Friday, October 26

Dubai, einer der schönsten Flughäfen der Welt

Wer schon einmal da war, wird das bestätigen. Manch ein anderer, der ihn erst kennen lernen möchte, erfährt diese Informationen mit vielen schönen Bildern hinterlegt beim googlen nach diesem.

Wir wollten ihn auch erleben bei unserem halb geheim gehaltenen Unterfangen unserer Reise nach Westaustralien. Drei Stunden Aufenthalt sind dafür jede Menge Zeit, sollte man meinen. Nur leider kommt es oft anders als man denkt.

Die Maschine in Hamburg flog mit dreistündiger Verspätung ab. Hamburg ist ein wirklich spannender Flughafen. Rechnet man die Zeit ca. 2 Stunden vor dem Einchecken mit ein, kann man richtig was erleben, was einem die Langeweile noch verlängert. Einfach unglaublich, wie öde solch ein Flughafen ist. Egal, endlich in der Luft, war uns ziemlich klar, dass wir unseren Anschlussflug nach Perth wohl mit ziemlicher Sicherheit erst 10 Stunden später werden antreten können. Und so schön kann auch der Flughafen in Dubai nicht sein, als dass er zu solch einem langen Verweilen einlädt.

Bis zum Schluss zeigten die Anzeigetafeln im Flugzeug kurz vor der Landung unseren planmäßigen Flug nach Perth an, allerdings ohne Zeitangabe und Flugsteig. Woher sollten wir wissen, was das zu bedeuten hatte. Die Maschine landete 2.10 Uhr irgendwo auf einem Rollfeld von Dubai, die Busse standen bereit zum Weitertransport ins Flughafengebäude, heiße unerträglich feuchte Luft stieg uns entgegen, der Bus setzte sich in Bewegung und fuhr in endlos langen Kurven und Schleifen kreuz und quer über das Gelände. Dann hielt er zu allem Überfluss irgendwo und erzählte den Passagieren, welchen Ausstieg sie zu wählen hatten.

Und die Zeit lief.

Es war 2.30Uhr.

2.35 Uhr war die reguläre Abflugzeit nach Perth.

Keine Chance.

Also Shopping, was die Kreditkarte hergibt.

Endlich - Terminal 1 in Sicht, Türen auf und raus. An der Zollkontrolle hektisch winkende und rufende Beschäftigte der Fluggesellschaft. So viel verstand ich, sie suchten 4 Passagiere mit Weiterflug nach Perth. Tatsächlich, die Maschine wartete. Ich musste nur meine Tasche aufs Band schmeißen, niemand wollte meine Jacke sehen, geschweige denn mich durchleuchten. Meine Mutti zog zu allem Übel ihre Schuhe aus, um sie aufs Kontrollband zu legen. Der Flughafenmitarbeiter schrie vor Stress und bedeutete uns vieren aber ganz schnell zu folgen. Ganz schnell hieß, alles von den Bändern zu raffen, die Schuhe in die Hand zu nehmen und im wirklich guten Laufschritt durch das wohl beeindruckendste Flughafengebäudes zu rennen. Immer wieder zur Eile angetrieben, ging es einige Meter auf rotem Teppich, immerhin, entlang, Treppen hoch bis zum Gate 19. Kein Mensch mehr dort, außer den Beamten, Ticket angesehen, Sitzplatz eingedruckt und im Laufschritt zum Flugzeug. Fix und fertig ließen wir uns auf unsere Plätze fallen und konnten erst im Nachhinein realisieren, dass man auf uns gewartet hatte. Das hatte man uns in Hamburg nicht in Aussicht gestellt und wie sich später auch herausstellte, waren wir – bereits in der Luft nach Dubai- auf eine andere Maschine von Dubai nach Perth – 10 Stunden später - umgebucht. Das wiederum sorgte vor Ort (bei Regina in Perth) für einige Aufregung. Alles in allem kamen wir überpünktlich in Perth an, unser Gepäck natürlich erst am nächsten Tag. Wie sollte das auch anders sein. Ob der Flughafen in Dubai nun tatsächlich so beeindruckend ist, vermögen wir nicht zu sagen. Er ist lang, sehr lang und er ist komplett mit rotem Teppich ausgelegt. Wo wird einem das schon geboten. Aber was er sonst zu bieten hat, werden wir vermutlich erst auf unserem Rückflug erleben dürfen.

(Sister)



Friday, October 19

3 Flaschen Wein und eine Flasche Sekt

Perth, 17. Oktober. Die Gedanken in Deutschland bei meiner Schwester. Jede Minute zählen, wann sie denn in den Flieger steigt. Dei Gedanken sind bei ihr. Stille. Nichts ist mehr zu hören, nun heißt es aushalten, bis wir uns am Flughafen in die Arme nehmen können.

Nach Feierabend schnell in Güstrow anrufen, ob mein Schwager sie gut abgeliefert hat und sie nun endlich drin ist.

Nein. Ich bekomme als Antwort ein "Nein, der Flieger ist noch nicht da, drei Stunden Verspätung!"

Aus Erfahrung heraus, und die muss man gar nicht haben, wenn man rechnen kann, wusste ich, dass sie ihren Anschlussflug in Dubai damit nicht schaffen kann. Ich bin aufgeregt und schicke alle guten Gedanken zu ihr, die nur gehen. Was für eine Aufregung und das alles nach der Ticketstory. Der Stein ist ins Rollen gebracht.

Vollkommen nervös versuche ich ihre Flugdaten heraus zu bekommen, versuche ihr Emailkonto zu knacken, gebe die Buchungsnummer von ihr ein, um alle Details zu bekommen. Sehe dann, dass der Anschlussflieger in Dubai 10 Stunden später abhebt. So hat sie den Flug von vornherein gebucht. Ich dachte, Du meine Güte. Wer Dubai kennt, weiß, dass es da 10 Stunden lang nichts zu tun gibt. Heilige ... Es tut mir so leid, denn es ist zu einer richtigen Anstrengung geworden, nach Australien zu kommen, und dann ist sie auch noch allein unterwegs.

Mit meinem Vater telefoniert, und nachfragend, ob es was neues gibt. Außerdem erklärend, dass es nicht schlimm ist (einerseits), dass ihr Fliger Verspätung hat, denn ihr Anschlussflug geht so viel später. Mein Vater versteht die Welt nicht und bringt alles durcheinander. Ich kann es nicht mehr erklären. Ich bin auch durcheinander.

Der Abend wird zunehmend hektischer, denn nun weiß ich, dass meine Schwester erst Freitag Mittag ankommt. Wir rufen uns gegenseitig Mitternachts (Papi, Schwager und ich; gegen die Zeiten) an. Es gibt nichts Neues. Außer, dass mein Schwager darauf beharrt, dass sie doch schon Donnerstag halb sechs Abends ankommt. Viel Hin und Her und ein unruhige Nacht. Die Gedanken spielen Böses mit mir. Erst das Durcheinander mit den Tickets, dann die Flugverspätung etc. Orakel wollen sich in meinem Kopf breit machen. Die Nacht bleibt unruhig.

Donnerstag. Auf meiner Arbeit kann ich mich nicht konzentrieren, bin dauerhaft nebenbei online und versuche irgendwie raus zu bekommen, ob es was Neues gibt. Emirates in Perth ist nicht zu erreichen, meine Schwester auch nicht. Dann lese ich online, wann der verspätete Flieger aus Deutschland in Dubai gelandet ist und das der Anschlussflieger (also der, den sie laut Buchung nicht gebucht hat) wartet und eine halbe Stunde später abfliegen soll. Hoffnung macht sich breit. Vielleicht kann sie ja doch mit dem fliegen. Und kurz darauf sagt mein denkendes Hirn mir, dass das unmöglich ist. Erreichen kann ich sie nicht. Also heißt mein Plan, zweimal zum Flughafen fahren und sehen was passiert.

Meine letzte Klientin raubt mir meinen Nerv, sie will nicht gehen. Und ich will los. Dann endlich um halb sechs aus meinem Büro gestürmt. Zum Flughafen.

Am Flughafen ist es recht ruhig. Nur wenig Leute laufen rum. Zunächst denke ich mir nichts dabei, denn es dauert bis die alle ausgecheckt haben. Ich hoffe immer noch, dass Sister in diesem Flieger war.

Im Flughafengebäude eine gähnende Leere. In der Ferne sitzen noch wenige Persönchen, die wohl warten. Ich gehe auf sie zu. Und auf einmal erkenne ich ein Gesicht. Ein Gesicht, dass das vertrauteste Gesicht in meinem Leben ist. Sie sieht aus wie meine Mutter. Naja, das geht ja nicht. Ich gehe zaghaft näher. Sie sieht nicht nur so aus, SIE IST ES!!!!

Willkommen in Australien. Meine Mama ist hier. Wir drücken uns. Ich kann nicht weinen, denn ich bin geschockt vor Freude.

Während dessen steht meine Schwester irgendwo und versucht uns telefonisch zu erreichen. Dieser Flieger war eine Stunde früher da.

Ich gehe auf sie zu und Tränen schießen für einen Moment in ihr Gesicht. Die Freude ist groß.

Meine Mutti und meine Schwester sind angekommen. JIPPIE!


Die Zwischenstory wird meine Schwester liefern müssen. Was sie alles erlebt haben, ist Teil ihrer Reise und so lustig, wie unglaublich.

Tuesday, October 16

Vorfreude

Im Schlaf um die Nacht gebracht, beim Lesen um den Verstand. Beim Arbeiten um die Konzentration herum geschifft. Beim Denken um den Focus gebracht. Hier und Jetzt sind aus den Fugen, das Morgen und das Danach sind präsent. Alles stürmt zum Ende des Tunnels, denn dort ist ein Licht zu sehen, so greifbar nahe. Es macht Freude, endlich einzutauchen und es macht Angst, wenn es wieder erlischt. Jetzt schon, bevor es überhaupt angefangen hat zu leuchten. Die Trickkiste spielt ihre Streiche mit dem Dasein. Vorfreude- ein Begriff, der lange nicht ausdrückt, was dieser Zustand ist. Es ist keine Vorfreude, sondern Euphorie, die in den Wahnsinn treibt. Endlich haben, endlich sehen, endlich anfassen, endlich spüren. Wie lange ist es bis die Vorfreude in Freude umschlägt und aus Freude wieder Trauer wird. Der Schmerz steht schon vor der Tür, obwohl er noch Zeit hat. Ungeduldig breitet er sich auf den Flügeln der Vorfreude aus. Eigentlich ist es ein Vorschmerz, der an Intensität die Freude überflügeln wird. Der Focus auf das Kommende kalkuliert alle Wenn und Abers, das Davor und das Danach mit ein. Ein Mechanismus, der funktioniert. Ohne Motor. Automatisch. Ohne Sprit. Stoppen und auf die Bremse treten, warten. Weiter warten. Die Ungeduld lässt der Geduld nur wenig Platz. Es kostet Energie, nicht abzuheben. Dem entgegen gehen, worauf man sich freut und dem zu entfliehen, wovor man Angst hat.
Vorbei ist es nie und unendlich ist es immer.

Friday, October 12

29 grad

und keine Wolken am Himmel. Und schon beginnt das erste Stöhnen, dass es aber nicht noch wärmer werden sollte. Na, noch nicht wirklich. Aber lange wird es wohl nicht mehr dauern.

Es kann kein schöneres Wetter geben, um meine Sister in weniger als einer Woche am Flughafen abzuholen. Die Vorfreude steigt ins Unermessliche, es ist kaum auszuhalten. Bis es endlich sicher war, dass sie kommt, mussten wir uns gedulden. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er vorher schon was erleben. Ein Wirrwarr von unterschiedlichen Informationen, das Wiegen in Sicherheit, das Kippen in Unsicherheit. Alles nur aufgrund eines einzig kleinen fehlendem "S" am Ende. Jetzt steht es endlich mit viel Aufwand und Kosten geschrieben auf einem der wichtigsten Tickets unserer Welt. Die Australier bewiesen einmal mehr ihre Einzigartigkeit und Eigentümlichkeit, was die Einreise von außerhalb lebenden Lebewesen anbelangt. Alles ist eben durchstrukturiert, Flexibilität ist nicht drin. Micromanagement heißt das Zauberwort, das ich schon im Sinn erkunden musste als ich meinen ersten Konfliktkurs für die Uni vorbereitet habe. Fest definiert steht dieses Wort da und wird ohne Abschweife im engsten seiner Bedeutung gebraucht. Ein Danebentreten ist unerwünscht, dann muss man ja um die Ecke denken und kreativ sein.

Ich habe sie weg gefegt, und das sage ich jetzt wohl wirklich arrogant, oder es wirkt für den Leser so. Meinen Mediationskurs für die Kollegen habe ich so präzise geplant wie lange keinen Kurs zuvor. Und dann stand ich ihnen gegenüber und habe gezeigt, wie man präsentieren und vermitteln kann. Die Aufregung war wie weg geblasen, so sehr war ich in meinem Element. Nach drei Stunden Workshop war ich ausgepowert, glücklich und absolut erschöpft. Meine Beine waren schwer, die Füße taten weh. Mein Kopf war frei und meine Emotionen taten meinem Selbstwert so viel Gutes. Hah! Kann ich da nur sagen.

Am Tag danach habe ich von allen Rückmeldungen bekommen, die mich gefreut haben. Sie hatten so etwas wohl wirklich nicht erwartet. Und gerade deshalb war es mir ein innerer Vorbeimarsch. Gereicht, doch einen Job angeboten zu bekommen, hat es nicht. Die Enttäuschung diesbezüglich kann ich nicht weg denken, es waren doch zu viele Hoffnungen damit verbunden. Das "excellent" von meinem Boss tat gut. Mehr konnte er nicht geben.

Am 23. November hat der Zauber sein Ende gefunden.

Monday, October 8

Sunday, October 7

Cirque du Soleil - Im Zirkus der Sonne

und das erste Mal mit einem befreundeten australischen Paar essen in einem Restaurant.

Die Zwiebeltürme am Swan River erregten schon lange meine Aufmerksamkeit, wenn ich daran vorbei gefahren bin, oder in der Presse von diesem berühmten Zirkus gelesen habe. Assoziativ ist die Erinnerung an Berlin präsent und die Bilder, wenn dieser Cirus auf dem Schloßplatz in Berlin gastierte. Ich bin immer nur vorbei gefahren.

Gestern waren wir für 117 Australische Dollar (teuerste Karte 250 AD) pro Kopf zum ersten Mal Zuschauer. Ein Eintritt in eine Zauberwelt. Das himmelblaue Dach, die runde Bühne, die zu Beginn noch im Dunklen liegt, die Konstruktionen in der Höhe lassen Spannendes vermuten. Das Program heisst "Varekai" (übersetzt "wherever", wo auch immer). Die globalen Wanderer unterwegs in einem Zauberwald, in dem alles möglich ist. Ein junger Mann fällt vom Himmel (schwebend, in weiß gekleidet mit Flügeln, die er am Boden verliert, er verliebt sich und findet am Ende sein Glück in der Ehe). Doch die Story war mehr als diese einfache Beschreibung dessen, was wohl der Faden sein sollte. Letztendlich war es eine Aneinanderreihung diverser akrobatischer Hochleistungen, die schon auch mal das Herz aussetzen ließen.

Cirque du Soleil gastiert parallel an vielen anderen Schauplätzen der Welt und hat derzeit 15 verschiedene Programme zu laufen (In Hamburg "Delirium"). Ich muss zugeben, dass ich dachte, dass das ein Wanderzirkus ist und habe dank der gestrigen Erfahrungen wieder eine Bildungslücke füllen können.

Der canadische Circus ist über 20 Jahre aktiv und hat seinen Ursprung in Quebec (französischer Teil in Canada). Deshalb hatte ich wohl gleich zu Beginn das Gefühl, Europa kommt zu mir. Die Vielfalt der Farben, die Kostüme, die Sprache (manchmal französischer Gesang, manchmal wohl eine Art Kunstsprache). Ja, dachte ich, das ist es was den Unterschied ausmacht. Übertragen auf die vielen Kulturen in Europa, so abgegrenzt und so intensiv - einfach herrlich. Das Zusammenleben vieler Kulturen hier in Perth ist auch etwas besonderes, es kann aber niemals wirklich diese tiefer gehenden Vielfalten und Besonderheiten wiedergeben.

Das ist es, was fehlt. Und es wurde mir schlagartig bewusst, als die erste Stimme erklang und die Musik ertönte.

Anschließend noch etwas essen und das Erlebte austauschen - ein netter Ausklang. Wie beschreibt man all diese gesehenen Attraktionen auf englisch, wie die dazu gehörigen Emotionen? Es geht, aber es ist immer ein Rest, den wir nicht ausdrücken können. Schade. Dennoch lernen wir, wie die ein oder andere Attraktion im Englischen genannt wird.

Unser Abend endet auf der gegenüberliegenden Seite des Flussufers, in South Perth. Wir setzen über mit der Fähre und erleben schon beim ersten Versuch, einen Tisch zu ergattern eine Niederlage. Alles reserviert. Doch ein paar Meter weiter werden wir glücklich. Dachten wir zumindest.

Die Speisekarte bot auserwähltes Essen, welches seinen Preis hat. Nun gut, wir bestellen. Und dann saßen wir da, worüber sprechen? Wir fremdelten ein bisschen und bemühten uns das Gespräch aufrecht zu erhalten. Bestellen wir einen Wein? Die beiden waren sich nicht einig und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es ihnen zu teuer war. Es aber nicht sagten. So blieben wir jeder bei einem Glas Wein oder einer Flasche Bier. Wie macht man das, wenn man sich nicht wirklich kennt. Einfach aussprechen, dass es zu teuer ist und es besser wäre zu gehen? Keiner will das Gesicht verlieren, also durch die Mitte. Am Ende haben wir mehr bezahlt, als wir errechnet hatten. Denn die Bedienung hat uns schon mit der Vorspeise für vier Personen übers Ohr gehauen. Der Ärger war groß. Hinterher.

Gemeinsam ein nettes Essen beginnen mit einem Anstoß der Gläser. Man macht es hier wohl etwas anders. Letztlich dann doch zum Wohl gesagt und uns dabei nicht in die Augen gesehen. Der Service war nicht wirklich gut, wie wir mittlerweile schon an mehreren Orten erleben mussten, obwohl es teuer war. Circa 6 Personen bedienten uns in 1,5 Stunden. Alles schnell, oberflächlich und so tuend als wüsste man, wie es geht. Diese Erfahrung, oder diesen Eindruck können wir nicht wirklich teilen mit unseren australischen Freunden. Thomas schubst mich an, als ich beginne, ein Gespräch darüber zu führen. Okay, anderes Thema. Und so bleiben wir letztendlich an der hohen Rechnung hängen. Schade!

picture source: http://terroirbyte.blogspot.com/2007/06/cirque-do-soleil.html

Friday, October 5

Freitag abend, kurz vor halb acht

Klientin, 33 Jahre alt, studiert im vierten Jahr Psychologie, steht kurz vor ihrem Bachelor degree, hat Beziehungsprobleme mit ihrem Partner, der eine bipolare Affektspsychose hat (auf deutsch, manisch-depressiv), es ist meine letzte Klientin heute, am Freitag, um 3 Uhr, wie immer, die Schlimmsten kommen zuletzt, mittlerweile bleibe ich gelassen, als ich sie im Wartezimmer abhole, dachte ich, dass das wohl nicht klappen wird mit uns beiden, wieder Erwarten aber dann doch, sie wurde als Kind sexuell missbraucht, hat also neben ihren Beziehungsproblemen genügend anderen Stoff, über den sie berichten kann, doch es ist heute eher Thema, wie sie mit ihrem Partner leben soll (der, wenn er manisch ist, mehre Beziehungen, oder Techtelmechtel eingeht, um danach zu gestehen und um Gnade zu bitten), nun versucht sie wieder Vertrauen aufzubauen, doch das ist schwer, außerdem ist ihr Studium das Wichtigste, sie wollte das so sehr machen (ach, da erinnere ich mich an meinen eigenen Weg), schlussendlich ging es darum irgendwo eine Lücke zu finden, damit sie wieder zu Kräften kommt, sie arbeitet 20 Stunden die Woche an zwei Tagen, das kann sie nicht ändern, denn Studium und Leben wollen/müssen finanziert werden, also doch, am Studium drehen, zumindest um einige Fristverlängerungen bitten

Klientin, 25 Jahre alt, indischer Herkunft, internationale Studentin, hat Krach mit einer ihrer Mitbewohnerinnen, bereits seit Februar, das führte so weit, dass alle ihre eigenen Freunde nichts mehr von ihr wissen wollen, ihre Mitbewohnerin hat ihrer Meinung nach alle manipuliert, nun trinkt sie (die Klientin) und schläft somit die Nächte durch und verpasst am Ende immer häufiger ihre Vorlesungen, vor 2 Wochen hat sie dann auch mit bekommen, dass sie einen Test vergessen hat und nun steht da "nicht bestanden", das heisst, dass sie die gesamte Unit wiederholen und natürlich zahlen muss, hat sie denn schon mit ihrem Lecturer gesprochen, wollte ich wissen, ja natürlich, er sagte, dass er ihr eine zweite Chance gibt, wenn sie für diesen Tag (der ca 2,5 Wochen zurück liegt) ein medizinisches Zertifikat vorlegen kann, wusste ich es doch, denn vor dem Ende der Sitzung war immer noch so ein Gefühl in mir, dass sie was anderes wollte, bevor sie mich fragte, ob ich ihr ein Zertifikat ausstelle, verdeutlichte ich ihr, dass ich das nicht machen kann, schließlich war sie vorher nie bei mir und es ist eben schon ein Stückchen her, dann sagt sie, ja es würde reichen, wenn ich einfach nur schreiben würde, dass sie hier war, ich verneinte, so hart das auch war, ihre enttäuschten Augen versuchten meiner Erklärung etwas abzugewinnen, denn letztendlich (habe ich jetzt nicht so ausgeführt) würde ihr das nicht helfen, genau das ist das Muster mit Alkoholikern, alle helfen, und dem Betroffenen ist nicht wirklich geholfen, ich wollte mich nicht einreihen, ihre Trinkgewohnheiten weiter zu unterstützen, Sorry! Ich empfahl, dass sie noch einmal mit ihrem Lehrer spricht, wenn es ihm reicht, dann können wir noch einmal darüber reden, letztendlich hat mich der Lecturer angerufen, am Ende waren wir uns einig, dass nicht der Weg der Unterstützung ist, denn sie braucht.

Meine erste Klientin heute kam mit ihrem Freund, das war nicht angemeldet, nun denn, dann eben beide, nachdem wir schon mehre Sitzungen zum Thema Angermanagement (Umgang mit eigenen Aggressionen) verbracht haben und heute alles Revue passieren lassen wollten, geriet mein Konzept am Anfang ins Schwanken, zum Glück bestätigte ihre Partner, dass sie sich wesentlich gebessert hat, was sie von sich selbst auch zufrieden berichtete, wenn da nicht noch was anderes wäre, nein, diese Zutaten nehmen wir jetzt nicht, das dann in einer neuen Sitzung, sie will jetzt auch Psychologie studieren, viel Glück

Ich beginne, meine Langzeitklienten nun auf einen Abschied vorzubereiten bzw. die letzten sechs Wochen die Sessions zu Ende zu bringen, oder sie an einen anderen Psychologen zu vermitteln. Wie es mir damit geht? Schlechter, als ich jemals erwartet hatte. Habe ich am Anfang doch sehr viel rum genörgelt, wollte mich in diese klinische Arbeit nicht einfinden, mag ich sie jetzt nicht mehr hergeben. Dennoch will ich nicht unfair sein, ich habe ja etliche Spielwiesen bekommen und mehr als erhoffte Erfahrungen machen können, als ich mir überhaupt vorstellen konnte.

Mein Unterbewusstsein ist mehr als unruhig, denn jetzt heisst es wieder auf die Straße zu gehen und zu werben. Ich bin müde und erschöpft, jetzt schon, wo es noch nicht wirklich angefangen hat. Und gespannt, was da Neues kommt und genervt, wieder von vorne anzufangen.

Monday, October 1

Surfsaison eröffnet

Cervantes 2007, der Frühling ist hier schon ein Müh weiter.

Letzten Freitag in Perth sah es noch nicht so aus, dass das Wetter ohne Regen kann. Abends auf dem Campingplatz angekommen, schaffen wir es gerade noch so, ein kaltes Bier beim Sonnenuntergang zu genießen, bevor wir unsere Zelte aufgeschlagen haben.
Es ist früh dunkel und mit der Dunkelheit an diesem Abend waren Feuchtigkeit und Kälte recht unangenehm. Die Schlafsäcke waren klamm und der Abend um halb elf zu Ende. Jippie - ins lauschige Campingsäckchen.

Der Morgen am Samstag beginnt mit viel Sonne, die Wolken sind weg, wir genießen unser Draußenfrühstück bei Sonnenschein und packen das Auto wieder voll.

Natürlich nur mit Klamotten, die wir zum Surfen brauchten. Eine Kollegin von mir hat mir am Freitag noch ein Wetsuit gebracht, in dem ich schon auffalle, ohne dass ich auch nur einen Fuss auf das Brett gesetzt habe. Die Beine passten, der Oberkörper war wesentlich zu groß. Ich sah aus wie ein Michelinmännchen, dass sich verirrt hat. Bilder haben wir davon natürlich nicht gemacht.

Die ersten Versuche auf das Brett zu kommen gingen wesentlich einfacher als im letzten Jahr. Da bin ich ja nicht mal rauf gekommen. Dank des Wetsuit, das ich letztes Jahr nicht hatte, habe ich mich nicht mehr um das Drum herum kümmern müssen. Das war gut, so konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Erste Versuche sind zu sehen. Meine Fortschritte sind nicht dokumentiert.

Nachdem mir lange genug jemand das Brett gehalten hat, habe ich es solange alleine probiert, bis zumindest schon mal ein paar Meter vorwärts kommen raus gekommen ist.

Während die Profis in unserer Runde über diverse technische Feinheiten gesprochen haben, bin ich in Gedanken immer noch beim Üben. Irgendwann musste ich aufhören, weil Konzentration und die Hände nicht mehr wollten. Es war nicht so sehr ein Kraftakt, mehr, dass immer wiederkehrende frustriende Erlebnis nicht soo... weit voran zu kommen. Die Hände waren vom Raufziehen des Segel kurz vorm Blasendurchbruch. Nun bin ich angesteckt und will mehr.
Ja ja, es sieht noch etwas verkraft aus. Ich hatte großen Respeckt vorm Segel und davor, dass ich wirklich los surfe. Außerdem war der Baum viel zu hoch.

Wir haben herrliche Tage in Cervantes verbracht, einer der schönsten Fleckchen zum Surfen und zum Erholen im Umkreis von 260 km von Perth. Mit uns waren viele Reisende unterwegs. Schließlich war Feiertag und Ferienbeginn. Das ist nicht anders als in Deutschland. Plötzlich kommen alle aus ihren Nestern.

Bei mehr als 25 Grad tagsüber bleiben Sonnenbrände nicht aus. Ich habe mir die Fuss-Spannen ordentlich verbrannt. Es ist wieder Zeit, sich mit LF 50 einzucremen, damit man weiß bleibt. Sonst heisst es nachher noch: Ein Indianer in Australien.





Wednesday, September 26

Im Leben einer anderen Kultur




und was sonst noch so passierte ...
Thomas Superobjektiv ist umgetauscht und macht brilliante Aufnahmen, nun können wir auch in Nachbars Garten schauen. Wenn da nicht diese komischen Zäune wären, von denen kein Australier erklären kann, warum sie denn nun da sind.
Nachfragen, warum was wieso, ist hier nicht gelernt, gewünscht oder bekannt. Wir hören täglich, wie wir uns zu verhalten haben, wenn Frauen geschlagen werden, wenn Menschen in der Öffentlichkeit rauchen, wenn man was sieht, was einem komisch vorkommt. Für alles gibt es eine Hotline. Das Toilettenpapier muss man aber noch selbst kaufen.

Thomas war anfang der Woche beim Arzt wegen seiner komischen Entzündung am Kopf, von der er nicht wusste woher er das hatte. Meine Phantasien konstruierten kleine Spinnen unter seiner Stirn. Thomas selbst sagte, dass er mal gehört hat, dass das auch Larven sein könnten, die dann nachdem der Eiter aufgebrochen ist, beflügelt ihren Wirt verlassen. Wie eklig ist das denn. Also doch lieber zum Arzt. Der hat aus einem Meter Sicherheitsabstand mit der Taschenlampe drauf geleuchtet und gesagt, es wäre eine Entzündung. Aha, haben wir uns das doch gedacht. Die Frage, woher denn oder was für eine Entzündung das ist, blieb im Raum stehen. Der Arzt sagte, dass tut doch nichts zur Sache. Ah, ich vergaß, hier fragt man nicht nach. That's fine. Auch nach fast einem Jahr Hierseins. Wundert es mich immer noch, wie das funktioniert. Die Oberfläche muss eigentlich schon so voll sein, dass sie schon eine Unterschicht von einer neuen Oberfläche geworden ist, oder so. Es entwickelt sich.

Wundernde Klienten sind mir wieder begegnet, die im Gespräch feststellten, dass Menschen unterschiedlich sind. Komisch. Sie sind offen, für Aufklärung und saugen das auf. Das freut mich wiederum, habe ich auch mal was anderes zu tun, als weinende 18jährige Mädchen zu trösten, die schon Antidepressiva schlucken müssen, weil sie mal unhappy sind. Noch Fragen? Manchmal kann ich mein Entsetzen nicht verbergen und wenn ich gefragt werde, was ich davon halte, so früh schon Medikamente zu nehmen, auch antworte.

Das Wetter hält uns in Trapp, wir frieren noch. Das erste Campingwochenende steht vor der Tür, dank Queen Mum, die ihren Geburtstag hat. Ja ja ich weiß, sie hat ja eigentlich im April Geburtstag. Aber wenn man königlicher Abstammung ist, darf man das Volk auch mit mehren solcher Anlässe beglücken. So haben wir Montag frei und wieder eine verkürzte Woche im Anschluss.

Der absolute Wahnsinn ist, dass ich zu meinem Geburtstag, den ich erstmalig im Frühling begehe, Familienbesuch bekomme. Achtung ... Meine Schwester kommt. Wieder einmal mehr bin ich eines besseren belehrt und vermeide das Wörtchen "nie". Man sollte niemal "nie" sagen. stimmt. Es gibt kein schöneres Geschenk! Die Vorfreude kommt der der Vorfreude im Kinde gleich, das die Weihnachtsstimmung kaum aushalten kann.


Wednesday, September 19

Horoskope und Begegnungen

Natuerlich glaube ich nicht an Horoskope, aber …
Ich lese sie gerne und ertappe mich manchmal, dass ich ueberpruefe, ob das alles eingetreten ist, was ich gehoert oder gelesen habe.

Das Horoskop von Dienstag versprach Hoehenfluege. Ich las es aber erst Abends und erwartete nach einem anstrengen Arbeitstag nichts dergleichen. Man soll den Abend nicht vor den Morgen loben, oder umgekehrt? Wie auch immer. Es erreichten mich aus Deutschland umwerfende Nachrichten, die mehr als vier Sterne wert waren.

Heute im Auto auf der Fahrt zur Arbeit bin ich daran erinnert worden, als Waage zu meinen Wurzeln zureck zu kehren, oder besser, meine Wurzeln nicht zu vergessen. In der Mittagspause zum Friseur spricht mich die Hairdresserin darauf an und ich dachte, ups, hat die das gleiche Horoskop? In der Eile zu meinem Buero zurueck mit frisch gewaschenem und geschnittenen Haar, den Kopf frei geniesse ich eine Stunde Vortrag von einer Psychologin, die eine Aborigini ist. Worueber spricht sie? Ueber ihre Herkunft, ihre Geschichte und ueber ihre Wurzeln.

Sie fuehrte uns gleich zu Beginn vor, in dem sie uns bat, uns vorzustellen und was wir noch sagen wuerden, wenn wir mit jemanden zusammen arbeiten wollen. Am Ende stellte sie sich vor. Aber ganz anders und sie begann mit „ Ich bin eine Grossmutter von ... Kindern, und Mutter von ...“. Anschliessend fragte sie uns was der Unterschied ist und hob unterschiedliche Wertigkeiten in unseren Wertesystemen hervor. Ein gelungener Einstieg.

Sunday, September 16

Wild flower saison











Mich laust der Affe


http://www.gifs.ch/affen/affen3.htm

Klient, 23 Jahre, groß gewachsen, farbig, sportliche Figur kommt und will einen Apointmentcounsellor sehen. Ich habe Dient als AC (so unsere Abkürzung). Er lächelt, als ich ihn aufrufe, hat einen gleichmäßigen Schritt und eine aufrechte Körperhaltung. Interessant - was ihn wohl hier her bringt. Und das ist meine erste oder zweite Frage.
Er antwortet, dass er kein Anliegen hat. Aha, ich denke und warum wastest (vergeudest) Du meine Zeit?, und frage, warum er denn er hier ist. Er sagt, weiß er auch nicht. Ich denke, was ist das denn für eine Form von Störung und frage, was er an der Uni macht. Er antwortet, er studiert Psychologie. Ich lächele und sage, so so, das ist ein Test. Er schmunzelt. Nun gut, dann wollen wir mal. Machen Sie mal den Mund auf. Es war nichts zu sehen, nichts entzündet, nichts geschwollen, alles sehr gesund. Schlussendlich habe ich ihm unseren Service erklärt und auch Themen benannt, die Clienten zu uns führen. Als ich von Beziehungsprobelmen sprach, sagte er, ja er hat noch nie eine gehabt. Ich gab zu verstehen, dass das doch ein Thema sein könnte. Er sollte mal darüber nachdenken und wieder kommen, wenn es tatsächlich ein Problem ist. Irgendwie eine lustige Begebenheit. Zu reden gibt es immer was.

Wieder eine Woche rum, mit Rucksäcken voller Stories, Tränen, steifen Körpern, unsicheren Blicken, leisen Statements, Diskussionen, kleinen Ärgernissen, und auch Erfolgen.

Nebenbei stürmt, regnet es und scheint wieder die Sonne. Den kleinen Gasheizer habe ich immer noch im Betrieb. Es wird nur langsam spürbar wärmer. Der Frühling zögert.

Politisch bin ich hier überhaupt nicht informiert. Es geht an mir vorüber. Ab und an nehme ich eine Zeitung mit und durchwälze dieses viele Papier, dass mehr voller Werbung als von Nachrichten bestückt ist. Internationale Neuigkeiten lese ich im Netz oder sehe auch mal das heute journal via internet. In Deutschland war ich mehr informiert. Hier nicht. Warum, weiß ich nicht. Auf der Arbeit ist das kein Thema, aller höchstens, wenn wieder irgendwo eine Leiche gefunden wurde, oder das Thema Wasserverbrauch diskutiert wird. Das Fernsehen wird hier im Moment von diversen footbal, rugby etc. Sendungen dominiert. Das ist eher nicht mein Interessensgebiet. Ansonsten laufen hier die Showsendungen wie in Deutschland auch, Australian Idol (Deutschland sucht den Superstar), American Model (Topmodel Deutschland) und noch eine Tanzshow (weiß nicht, ob es das in D gibt). Die ist wirklich interessant. Junge Leute, die tanzen, dass mir die Ohren schlackern und mich in meine Vergangenheit katapultieren. Manchmal zu Tränen gerührt, was sie leisten. Es fasziniert mich.

Alles in allem steckt so viel Vertrautheit in diesen Shows, da sie auf der ganzen Welt laufen und ein Stück Verbundenheit darstellen. Nur zu wissen, dass es das hier auch gibt, hebt das Gefühl, nicht wirklich am Ende der Welt zu sein.


Wednesday, September 5

Mit einem Bein auf der Couch - Buch ist erschienen

In meinem Briefkasten gab es heute eine Überraschung der ganz besonderen Art. Das Buch mit dem Titel "Mit einem Bein auf der Couch" von Katrin Panier-Richter hat einen langen Weg hinter sich. Nicht nur den von Deutschland nach Australien, sondern auch den Weg des Werdens.

Ich durfte Teil dieses Buches werden, indem Therapeutengeschichten geschrieben sind. Nein nicht über Klienten von Therapeuten, sondern über den/die Therapeut/in selbst. Ich weiß gar nicht mehr wirklich, wie es zustande gekommen ist, dass auch ich von der Autorin interviewt worden bin. Ich werde in diesem Blog mal nachsehen, denn es steht ganz sicher etwas darüber drin.

Ich habe Katrin noch nicht einmal sehen können, unser Kontakt entstand mitten in meinem Umzug nach Australien. Also haben wir ein wenig improvisiert und die Wunderwelt der Kommunikation via Internet und Telefon genutzt.

Ich mache Werbung. Das Buch kann beispielsweise bei amazon bestellt werden, oder bei der Autorin selbst und ist für 16,90 € durchaus erschwinglich.

Als ich heute auf die Schnelle mal durch geblättert habe, bin ich auf die Passage gestoßen, in der ich davon erzähle, wie lange es wohl dauern wird, bis ich hier als Psychologe anerkannt bin und arbeiten darf. Das ist alles nicht mal ein Jahr her. So viel ist passiert. Ich bin mittendrin!

Ich danke der Autorin, Teil des Buches zu sein. Es erinnert mich an so viele bewegende Momente in meinem Leben und es macht mich neugierig auf die Geschichten der anderen Therapeuten.

Neues vom ganz normalen Wahnsinn - mein therapeutischer Alltag

Klientin mit dem Gefühl, dass sie nichts wert, einsam ist und niemand sie mag, ihre Familie gratuliert ihr nicht mal zum Geburtstag, bevor sie etwas genießen will startet ihr Denken schon das Szenario danach, es wird ihr wieder schlecht gehen, deshalb kann sie beispielsweise nicht ins Kino gehen, sie wacht auf nach einer schlechten Nacht und fühlt sich schlecht, ihr Denken dreht sich bevor sie aufgestanden ist, wozu alles, es ist nutzlos, ich bin nutzlos, was hält mich am Leben?

Klient in einer absoluten mentalen und emotionalen Krise, absolviert gerade sein Abschlusspraktikum als Lehrer in einer Schule, kommt mit seiner Frau als Notfall und landet bei mir im Büro, sie weint, er ist verzweifelt, er kann nicht mehr, zu viel ist zu tun, die beiden Lehrer unterstützen ihn nicht, er kann nicht mehr schlafen und sein Denken stoppen, die Verantwortung seiner Frau gegenüber, was sagen die anderen, es gibt keine Lösung, der Gedanke an Selbstmord nimmt überhand und lässt den Verzweifelten Pillen schlucken, danach ist alles schlimmer als vorher, kein Ausweg in Sicht, nichts ist verhandelbar

Klientin mit einer schlimmen Schulterverletzung, gepeinigt vom Schmerz, schafft es nicht, an ihrer Doktorarbeit zu schreiben, sowieso ist alles zu schwer, sie hat schon so viele Beratungen hinter sich, nichts hilft, sie ist ein hoffnungsloser Fall, sie kann nicht schlafen, mag nicht mehr aufstehen, weiß gar nicht, ob es noch das richtige ist, was sie da tut, ihre Mutter nervt sie, obwohl sie nicht zusammen leben, sie schafft nichts, nicht mal das kleinste Ziel ist zu erreichen

Klient mit Trennungsschmerz von seiner Geliebten, ein halbes Jahr von ihr getrennt, doch weiter im Kontakt, sie spielen zusammen in einer Band, er ist immer noch ihr engster Vertrauter, sie erzählt ihm alles, in ihm lodert die Hoffnung, das sie wieder zusammen kommen, erfährt von ihr, dass sie wieder mit dem Freund vor ihm zusammen ist, eine Welt stürzt zusammen, warum nur, was kann ich tun, wie soll ich das aushalten, ich liebe sie, wie soll ich mich konzentrieren

Klientin asiatischer Herkunft, studiert Medizin, eigentlich ist sie schon ein Arzt, aber nicht in Australien ausgebildet, das ganze noch einmal bitte, was soll sie sich nur mit anderen unterhalten, vor allem wie macht man das, sie spricht außerordentlich gut Englisch, schließlich lebt sie schon sieben Jahre hier, doch immer mit dem Gefühl, dass andere nichts von ihr wissen wollen, sie kann in Gesprächen nicht mithalten, hat Sorge, das Falsche zu sagen und überhaupt wie das auf andere wirkt

Klientin, die es mag ihren Mund zu bewegen und unterschiedliche Geschmäcker zu genießen, kann nicht aufhören zu essen, kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, was sie als nächstes essen kann, kann nicht stoppen, was sie gerade ißt, denn sie muss es aufessen, bis es alle ist, sie schreibt fleißig ihren was, wann, wo und unter welchen Umständen Kalender sie essen muss, will, sie weiß nicht, was sie statt dessen tun soll, ist gelangweilt, hat keine Idee vom Leben, keine Wünsche, keine Träume.

Klientin, studiert Psychologie und absolviert gerade ein Praktikum in einer Klinik fuer Alkoholabhaengige, parallel dazu nimmt sie an Supervisionsgruppen teil, da haben sie und alle anderen Studenten die Moeglichkeit zu unterschiedlichen Themen ihr eigenes Leben bzw. Ausschnitte daraus zu reflektieren, sie ist ratlos, denn es faellt ihr nichts ein, was sie dort erzaehlen soll, ihre Kindheit war wie im Bilderbuch, sie hat keine Sorgen etc., sie befuerchtet, dass sie nicht im richtigen Bereich arbeitet, denn sie denkt private Erfahrungen sind erforderlich, jeder dort in der Gruppe traegt seine Geschichten vor, sie nicht, denn sie hat ja keine, sie denkt, dass sie arrogant auf die anderen wirkt und fuehlt sich ausgegrenzt, was soll sie tun, es stellt sich heraus, dass diese Supervisionsgruppe erst einmal statt gefunden hat und noch viele andere Themen kommen, zu denen sie etwas sagen koennte
Klientin, angehende Sozialarbeiterin, ist hier mit einem Studentenvisa, danach geht es zurueck nach Japan, sie will nicht, sie will hier bleiben, sie kann mit dieser Ausbildun gin Japan gar nicht anfangen, zu unterschiedlich alles, sie kommt nicht kalr mit den unterschiedlichen Wertesystemen, will etwas freier leben, das ist nur hier moeglich, sie ist ueber 40 jahre alt, hat noch nie ueber Gefuehle gesprochen, sie weiss nicht, wie man das macht, und welche es ueberhaupt gibt, sie dankbar fuer jeden Tip und hoert sehr aufmerksam zu, ihre Sprache ist nicht so gut, sie merkt es selbst und entdeckt eine Barriere mehr, es faellt ihr leichter zu schreiben, aber nciht so viel, dass sprechen ueber ... ist im groundlevel, das schreiben ueber igrendwo zwischen der nullten und ersten etage, wo bloss anfangen

Stories aus meinem Alltag. Behutsam strecke ich meine Fühler aus, wenn sie beginnen zu erzählen, ich höre zu, überlege Fragen, stelle Fragen, reiche ihnen eine imaginäre Hand, überlege, was zu tun ist, worum es wirklich geht, passe auf, nicht zu weit in die Vergangenheit zu gehen, will verstehen, aber nur soviel wie es nützlich ist, achte darauf, dass sie wieder gehen können, habe Sorge, ist es das richtige was ich da tue, muss ich sie/ihn nicht lieber in die Klinik bringen, checke also wie weit und wie konkret Suizidgedanken sind, setze therapeutische Mittel wie die Waage ein und lebe damit, dass Klienten dann nicht wieder kommen, zu hart die Konfrontation mit der Realität, die Waage habe ich wieder aus meinem Büro entfernt, es ist weniger Angst erweckend, ich mache Notizen und staple Ideen in meinem Kopf, vor allem aber höre ich zu, und einmal habe ich zurück bekommen, was ich nicht erwartet hätte, noch nie hat sich eine Klientin so verstanden gefühlt. Ich freue mich und bleibe gelassen, es ist so unterschiedlich, manchmal weiß ich schon, wenn ich die Klienten sehe, dass es gut funktionieren wird und manchmal denke ich schon sehnsuchtsvoll an das Ende einer Sitzung bevor diese ueberhaupt begonnen hat.

Monday, September 3

Bunker Bay - Wale in Sicht

























































Zwei Tage weg von allem. Suedlich von Perth haben wir unseren dritten Hochzeitstag in gigantischer Natur verbracht. Natuerlich haben wir uns nebenbei etwas Luxus gegoennt. Der Blick von unserem, wie unschwer zu erkennen ist, war direkt auf das Meer gerichtet. Der Blick waehrend unseres Fruestuecks ebenso und ab und an musste ich doch jauchzen. Die Wellenbrecher sahen gigantisch aus. Schon aus der Ferne, von der sicheren Terrasse des Restaurants aus, sahen sie angstlockend aus. Aus der Naehe setzte das Herz beinahe ab und an aus. Ich habe so viele Wellenbilder geknipst, konnte nicht wieder aufhoeren.


Waehrend unsere Wanderung haben wir Wale im Meer breechen sehen. Das war Samstag, puenktlich zum Fruehlingsbeginn. Sonntag beim Fruehstueck mussten wir nur auf das Meer sehen und geduldig sein. Thomas hatte wirklich alles gut arrangiert. Die Wale waren fuenf nach zehn in Sicht.
Nicht mal vier Stunden von Perth entfernt verbrachten wir ein zauberhaftes Wochenende, begleitet vom sonnigen Fruehlingsbeginn. Das Cape Naturalist bietet einiges an Wandermoeglichkeiten, atemberaubende Natur, bluehende Landschaften und Ruhe pur. Wieder einmal mehr hatten wir den Eindruck, laenger weg gewesen zu sein. Dieser Erholuunsgwert ist einfach gigantisch.