschiedliche Service sind in Gang gebracht.

Sie hat Angst vor ihren Prüfungen, schon vier Wochen, nachdem die Termine raus sind, beginnt diese Angst, die sich in Albträumen und Panickattacken niederschlägt. Sie beginnt ihr Lernen aufzuschieben, immer weiter nach hinten und ist besorgt darüber. Was ist das nur, wo kommt diese Angst her und vor allem wie kann sie damit umgehen. Fragt sie, 21 Jahre alt, die mit ihrem Vater nur wenig kommuniziert, schon gar nicht über emotionale Dinge spricht. Wenn er um sie ist, spürt sie ihre Anspannung und ihr Herz schneller schlagen. Ihre Mutter bildet eine Brücke und ist Kanal der Kommunikation zwischen dieser jungen Studentin und ihrem Vater. Ihre Geschwister sind fein raus und im Beruf. Sie haben das alles schon hinter sich. Eigentlich wollte sie Kunst studieren, nun arbeitet sie täglich mit Zahlen im Studium, um im Finanzbereich arbeiten zu können. Sie träumt viel und hatte mal einen Unfall, als sie fünf Jahre alt war. Sie erinnert sich bruchstückhaft, vor allem daran, dass ihr Vater damals am Bett im Krankenhaus stand. Und sie da hat ihn das einzige Mal singen hören.

Eine Kunststudentin kommt ebenfalls zum zweiten Mal, sie steht kurz vor ihrem Auszug aus dem Elternahus, ist die älteste von vier Kindern im Haus. Sie will raus. Sie schwiegt viel, und kann kaum in Worte fassen, was sie wirklich fühlt. Es überanstrengt sie nicht, das Studium. Sie kann alles und doch kann sie sich nicht mehr motivieren. Ihre Energie ist verbraucht. Ihre Verzweiflung klebt die Stimmbänder zusammen. Vor mir sitzt eine überaus gebildete und interessante junge Studentin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als Kunst zu studieren. Sie glückliche. Wie viele sehe ich, die das nicht dürfen, weil die Eltern gegensätzliche Vorstellungen haben. Sie ist hoch angespannt, ihre Worte kommen stockend, sie bewegt sich steif. Da ist etwas, worüber sie nicht sprechen kann. Ein auferlegtes Tabu, dass sie davor schützt, der Wahrheit zu begegnen. Im letzten Jahr war alles ganz anders, abrupt hat sich hier Leben und haben sich ihre Emotionen geändert. Sie schwimmt, und ich mit ihr.

Dreimal haben wir uns diese Woche gesehen. Am Dienstag noch wollte er sich das Leben nehmen, am Donnerstag hatte er es noch nicht geschafft, sich vor seinen Eltern zu outen. Er ist Moslem, streng gläubig, in der Mitte von 5 Geschwistern geboren. Nie ist er aufgefallen. Er mag es, wenn er anderen Leuten etwas Gutes tun kann. Vor allem seinen Eltern. Er studiert Chemie und ist im letzten Semester. Er mag nicht mehr, ist enttäuscht von seiner Wahl. Alle sind stolz in der Familie, dass er in ein paar Wochen sein Zeugnis in der Hand hält und seine Karriere beginnt. Er beginnt zu lügen, nicht mehr zur Uni zu gehen, nur noch zu feiern und fühlt sich schlecht. Wie soll er das nur seinen Eltern sagen. Er hat sie nie enttäuscht. Heute morgen hat er es geschafft und ist unendlich erleichtert. Nächste Woche kommt er wieder. Seine Zukunft planen.

Zu allerletzt kommt sie. unvermittelt. Ich habe sie heute morgen in meinem Terminkalender gesehen, ich dachte, dass sie nie wieder kommt. Ich habe wohl schon über sie berichtet. Das erste was sie tat, als sie in meinem Büro war. Mich zu umarmen und ganz fest an sich zu drücken. Ich war erschrocken, doch dann begann sie zu weinen. Trost und Halt fehlen ihr. Ich gebe es ihr gerne. Sie strahlt, als ich ihr sage, dass ich im Februar wieder komme. Sie ist wirklich in einer Zwickmühle. Leid tut sie mir nicht, aber ich habe dennoch Mitgefühl.

Tuesday, November 6

Melbourne cup, schoene Huete und viel Geld

Ein Jahr in Australien. Es kommt mir länger vor. So viel ist passiert. Beruflich habe ich mich weiter entwickelt und gute Aussichten für das kommende Jahr. Im Februar 2008 werde ich an gleicher Stelle, gleiche Uni weiter arbeiten können. Ein Angebot, das mich zur rechten Zeit erwischt und meine Stimmung hebt.

Heute war das Pferderennen in Melbourne (ich habe bereits im letzten Jahr einen Blog dazu geschrieben, Tuesday 07.11.2006). Gestern habe die Verkäuferinnen bereits Hut getragen. Heute haben wir alle etwas zu essen mit gebracht. Zu trinken gab es Champus.

Mit einem wundervollen Buffet, guter Laune und selbsterverständlich einem Hut auf dem Kopf haben wir 1,5 Stunden zusammen gesessen, geschlemmt und das Super Race gesehen. Ich habe mich wohl gefühlt und irgendwie angekommen. Sicher hat das auch damit zu tun, dass ich weiß, dass es dort weiter gehen wird. Den roten Hut hat mir eine Kollegin gebastelt. Ich habe dafür kein Händchen. Wir haben wirklich lustige Bilder machen können. Mein Chef outete sich als Potter fan mit einem riesen Zauberhut auf dem Kopf. Er ist schon etwas abgedreht. Wenn man nicht wüsste, dass er der Chef eines so großen Service ist, man würde es nicht erkennen.

Thomas ist im Landeanflug auf Hamburg und hat mal wieder einige Kilometer abgerissen. Während ihn Kälte und Regen erwarten beginnt es hier richtig warm zu werden. Ich drive mit meinem kleinen Mietauto durch die Gegend. Unser Auto wird erst in drei Wochen wieder fahrbar sein (hoffentlich). Wie wohl schon geschrieben, hätte ich so lange nicht ohne Auto sein können.

Sunday, November 4

Irgendwas auf dem Weg zum Etwas

und immer noch nicht erprobt im Abschied nehmen. Thomas fliegt nach Europa und ich verbringe die erste Nacht in meinem angebrochenen zweiten Jahr alleine in Australien. Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich fest eingebunden in meinem Job, der ab Februar 2008 weiter gehen wird. Eine Perspektive, die mich hoffen lässt. Kann ich ab Ende November erstmal wieder Energie tanken.

Dieses Jahr hat mich so viel Kraft gekostet, ich stoße immer noch täglich an meine Grenzen. Herausforderungen, wie ich sie davor lange nicht hatte, jagen sich und ziehen Strom, der unbezahlbar wird. Ich habe so viel erleben dürfen und bin in der Summe mit allem zufrieden. Noch vor einem Jahr habe ich nicht mal eine Idee davon gehabt, wie es wohl sein wird, wenn das erste Jahr rum ist. Geschweige denn, wo ich wohl sein werde. Beruflich habe ich mich weiter entwickelt und bin alles in allem zufrieden mit den Chancen und Herausforderungen. Zwei stehen mir nun noch bevor in den kommenden Wochen. Dann darf ich mich entspannt zurück lehnen und tanken gehen.

Noch vor einem Jahr habe ich niemals gedacht, meine Schwester und meine Mutter hier bei mir zu Besuch zu haben. Noch vor einem Jahr habe ich nicht daran gedacht, wie schwer es bleiben wird, immer wieder Abschied zu nehmen. Noch vor einem Jahr habe ich nicht geglaubt, irgendwas in beruflicher Hinsicht auf die Beine zu stellen. Noch vor einem Jahr habe ich nicht geahnt, dass ich so viel in mir entdecke.

Ich Grundoptimist, ich beginne die Gegenseite kennen und begreifen zu lernen. Meine strikte Weigerung, auch nur einen Schritt in diese Dunkelheit zu gehen, habe ich aufgegeben. Ich konnte es nicht mehr leisten, dagegen anzukämpfen. Es ist kein Pessimismus, es ist eher das depressive Empfinden, das ich nie zuvor hatte. Mein innerer fight against it hat verloren. Ich betrachte es nicht als Niederlage, eher als persönliches Fortkommen. Zum Leben gehören beide Seiten. Es ist eine Frage meiner inneren Balance.

Im Moment bin ich wakelig. Auf den Beinen. Ich habe die Gerade noch nicht ziehen können. Das es zwischendurch kippelt, begrüße ich. Das Ungleichgewicht, entgegen meiner mir bisher vertrauten Gefühle, kann ich nur schwer meistern.

Mit einem Bein auf der Couch liegt bei mir am Bett, das Buch, das ich mit einem persönlichen Beitrag von mir bereichern durfte. Ich erinnere die Überschrift "Auf der Suche nach Etwas". Ich suche immer noch, und habe schon irgendwas mehr gefunden. Mein Kontrollzwang herrscht und kämpft, meine dunkle Seite wird mächtiger. Sie holt sich Energie. Von wo, weiß ich nicht.

Das Irgendwas füllt sich mit Leben, wenn ich dem auch noch keinen Namen geben kann. Es nimmt diffuse Konturen an. Meine Motivation ist im Irgendwo zwischen dem Unter- und Erdgeschoss stecken gebleiben. Mein Körper ist steif und faul geworden. Meine Konzentration ist auf Reise. Wohin auch immer. Meine Freude ist selten Gast. Ich lache nicht. Ich weine nicht.

Ich überlebe noch.

323 im Ziel und schon wieder in der Luft













Zum zweiten Mal fand das Anaconda Race statt. Kräfemessen im und auf dem Wasser, per Fuss und mit dem Fahrrad. Team 323 ist geschafft, aber unerverletzt, nach 5 Stunden und 15 Minuten ins Ziel gekommen.

Am Tag davor haben sich alle registrieren lasssen. Auf den Start kommt es an. Die Kanuten lösten die Schwimmer ab und waren, wie zu sehen ist, bunt vertreten. Dank einer durchaus relaxten Raceleitung konnten auch alle Zuschauer in die Wechselzonen und jedem Schwimmer nach Ankunft den Weg weisen, der seinem Kanuten das Teamshirt und die Zeitmessung übergeben musste.



Draußen auf dem Meer tobte dann sicher ein ganz anderer Kampf. Aus dem Kanu kippen, und wieder rein steigen. Weit entfernt am Horizont breechen die Wale den Ocean.




http://picasaweb.google.com/gerlach.thomas/Anaconda07/photo
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Wednesday, October 31

Brother in law

zu deutsch SCHWAGER

Was braucht der Mensch, um sich gewürdigt zu fühlen? ANERKENNUNG.

Und ich es will es an dieser Stelle nicht verharmlosen, sondern wertschätzen!

Lieber Brother in law, Du einziger, den ich habe. Ich danke Dir für Deine Selbstlosigkeit und Dein Gespür, wann es Zeit ist, anderen etwas Gutes zu kommen zu lassen. Ohne Dich. Hätte es keine Erfüllung des Traums gegeben, meine Schwester hier in Perth zu umarmen. Und alles was die Folge war. Und ohne Dich wäre auch meine Mutter bis heute noch nicht so weit gereist und hätte nicht all die Anstrengung auf sich genommen.

Ich kann es immer noch nicht fassen. Sei umarmt dafür.

Monday, October 29

24 Stunden, oder Fliegst Du noch mit Em..ats?

Die Geschichte vom Fliegen hat noch lange kein Ende. Die Beschwerdemail ist im Entwurf fertig und liegt zur Korrektur bei meiner Schwester. Wir haben ja aus unterschiedlichen Perspektiven vom Herkommen und den fliegenden Umstaenden geschrieben. Und wussten zu dieser Zeit noch lange nicht, dass das dicke Ende noch kommen wuerde.

24 Stunden vor Abflug von Perth haben wir die Rechner und Laptops in unserem Hause gleich geschaltet. Es sah hoch professionell aus. Sister und ich wollten den Online Check In machen. Alles war bereit. Noch eine Minute trennte uns von exakt 24 Stunden vorher. Count down und dann alles eingeben, was gefordert ist. Press Enter und siehe da. „Sorry“ so hiess das erste Wort und „unavailable“ das letzte. Sind wir doch zu frueh? Warten. Minuten spaeter. Das gleiche Prozedere, die gleiche Antwort. Was soll das?

Okay. Ruhe bewahren. Mal sehen, ob wir den Flugverlauf, so wie gebucht, online finden. Und siehe da. Es gibt ihn nicht mehr. Weder fuer meine Schwester, noch fuer meine Mutter. Uebrig geblieben sind Zahlen, die in der Luft haengen. Sinnlos und sinnfrei. Das kann nicht wahr sein.
Was nun? Die Fluggesellschaft in Hamburg anrufen. Skype macht es mal wieder moeglich. Noch eine halbe Stunde haben die CallCenter in Germany geoeffnet und dann ist Wochenende. Meine Schwester landet letztendlich bei einem CC in England und erfaehrt, dass die Fluege storniert worden sind. unspektakulaer, oder?
Von der Fluggesellschaft Em ats. Kein Hinweis, keine Mail, nichts. Okay und jetzt? Jetzt sind die Fluege ausgebucht. Sie machen Witze. Hin und her. Die Wellen des Schocks kamen gleichfoermig. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch rettete der Rueckruf aus London die Situation. Dank hoeherer leitender Beschaeftigter konnten beide wie geplant fliegen.
Uebrig bleibt, wie das dann ging. Wenn doch vorher alles schon ausgebucht war?

Saturday, October 27

Glaubst Du noch an Traueme?

Der Himmel haengt voller Wolken; sie tragen Wasser und sind gefuellt wie Traenensaecke. Die Fluessigkeit quirlt heraus und findet ihren abrupten Halt am Boden der Tatsachen. Hier unten wird gerade ein Abschied erlebt, der schmerzt wie ein tiefer Schnitt ins eigene Fleisch.

Ein letztes Mal summt das automatische Garagentor, es oeffnet sich, um unseren Besuch wieder zu befreien und nach Hause, nach Deutschland, zu lassen. Nur das Geraeusch allein veranlasst spaetestens jetzt auch bei mir Traenen.

Hier bin ich, Regina in Australien, wieder einmal mit dem Gefuehl, nichts aendern zu koennen und ohnmaechtig zu sein. Es ist etwas anders, ich kontrolliere ohne bewusst nachzudenken, versuche mich nicht emotional zu verschluchzen. Es faellt mir schwer.

Ein vorerst letztes Mal sitze ich neben meiner Mutter, halte ihre Hand und beobachte meine Schwester, wie sie Abschied nimmt. Thomas ist der routinierteste von uns allen. Er faehrt. Gnadenlos. Richtig Airport.

Wir sind angekommen am Ende unsere gemeinsamen Woche hier in Perth. Meine Mutter, die ueberraschend am Flughafen stand, und meine Schwester haben unser Haus gefuellt mit Leben und mein Herz mit Glueck. Wir haben gelacht, gemeinsam gegessen und gekocht, gekuschelt, wenn es draussen zu kalt war, gequasselt oder auch mal geschwiegen. Wir waren spazieren am Strand, haben Muscheln zum Beweis ihres Daseins gesammelt und ueber 600 Bilder geschossen, ebenfalls um alles festzuhalten. Wir haben Wein getrunken, auf der Terasse gesessen und sind vor Spinnen weg gelaufen. Sister hat einen Lizard quer durch unseren Garten gejagt und Mum wollte sich nicht mehr in den Liegestuhl liegen, weil eine etwas groessere Spinne schneller als sie war.

Wir sind einiges an Kilometern gefahren, wurden unterbrochen von einem Autounfall, den ich verursacht habe. Wir waren geschockt und haben das alles in so kurzer Zeit gemeinsam gemeistert. Vielleicht war der Unfall deshalb gut, um zu realisieren, dass das alles kein Traum ist. Wer weiss das schon.

Wir waren im Meer. Ich hoere meine Schwester vorher noch sagen „Nein, da gehe ich nicht hinein!“. Die Sonne, der Himmel und die Verlockung haben uns von Penguin Island zum Festland durch den Ocean waaten lassen. Auf den Bildern sind wir nur am Ende als kleine Punkte zu erkennen, verschwindend im Meer. Unsere Mutter musste sich das nicht antun und schipperte ganz gemuetlich mit dem Kahn zurueck zum Festland.

Es gab Pellkartoffeln und Stippsosse, Guacomole und Chips, frischen Fisch und herrlichen Wein. Am letzten Abend haben wir Wein aus dem Swan Valley getrunken. Genussvoll. Traurig. Erinnernd an den Unfall. Vorausblickend. Jeder in seinen Gedanken. Ein letztes Mal einen Blick in den Spiegel werfen, ein letztes Mal checken, ob auch alles eingepackt ist, ein letztes Mal einen Blick in das schoene Haus werfen und ein letztes Mal das Garagentor sich oeffnen sehen. Wir sagen Adieu! und wollen es nicht wahr haben.

Alles in allem war es die Erfuellung eines Traums. Ein Traum, der wirklich geworden ist.

Schatz vergiss die Broesel nicht

Die daheim gebliebenen Maenner entwickelten ploetzlich lange verschollene Faehigkeiten zur Freude ihrer verreisten Ehefrauen; sei es das Schreiben von Emails oder gar das Kochen.

So kam es doch noch vor, dass meine Mutter eine dreiviertel Stunde vor ihrem Abflug aus Perth meinem Vater heisse und vor allem wichtige Tipps fuer das Zubereiten von
Fleischbaellchen gab.
Papa fragt: „Wo sind die Broesel“ ...
Mama sagt: “Aber nicht zu viel davon“ ... „Klein Schuss Wasser“ ... „Zwiebel, ein Ei, Pfeffer und Salz.“
Papa fragt: „ Und Broesel“
Mama sagt: ... „Ja! Broesel“ ... „Aber nicht zuviel“

Friday, October 26

Dubai, einer der schönsten Flughäfen der Welt

Wer schon einmal da war, wird das bestätigen. Manch ein anderer, der ihn erst kennen lernen möchte, erfährt diese Informationen mit vielen schönen Bildern hinterlegt beim googlen nach diesem.

Wir wollten ihn auch erleben bei unserem halb geheim gehaltenen Unterfangen unserer Reise nach Westaustralien. Drei Stunden Aufenthalt sind dafür jede Menge Zeit, sollte man meinen. Nur leider kommt es oft anders als man denkt.

Die Maschine in Hamburg flog mit dreistündiger Verspätung ab. Hamburg ist ein wirklich spannender Flughafen. Rechnet man die Zeit ca. 2 Stunden vor dem Einchecken mit ein, kann man richtig was erleben, was einem die Langeweile noch verlängert. Einfach unglaublich, wie öde solch ein Flughafen ist. Egal, endlich in der Luft, war uns ziemlich klar, dass wir unseren Anschlussflug nach Perth wohl mit ziemlicher Sicherheit erst 10 Stunden später werden antreten können. Und so schön kann auch der Flughafen in Dubai nicht sein, als dass er zu solch einem langen Verweilen einlädt.

Bis zum Schluss zeigten die Anzeigetafeln im Flugzeug kurz vor der Landung unseren planmäßigen Flug nach Perth an, allerdings ohne Zeitangabe und Flugsteig. Woher sollten wir wissen, was das zu bedeuten hatte. Die Maschine landete 2.10 Uhr irgendwo auf einem Rollfeld von Dubai, die Busse standen bereit zum Weitertransport ins Flughafengebäude, heiße unerträglich feuchte Luft stieg uns entgegen, der Bus setzte sich in Bewegung und fuhr in endlos langen Kurven und Schleifen kreuz und quer über das Gelände. Dann hielt er zu allem Überfluss irgendwo und erzählte den Passagieren, welchen Ausstieg sie zu wählen hatten.

Und die Zeit lief.

Es war 2.30Uhr.

2.35 Uhr war die reguläre Abflugzeit nach Perth.

Keine Chance.

Also Shopping, was die Kreditkarte hergibt.

Endlich - Terminal 1 in Sicht, Türen auf und raus. An der Zollkontrolle hektisch winkende und rufende Beschäftigte der Fluggesellschaft. So viel verstand ich, sie suchten 4 Passagiere mit Weiterflug nach Perth. Tatsächlich, die Maschine wartete. Ich musste nur meine Tasche aufs Band schmeißen, niemand wollte meine Jacke sehen, geschweige denn mich durchleuchten. Meine Mutti zog zu allem Übel ihre Schuhe aus, um sie aufs Kontrollband zu legen. Der Flughafenmitarbeiter schrie vor Stress und bedeutete uns vieren aber ganz schnell zu folgen. Ganz schnell hieß, alles von den Bändern zu raffen, die Schuhe in die Hand zu nehmen und im wirklich guten Laufschritt durch das wohl beeindruckendste Flughafengebäudes zu rennen. Immer wieder zur Eile angetrieben, ging es einige Meter auf rotem Teppich, immerhin, entlang, Treppen hoch bis zum Gate 19. Kein Mensch mehr dort, außer den Beamten, Ticket angesehen, Sitzplatz eingedruckt und im Laufschritt zum Flugzeug. Fix und fertig ließen wir uns auf unsere Plätze fallen und konnten erst im Nachhinein realisieren, dass man auf uns gewartet hatte. Das hatte man uns in Hamburg nicht in Aussicht gestellt und wie sich später auch herausstellte, waren wir – bereits in der Luft nach Dubai- auf eine andere Maschine von Dubai nach Perth – 10 Stunden später - umgebucht. Das wiederum sorgte vor Ort (bei Regina in Perth) für einige Aufregung. Alles in allem kamen wir überpünktlich in Perth an, unser Gepäck natürlich erst am nächsten Tag. Wie sollte das auch anders sein. Ob der Flughafen in Dubai nun tatsächlich so beeindruckend ist, vermögen wir nicht zu sagen. Er ist lang, sehr lang und er ist komplett mit rotem Teppich ausgelegt. Wo wird einem das schon geboten. Aber was er sonst zu bieten hat, werden wir vermutlich erst auf unserem Rückflug erleben dürfen.

(Sister)



Friday, October 19

3 Flaschen Wein und eine Flasche Sekt

Perth, 17. Oktober. Die Gedanken in Deutschland bei meiner Schwester. Jede Minute zählen, wann sie denn in den Flieger steigt. Dei Gedanken sind bei ihr. Stille. Nichts ist mehr zu hören, nun heißt es aushalten, bis wir uns am Flughafen in die Arme nehmen können.

Nach Feierabend schnell in Güstrow anrufen, ob mein Schwager sie gut abgeliefert hat und sie nun endlich drin ist.

Nein. Ich bekomme als Antwort ein "Nein, der Flieger ist noch nicht da, drei Stunden Verspätung!"

Aus Erfahrung heraus, und die muss man gar nicht haben, wenn man rechnen kann, wusste ich, dass sie ihren Anschlussflug in Dubai damit nicht schaffen kann. Ich bin aufgeregt und schicke alle guten Gedanken zu ihr, die nur gehen. Was für eine Aufregung und das alles nach der Ticketstory. Der Stein ist ins Rollen gebracht.

Vollkommen nervös versuche ich ihre Flugdaten heraus zu bekommen, versuche ihr Emailkonto zu knacken, gebe die Buchungsnummer von ihr ein, um alle Details zu bekommen. Sehe dann, dass der Anschlussflieger in Dubai 10 Stunden später abhebt. So hat sie den Flug von vornherein gebucht. Ich dachte, Du meine Güte. Wer Dubai kennt, weiß, dass es da 10 Stunden lang nichts zu tun gibt. Heilige ... Es tut mir so leid, denn es ist zu einer richtigen Anstrengung geworden, nach Australien zu kommen, und dann ist sie auch noch allein unterwegs.

Mit meinem Vater telefoniert, und nachfragend, ob es was neues gibt. Außerdem erklärend, dass es nicht schlimm ist (einerseits), dass ihr Fliger Verspätung hat, denn ihr Anschlussflug geht so viel später. Mein Vater versteht die Welt nicht und bringt alles durcheinander. Ich kann es nicht mehr erklären. Ich bin auch durcheinander.

Der Abend wird zunehmend hektischer, denn nun weiß ich, dass meine Schwester erst Freitag Mittag ankommt. Wir rufen uns gegenseitig Mitternachts (Papi, Schwager und ich; gegen die Zeiten) an. Es gibt nichts Neues. Außer, dass mein Schwager darauf beharrt, dass sie doch schon Donnerstag halb sechs Abends ankommt. Viel Hin und Her und ein unruhige Nacht. Die Gedanken spielen Böses mit mir. Erst das Durcheinander mit den Tickets, dann die Flugverspätung etc. Orakel wollen sich in meinem Kopf breit machen. Die Nacht bleibt unruhig.

Donnerstag. Auf meiner Arbeit kann ich mich nicht konzentrieren, bin dauerhaft nebenbei online und versuche irgendwie raus zu bekommen, ob es was Neues gibt. Emirates in Perth ist nicht zu erreichen, meine Schwester auch nicht. Dann lese ich online, wann der verspätete Flieger aus Deutschland in Dubai gelandet ist und das der Anschlussflieger (also der, den sie laut Buchung nicht gebucht hat) wartet und eine halbe Stunde später abfliegen soll. Hoffnung macht sich breit. Vielleicht kann sie ja doch mit dem fliegen. Und kurz darauf sagt mein denkendes Hirn mir, dass das unmöglich ist. Erreichen kann ich sie nicht. Also heißt mein Plan, zweimal zum Flughafen fahren und sehen was passiert.

Meine letzte Klientin raubt mir meinen Nerv, sie will nicht gehen. Und ich will los. Dann endlich um halb sechs aus meinem Büro gestürmt. Zum Flughafen.

Am Flughafen ist es recht ruhig. Nur wenig Leute laufen rum. Zunächst denke ich mir nichts dabei, denn es dauert bis die alle ausgecheckt haben. Ich hoffe immer noch, dass Sister in diesem Flieger war.

Im Flughafengebäude eine gähnende Leere. In der Ferne sitzen noch wenige Persönchen, die wohl warten. Ich gehe auf sie zu. Und auf einmal erkenne ich ein Gesicht. Ein Gesicht, dass das vertrauteste Gesicht in meinem Leben ist. Sie sieht aus wie meine Mutter. Naja, das geht ja nicht. Ich gehe zaghaft näher. Sie sieht nicht nur so aus, SIE IST ES!!!!

Willkommen in Australien. Meine Mama ist hier. Wir drücken uns. Ich kann nicht weinen, denn ich bin geschockt vor Freude.

Während dessen steht meine Schwester irgendwo und versucht uns telefonisch zu erreichen. Dieser Flieger war eine Stunde früher da.

Ich gehe auf sie zu und Tränen schießen für einen Moment in ihr Gesicht. Die Freude ist groß.

Meine Mutti und meine Schwester sind angekommen. JIPPIE!


Die Zwischenstory wird meine Schwester liefern müssen. Was sie alles erlebt haben, ist Teil ihrer Reise und so lustig, wie unglaublich.

Tuesday, October 16

Vorfreude

Im Schlaf um die Nacht gebracht, beim Lesen um den Verstand. Beim Arbeiten um die Konzentration herum geschifft. Beim Denken um den Focus gebracht. Hier und Jetzt sind aus den Fugen, das Morgen und das Danach sind präsent. Alles stürmt zum Ende des Tunnels, denn dort ist ein Licht zu sehen, so greifbar nahe. Es macht Freude, endlich einzutauchen und es macht Angst, wenn es wieder erlischt. Jetzt schon, bevor es überhaupt angefangen hat zu leuchten. Die Trickkiste spielt ihre Streiche mit dem Dasein. Vorfreude- ein Begriff, der lange nicht ausdrückt, was dieser Zustand ist. Es ist keine Vorfreude, sondern Euphorie, die in den Wahnsinn treibt. Endlich haben, endlich sehen, endlich anfassen, endlich spüren. Wie lange ist es bis die Vorfreude in Freude umschlägt und aus Freude wieder Trauer wird. Der Schmerz steht schon vor der Tür, obwohl er noch Zeit hat. Ungeduldig breitet er sich auf den Flügeln der Vorfreude aus. Eigentlich ist es ein Vorschmerz, der an Intensität die Freude überflügeln wird. Der Focus auf das Kommende kalkuliert alle Wenn und Abers, das Davor und das Danach mit ein. Ein Mechanismus, der funktioniert. Ohne Motor. Automatisch. Ohne Sprit. Stoppen und auf die Bremse treten, warten. Weiter warten. Die Ungeduld lässt der Geduld nur wenig Platz. Es kostet Energie, nicht abzuheben. Dem entgegen gehen, worauf man sich freut und dem zu entfliehen, wovor man Angst hat.
Vorbei ist es nie und unendlich ist es immer.

Friday, October 12

29 grad

und keine Wolken am Himmel. Und schon beginnt das erste Stöhnen, dass es aber nicht noch wärmer werden sollte. Na, noch nicht wirklich. Aber lange wird es wohl nicht mehr dauern.

Es kann kein schöneres Wetter geben, um meine Sister in weniger als einer Woche am Flughafen abzuholen. Die Vorfreude steigt ins Unermessliche, es ist kaum auszuhalten. Bis es endlich sicher war, dass sie kommt, mussten wir uns gedulden. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er vorher schon was erleben. Ein Wirrwarr von unterschiedlichen Informationen, das Wiegen in Sicherheit, das Kippen in Unsicherheit. Alles nur aufgrund eines einzig kleinen fehlendem "S" am Ende. Jetzt steht es endlich mit viel Aufwand und Kosten geschrieben auf einem der wichtigsten Tickets unserer Welt. Die Australier bewiesen einmal mehr ihre Einzigartigkeit und Eigentümlichkeit, was die Einreise von außerhalb lebenden Lebewesen anbelangt. Alles ist eben durchstrukturiert, Flexibilität ist nicht drin. Micromanagement heißt das Zauberwort, das ich schon im Sinn erkunden musste als ich meinen ersten Konfliktkurs für die Uni vorbereitet habe. Fest definiert steht dieses Wort da und wird ohne Abschweife im engsten seiner Bedeutung gebraucht. Ein Danebentreten ist unerwünscht, dann muss man ja um die Ecke denken und kreativ sein.

Ich habe sie weg gefegt, und das sage ich jetzt wohl wirklich arrogant, oder es wirkt für den Leser so. Meinen Mediationskurs für die Kollegen habe ich so präzise geplant wie lange keinen Kurs zuvor. Und dann stand ich ihnen gegenüber und habe gezeigt, wie man präsentieren und vermitteln kann. Die Aufregung war wie weg geblasen, so sehr war ich in meinem Element. Nach drei Stunden Workshop war ich ausgepowert, glücklich und absolut erschöpft. Meine Beine waren schwer, die Füße taten weh. Mein Kopf war frei und meine Emotionen taten meinem Selbstwert so viel Gutes. Hah! Kann ich da nur sagen.

Am Tag danach habe ich von allen Rückmeldungen bekommen, die mich gefreut haben. Sie hatten so etwas wohl wirklich nicht erwartet. Und gerade deshalb war es mir ein innerer Vorbeimarsch. Gereicht, doch einen Job angeboten zu bekommen, hat es nicht. Die Enttäuschung diesbezüglich kann ich nicht weg denken, es waren doch zu viele Hoffnungen damit verbunden. Das "excellent" von meinem Boss tat gut. Mehr konnte er nicht geben.

Am 23. November hat der Zauber sein Ende gefunden.

Monday, October 8

Sunday, October 7

Cirque du Soleil - Im Zirkus der Sonne

und das erste Mal mit einem befreundeten australischen Paar essen in einem Restaurant.

Die Zwiebeltürme am Swan River erregten schon lange meine Aufmerksamkeit, wenn ich daran vorbei gefahren bin, oder in der Presse von diesem berühmten Zirkus gelesen habe. Assoziativ ist die Erinnerung an Berlin präsent und die Bilder, wenn dieser Cirus auf dem Schloßplatz in Berlin gastierte. Ich bin immer nur vorbei gefahren.

Gestern waren wir für 117 Australische Dollar (teuerste Karte 250 AD) pro Kopf zum ersten Mal Zuschauer. Ein Eintritt in eine Zauberwelt. Das himmelblaue Dach, die runde Bühne, die zu Beginn noch im Dunklen liegt, die Konstruktionen in der Höhe lassen Spannendes vermuten. Das Program heisst "Varekai" (übersetzt "wherever", wo auch immer). Die globalen Wanderer unterwegs in einem Zauberwald, in dem alles möglich ist. Ein junger Mann fällt vom Himmel (schwebend, in weiß gekleidet mit Flügeln, die er am Boden verliert, er verliebt sich und findet am Ende sein Glück in der Ehe). Doch die Story war mehr als diese einfache Beschreibung dessen, was wohl der Faden sein sollte. Letztendlich war es eine Aneinanderreihung diverser akrobatischer Hochleistungen, die schon auch mal das Herz aussetzen ließen.

Cirque du Soleil gastiert parallel an vielen anderen Schauplätzen der Welt und hat derzeit 15 verschiedene Programme zu laufen (In Hamburg "Delirium"). Ich muss zugeben, dass ich dachte, dass das ein Wanderzirkus ist und habe dank der gestrigen Erfahrungen wieder eine Bildungslücke füllen können.

Der canadische Circus ist über 20 Jahre aktiv und hat seinen Ursprung in Quebec (französischer Teil in Canada). Deshalb hatte ich wohl gleich zu Beginn das Gefühl, Europa kommt zu mir. Die Vielfalt der Farben, die Kostüme, die Sprache (manchmal französischer Gesang, manchmal wohl eine Art Kunstsprache). Ja, dachte ich, das ist es was den Unterschied ausmacht. Übertragen auf die vielen Kulturen in Europa, so abgegrenzt und so intensiv - einfach herrlich. Das Zusammenleben vieler Kulturen hier in Perth ist auch etwas besonderes, es kann aber niemals wirklich diese tiefer gehenden Vielfalten und Besonderheiten wiedergeben.

Das ist es, was fehlt. Und es wurde mir schlagartig bewusst, als die erste Stimme erklang und die Musik ertönte.

Anschließend noch etwas essen und das Erlebte austauschen - ein netter Ausklang. Wie beschreibt man all diese gesehenen Attraktionen auf englisch, wie die dazu gehörigen Emotionen? Es geht, aber es ist immer ein Rest, den wir nicht ausdrücken können. Schade. Dennoch lernen wir, wie die ein oder andere Attraktion im Englischen genannt wird.

Unser Abend endet auf der gegenüberliegenden Seite des Flussufers, in South Perth. Wir setzen über mit der Fähre und erleben schon beim ersten Versuch, einen Tisch zu ergattern eine Niederlage. Alles reserviert. Doch ein paar Meter weiter werden wir glücklich. Dachten wir zumindest.

Die Speisekarte bot auserwähltes Essen, welches seinen Preis hat. Nun gut, wir bestellen. Und dann saßen wir da, worüber sprechen? Wir fremdelten ein bisschen und bemühten uns das Gespräch aufrecht zu erhalten. Bestellen wir einen Wein? Die beiden waren sich nicht einig und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es ihnen zu teuer war. Es aber nicht sagten. So blieben wir jeder bei einem Glas Wein oder einer Flasche Bier. Wie macht man das, wenn man sich nicht wirklich kennt. Einfach aussprechen, dass es zu teuer ist und es besser wäre zu gehen? Keiner will das Gesicht verlieren, also durch die Mitte. Am Ende haben wir mehr bezahlt, als wir errechnet hatten. Denn die Bedienung hat uns schon mit der Vorspeise für vier Personen übers Ohr gehauen. Der Ärger war groß. Hinterher.

Gemeinsam ein nettes Essen beginnen mit einem Anstoß der Gläser. Man macht es hier wohl etwas anders. Letztlich dann doch zum Wohl gesagt und uns dabei nicht in die Augen gesehen. Der Service war nicht wirklich gut, wie wir mittlerweile schon an mehreren Orten erleben mussten, obwohl es teuer war. Circa 6 Personen bedienten uns in 1,5 Stunden. Alles schnell, oberflächlich und so tuend als wüsste man, wie es geht. Diese Erfahrung, oder diesen Eindruck können wir nicht wirklich teilen mit unseren australischen Freunden. Thomas schubst mich an, als ich beginne, ein Gespräch darüber zu führen. Okay, anderes Thema. Und so bleiben wir letztendlich an der hohen Rechnung hängen. Schade!

picture source: http://terroirbyte.blogspot.com/2007/06/cirque-do-soleil.html

Friday, October 5

Freitag abend, kurz vor halb acht

Klientin, 33 Jahre alt, studiert im vierten Jahr Psychologie, steht kurz vor ihrem Bachelor degree, hat Beziehungsprobleme mit ihrem Partner, der eine bipolare Affektspsychose hat (auf deutsch, manisch-depressiv), es ist meine letzte Klientin heute, am Freitag, um 3 Uhr, wie immer, die Schlimmsten kommen zuletzt, mittlerweile bleibe ich gelassen, als ich sie im Wartezimmer abhole, dachte ich, dass das wohl nicht klappen wird mit uns beiden, wieder Erwarten aber dann doch, sie wurde als Kind sexuell missbraucht, hat also neben ihren Beziehungsproblemen genügend anderen Stoff, über den sie berichten kann, doch es ist heute eher Thema, wie sie mit ihrem Partner leben soll (der, wenn er manisch ist, mehre Beziehungen, oder Techtelmechtel eingeht, um danach zu gestehen und um Gnade zu bitten), nun versucht sie wieder Vertrauen aufzubauen, doch das ist schwer, außerdem ist ihr Studium das Wichtigste, sie wollte das so sehr machen (ach, da erinnere ich mich an meinen eigenen Weg), schlussendlich ging es darum irgendwo eine Lücke zu finden, damit sie wieder zu Kräften kommt, sie arbeitet 20 Stunden die Woche an zwei Tagen, das kann sie nicht ändern, denn Studium und Leben wollen/müssen finanziert werden, also doch, am Studium drehen, zumindest um einige Fristverlängerungen bitten

Klientin, 25 Jahre alt, indischer Herkunft, internationale Studentin, hat Krach mit einer ihrer Mitbewohnerinnen, bereits seit Februar, das führte so weit, dass alle ihre eigenen Freunde nichts mehr von ihr wissen wollen, ihre Mitbewohnerin hat ihrer Meinung nach alle manipuliert, nun trinkt sie (die Klientin) und schläft somit die Nächte durch und verpasst am Ende immer häufiger ihre Vorlesungen, vor 2 Wochen hat sie dann auch mit bekommen, dass sie einen Test vergessen hat und nun steht da "nicht bestanden", das heisst, dass sie die gesamte Unit wiederholen und natürlich zahlen muss, hat sie denn schon mit ihrem Lecturer gesprochen, wollte ich wissen, ja natürlich, er sagte, dass er ihr eine zweite Chance gibt, wenn sie für diesen Tag (der ca 2,5 Wochen zurück liegt) ein medizinisches Zertifikat vorlegen kann, wusste ich es doch, denn vor dem Ende der Sitzung war immer noch so ein Gefühl in mir, dass sie was anderes wollte, bevor sie mich fragte, ob ich ihr ein Zertifikat ausstelle, verdeutlichte ich ihr, dass ich das nicht machen kann, schließlich war sie vorher nie bei mir und es ist eben schon ein Stückchen her, dann sagt sie, ja es würde reichen, wenn ich einfach nur schreiben würde, dass sie hier war, ich verneinte, so hart das auch war, ihre enttäuschten Augen versuchten meiner Erklärung etwas abzugewinnen, denn letztendlich (habe ich jetzt nicht so ausgeführt) würde ihr das nicht helfen, genau das ist das Muster mit Alkoholikern, alle helfen, und dem Betroffenen ist nicht wirklich geholfen, ich wollte mich nicht einreihen, ihre Trinkgewohnheiten weiter zu unterstützen, Sorry! Ich empfahl, dass sie noch einmal mit ihrem Lehrer spricht, wenn es ihm reicht, dann können wir noch einmal darüber reden, letztendlich hat mich der Lecturer angerufen, am Ende waren wir uns einig, dass nicht der Weg der Unterstützung ist, denn sie braucht.

Meine erste Klientin heute kam mit ihrem Freund, das war nicht angemeldet, nun denn, dann eben beide, nachdem wir schon mehre Sitzungen zum Thema Angermanagement (Umgang mit eigenen Aggressionen) verbracht haben und heute alles Revue passieren lassen wollten, geriet mein Konzept am Anfang ins Schwanken, zum Glück bestätigte ihre Partner, dass sie sich wesentlich gebessert hat, was sie von sich selbst auch zufrieden berichtete, wenn da nicht noch was anderes wäre, nein, diese Zutaten nehmen wir jetzt nicht, das dann in einer neuen Sitzung, sie will jetzt auch Psychologie studieren, viel Glück

Ich beginne, meine Langzeitklienten nun auf einen Abschied vorzubereiten bzw. die letzten sechs Wochen die Sessions zu Ende zu bringen, oder sie an einen anderen Psychologen zu vermitteln. Wie es mir damit geht? Schlechter, als ich jemals erwartet hatte. Habe ich am Anfang doch sehr viel rum genörgelt, wollte mich in diese klinische Arbeit nicht einfinden, mag ich sie jetzt nicht mehr hergeben. Dennoch will ich nicht unfair sein, ich habe ja etliche Spielwiesen bekommen und mehr als erhoffte Erfahrungen machen können, als ich mir überhaupt vorstellen konnte.

Mein Unterbewusstsein ist mehr als unruhig, denn jetzt heisst es wieder auf die Straße zu gehen und zu werben. Ich bin müde und erschöpft, jetzt schon, wo es noch nicht wirklich angefangen hat. Und gespannt, was da Neues kommt und genervt, wieder von vorne anzufangen.