Monday, October 1

Surfsaison eröffnet

Cervantes 2007, der Frühling ist hier schon ein Müh weiter.

Letzten Freitag in Perth sah es noch nicht so aus, dass das Wetter ohne Regen kann. Abends auf dem Campingplatz angekommen, schaffen wir es gerade noch so, ein kaltes Bier beim Sonnenuntergang zu genießen, bevor wir unsere Zelte aufgeschlagen haben.
Es ist früh dunkel und mit der Dunkelheit an diesem Abend waren Feuchtigkeit und Kälte recht unangenehm. Die Schlafsäcke waren klamm und der Abend um halb elf zu Ende. Jippie - ins lauschige Campingsäckchen.

Der Morgen am Samstag beginnt mit viel Sonne, die Wolken sind weg, wir genießen unser Draußenfrühstück bei Sonnenschein und packen das Auto wieder voll.

Natürlich nur mit Klamotten, die wir zum Surfen brauchten. Eine Kollegin von mir hat mir am Freitag noch ein Wetsuit gebracht, in dem ich schon auffalle, ohne dass ich auch nur einen Fuss auf das Brett gesetzt habe. Die Beine passten, der Oberkörper war wesentlich zu groß. Ich sah aus wie ein Michelinmännchen, dass sich verirrt hat. Bilder haben wir davon natürlich nicht gemacht.

Die ersten Versuche auf das Brett zu kommen gingen wesentlich einfacher als im letzten Jahr. Da bin ich ja nicht mal rauf gekommen. Dank des Wetsuit, das ich letztes Jahr nicht hatte, habe ich mich nicht mehr um das Drum herum kümmern müssen. Das war gut, so konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Erste Versuche sind zu sehen. Meine Fortschritte sind nicht dokumentiert.

Nachdem mir lange genug jemand das Brett gehalten hat, habe ich es solange alleine probiert, bis zumindest schon mal ein paar Meter vorwärts kommen raus gekommen ist.

Während die Profis in unserer Runde über diverse technische Feinheiten gesprochen haben, bin ich in Gedanken immer noch beim Üben. Irgendwann musste ich aufhören, weil Konzentration und die Hände nicht mehr wollten. Es war nicht so sehr ein Kraftakt, mehr, dass immer wiederkehrende frustriende Erlebnis nicht soo... weit voran zu kommen. Die Hände waren vom Raufziehen des Segel kurz vorm Blasendurchbruch. Nun bin ich angesteckt und will mehr.
Ja ja, es sieht noch etwas verkraft aus. Ich hatte großen Respeckt vorm Segel und davor, dass ich wirklich los surfe. Außerdem war der Baum viel zu hoch.

Wir haben herrliche Tage in Cervantes verbracht, einer der schönsten Fleckchen zum Surfen und zum Erholen im Umkreis von 260 km von Perth. Mit uns waren viele Reisende unterwegs. Schließlich war Feiertag und Ferienbeginn. Das ist nicht anders als in Deutschland. Plötzlich kommen alle aus ihren Nestern.

Bei mehr als 25 Grad tagsüber bleiben Sonnenbrände nicht aus. Ich habe mir die Fuss-Spannen ordentlich verbrannt. Es ist wieder Zeit, sich mit LF 50 einzucremen, damit man weiß bleibt. Sonst heisst es nachher noch: Ein Indianer in Australien.





Wednesday, September 26

Im Leben einer anderen Kultur




und was sonst noch so passierte ...
Thomas Superobjektiv ist umgetauscht und macht brilliante Aufnahmen, nun können wir auch in Nachbars Garten schauen. Wenn da nicht diese komischen Zäune wären, von denen kein Australier erklären kann, warum sie denn nun da sind.
Nachfragen, warum was wieso, ist hier nicht gelernt, gewünscht oder bekannt. Wir hören täglich, wie wir uns zu verhalten haben, wenn Frauen geschlagen werden, wenn Menschen in der Öffentlichkeit rauchen, wenn man was sieht, was einem komisch vorkommt. Für alles gibt es eine Hotline. Das Toilettenpapier muss man aber noch selbst kaufen.

Thomas war anfang der Woche beim Arzt wegen seiner komischen Entzündung am Kopf, von der er nicht wusste woher er das hatte. Meine Phantasien konstruierten kleine Spinnen unter seiner Stirn. Thomas selbst sagte, dass er mal gehört hat, dass das auch Larven sein könnten, die dann nachdem der Eiter aufgebrochen ist, beflügelt ihren Wirt verlassen. Wie eklig ist das denn. Also doch lieber zum Arzt. Der hat aus einem Meter Sicherheitsabstand mit der Taschenlampe drauf geleuchtet und gesagt, es wäre eine Entzündung. Aha, haben wir uns das doch gedacht. Die Frage, woher denn oder was für eine Entzündung das ist, blieb im Raum stehen. Der Arzt sagte, dass tut doch nichts zur Sache. Ah, ich vergaß, hier fragt man nicht nach. That's fine. Auch nach fast einem Jahr Hierseins. Wundert es mich immer noch, wie das funktioniert. Die Oberfläche muss eigentlich schon so voll sein, dass sie schon eine Unterschicht von einer neuen Oberfläche geworden ist, oder so. Es entwickelt sich.

Wundernde Klienten sind mir wieder begegnet, die im Gespräch feststellten, dass Menschen unterschiedlich sind. Komisch. Sie sind offen, für Aufklärung und saugen das auf. Das freut mich wiederum, habe ich auch mal was anderes zu tun, als weinende 18jährige Mädchen zu trösten, die schon Antidepressiva schlucken müssen, weil sie mal unhappy sind. Noch Fragen? Manchmal kann ich mein Entsetzen nicht verbergen und wenn ich gefragt werde, was ich davon halte, so früh schon Medikamente zu nehmen, auch antworte.

Das Wetter hält uns in Trapp, wir frieren noch. Das erste Campingwochenende steht vor der Tür, dank Queen Mum, die ihren Geburtstag hat. Ja ja ich weiß, sie hat ja eigentlich im April Geburtstag. Aber wenn man königlicher Abstammung ist, darf man das Volk auch mit mehren solcher Anlässe beglücken. So haben wir Montag frei und wieder eine verkürzte Woche im Anschluss.

Der absolute Wahnsinn ist, dass ich zu meinem Geburtstag, den ich erstmalig im Frühling begehe, Familienbesuch bekomme. Achtung ... Meine Schwester kommt. Wieder einmal mehr bin ich eines besseren belehrt und vermeide das Wörtchen "nie". Man sollte niemal "nie" sagen. stimmt. Es gibt kein schöneres Geschenk! Die Vorfreude kommt der der Vorfreude im Kinde gleich, das die Weihnachtsstimmung kaum aushalten kann.


Wednesday, September 19

Horoskope und Begegnungen

Natuerlich glaube ich nicht an Horoskope, aber …
Ich lese sie gerne und ertappe mich manchmal, dass ich ueberpruefe, ob das alles eingetreten ist, was ich gehoert oder gelesen habe.

Das Horoskop von Dienstag versprach Hoehenfluege. Ich las es aber erst Abends und erwartete nach einem anstrengen Arbeitstag nichts dergleichen. Man soll den Abend nicht vor den Morgen loben, oder umgekehrt? Wie auch immer. Es erreichten mich aus Deutschland umwerfende Nachrichten, die mehr als vier Sterne wert waren.

Heute im Auto auf der Fahrt zur Arbeit bin ich daran erinnert worden, als Waage zu meinen Wurzeln zureck zu kehren, oder besser, meine Wurzeln nicht zu vergessen. In der Mittagspause zum Friseur spricht mich die Hairdresserin darauf an und ich dachte, ups, hat die das gleiche Horoskop? In der Eile zu meinem Buero zurueck mit frisch gewaschenem und geschnittenen Haar, den Kopf frei geniesse ich eine Stunde Vortrag von einer Psychologin, die eine Aborigini ist. Worueber spricht sie? Ueber ihre Herkunft, ihre Geschichte und ueber ihre Wurzeln.

Sie fuehrte uns gleich zu Beginn vor, in dem sie uns bat, uns vorzustellen und was wir noch sagen wuerden, wenn wir mit jemanden zusammen arbeiten wollen. Am Ende stellte sie sich vor. Aber ganz anders und sie begann mit „ Ich bin eine Grossmutter von ... Kindern, und Mutter von ...“. Anschliessend fragte sie uns was der Unterschied ist und hob unterschiedliche Wertigkeiten in unseren Wertesystemen hervor. Ein gelungener Einstieg.

Sunday, September 16

Wild flower saison











Mich laust der Affe


http://www.gifs.ch/affen/affen3.htm

Klient, 23 Jahre, groß gewachsen, farbig, sportliche Figur kommt und will einen Apointmentcounsellor sehen. Ich habe Dient als AC (so unsere Abkürzung). Er lächelt, als ich ihn aufrufe, hat einen gleichmäßigen Schritt und eine aufrechte Körperhaltung. Interessant - was ihn wohl hier her bringt. Und das ist meine erste oder zweite Frage.
Er antwortet, dass er kein Anliegen hat. Aha, ich denke und warum wastest (vergeudest) Du meine Zeit?, und frage, warum er denn er hier ist. Er sagt, weiß er auch nicht. Ich denke, was ist das denn für eine Form von Störung und frage, was er an der Uni macht. Er antwortet, er studiert Psychologie. Ich lächele und sage, so so, das ist ein Test. Er schmunzelt. Nun gut, dann wollen wir mal. Machen Sie mal den Mund auf. Es war nichts zu sehen, nichts entzündet, nichts geschwollen, alles sehr gesund. Schlussendlich habe ich ihm unseren Service erklärt und auch Themen benannt, die Clienten zu uns führen. Als ich von Beziehungsprobelmen sprach, sagte er, ja er hat noch nie eine gehabt. Ich gab zu verstehen, dass das doch ein Thema sein könnte. Er sollte mal darüber nachdenken und wieder kommen, wenn es tatsächlich ein Problem ist. Irgendwie eine lustige Begebenheit. Zu reden gibt es immer was.

Wieder eine Woche rum, mit Rucksäcken voller Stories, Tränen, steifen Körpern, unsicheren Blicken, leisen Statements, Diskussionen, kleinen Ärgernissen, und auch Erfolgen.

Nebenbei stürmt, regnet es und scheint wieder die Sonne. Den kleinen Gasheizer habe ich immer noch im Betrieb. Es wird nur langsam spürbar wärmer. Der Frühling zögert.

Politisch bin ich hier überhaupt nicht informiert. Es geht an mir vorüber. Ab und an nehme ich eine Zeitung mit und durchwälze dieses viele Papier, dass mehr voller Werbung als von Nachrichten bestückt ist. Internationale Neuigkeiten lese ich im Netz oder sehe auch mal das heute journal via internet. In Deutschland war ich mehr informiert. Hier nicht. Warum, weiß ich nicht. Auf der Arbeit ist das kein Thema, aller höchstens, wenn wieder irgendwo eine Leiche gefunden wurde, oder das Thema Wasserverbrauch diskutiert wird. Das Fernsehen wird hier im Moment von diversen footbal, rugby etc. Sendungen dominiert. Das ist eher nicht mein Interessensgebiet. Ansonsten laufen hier die Showsendungen wie in Deutschland auch, Australian Idol (Deutschland sucht den Superstar), American Model (Topmodel Deutschland) und noch eine Tanzshow (weiß nicht, ob es das in D gibt). Die ist wirklich interessant. Junge Leute, die tanzen, dass mir die Ohren schlackern und mich in meine Vergangenheit katapultieren. Manchmal zu Tränen gerührt, was sie leisten. Es fasziniert mich.

Alles in allem steckt so viel Vertrautheit in diesen Shows, da sie auf der ganzen Welt laufen und ein Stück Verbundenheit darstellen. Nur zu wissen, dass es das hier auch gibt, hebt das Gefühl, nicht wirklich am Ende der Welt zu sein.


Wednesday, September 5

Mit einem Bein auf der Couch - Buch ist erschienen

In meinem Briefkasten gab es heute eine Überraschung der ganz besonderen Art. Das Buch mit dem Titel "Mit einem Bein auf der Couch" von Katrin Panier-Richter hat einen langen Weg hinter sich. Nicht nur den von Deutschland nach Australien, sondern auch den Weg des Werdens.

Ich durfte Teil dieses Buches werden, indem Therapeutengeschichten geschrieben sind. Nein nicht über Klienten von Therapeuten, sondern über den/die Therapeut/in selbst. Ich weiß gar nicht mehr wirklich, wie es zustande gekommen ist, dass auch ich von der Autorin interviewt worden bin. Ich werde in diesem Blog mal nachsehen, denn es steht ganz sicher etwas darüber drin.

Ich habe Katrin noch nicht einmal sehen können, unser Kontakt entstand mitten in meinem Umzug nach Australien. Also haben wir ein wenig improvisiert und die Wunderwelt der Kommunikation via Internet und Telefon genutzt.

Ich mache Werbung. Das Buch kann beispielsweise bei amazon bestellt werden, oder bei der Autorin selbst und ist für 16,90 € durchaus erschwinglich.

Als ich heute auf die Schnelle mal durch geblättert habe, bin ich auf die Passage gestoßen, in der ich davon erzähle, wie lange es wohl dauern wird, bis ich hier als Psychologe anerkannt bin und arbeiten darf. Das ist alles nicht mal ein Jahr her. So viel ist passiert. Ich bin mittendrin!

Ich danke der Autorin, Teil des Buches zu sein. Es erinnert mich an so viele bewegende Momente in meinem Leben und es macht mich neugierig auf die Geschichten der anderen Therapeuten.

Neues vom ganz normalen Wahnsinn - mein therapeutischer Alltag

Klientin mit dem Gefühl, dass sie nichts wert, einsam ist und niemand sie mag, ihre Familie gratuliert ihr nicht mal zum Geburtstag, bevor sie etwas genießen will startet ihr Denken schon das Szenario danach, es wird ihr wieder schlecht gehen, deshalb kann sie beispielsweise nicht ins Kino gehen, sie wacht auf nach einer schlechten Nacht und fühlt sich schlecht, ihr Denken dreht sich bevor sie aufgestanden ist, wozu alles, es ist nutzlos, ich bin nutzlos, was hält mich am Leben?

Klient in einer absoluten mentalen und emotionalen Krise, absolviert gerade sein Abschlusspraktikum als Lehrer in einer Schule, kommt mit seiner Frau als Notfall und landet bei mir im Büro, sie weint, er ist verzweifelt, er kann nicht mehr, zu viel ist zu tun, die beiden Lehrer unterstützen ihn nicht, er kann nicht mehr schlafen und sein Denken stoppen, die Verantwortung seiner Frau gegenüber, was sagen die anderen, es gibt keine Lösung, der Gedanke an Selbstmord nimmt überhand und lässt den Verzweifelten Pillen schlucken, danach ist alles schlimmer als vorher, kein Ausweg in Sicht, nichts ist verhandelbar

Klientin mit einer schlimmen Schulterverletzung, gepeinigt vom Schmerz, schafft es nicht, an ihrer Doktorarbeit zu schreiben, sowieso ist alles zu schwer, sie hat schon so viele Beratungen hinter sich, nichts hilft, sie ist ein hoffnungsloser Fall, sie kann nicht schlafen, mag nicht mehr aufstehen, weiß gar nicht, ob es noch das richtige ist, was sie da tut, ihre Mutter nervt sie, obwohl sie nicht zusammen leben, sie schafft nichts, nicht mal das kleinste Ziel ist zu erreichen

Klient mit Trennungsschmerz von seiner Geliebten, ein halbes Jahr von ihr getrennt, doch weiter im Kontakt, sie spielen zusammen in einer Band, er ist immer noch ihr engster Vertrauter, sie erzählt ihm alles, in ihm lodert die Hoffnung, das sie wieder zusammen kommen, erfährt von ihr, dass sie wieder mit dem Freund vor ihm zusammen ist, eine Welt stürzt zusammen, warum nur, was kann ich tun, wie soll ich das aushalten, ich liebe sie, wie soll ich mich konzentrieren

Klientin asiatischer Herkunft, studiert Medizin, eigentlich ist sie schon ein Arzt, aber nicht in Australien ausgebildet, das ganze noch einmal bitte, was soll sie sich nur mit anderen unterhalten, vor allem wie macht man das, sie spricht außerordentlich gut Englisch, schließlich lebt sie schon sieben Jahre hier, doch immer mit dem Gefühl, dass andere nichts von ihr wissen wollen, sie kann in Gesprächen nicht mithalten, hat Sorge, das Falsche zu sagen und überhaupt wie das auf andere wirkt

Klientin, die es mag ihren Mund zu bewegen und unterschiedliche Geschmäcker zu genießen, kann nicht aufhören zu essen, kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, was sie als nächstes essen kann, kann nicht stoppen, was sie gerade ißt, denn sie muss es aufessen, bis es alle ist, sie schreibt fleißig ihren was, wann, wo und unter welchen Umständen Kalender sie essen muss, will, sie weiß nicht, was sie statt dessen tun soll, ist gelangweilt, hat keine Idee vom Leben, keine Wünsche, keine Träume.

Klientin, studiert Psychologie und absolviert gerade ein Praktikum in einer Klinik fuer Alkoholabhaengige, parallel dazu nimmt sie an Supervisionsgruppen teil, da haben sie und alle anderen Studenten die Moeglichkeit zu unterschiedlichen Themen ihr eigenes Leben bzw. Ausschnitte daraus zu reflektieren, sie ist ratlos, denn es faellt ihr nichts ein, was sie dort erzaehlen soll, ihre Kindheit war wie im Bilderbuch, sie hat keine Sorgen etc., sie befuerchtet, dass sie nicht im richtigen Bereich arbeitet, denn sie denkt private Erfahrungen sind erforderlich, jeder dort in der Gruppe traegt seine Geschichten vor, sie nicht, denn sie hat ja keine, sie denkt, dass sie arrogant auf die anderen wirkt und fuehlt sich ausgegrenzt, was soll sie tun, es stellt sich heraus, dass diese Supervisionsgruppe erst einmal statt gefunden hat und noch viele andere Themen kommen, zu denen sie etwas sagen koennte
Klientin, angehende Sozialarbeiterin, ist hier mit einem Studentenvisa, danach geht es zurueck nach Japan, sie will nicht, sie will hier bleiben, sie kann mit dieser Ausbildun gin Japan gar nicht anfangen, zu unterschiedlich alles, sie kommt nicht kalr mit den unterschiedlichen Wertesystemen, will etwas freier leben, das ist nur hier moeglich, sie ist ueber 40 jahre alt, hat noch nie ueber Gefuehle gesprochen, sie weiss nicht, wie man das macht, und welche es ueberhaupt gibt, sie dankbar fuer jeden Tip und hoert sehr aufmerksam zu, ihre Sprache ist nicht so gut, sie merkt es selbst und entdeckt eine Barriere mehr, es faellt ihr leichter zu schreiben, aber nciht so viel, dass sprechen ueber ... ist im groundlevel, das schreiben ueber igrendwo zwischen der nullten und ersten etage, wo bloss anfangen

Stories aus meinem Alltag. Behutsam strecke ich meine Fühler aus, wenn sie beginnen zu erzählen, ich höre zu, überlege Fragen, stelle Fragen, reiche ihnen eine imaginäre Hand, überlege, was zu tun ist, worum es wirklich geht, passe auf, nicht zu weit in die Vergangenheit zu gehen, will verstehen, aber nur soviel wie es nützlich ist, achte darauf, dass sie wieder gehen können, habe Sorge, ist es das richtige was ich da tue, muss ich sie/ihn nicht lieber in die Klinik bringen, checke also wie weit und wie konkret Suizidgedanken sind, setze therapeutische Mittel wie die Waage ein und lebe damit, dass Klienten dann nicht wieder kommen, zu hart die Konfrontation mit der Realität, die Waage habe ich wieder aus meinem Büro entfernt, es ist weniger Angst erweckend, ich mache Notizen und staple Ideen in meinem Kopf, vor allem aber höre ich zu, und einmal habe ich zurück bekommen, was ich nicht erwartet hätte, noch nie hat sich eine Klientin so verstanden gefühlt. Ich freue mich und bleibe gelassen, es ist so unterschiedlich, manchmal weiß ich schon, wenn ich die Klienten sehe, dass es gut funktionieren wird und manchmal denke ich schon sehnsuchtsvoll an das Ende einer Sitzung bevor diese ueberhaupt begonnen hat.

Monday, September 3

Bunker Bay - Wale in Sicht

























































Zwei Tage weg von allem. Suedlich von Perth haben wir unseren dritten Hochzeitstag in gigantischer Natur verbracht. Natuerlich haben wir uns nebenbei etwas Luxus gegoennt. Der Blick von unserem, wie unschwer zu erkennen ist, war direkt auf das Meer gerichtet. Der Blick waehrend unseres Fruestuecks ebenso und ab und an musste ich doch jauchzen. Die Wellenbrecher sahen gigantisch aus. Schon aus der Ferne, von der sicheren Terrasse des Restaurants aus, sahen sie angstlockend aus. Aus der Naehe setzte das Herz beinahe ab und an aus. Ich habe so viele Wellenbilder geknipst, konnte nicht wieder aufhoeren.


Waehrend unsere Wanderung haben wir Wale im Meer breechen sehen. Das war Samstag, puenktlich zum Fruehlingsbeginn. Sonntag beim Fruehstueck mussten wir nur auf das Meer sehen und geduldig sein. Thomas hatte wirklich alles gut arrangiert. Die Wale waren fuenf nach zehn in Sicht.
Nicht mal vier Stunden von Perth entfernt verbrachten wir ein zauberhaftes Wochenende, begleitet vom sonnigen Fruehlingsbeginn. Das Cape Naturalist bietet einiges an Wandermoeglichkeiten, atemberaubende Natur, bluehende Landschaften und Ruhe pur. Wieder einmal mehr hatten wir den Eindruck, laenger weg gewesen zu sein. Dieser Erholuunsgwert ist einfach gigantisch.

Sunday, August 26

City to Surf, die zweite

Samstag, der Tag davor
Die Stimmung ist im Schneckenhaus und kommt so schnell nicht raus. Ich bemühe mich langsam um Fortbewegung, doch der Boden ist so uneben, dass ich letztendlich stehen bleiben will. Es ist zu anstrengend, zu überlegen, um diese Hindernisse rum zu schliddern. Ich mummel mich ein und warte. Den zweiten Fortbildungstag habe ich gemieden, ich wollte ausschlafen und nichts tun. Letztendlich hat es gut getan. Ich spüre, wie lahm ich geworden bin, meine Augen sind groß vor Wunderung und Ärger über mich selbst. Morgen wird es anders, denn da treffen sich viele Menschen in der Stadt, die ein Rennen machen. Endlich mal wieder was los. Ich hadere mit mir und weiß am Abend dieses Tages immer noch nicht, ob ich dahin will. So gehe ich in den Schlaf und kuschele süß in meinen Träumen.

Sonntag
Der Wecker um 6.00 morgens erinnert an das Tagesevent, das bevor steht. Draußen stürmt es und Regen mischt sich unter. Ist das eklig. Lieber im Häuschen bleiben? Eine halbe Stunde später komme ich putzmunter aus meinem Schlafgemach. Ich weiß immer noch nicht, ob ich in die Stadt zum Rennen soll. Mein Sportdress liegt bereit und ich schlüpfe hinein. Der Weg in die Stadt ist nicht einfach, denn mit dem eigenen Mobil kann man nicht parken. Gut, dass wir uns gestern mit anderen Freunden verabredet hat, die uns mitnehmen. Um 7.15 wollen wir uns treffen. Nun aber husch husch und los. Gedanklich überlege ich, was ich machen soll. Wenn auch im kurzen Laufoutfit, denke ich, dass es keine wirklich gute Idee zum Laufen ist. Der Regen und der Sturm, das ist gutes Wetter, um eine Angina zu bekommen.

Los gehts zum Treffpunkt. Es regnet in Strömen. Thommy sagt, es werden sowieso nicht viele laufen. Ich sage, die nehmen hier alles mit was kommt. Denn soviel passiert hier ja nicht. Wir warten am Treffpunkt. Alles ist still. Niemand ist zu sehen und niemand kommt. Die Zeit drückt, in 10 Minuten sollen alle am Start sein. Ach irgendwie ist das doch nicht so schlimm, ich mache den Vorschlag nach Hause zu fahren und wieder zu kuscheln. Das Leben geht auch ohne diesen Lauf weiter. Telefonisch erreichen wir unsere Freunde nicht. Thommy ärgert sich, ich mich auch. Sind ja nur 12 Kilometer, das ist nicht wirklich viel. Ach doch, ich will auch laufen. Thomas fährt los und auf den Freeway, da ist sicher, dass er auf jeden Fall laufen wird. Und plötzlich ist klar, dass ich es nicht kann, denn es sind keine Parkgelegenheiten in der Stadt, wir sind zu knapp und das Ziel ist weit entfernt vom Start. Ich will auch laufen und spüre, dass es für diese Entscheidung zu spät ist. In der City geht nichts mehr, soviele haben sich aufgemacht, alt oder jung, dick oder dünn, in Regenhüllen oder ohne. Thomas steigt aus und geht zum Start. Ich fahre nach Hause. Das war doch wieder eine Glanzleistung.

Friday, August 24

A bit of situation

Am Wochenende sind wir bei meinem Chef eingeladen gewesen. Dies sollte eine Art "exersise" sein, um andere Deutsche kennen zu lernen. Kurz vorher sagte er ab, da seine Bekannten "a bit of situation" haben. Übersetzungstechnisch interessant; niemals hätte ich das so übersetzt. Was die hier sprachlich alles umschiffen. Ich habe es im Vorhinein geahnt und bin wirklich nicht traurig darüber. Wer mich kennt, weiß warum.

Die Woche ist mit einigen gesundheitlichen Ups and Downs rum und ich bin quite exhausted (ziemlich erschöpft). Zum ersten Mal gefällt mir ein englischer Begriff mehr in seiner Übersetzung als im Original. Denn ich fühle mich in meinem Gefühl treffsicher beschrieben. Es kostet mich eine immense Anstregung therapeutische Arbeit zu leisten und nebenbei drei unterschiedliche Presentationen vorzubereiten. Das ist vor allem der Sprache geschuldet, denn ich brauche definitiv länger für alles. Beinahe nichts kann ich eins zu eins übersetzen und das macht es noch schwieriger. Es lastet ein ungeheurer Druck auf meinen Schultern, den ich nicht mehr gewöhnt bin. Ich muss üben.

Heute dann noch ein Workshop on top und morgen auch. Absolut spannend, aber ich kann nichts mehr aufnehmen und setze ein Stop. Ich verzichte auf vier tolle Vorträge am Samstag zugunsten meiner Erholung. Mein Kopf ist voll gestopft, und kurz vorm Platzen. Was habe ich heute aufgefrischt? Leute, die zum Perfektionismus neigen, haben ein paar Jahre später eine Depression.

Sonntag ist der City to Perth Lauf. Habe ich mir doch tatsächlich das Knie heute ein wenig verdreht :-)

Ich will mich verkriechen, will Urlaub haben, nichts mehr sagen, niemanden fragen, nicht mehr zuhören, nicht mehr wiederholen. Ich will einfach nur sein.

Nächste Woche werden wir unseren dritten Hochzeitstag begehen und das Wochenende Perth den Rücken kehren. Wir planen ein Entspannungswochenende. Was ich mich darauf freue.

Tuesday, August 14

Probezeit

Morgen ist der 15. August und damit der letzte Tag auf Arbeit unter Probezeit. Ein zwischendurch Gespräch heute mit meinem Chef endete in der Frage, ob ich mir wohl vorstellen könnte, Vollzeit im nächsten Jahr bei ihm zu arbeiten. Na wollen mal sehen, was aus seinen Gedanken am Ende meines ersten Vertrages wird. Einiges habe ich bis dahin ja noch zu leisten. Vielleicht überlegt er es sich dann doch noch einmal. Ich nehme das nicht ganz so ernst. Gestern habe ich meine erste Mediation zwischen zwei Managern begonnen und bin recht zufrieden mit dem Ergebnis. Nächste Woche geht das Konflikttraining los und dann folgen weitere Dinge, die ich tun muss. Ich bin froh, dass ich die Zeit im Büro nutzen kann, wenn mal kein Klient stört :-), solche Dinge auszuarbeiten und merke, dass ich das excesshaft betreibe. Ich erkenne mich wieder. Ich bin noch da. Herrlich!

Nach einem langen Tag heute und vielen unterschiedlichen Klienten ist es nun auch wieder möglich, von zu Hause aus, Kontakt mit der Welt aufzunehmen. Gerade in diesen bewegten Zeiten, im wahrsten Sinne des Wortes fiel es schwer, ohne Internetkommunikation von hier zu sein. Nun ist alles wieder gut. Am anderen Ende der Welt tun sich gute und weniger gute Dinge. So sind wir zumindest in Gedanken weiter verbunden und haben teil auf eine ganz besondere mentale Art am Leben unserer Familien daheim. Manchmal fällt es sehr schwer auszuhalten und nicht mal eben auf einen Kaffee vorbei zu kommen. Mein Schwesterherz hält mich bezaubernd auf Trab und schickt mir Geschichten aus dem Güstrower Alltag.

Der Güstrower Triathlon fand dieses Jahr wieder statt. Ich erinnere mich an die letzten Jahre und die Abende davor mit Spaghetti essen und anderen weniger gesunden Dingen. So oft haben wir darüber gesprochen, mal eine Staffel auf die Beine zu stellen. Geschafft haben wir es nicht. Mein brother in law hält durch und zieht es auch ohne uns durch. Dennoch macht es deutlich, wie wichtig es ist, das zu tun, was man möchte. In diesem Beispiel ist es nun zu spät, eine Staffel aufzustellen. Vielleicht, so kommt mir der Gedanke, wird das dann unser Wiedereinstieg, wenn wir zurück sind.

Grundsätzlich merke ich eine gewisse Urlaubsreife. Seit Tagen treibt mich die Müdigkeit früh ins Bett und ich kann nur wenige Seiten über Harry Potter lesen. Ich komme im Schneckentempo voran. Morgen kommt unsere große Relaxcouch, dann wird es mir wohl noch schwerer fallen, mich aus der Horizontalen heraus zu bemühen. Zum Glück gibt es immer wieder Gründe, dies zu tun. Und wenn es eben die Arbeit ist.

Sportlich aktiv bin ich auf dem Tiefpunkt meines bisherigen sportlichen Treibens. Jeden Tag nehme ich mir vor, etwas zu tun. Jeden Tag kommt doch tatsächlich was dazwischen. Es graust mich, wenn ich daran denke, übernächsten Sonntag den Stadtlauf mit zu machen. Für mich wird es wohl nur peinlich. Wenn ich daran denke, dass wir den Abend davor bei meinem Chef eingeladen sind und ich die Woche arbeitstechnisch einiges Neues gemacht haben werde. Meine Energie ist aus der Balance. Es wird sich ändern.

Herrlich weckt uns morgens immer öfter die Sonne am Himmel. So langsam streckt der Frühling seine Fühler aus und legt sich auf das Gemüt. Die Wochenenden bieten wie bestellt herrlichstes Wetter, wie man dem letzten Blogeintrag entnehmen kann.

Ein Vierteljahr Arbeit liegt nun hinter mir. Als es noch vor mir lag, ahnte ich eine Ewigkeit und entwickelte Versagensangst. Morgen ist diese Ewigkeit vorbei.


Kulturelle Hintergründe

Ziemlich erschöpft von den vielen depressiven Klienten, die alle eine unterschiedliche Story mitbringen, endend in dem gleichen Resultat, muss ich doch schnell etwas festhalten.

Eine Klientin, 47 Jahre alt, studiert Sozialarbeit, kommt aus Japan und muss nach Abschluss wieder zurück. Eigentlich wil sie das nicht, denn in Japan ist dieser Beruf anders ausgelegt. Ende diesen Jahres wird sie ihren Abschluss haben und hat noch ein halbes Jahr Zeit, sich zu überlegen, wie sie bleiben kann.

Da sitzt eine vollkommen hoffnungslose Person vor mir, die beschreibt, dass sie nicht in der Lage ist, ihre Emotionen zu benennen. Ich kenne das und es hat nicht unbedingt etwas mit der Herkunft zu tun. Doch sie beschreibt so tiefgreifend die japanische Kultur, die es nicht erlaubt, Emotionen zu zeigen, dass ich fasziniert und erschüttert zugleich bin. In ihrem ganzen Leben hat sie weder über sich selbst, schon gar nicht über Emotionen nachgedacht. Es gehört nicht in ihre Welt. Arbeiten, arbeiten, besser werden, das Gesicht wahren, niemanden schaden - das sind einige ihrer kulturellen Werte.
Und plötzlich hatte sie Semesterferien, in denen sie nicht wirklich etwas zu tun hatte, außer über sich nachzudenken.
Eine in der Koerperhaltung in sich ruhende Frau betritt mein Buero. Ihr Blick sucht nach etwas, worin er ankern kann. Mir direkt in die Augen zu schauen gelingt manchmal, nicht immer. Sie laechelt und interpretiere es als verlegenes Laecheln. Sie nimmt Platz und sagt, sie weiss gar nicht, wo sie anfangen soll. Holt tief los, Fluessigkeit beginnt sich in den Augen zu sammeln. Auf dem Schwingsessel rutscht sie in und her. Sie sucht noch ihren Platz. Ich beobachte sie, laechele zurueck und gebe ihr zu verstehen, dass sie sich Zeit nehmen kann. Sie nickt. So geht es eine Weile, bis ich sie ueber dieses und jenes befrage. Das geht gut. Sie fuehlt sich wohl. Sie muss ihre Antworten nicht ueberlegen. Doch dann ist sie gefordert, ihre Situation genauer zu beschreiben und zu benennen. Da rutscht sie wieder hin und her. Sie benennt ihr Unwohlsein und erzaehlt ueber ihren kulturellen Hintergrund. Ihre Haare werden grau, sie ist schlank, ihre Haut ist glatt, zeigt wenig Spuren vom Alter. Wie hat sie das geschafft, denke ich. Sie erzaehlt immer noch und wir beide tauchen auf unsere Art und Weise in das Gespraech ein. Sie beginnt zu weinen, verhalten, ihr Koerper schuettelt sich nicht, aber die Traenen sind nun nicht mehr aufzuhalten. Sie benutzt meine Tissues nicht, sondern hat ihr eigenens Taschentuch dabei. Sie tupft ihre Traenen ganz langsam ab. Es hat den Anschein, als ob sie ueberlegt, waehrend sie ihre Sicht wieder herstellt.
Ich beginne, meinen Job zu moegen.

Monday, August 13

weekend

Was ist das?









So viel muss es noch regnen!









Mein neuer Lieblingsplatz










Sonntag am Meer








Unser neuer Nachbar

Thursday, August 9

Movings







So sieht sie also aus, unsere neue Umgebung. Scheint, ob wir nun vollkommen im Busch gelandet sind. Nein nein dem ist nicht so. Aber wir haben den Park eben 2 Minuten um die Ecke und in die andere Richtung den indischen Ozean. Was will man mehr. Das Foto links mit dem See zeigt den "Lake Gwelup". Der ist in ein paar Monaten wieder komplett ausgetrocknet. Das ist kaum zu glauben, aber wahr. Ich habe das schon ohne Wasser gesehen. Das Bild rechts ist der Blick aus unserem Relaxzimmer. Mal kein Zaun vor der Nase.
Leute, das Haus ist schoen. Ich freue mich.

Monday, August 6

Unpacked Samstag 8:06 pm

Wir sind mit einem Schwung ins neue Haus, so schnell konnten wir gar nicht denken. Samstag um 9.00 morgens war bereits alles im LKW verstaut. Dank unserer vielen Helfer und den guten Vorbereitungen war dann gegen 10.30 alles ins neue Haus rein getragen. Es hatte ein wenig Partycharakter; am Ende haben wir mit Sandwiches und Getraenken zusammen gesessen und gequatscht. Jeder konnte dann bei dem herrlichen Wetter noch seiner Wege gehen.
Geschuftet, allerdings mit viel Gelassenheit und einem Shoppingtrip zwischendurch, haben wir bis 8:06 Abends. Danach war der letzte Karton geleert und wieder in der Garage gelandet. Der Muskelkater liess nicht lange auf sich warten, die Bewegungen wurden langsamer und schwerer. Thomas hat nun endlich eine Espressomaschine, die die Bohnen selber mahlt. Wir haben ab 6.00 Abends nur noch Kaffee getrunken, da Thomas unterschiedliche Funktionen etc. ausprobiert hatte. Das hatte zur Folge, dass unsere erste Nacht im neuen Haus recht unruhig war.
Die ganze Woche waren wir bereits mit vollen Ladungen in die neue Wohnung gefahren, so dass einiges an Kleinkram bereits aus dem Weg war. Am Freitag haben wir nach einem Geschirrspueler gesucht, sind in vier unterschiedlichen Stores gewesen und haben schlussendlich keinen gekauft. Unentschlossen und vollkommen kaputt waren wir zwar preistechnisch klueger, aber eben nicht entscheidungsfreudig. Das steht also noch bevor.
Die Nacht vor dem Umzug war kurz, denn wir hatten mit unserer Nachbarin noch ein Abschiedstroepfchen getrunken und mussten morgens frueh raus. Um 6.30 aus den Federn, dann den LKW geholt. Getraeumt habe ich von meinen Eltern, die auf dem Weg nach Australien mit dem Auto waren und uns helfen wollten. Sie riefen zwischendurch an und sagten, dass es noch etwas laenger dauern koennte, denn sie sind erst in Saalfeld. Als ich morgens aufgewacht bin, ist mir das zuerst eingefallen und ich musste schmunzeln. So sehr waren sie in Gedanken wohl bei uns.
Der Besitzer des Hauses hat die Dachrinnen gereinigt, das Uebel des Wasserschadens. Da in Australien einiges anders rum geht, ist es nicht verwunderlich zu erfahren, dass die Dachrinnen-Innenkante niedriger als die Aussenkante ist. So kann das Wasser ins Haus rein laufen, wenn zu viel Laub drin ist. Welches Sinn das haben soll, ist uns nicht verstaendlich. Auf jeden Fall wissen wir nun, was die Ursache fuer das Wasser im Arbeitszimmer war.
Sonntag wachten wir mit einem herrlichen Blick auf den Baum und den blauen Himmel im Hintergrund auf. Die Sonne meinte es gut mit uns. Wir hatten alles fertig und konnten also gelassen sein und geniessen. Das Haus macht auf uns den Eindruck, als ob wir im Urlaub sind. Es ist unheimlich grosszuegig und wirkt schon jetzt gemuetlicher. Ein ersten Erkundungsspaziergang in der Gegend und um den Gwelup Lake haben wir schon gemacht. Die Schildkroeten im See haben nur kurz ihre Haelse raus gestreckt. Fuer ein Foto waren wir zu langsam. So ist der Tag dahin gegangen. Im Tempo einer Schildkroete. Erholung pur.
Wir freuen uns.
Bilder folgen.

Friday, August 3

Wal gestrandet


http://www.news.com.au/perthnow/story/0,21598,22164947-2761,00.html

Gestern ist an einem unserer Strände ein Wal gestrandet. Vielleicht hat es der ein oder andere schon gehört. Ein neues Problem tut sich auf, der der Gestank und Geruch zieht natürlich die Haie an. Die Hubschrauber fliegen nun noch häufiger den Strand entlang.

Thursday, August 2

Im Umbruch

Nach Verhandlungen mit meinem Chef, der mir gütigerweise den morgigen Tag einfach so frei gegeben hat, weil mein Urlaubskontingent aufgebraucht ist, geht es morgen in die aller letzten Vorbereitungen für den Umzug. Mittlerweile sind wir schon zweimal mit voll gepacktem Auto in die Wohnung.

Da wir einiges zu beanstanden hatten, konnte Thomas den Besitzer heute in unserem neuen Haus treffen. Und siehe da. So ganz nebenbei haben beide einen riesen Wasserschaden in einem der Zimmer entdeckt. Was für ein Start. Ob wir wohl noch ein Rettungsboot kaufen sollten?

Mittlerweile haben wir eine zweite Fernbedienung für die Garage bekommen, zusätzlich erforderliche Steckdosen werden eingebaut, der Wasserschaden behoben und die Airkondition kommt bis Ende September auch ins Haus. Bilder dürfen wir ohne vorher zu fragen auch anbringen. Das freut mich wirklich.

Worüber ich mich noch freue:
... morgen frei zu haben
... gerade Harry Potter zu lesen
... schon die erste Post von Freunden im neuen Briefkasten gehabt zu haben
... ein schönes Glas Rotwein genießen zu können
... von meiner Familie gehört zu haben
... dass mein Schwager endlich den Schwarm durch hat
... die ersten Sonnenstrahlen den doch noch entfernten Frühling ankündigen
... 5% Gehaltserhöhung zu bekommen
... bei Ikea shoppen zu gehen
... und das wir immer noch beweglich sind, wenn es auch manchmal schwer fällt.

Wednesday, August 1

Klub der Befindlichkeiten

Gibt es nicht den Film: Club der toten Dichter? Vielleicht sollte ich mich ran machen und alles Material was ich hier sammle mal wirklich systematisch zusammen stellen und ein Buch über den Klub der Befindlichkeiten schreiben. Was meine ich?

Australische Psychologen, dominiert auch hier vom hohen Frauenanteil, haben eine Problem. Es liegt so tief, dass das Ozonloch wohl Europa erreichen müsste, bis hier irgendwas auftaut. Du meine Güte, was gibt es nicht alles zu beobachten.

Endlich habe ich jemanden im Team gefunden, mit der ich lästern kann. Hat mir das gefehlt. Und ich bin erleichtert, dass mich mein Eindruck nicht täuscht und ich nicht diejenige bin, die an ihren Kompetenzen zweifeln muss.

Tuesday, July 31

New Space

Heute haben wir unsere Schlüssel bzw. den einen Schlüssel mit nur einer Fernbedienung bekommen.

Natürlich waren wir noch schnell da und haben schon ein wenig mit genommen. Ich bin beruhigter, ist doch ein schönes Haus.

Monday, July 30

Insel-Leben

Es ist kein guter Tag, einen Blogeintrag zu schreiben. Warum? Weil ich ziemlich upset, gelangweilt, genervt, down, traurig und wütend bin.

Ich habe noch nicht mal ein Jahr geschafft und muss heute sagen, dass ich ziemlich an der Grenze bin. Ein Zwischenbericht.

Meine Gefühlslage ändert sich täglich, ist absolut instabil und macht mich zunehmend unruhig. Als Brotbüchslerin bin ich einiges gewöhnt, vor allem viel Arbeit. Ungewohnt ist, mich rigide an Anfangs- und Endzeiten halten zu müssen, Urlaub zu beantragen für einen Tag, den ich eigentlich nicht im Arbeitsplan habe, Formalien einzuhalten, und auf Antworten zu warten und zu warten und zu warten. Das nervt mich am allermeisten. Außerdem nervt es mich, die australische Fachliteratur nicht zu kennen und wenn ich danach frage, belehrt zu werden, wie toll das alles ist. So als ob es nichts anderes gibt. Ich fühle mich dann wie ein bloody beginner. Ich hasse das! Es vermittelt mir den Eindruck, vorher noch nie von Fachliteratur gehört zu haben. Das wir in der Ausbildung eben andere Literatur verwendet haben, die durchaus bekannt ist, interessiert hier niemanden.

Es nervt, mich in soziale Gebilde einfinden zu müssen, die ich nicht mag. Mein Lunch im staff room einnehmen und sowieso nicht mitreden können, wenn sie Scherze machen. Jeden letzten Freitag im Monat länger bleiben, weil wir noch Käse und Wein trinken zum Abschluss. Die Ignoranz mancher Kollegen beginnt mir zum Halse raus zu hängen. Manchmal reicht es bei denen nicht mal zum "Hallo". Mein Chef ist nett, keine Frage, aber auch faul. Ich werde mit ihm ab Ende August einen dreiteiligen Konfliktkurs für die Unimitarbeiter machen. Das Konzept entwickle ich alleine. Sein Beitrag ist, nichts zu sagen. Dann mache es doch lieber ganz alleine. Übermorgen stelle ich einen speziellen Beratungsansatz in den Supervisionsgruppen vor. Vorab habe ich an die Teamleiterin einen Entwurf geschickt. Mittlerweile drei Wochen her. Reaktion: Null. Ich merke wie ich trotzig werde, das gleiche ignorante Verhalten entwickle, nicht grüße und auch nicht mehr nach frage.

Grundsätzlich ist alles so langsam. Was ich zu Beginn genossen habe, beginnt mich zu stören. Erden ist gut, aber dann muss es auch wieder in die Luft gehen. Wenn ich Abends mit den Bussen von der Uni nach Hause fahre, verbringe ich eigentlich die meiste beim Umsteigen. Nicht weil die Stufen der Busse so hoch und meine Knochen ungelenkig geworden sind. Sondern weil es Ewigkeiten dauert, bis Anschlussbusse kommen. Und keiner regt sich darüber auf.

Unser bevorstehende Umzug in einen anderen Suburb quält meine Gedanken. Ich will da gar nicht hin und habe das selbst unterstützt. Dort haben wir keinen Supermarkt in der Nähe, wo man auch schnell mal zu Fuß hingehen kann und der bis 20.00 täglich geöffnet hat. Die Post ist ebenfalls in weiter Ferne, mit dem Bus zur Uni wird es noch länger dauern, mit dem Auto auch. Ich bin so sauer, dass ich diesen Vertrag unterschrieben habe. Mehr Geld und viel weniger Komfort, innen wie außen. Wie blöd bin ich eigentlich. Wenn ich könnte, würde ich das rückgängig machen. Aber da wir als Mieter gar kein Recht haben, würden wir dann wohl Miete zahlen müssen, bis wir arm wie die Kirchenmäuse sind.

Als ich heute morgen im Bus saß, wurde mir schlagartig bewusst, an was mich das alles erinnert. Davon berichte ich jetzt hier nicht. Ich weiß auch noch, wie sich mein Verhalten damals drastisch verändert hat. Und ich erinnere mich auch noch, wie der Nährboden für mein Heimweh rapide gewachsen ist.

Frage mich, ob ich wieder weg will und ich antworte mich ja. Frage mich, ob ich gerne hier bin und ich sage nein. Frage mich, ob ich mich langweile und ich sage ja. Frage mich, ob ich es bereue und ich antworte: Nein.

Familie: Bitte nicht nervös werden. Ich bin beeindruckt, was mit mir und in mir passiert. Ich weiß, dass ich/wir jederzeit die Notbremse ziehen kann/können. Also bitte wieder durchatmen.

Saturday, July 28

Dove und das Selbstwertgefühl

http://www.youtube.com/watch?v=uT4dpFpiTgk

Dove ist einer der Vorreiter in der Kosmetik Industrie, der sich recht intensiv mit dem Mainstream Aussehen beschäftigt und diverse Tranings anbietet, um ein Selbstwert Gefühl zu entwickeln, dass unabhängig vom Aussehen, stabil ist.

Wir alle kennen die Kampagne mit den Frauen, die nicht die Maße 90-60-90 haben.

In meinem Workshop zu Ess Störungen haben wir u.a. dieses Video gesehen. Sie setzten es schon in der Therapie ein, wenn eine Klientin mit einem Foto von Angelina Jolie kommt und sagt, dass sie so aussehen möchte.

Tuesday, July 24

Vertrag unterschrieben

Hinterhaus. Diesmal ziehen wir ins Vorderhaus. Der Stil ist absolut der Gleiche.

Heute haben wir unseren Mietvertrag für das neue Haus unterschrieben. Dafür bekommen wir nur einen Haustürschlüssel, keine Alarmanlage, keinen Geschirrspüler und müssen zukünftig Rasen mähen, einen Schlüssel nach machen lassen, einen Geschirrspüler kaufen, eine Alarmanlage kaufen und Diverses mehr. Die Klimaanlage wird noch eingebaut. Hoffentlich nicht nur nutzbar für den Sommer hier. Denn im Winter wirds bekanntlich frisch. Kann ich doch mal wieder richtig meckern :-)

Ansonsten haben sich die Mietbedingungen nicht geändert. Gleiches kann uns also nächstes Jahr wieder passieren. Bilder folgen, wenn wir im neuen Häuschen sind. Umzug findet am 4. August statt und danach passen die Kreuze nicht aufs Papier. Jedes Jahr müssen wir das wirklich nicht haben.

Ach ja, und für alles Neue müssen wir natürlich weitaus mehr Miete zahlen. Wo kämen wir sonst auch hin.

Sunday, July 22

Classical concert

Ein Jahr leben wir in unserem Häuschen als Muggels. Zauberhaftes lässt sich nicht berichten, alles ist real. Harry Potter, das letzte Band?, liegt seit heute zum Verkauf aus. Ich habe mir den Zauber noch nicht ins Haus geholt. Es bleibt menschlich.

Unseren ersten Klassikkonzert Besuch haben wir genossen und sind wieder um einen Eindruck reicher. Viele Plätze waren leer, obwohl heute Samstag ist. Das Konkurrenzprogram, Football, spaltet das Publikum und zwingt den Perthianer zu "tiefgreifenden" Entscheidungen.

Simone Young, gerade in Hamburg als Generaldirektorin und Operintendantin tätig, dirigiert das West Australian Symphony Ochestra und stöckelt tänzelnd auf ihrem Platze. Die Musiker gehorchen auf jedes Signal. Ungewöhnlich, eine Frau mit einem Dirigtenstab. Haben wir auch noch nicht gesehen. Ihre Haare trägt sie offen, sie bewegen sich bei jeder kraftvollen Bewegung und müssen anschließend wieder hinter das Ohr gestrichen werden.

Das Orchester stimmt noch, als wir eine Minute vor Beginn unseren Platz einnahmen. Mir fällt dazu ein: Ich habe sie nicht gezählt und warte gespannt, wie viele noch kommen.

Sie sitzen brav und kommen zur Ruhe, das Licht wird gedämmt, der Hauptgeiger erhebt sich und fordert zu einem letzten musikalischem Durcheinander an. Dann setzt er sich und Frau Young kommt. Das erste Stück von Henze, einem deutschen Komponisten. Der Eindruck, dass noch immer etwas nicht stimmt, bleibt bestehen. Das Stück hört sich an, wie gemacht für das allerletzte Stimmen. Wo ist der Dirigent? Und schon ist das erste Häppchen geschluckt, steht das Orchester auf, es wird geklatscht, die Dirgitentin verlässt den Raum. Schon Pause? Nein, Eben ein anderes Zeremoniell.

Dann kommt der Starsolist, der eigentlich eine Frau sein sollte. Han Nan Chang war krank und von einem russischen Pianistin glanzvoll ersetzt. Er spielt sich die Seele aus dem Leib, die Dirigentin schüttelt ihr Haar und das Orchester pflegt ihre Bewegungen. Grandios. Danach sind 45 Minuten Spielzeit um, eine Zugabe des Pianisten folgt und anschließend Pause. Wir stehen an und bekommen dann mit, dass wir nicht an der Bar für Wein stehen, sondern für Kaffee. Wir treten aus der Schlange heraus und ergattern ein Schlückchen herrlichen Rotweins, den wir am Ende schnell austrinken müssen, weil die Pause bereits rum ist. Auf dem Weg zurück ein paar deutsche Stimmen im Hintergrund. Wir outen uns nicht.

Die letzte Hälfte beginnt schwer und endet mit einem letzten Ton. Um 22.00 ist alles vorbei. Unsere Seele ist satt, unser Magen nicht. Wir stellen fest, dass wir zwei Abende bereits auf Abendbrot (unbewusst) verzichtet haben und entscheiden uns, ein Restaurant in der Stadt aufzusuchen, um auch dieses Bedürfnis zu befriedigen. In Berlin absolut kein Problem, noch einzukehren und zu essen. Hier ist es eine Herausforderung, noch etwas serviert zu bekommen. Doch schon beim zweiten Anlauf haben wir Glück und lassen den Abend ausklingen.

Unsere Zigaretten sind aus, was für ein Jammer. Wäre das doch schön, beim einem letzten Tröpfchen Roten zu Hause, diesen Abend zu beenden. Doch, wie ein Zauber, erscheint unsere Nachbarin und wir sind gerettet.


Monday, July 16

Zwischen "Eigentlich", Lagerfeuerstimmung und Abschied

Was mache ich, wenn die Zeit des Abschieds immer näher rückt und die Gedanken in diesen Fokus presst? Ich genieße die Zeit, die bleibt, egal wieviel es ist und weiß, dass die Zeit vergeht. Jeder Abschied bedeutet auch Freude auf das Wiedersehen. Mit jedem Kommen und Gehen wird es etwas leichter, dieses emotionale Geduldsspiel auf die Probe gestellt, zu bewältigen. Die Tränen werden unsichtbarer.

Ich bin gelandet im schönen Perth. Gestern Abend um 18.00 hat mich ein wunderbarer Sonnenuntergang mit atemberaubender Kulisse bei der Landung in Australien empfangen. Mal wieder war der Fotoapparat in der Tasche. Den Ärger darüber spüre ich nur kurz und dann konzentriere ich mich ganz auf das Erlebnis. Ein Gewinn für mich.

Ein vertrautes Gesicht strahlt mir entgegen, nachdem ich diesmal ohne Sicherheitscheck australischen Boden betreten durfte. Thomas erleichtert mir das Ankommen und vermittelt mir das Gefühl von Vertrautheit. Und in diesem Moment wird mir klar, welch Luxusleben ich führen darf.

Meine Geduld beginnt zu warten. Ich lerne, mit meiner Ungeduld zu arbeiten. Vielleicht kam es mir deshalb auch so vor, dass ich wesentlich länger in Deutschland war. Ich bin beeindruckt, wie ich mich selbst manipulieren kann. Und das meine ich in diesem Fall positiv.

Nachdem der Kurs in Berlin erfolgreich beendet ist, steht das Angebot für 2008 bereits wieder im Program. Ich darf hoffen, auch zukünftige Reisen mit etwas Arbeit unter der Berliner Luft zu verbinden.

Meine zunehmende australische Gelassenheit hat mir schon manchen Raum verschafft, den ich früher nie hatte. Ich genieße, bewusst in den Kontakt zu gehen, ihn zu bremsen oder auch ganz klare Grenzen zu setzen.

Die Momente des Zusammenseins mit meiner Familie habe ich bis in letzte Mark genossen und gekostet. Ich habe mich zurück gelehnt und lerne, ausgesprochen erwarten zu dürfen, dass sich andere Menschen bewegen müssen, die mich sehen möchten.

Ein "Lagerfeuer" beendet meinen ersten Tag in Deutschland, für den ich über 24 Stunden unterwegs war. Das Knistern des Holzes und die Spiele der Flammen machen es kuschlig und sorgen für Kaminstimmung. Den Wein in der Hand ist schnell das ein oder andere Wort ausgeplaudert und manche Frage wenig ausführlich beantwortet. Den Morgen danach erlebe ich nach einer traumhaften Nacht im Kreise meiner Liebsten. Ich fühle mich heimisch und vertraut mit den Dingen, die mich umgeben. Gedankliche Hektik kommt auf, wen wann zu welcher Zeit besuchen. Emotionale Gelassenheit tritt auf die Bremse und sorgt dafür, dass ich nicht gleich wieder los renne, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Mein Bedürfnis zu warten und mich wohl zu fühlen, ist mächtig und erspart mir ein schlechtes Gewissen. In die Geschichte ein- und wieder aussteigen, so wie ich es will und brauche, gefällt mir. Ich bin hier und für eine Weile nicht mehr dort. So schreibe ich mir selbst meine Geschichte.
Ich begegne meinen vertrautesten Personen, denen ich emotional genauso viel abverlange wie von mir selbst. Ich erwarte Geduld und Bewegung von Ihnen, in meiner Geschichte der Wichtigste Teil zu bleiben.

Thomas wartet tausende Kilometer weit weg auf meine Rückkehr, während Sister auch mal krank macht, um ganz nah bei mir zu sein. Ein Motor geht kaputt und verschafft mir schöne Stunden mit Carolin, die ich am allerwenigsten sehe, wenn ich da bin. Ich freue mich. Ihre Schwester geht auf ihre eigene Art mit dem um, was ich geben kann. Und tatsächlich können nur wenige Stunden reichen. Meine Eltern müssen ganz schön viel fahren und tun dies auch. Ich freue mich, wenn alle beisammen sind. Wenige, aber intensive Abende bzw. Unternehmungen bereichern meinen Aufenthalt.

Kühlungsborn zeigt Sonne, der Kaffe schmeckt köstlich, die Bratwurst auch. Barlach zeigt Gesicht und das Fahrrad fährt uns durch unsere Vergangeheit. Ein Brötchen am See lässt den Regen an uns abprallen. Wir genießen den Moment. Der Sportplatz weckt sportliche Erinnerungen. Tintenherz bringt mich in den Schlaf und in den Genuss, diese Geschichte zu Ende erzählt zu bekommen.

Oma genießt das Gespräch mit mir, ihr ist doch ganz schön langweilig mit ihren 94 Jahren. Die Kids haben endlich Ferien und tragen nun australische Badelatschen und Basecaps. Ihre Eltern planen ihren ersten Besuch bei uns im Hochsommer Australiens 2008. Wir sind gespannt!

Berliner Freunde nehmen sich Zeit, oder auch nicht. Damit lerne ich noch umzugehen. Eisis machen den Berliner Aufenthalt wie immer zu einem Erlebnis und zu einem tollen Kneipenabend in unserem alten Kiez. Mein Herz macht einen Sprung und mein Auge erblickt das Schönste Haus in der Rykestraße.

Teilnehmer des Kurses sind produktiv und nun "Konkurrenz". Ihre Rückmeldungen sind Zucker für meine professionelle Seele. Ich kann es noch.

Ein Berliner Stadtspaziergang eröffnet Horizonte und füllt erhebliche Wissenlücken.

Im Koffer stapeln sich die Kilos. Mit 30 fliege ich zurück.

Der Sommer kehrt in Deutschland ein, der Winter hält die Arme in Australien offen.

Im Büro den ersten Tag mit vielen guten Gesprächen verbracht und manch neue Anknüpfungspunkte aufdeckend.

"Eigentlich" begleitet mich immer, ob ich es ausspreche oder nicht. Der Konjunktiv hängt sich dran und lässt alles offen.


Sunday, July 1

Jahrestag - Der Blick zurück oder nach dem ersten Jahr,

26.06.2007
Eeinige werden sich wundern andere wiederum werden es gar nicht wissen, dass ich bisher noch nicht einen Eintrag ins Tagebuch geschrieben habe. Das Ganze fing ziemlich genau vor einem Jahr an, wir saßen in unsere Unterkunft- Sorrento Beach Ressort – nachdem wir am 26.06.06 in Perth gelandet sind. Auf einmal war alles anders, das ganze Leben hatte sich mit einem Schlag komplett in eine andere Richtung gedreht, in eine Richtung 15,000 km südwestlich von unserer bisherigen Heimat, nach Perth, Westaustralien. Es überrascht mich manchmal noch selbst, woher ich diesen Antrieb und Mut genommen habe diesen Schritt doch letztendlich zu gehen.

Nun sitze ich hier in unserem gemieteten Haus, in dem wir nun schon fast ein Jahr wohnen, Regina ist gestern wieder nach Deutschland geflogen und sitzt wahrscheinlich gerade in Dubai und wartet auf ihren Anschlussflug nach Hamburg. Ja, ich sitze hier wieder einmal auf gepackten Kisten, denn wir müssen in ein paar Wochen unsere bisherige Bleibe wieder verlassen und eine neuen suchen, so ist das hier, wenn man sich hier als Mieter niederlässt, anyway.

Wende ich den Blick zurück auf die Ereignisse des vergangenen Jahres, so ist, wie man sich denken kann, eine Menge passiert- Gutes und nicht so Gutes.

Gut ist, dass ich den Schritt gemacht habe auch wenn es mich viel Kraft gekostet hat.

Gut ist, dass ich sehr viele Erfahrungen gemacht habe, die ich anderenfalls nicht gemacht hätte- neue Arbeit, neue Kollegen und Arbeitsbedingungen, ein eigenes Projekt nach ca. 4 Wochen, eine echte Herausforderung inhaltlich und natürlich auch sprachlich.

Gut ist, dass ich hier eine Menge Leute kennen gelernt habe.

Schlecht ist, dass es leider zu „Australiern“ kaum privaten Kontakt gibt und wenn überhaupt begrenzt sich dieser auf bestimmte Ereignisse wie mein Radfahren, Laufen oder Segeln aber immerhin würde ich dann sagen, oder?

Nicht so gut ist, dass ich über meine Arbeitsbedingungen etwas enttäuscht bin, es sind doch einige Dinge nicht so wie ich sie mir vorgestellt habe.

Gut ist, dass ich mir bisher einen ziemlich guten Stand auf Arbeit erarbeitet habe, ich habe in ca. 4-5 Projekten gearbeitet, davon eines mit einem neuen Kunden für die Firma beenden können. Dieses Projekt hat mir einen 2wöchigen Europaaufenthalt beschert, auch nicht schlecht.

Gut ist, dass ich bisher recht viel Sport gemacht habe. Schlecht ist, dass ich im Moment ein wenig weich bin samstags um 5:30 am aufzustehen um zum Radfahren zu starten, weil es doch recht kühl und dunkel ist um diese Zeit in Westaustralien ;-( - wer hätte das gedacht.

Schlecht ist, dass ich doch manchmal an akutem Heimweh „erkranke“, dass ich nicht zum Kaffee nach Hause fahren kann um meine Familie zu sehen, dass ich Berlin vermisse, dass ich unser altes Team vermisse und das „herzlichen“ Zusammensein, jeder Betroffenen wird wissen was ich meine. Mir fehlt die Möglichkeit, am Sonntagabend durch die Berliner Altstadt zu spazieren und den Duft der Geschichte einzuatmen, mir fehlt das spontane Zusammensitzen mit den Eisi´s, das Treffen mit Freunden (auch wenn kaum noch einer in Berlin lebt), das regelmäßige Klettern mit Göran und Steffan, der Saunabesuch in der eigenen Wohnung und dabei zu beobachten wenn draußen der Schnee (!) fällt und die Flugzeuge auf oder von Tegel fliegen und dabei von Australien zu träumen!! – hier schließt sich der Kreis und es ist gut so wie es ist.

Ja, natürlich hatten wir schon die Diskussion, was denn wäre, wenn wir hier wieder die Zelte abbrechen und wieder nach Deutschland zurück gehen, besonders in der Zeit als ein paar Sachen auf der Arbeit nicht so waren wie ich es mir gedachte hatte, oder als Regina keine Arbeit bekommen konnte, oder als uns nun gerade die Unterkunft gekündigt wurde. Zurück, wohin ist zurück, ich kann die Frage nicht beantworten, noch nicht!

Nicht gut ist, dass der Kontakt zu eigen Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen (ich dachte, dass dabei auch Freunde waren) nicht zustande gekommen ist oder massiv eingeschlafen ist.

Der Gedanke, dass ich dieses ganze „Abenteuer“ fast nicht angetreten hätte macht mich stolz es doch und entgegen allen Widerstandes – von innen und außen- gemacht zu haben. Eines steht jedenfalls fest, es ist der größte Schritt den ich in meinem bisherigen Leben getan habe und fest steht, dass ich dies wahrscheinlich nicht getan hätte, hätte ich nicht so eine wunderbare Frau, die alles für den Schritt aufgegeben hat, obwohl es für sie noch weniger Grund dafür gab als für mich, danke Regina.