Sunday, April 29

Wenn zwei sich streiten

... dann muss das keinen weiter stören.

Nach unserer 600 km langen Fahrt heute in den Norden, um auch Kängurus zu sehen, mussten wir erst wieder in der unmittelbaren Nähe von Perth sein, um unsere Geduld zu belohnen. Auf einem wunderschönen Friedhof in einem groß angelegten Park grasten so viele Kängurus, dass wir uns ausreichend satt sehen und genießen durften. Francie war außer sich vor Freude. Wir konnten so nah heran und sahen auch, wie zwei Kängurus miteinander kämpften. Die Stille drum herum versetzte in uns in eine ruhige Stimmung.

Selbst Thomas lag zum Schluss auf dem Boden, um tolle Tieraufnahmen machen zu können. Auch das war ein Anblick :-)

Mittlerweile war ich selbst nun schon dreimal bei den pinnacles. Es ist eben eine Naturattraktion, die wir unseren Gästen nicht vorenthalten wollen. Das Spiel des Wetters umrahmte den Tag mit Sonne, Sturm und Regen. Beim Picknick am Meer (zwei Meter vor den brandenden Wellen) mussten wir drinnen sitzen bleiben. Draußen wäre uns das leckere Zwischendurch abgehoben.

Francie ist heute den 4. Tag bei uns und ich weiß schon beinahe wirklich nicht mehr, was wir alles gemacht haben. Gestern waren wir im Swan Valley, haben Wein probiert, Schokolade genossen und Menschen beobachtet.

Außerdem haben wir ein Pferdegestüt gefunden, auf dem Francie und ich übernächsten Montag eine Stunde mit Begleitung reiten dürfen. Ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen und hatte es auch gar nicht vor. Doch bin ich gebeten worden bezgl. der Kommunikation mitzureiten. Na das kann ja ein Spaß werden.

Der Herbst zeigt sich auch hier bunt. Im Weinanbaugebiet sind die Blätter farbig und sehen sehr zerbrechlich aus. Die Ernte ist vorbei, der Wein kann nun gekostet werden. Und wie der schmeckt. Bei so einer Reise durch das Wein Valley kann man sich betrinken, wenn man überall anhält und nur ein Schlückchen verkostet.

Herbst in Australien

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Friday, April 27

A Cola

Die Sonne begrüßt uns am frühen Morgen. In der Küche klappert bereits das Geschirr, der Gasherd wird in Betrieb genommen, die Mikrowelle auch. Francie ist aktiv und sorgt für ein ausgiebiges Frühstück. Verwöhnprogramm ist angesagt.

Während ich Thomas zur Arbeit fahre hat Francie den PC bereits zum Laufen gebracht, um ihre Emails zu checken. Ich kann so nachvollziehen, wie sie sich über Post freut und dass sie allen berichten möchte, was hier so passiert.

Abends müssen wir uns dann zu dritt mit zwei Internetzugängen arrangieren und können dies gut organisieren. Die Zeitverschiebung macht den Tag lang, denn in Deutschland jemanden per Telefon oder Skype zu erreichen bedeutet, dass wir länger als 22.00 auf sein müssen. Francie scheint das nichts auszumachen. Für die Kommunikation in Australien haben wir Francie eine Handykarte gekauft, so dass sie uns im Fall der Fälle anrufen kann.

Im Nachhinein fallen mir immer noch ein paar Geschichten ein, wie wir hier her gekommen sind. Im Flieger beispielsweise hat Francie nicht ein einziges Video gesehen, sondern ausschließlich Musik gehört. Ich war erstaunt und beeindruckt. Den ersten Teil des Fluges (von Hamburg nach Dubai) hat sie nicht einmal geschlafen, so dass ich schon dachte, dass sie bis Perth wach bleiben will. Ich war da nicht ganz so fit und bin einige Male eingeschlafen. Zwischendurch wurden wir gut verpflegt und als das erste Mal eine Stewardess kam und nach unserem Getränkewunsch fragte antwortete Francie "A Cola". Ich musste schmunzeln. Letztendlich hat sie bekommen, was sie wollte. In Dubai auf dem Flughafen hat Francie schnell das Prozedere (Ein- und Ausschecken) verstanden, so dass ich mich schon fragte, warum wir einen Begleitservice für die Rücktour organisiert haben. Nachdem wir dort endlich zwei Liegestühle ergattert haben, bin ich noch einmal los, um Getränke zu besorgen. Als ich wieder kam, war mein Platz immer noch leer. Francie hatte es geschafft alle Platzsuchenden zu vertreiben. Die frisch gekauften Getränke konnten wir eigentlich nicht mit in den Flieger nehmen. Darauf wurden wir nach der Gepäckkontrolle beim Boarden in den nächsten Flieger aufmerksam gemacht. Brav versuchte ich, meine Flasche Wasser und Cola auszutrinken, bevor wir ins Flugzeug stiegen. Als wir in Perth unsere Koffer auspackten sah ich, dass Francie einfach beides mit genommen hat.

Heute werden wir wieder auf die Piste, es gibt eine Menge zu sehen. Tagsüber begleiten uns ca. 23 Grad. In der Sonne ist es ganz schön warm und ich merke den direkten Unterschied der Intensität zu Deutschland. Hier zwiebelt es schon auf der Haut.

Thursday, April 26

Bäume wie Grünkohl

Unser Anflug auf Perth war am frühen Abend, so dass wir die Küste und das Land sehen konnten. Francie sagte, dass die Bäume hier wie Grünkohl aussehen. Was für eine Assoziation :-). Und tatsächlich mit etwas mehr Fantasie sehen die Bäume aus der Luft wirklich so aus.

Nach einer erholsamen Nacht in einem ordentlichen Bett und endlich ausgestreckten Füßen gabs heute morgen schon ein Zauberfrühstück. Wir waren schon um 7.00 wieder auf den Beinen und gut ausgeschlafen. Der Kaffee ließ Francie erst recht wach werden, stark genug war er.

Unseren ersten gemeinsamen Tag haben wir schon ordentlich etwas unternommen. Francie hat schon die City begutachtet und erste Läden entdeckt, in denen es sich gut shoppen lässt. Nebenbei beschreibt sie ihren Eindruck, dass es hier schön bunt ist. Ich bin mal wieder erstaunt in welche Worte sie ihre Erlebnisse kleidet. Ich sehe das Bunte nicht mehr und schärfe meine Aufmerksamkeit.

Dank Skype telefoniert Francie in die Heimat, um alle Freunde und Familie an ihrem Aufenthalt hier zeitnah teilhaben zu lassen. Ich bin fasziniert, wie sie hier alles in sich aufsaugt und welche Energie sie wach bleiben lässt. Immerhin fehlen uns 6 Stunden Zeit.

Abends müssen wir Socken und lange Hosen anziehen, um ohne Zittern das lecker gekochte Abendbrot genießen zu können. Mittlerweile erahne ich, was Thomas immer meinte, als er im letzten Jahr von der Kälte berichtete. Da war es aber auch schon Juli und später. Jetzt haben wir gerade erst mal Herbst.


Zwischen den Planeten

Mittlerweile bin ich wieder in Australien und habe einen Gast mit gebracht. Die Reise haben wir gut überstanden und dank diverser Medien im Flieger recht kurzweilig verbracht. Francie sagt, dass sie sich wie auf einem anderen Planeten vorkommt und beginnt sich einzuleben.

Mein Deutschlandaufenthalt wird mir recht intensiv in Erinnerung bleiben, beruflich wie auch privat. Mein Ankommen gestern sorgte in mir für etwas Heimweh, das ich bis jetzt hier noch nie so erlebt habe. Sicher hatte das auch etwas mit der "Kälte" zu tun. Es ist abends wie auch morgens ordentlich frisch in Australien. Da muss ich mich erst wieder dran gewöhnen. Kann eben nicht mal so einfach die Heizung aufdrehen.


Friday, April 13

Allen Enttäuschten

In Deutschland zu sein bedeutet für mich Freude des Wiedersehens, aber auch Arbeitsdruck, Stress, Jedem gerecht werden, von einem Ort zum anderen fahren/gehen/laufen, Wünsche erfüllen, Hoffnungen befriedigen und Erwartungen stillen.

Nicht alle Freunde oder Bekannte konnte ich wiedersehen. Nicht alle von Ihnen haben einen Versuch unternommen, mich zu kontakten. Dennoch werden Enttäuschungen formuliert, die mich traurig machen, aber auch verärgern.

Nur wenige Freunde konnte ich treffen, zu wenig Zeit konnte ich meiner Familie spenden. Es ist wie in der Mitte eines Tau's zu stehen. Dabei wurmt mich die "Bequemlichkeit" so manch Einem, der nichts dafür tut, mich zu treffen oder zu sprechen. Mich wurmt, dass so manch Einer enttäuscht ist, obwohl er nicht das Recht dazu hat.

Hinter mir liegen 16.000 km Flug, zwei Zeitumstellungen, 4 Wochen Deutschland, zig Telefonate, 3 mal 8 Stunden Kurstage, und viermal mehr Vor- und Nachbereitungen dafür. Hinter mir liegen nur wenige Treffen mit Freunden. Hinter mir liegt immer noch das schlechte Gewissen, zu wenig DA zu sein. Hinter mir liegt der tagtägliche Druck. Hinter mir liegt die Organisation diverser Arzttermine. Hinter mir liegt die Korrespondenz mit dem australischen Berufsverband, der noch zwei schriftliche Referenzen haben will. Hinter mir liegt zum Glück nun endlich meine Berufsanerkennung vom Board. Hinter mir liegt die emotionale Begleitung Unglückseliger. Hinter mir liegen aber auch 5 Tage Ostern mit meiner Familie (das war mein Urlaub!).

Vor mir liegen 4 mal 8 Stunden Kurs in Berlin. Vor mir liegen Abende in Berlin, an denen ich meine ganzen Planungen ändere, Materialien auswerte und mir Gedanken mache, es noch teilnehmer orientierter zu gestalten. Vor mir liegen noch zwei nette Abende mit Freunden (Ihr Anruf begann mit "Wann sehen wir uns, ich bin flexibel und komme dahin, wo es am besten ist für Dich?"). Vor mir liegen noch wenige Tage in Gemeinsamkeit mit meiner Familie. Vor mir liegt noch der emotionale Abschied. Vor mir liegen noch einmal 16.000 km und eine Zeitumstellung. Vor mir liegt der neue Job in Perth, den ich gut machen will.

Wie vielen Menschen gelingt es eigentlich wirklich, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen?

Euch Enttäuschten wünsche ich alles Gute und die Kraft, mit mir im Kontakt zu bleiben. Mir wünsche ich, dass ich mich von den Teilen des schlechten Gewissens frei machen kann, die überhaupt keine Berechtigung haben.


Thursday, April 12

Mama Mia

Wir fahren 1000 Kilometer Donnerstag bis Montag im April.
Es ist Ostern an der See und überall.

Die Familie ist nicht ganz vollzählig. Mittendrin fehlst Du! Schade.
Wo ist die Zeit geblieben; in Bildern fest gehalten.
In Erinnerung eingebrannt, die Emotionen leben auf.

Mama Mia war das ein Spass - das ganze Leben in Stunden.
Zu Tränen gerührt und zum Lachen gebracht. Die halbe Nacht durch gemacht.

Der Fußball rollte, zwischen uns der Atem und die Not. Am Abend waren wir wie tot.
Geschwommen kann man das nicht nennen, zaghaft gedippt und dann doch überwunden.
Yippie - was war das kalt. Wie ein gekochter Hummer - so rot die Schenkel.

Das Meer - es sieht so anders aus, und dennoch ist es nur Wasser. Hier wie dort. Die Sonne leuchtet uns den Weg in den Abend. Der Mond übernimmt und führt uns durch die Nacht. Unser Blick aus dem Fenster sieht die Kronen des Neptun. Der Wind lässt uns wackeln - nun schon das 10. Jahr?

Thursday, April 5

Auf dem Teppich des Seins

Schwere Gedanken, tiefgreifende Gespräche,
emotionsgeladene Momente, hin und her gerissene Gefühle,
erwartende Haltungen, selbstgemachte Unruhe,
bewegende Fronten, traurige Augen, offene Münder,
unterstützende Arme, fragende Köpfe,
springende Herzen ...

(... dazwischen
d
ie Liebe)

(... dazwischen
die Hoffnung)

(... dazwischen
die Sehnsucht)

... füllen, bewegen, machen ...

... das Leben.

Schöne Ostern


Der Regen klimpert mit einem Finger die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger. O Widerspruch voll Harmonie.

Der Mond in seiner goldenen Jacke versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe und kommt sich ein bißchen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt: Er hat ihn in den April geschickt.

Und schon hoppeln die Hasen, mit Pinseln und Tuben und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben durch Gärten und Straßen und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob's gar nichts wäre, aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere. Er blickt dabei entschlossen ins Leere.
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden. Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden: Hinterm Ofen, unterm Sofa, in der Wanduhr, auf dem Gang, hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.

Da kräht der Hahn den Morgen an! Schwupp, sind die Hasen verschwunden. Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer. Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann. Über die Hänge läuft grünes Feuer die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt er, kommt also heuer. Er spürt nicht Wunder, noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein Pinsel im Grase? Auch das kommt dem Manne seltsam vor. Er merkt gar nicht, dass ihn ein Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

Erich Kästner: Die 13 Monate. Der April

Monday, March 26

Eine Woche

Eine Woche ist vergangen, seit dem ich wieder in der vertrauten Heimat bin. Gestern habe ich im Kopf gezählt, wieviele Menschen ich in dieser einen Woche gesprochen habe. Und ich komme auf ca. 35 Personen (Familie, Freunde, Kursteilnehmer etc.). Den Jetlag in den Griff bekommen, nach Berlin fahren und das erste Kursmodul leiten, Freunde besuchen und treffen usw. - all das zählte zum Kompaktprogramm der ersten Woche. Seit gestern komme ich dazu, mir Ruhe zu gönnen und Luft zu holen. So viele unterschiedliche Reize, denen ich ausgesetzt war, die ich ordnen will.

Nach einer relativ kurzweiligen Flugreise und einer 40-minutigen Verspätung in Hamburg falle ich meiner Schwester, meinem Schwager und meiner Nichte in die Arme. Tränen begleiten das Wiedersehen und die Freude. Dann ca. 2 Stunden Autofahrt von Hamburg nach Güstrow. Mein Blick schweift über das weite Land im Norden und ich beginne auf mein inneres Gefühl zu hören. Ich freue mich, wieder da zu sein. In Güstrow angekommen feiern wir Geburtstag. Die Familie ist komplett und es ist, als ob es nie anders war. Alles ist mir vertraut, wir haben keine Schwierigkeiten den Abend meiner Ankunft sowie den Geburtstag meiner Sister zu feiern. Ich fühle mich wohl; meine Augen allerdings können kaum noch gegen die Schwerkraft ankämpfen. Ich bin schließlich seit über einem Tag auf den Beinen und überwiegend wach geblieben. Um 21.00 geht dieser erste Abend zu Ende und meine erste Nacht beginnt.

Montag um 5.30 schon wieder auf den Beinen. In Perth ist es ja schon 8 Stunden später. Kein Wunder also, dass ich wach bin, auch wenn ich noch müde bin. Frühstück und Kaffee, bevor wir hier in den Tag starten. Ich packe alle meine Sachen aus, richte mich ein und bereite mich vor. Morgen (Dienstag) muss ich nach Berlin. Alles in allem begleitet mich eine unendliche Ruhe. Meine Mutter bereitet ein vorzügliches Mittag und ich muss mich in Acht nehmen, dass ich nicht alles auf einmal esse. Thomas Familie besuche ich am Abend.

Dienstag komme ich in Berlin um 17.30 an. Dank meines Schwagers, der mir ein Auto zur Verfügung gestellt hat, bewege ich mich komplett unabhängig. Das macht die Umsetzung meiner Vorhaben und Planungen wesentlich einfacher. Berlin liegt beinahe im Dunkeln, als ich bei meinen ehemaligen Nachbarn aufkreuze, um dort die Tage von Dienstag bis Samstag zu verbringen. Das herzliche Willkommen, die Vertrautheit meiner alten Wohnumgebung erleichtern mir das Ankommen und Eintauchen in den Alltag, den ich vor knappen 4 Monaten verlassen habe. Mit reichlich vielen Tropfen köstlichen Weins verbringen wir unser Wiedersehen, das herzlicher nicht sein könnte.

Mittwoch morgen weckt mich das innere Lampenfieber. Heute geht es los mit dem Kurs, den ich im letzten Jahr entwickelt habe. 11 Wissbegierige warten ab 11.00 auf mich und wollen Neues lernen. Der Druck in mir wächst, die Verantwortung, die ich für diesen Kurs habe wird mir auf einmal bewusst. Sie reisen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands an und haben nicht wenig für den Kurs bezahlt. Selbstverständlich bin ich nun am Zug, den Teilnehmern zu zeigen, dass sich ihr Aufwand gelohnt hat.

Ein paar Stunden später am Tag bin ich geschafft, positiv gestresst und schon auf dem Weg, ehemalige Arbeitskollegen in einer Kneipe zu treffen. Die überschwengliche Begrüßung, die uns ein volles Glas Wein kostete :-) ging in einen sehr netten Abend über. Mein Blick schaut aus dem Fenster. Es schneit. Die dicken Flocken holen den Winter zurück und ich freue mich. Im Schnee in Berlin. Ich bin überwältigt. Nachts noch bis um 1.00 gearbeitet, bevor ich noch schnell ein paar Stunden schlafen kann.

Donnerstag bis Samstag reise ich weiter mit der Straßenbahn durch Berlin, rege mich nicht über das miespetrige Wetter auf, sondern genieße jeden Schritt und jeden Blick. Ich sauge alles auf, was mir in den Weg kommt. In meinem Rucksack habe ich bereits jetzt so viele Eindrücke und so viel Freude, dass ich kaum damit umgehen kann. Berlin verzaubert mich und ich weiß, dass ich von dieser Stadt nicht los komme.

Zwischendurch versuchen Thomas und ich zu telefonieren. Er ist interessiert, wie ich mich fühle und voller Sorge vor dem Satz: "Ich will hier bleiben". Es gelingt mir, ihn zu beruhigen. Ich freue mich, wieder nach Perth zurück zu können. Wir haben alles richtig gemacht.

Ich vergleiche täglich jede Bewegung, jede Einstellung, jedes Gehabe, jedes Wort mit meiner neuen Lebenswelt in Australien. Ich rege mich über die Jammermentalität nicht auf, sie gehört hierher wie an keinen anderen Platz der Welt. Ich rege mich nicht auf über die BMW-Fahrer, die mich von der Bahn schubsen wollen, auch sie sind das Symbol der Ungeduld, Schnelligkeit und Arroganz der Deutschen. Ich will nicht werten, nur beobachten. Ich will in mich lauschen, was ich denke und zu mir sage.

Ich bin geduldiger geworden mit mir und meiner Umwelt. Unglaublich, dass ich das sage.

Camping unterm Sternenhimmel

Thomas verbrachte sein letztes Wochenende im Norden von Perth (Lancelin). Die Bilder sprechen für sich und mir bleibt nur noch zu erwähnen, dass diese Tour eine Männertour war. Die Nacht haben sie am Meer unter freiem Himmel verbracht.









Monday, March 19

Vor der Tür

ist es lausig kalt. Gefühlte Temperatur: Minus 7 Grad.

Ich habe Kaffee getrunken, bin einigermaßen ausgeschlafen und gönne mir ein Tässchen Kaffee und eine Zigarette vor der Tür. Angemummelt wie die Babuschka stehe ich draußen und beobachte das morgendliche Treiben auf der Straße. Mein Blick ist auf graue Wolken gerichtet, die die blattlosen Bäume noch lebloser erscheinen lassen. Die Luft ist angenehm und klar.

Draußen fahren alle zur Arbeit. In dicken Jacken sitzen sie hinter ihrem Lenkrad und machen sich warme Gedanken. Ich mir auch :-)

So plötzlich bin ich auf einmal wieder auf der anderen Halbseite der Erdkugel und habe das Gefühl, nicht weg gewesen zu sein. Meine Familie hat mich sehr herzlich empfangen. Bis um ca. halb 10 Abends (Sonntag) konnte ich aushalten, dann hat mich aber die Müdigkeit lahm gelegt und mich problemlos in einen tiefen Schlaf gewogen.


Mit dem Wissen darum, dass es in Australien super warm ist, sitze ich nun hier und habe Sorge, dass ich als erstes Bekanntschaft mit der Erkältung mache. Ich hatte mich hier auf Frühling eingestellt und muss nun erstmal checken, was ich hier zu tragen habe. Ich könnte schon im Wohnzimmer die Mütze auf dem Kopf haben und den Schal um den Hals. Nur der Blick nach draußen lässt mich zittern.

Wieder da, in Deutschland.

Saturday, March 10

Thomas is back

and I'm happy.

Short talk:
T: Riechst Du diese Luft?
R: Ja.
T: Achte darauf, wenn Du in Deutschland bist.
R: Warum?
T: Weil es dort anders ist.
R: Ich habe es ja nicht so mit dem Riechen.
T: Schließ mal die Augen.
R: (Ich schließe die Augen)
T: Riechst Du es jetzt?
R: Ja ich rieche das Meer.

Es ist Samstag, Cottesloe am Beach (ca. 7:00 pm). Am Meer ist eine Ausstellung von Künstlern, die Skulpturen zum Thema: "In und am Meer" aufgestellt haben. Auf unserer Rücktour von Fremantle sind wir dort spazieren gegangen und haben es genossen, wieder zusammen zu sein. Die große Billardkugel schwimmt auf dem Meer und vertreibt sich ihre Einsamkeit, in dem sie Blicke auf sich zieht. Die Submarine steht am Beach und lässt uns hinein sehen. Wie es wohl wäre mit ihr abzutauchen. Ein überdimensional großer Fischer (aus Holz) zieht das Boot aus dem Meer. Eine Schwangere im Bronzekleid sitzt am Meer und genießt den Ausblick. Diverse andere Gegenstände schießen gen Himmel und lassen uns assoziieren, was sie wohl mit dem Thema zu tun haben.

In Fremantle wollten wir Thomas' neue Sonnenbrille abholen (Marke IC Berlin). Doch leider sah sie so dermaßen sch... aus, dass Thomas sich dazu entschied, diese nicht zu kaufen. Der Optiker unterdrückte seine Verärgerung, sagte aber, dass wir das Geld wieder bekommen. Thomas' Bemühen um eine Verhandlung bezüglich eines anderen Rahmens etc. stieß auf Widerstand. Der Optiker gab uns klar zu verstehen, dass er keine Geschäfte mehr mit uns macht. Konsequent und ungewöhnlich. Auf einmal bewegte mich die Frage, wer hier eigentlich der Kunde ist und war froh, dass Thomas nicht das restliche Geld bezahlt hat und nun mit Frust durch die Gegend läuft. Ist ja zum Glück nicht der einzige Optiker.

Entspannt haben wir uns danach mit einem Bier im little creatures (Brauerei) und dann bei Lifemusik in einem Pub bei Cocktail und Bier. Der erste Caipi hier, ohne Pitu. Hat trotzdem geschmeckt.

Es ist Samstag, wir haben den Nachmittag in Fremantle und den Abend in Cottlesloe am Beach verbracht. Der Sand unter den Füßen ist kalt, um so näher wir uns zum Wasser bewegen. Das Meer rauscht im Hintergrund, viele Menschen philosophieren über die Absichten der Künstler, die Kinder integrieren sich in die Kunstwerke und mißachten Schilder wie "don't touch". So manch Erwachsener übrigens auch.

Mein Antrag auf Registrierung als Psychologin ist im Briefkasten abgetaucht. Mein Schreibtisch um einen Papierstapel lichter.

Die Nächte werden wieder ruhiger, ich kann besser schlafen. Thomas kämpft noch ein wenig mit dem Jetlag und bereitet sich gedanklich auf seine Arbeit hier vor. So geht alles in einem Fluss weiter. Manchmal wird dieser Fluss wieder kurz vorm Austrocknen sein und manchmal wird der Regen wieder für Bewegung sorgen. Der Wind wird uns mal vorwärts, mal seitwärts und auch mal rückwärts treiben lassen. Unser kleines Boot wird all diese Herausforderungen meistern, solange wir am Steuer bleiben.

Thursday, March 8

Wenn die Sonne untergeht

























und 42 Grad den Tag lähmen, ist der Sapziergang am Abend eine wunderbare Form der Entspannung. So viele Menschen sind noch am Strand und wollen diesen unglaublichen Blick auf den Horizont des Indischen Ozeans nicht verpassen. Wenn man nur eine Minute weg sieht kann es sein, dass die Sonne bereits untergegangen ist. Mittlerweile taucht sie ca. 7.48 ins Meer.

Ich bin voller Freude, Thomas endlich wieder hier zu haben und werde in dieser trauten Zweisamkeit zum ersten Mal seit 2,5 Wochen schlafen wie ein Murmeltier.

Meine Unterlagen für die Registrierung habe ich nun fertig. Der Justice of Peace hat 45 Minuten gebraucht, um alle meine Papiere sorgsam abzustempeln. Alles umsonst, also kostenfrei! Ich musste schwören, dass ich die Person bin, die den Antrag unterschrieben hat und die restlichen 40 Minuten haben wir ein wenig Smal talk gehalten. Nun warte ich noch auf ein wichtiges Papier aus Deutschland, das Thomas mit bringt und am Samstag kommt alles zur Post. Wieder was geschafft. Dann heisst es warten.

Sunday, March 4

Einbrecher

Meine Augen haben dunkle Ringe, denn ich habe die letzte Nacht wach im Bett verbracht, auf jedes Geräusch lauschend. Mein Puls drohte aus meinem Hals zu springen.

Um 23.30 klopft es an meiner Tür. Da war ich sowieso noch auf. Tatsächlich traue ich mich an die Tür. Vor mir steht eine junge Nachbarin, die vollkommen aufgelöst war, weil bei ihr eingebrochen wurde. Sie hatte schon einen Freund angrufen, der sie abholen sollte und die Polizei in meinem Beisein kontaktet.

Ich brauche wohl nicht beschreiben, was mir durch den Kopf ging, als sie wieder weg war. Zumal die Polizei von einer gehäuften Einbruchserie in dieser Gegend sprach.

Bis gestern habe ich es so gut geschafft, die Nächte alleine zu verbringen. Was hatte ich für eine Angst davor, und war dann so erleichtert, dass ich gut schlafen konnte. Das war mit einem Schlag vorbei, als ich von dem EInbruch im Haus neben mir hörte.

Nun habe ich schon gecheckt, ob ich ins Hotel gehen kann. Doch das ist ausgebucht. Viele Freunde, die eine Bleibe haben, sind das Wochenende unterwegs. Es ist ja langes Wochenende wegen dem Feiertag.

Heute mittag habe ich von einem befreundeten Paar (das zum Glück zuhause geblieben ist) das Angebot bekommen, dort zu schlafen. Das werde ich wohl annehmen.

Auf einmal fühle ich mich so unsicher hier. Ich sehne Thomas Rückkehr herbei. Ich weiß nicht, wie das werden soll, wenn er nun regelmäßig overseas ist. Mein ganzer Rhythmus ist im Eimer.

Nebenan ist der Glaser und stellt wieder eine äußere Orndung her. In der Ferne ist wieder eine Alarmanlage zu hören. Im Radio hörte ich letzte Nacht von einem Vorfall, dass ein Mann mit einer Axt an einem Bankautomaten überfallen wurde. Auf einmal ist die komplette Wahrnehmung auf solche Dinge gerichtet.

Ich bin müde.

Saturday, March 3

Zukunft in den Sternen

Ich komme von einem netten Abend zurück; es ist hier nun Mitternacht und Thomas rief aus Spanien an. Alles ist bisher erfolgreich; alle sind zufrieden. Der Auftrag wird kommen. Da der Auftraggeber in Österreich sitzt benötigt er vor Ort Support. Thomas ist gefragt worden, ob er ein halbes Jahr vor Ort sein könnte. Spannende Frage, die beinahe dafür sorgt, den Erfolg bis hierhin zu überschatten. Schon steht die nächste Herausforderung an. Ich kommentiere das nicht, sondern warte erst mal ab. Gleiches habe ich Thomas geraten; er soll seinen Erfolg genießen. Ich verdränge, was das bedeuten könnte.

Wieder ist eine Woche rum. Meinen Job an der Uni habe ich noch nicht begonnen; die Mühlen mahlen hier genauso langsam wie bei uns. Eigentlich gut für mich, habe ich doch noch einiges für den Berliner Kurs zu tun, der dank ausreichender Teilnehmerzahl statt finden wird.

Morgen, Samstag, werde ich wieder bei Anglicare arbeiten und Abends hoffentlich ein wenig den Blick auf das Meer genießen können. Das ist in dieser Woche zu kurz gekommen. Ich bin außer heute Abend und letzten Montag nur zum Einkaufen von etwas Essbaren vor der Tür gewesen. Den Rest habe ich am Rechner verbracht. Meine Nächte sind kurz und das Aufwachen morgens dehnt sich weiter in den Tag hinaus.

In zwei Wochen habe ich bereits meine Koffer gepackt und bin um diese Zeit einen Tag später schon in der Luft. Auf dem Weg in die Heimat. Mich ergreift ein Gefühl von Freude und Mulmmigkeit zugleich. Wie es wohl sein wird, als Besucher zurück zu kehren. Berlin aus einer anderen Perspektive erleben, zuhause sein und wahrscheinlich genau das brauchen, was in Australien im Regal steht.

Leute treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Ich hoffe sehr, dass wir mehr als nur den Austausch über Geschehenes, kommunikativ bewältigen können. Wie schnell mir wohl die Puste ausgeht, alles immer wieder zu erzählen? Ich hoffe sehr, dass meine Blogeinträge den Großteil meiner "Informationspflicht" übernommen haben und wir andere Gesprächsthemen finden werden. Ich hasse Oberflächlichkeit und habe Sorge, dass für mehr nicht die Zeit ist.

Gerade dieser Satz bzw. die Verwendung dieser wenigen Worte ...nicht die Zeit... stimmt mich unzufrieden. So oft höre ich, habe keine Zeit usw. Ich habe an anderer Stelle dazu bereits geschrieben, was ich davon halte. Um so mehr muss und will ich mich in die Pflicht nehmen, über diesen Schwachpunkt hinaus zu kommen.

Was mich außerdem beschäftigt, ist die Frage, wann es und ob es wieder zurück geht in die Heimat. Wenn ich die Politik und den sich entwickelnden Arbeitsmarkt verfolge, denke ich, dass es eher schwieriger wird, nach Deutschland zurück zu kehren. Es wird wohl nur gehen, wenn einer von uns beiden ein Jobangebot hat. Wie alt dürfen wir sein, noch einmal zu beginnen? Wann ist der Zug abgefahren, ohne uns? Erwischen wir noch einmal den richtigen Augenblick?

Natürlich entscheiden wir in zwei Jahren unsere nächsten Schritte, vor allem wie es dann weiter gehen soll. Wenn ich daran denke, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage in Deutschland noch schlechter geworden ist, wird mir schlecht. Wie schwer wird diese Entscheidung sein und welche Konsequenzen wird sie haben? Ich weiß, dass einige von Euch nun einen Schreck bekommen und denken, die kommen nie wieder. Ich möchte es, kann dennoch nicht sagen, wie es am Ende aussehen wird. Wovon ich ausgehe, dass diese Frage noch schwerer zu beantworten sein wird, als die Frage 2006, nach Australien zu gehen.

Wenn ich mir meine Lebensbiografie ansehen, dann habe ich so oft neu angefangen und so viel Neues gelernt. Wird sich das bis an mein Lebensende weiter ziehen? Wenn ja, dann weiß ich, dass es noch mal einen Umzug geben wird.

Wohin? Das steht noch in den Sternen.

Monday, February 26

Ernie

Ernie ist ein Gecco, der sich in einem Schrank im Arbeitszimmer verirrt hat. Thomas hatte ihn noch am Abend vor seiner Abreise entdeckt. Als er ihn fangen wollte, war Ernie schon weg. Ich suche seitdem immer fleißig die Zimmer ab und schaue täglich unter meinem Bett nach. Mittlerweile begrüße ich Ernie morgens und frage, ob alles in Ordnung ist. Möglicherweise liegt er vertrocknet irgendwo zwischen den Klamotten. Vielleicht ist er aber auch schon wieder an der frischen Luft.

Thomas hat gestern (Sonntag) endlich wieder Ski fahren können und rief begeistert aus den Bergen an. Samstag war er in Salzburg und erlitt einen Kulturschock. Die vielen historischen Gebäude, Menschen und das Flair haben ihn sehr beeindruckt. Berlin war in seinen Gedanken sofort präsent. Gefühlstechnisch erlebt er diese Reise als zwischen den Stühlen und war bisher noch nicht in der Lage, die Emotionen und resultierenden Gedanken genauer zu formulieren.

Ich habe die erste Nacht alleine in Australien verbracht und bin heute morgen (9.15) noch mächtig müde. Nachdem sich die Wärme gestern so richtig ausgebreitet hat und kein Luftzug für Erfrischung sorgte, musste ich mit dem Geräusch der Klimaanlage einschlafen. Heute habe ich Nackenstarre. Ein Thunderstorm hängt im Himmel und lässt ein paar Regentropfen auf die Erde fallen. Das Ganze geschieht so behutsam und lässt die Hoffnung sterben, dass diese Frische zu einer wirklichen Erleichterung führt.

Sunday, February 25

Zilli, Billi und Willi

Für alle die, die diese Story von den drei Schweinen und dem Wolf kennen.

Nachdem ich nun endlich meinen Feierabend genießen kann, lasse ich meine Eindrücke von meiner Arbeit heute Revue passieren. Zunächst hatten wir ein Fotoshooting, bei dem Szenen nachgestellt wurden und ein Freund von Thomas und mir als "Papa" fungiert hat. Anschließend hatte ich drei Stunden Visit zu oberservieren, zu dem ich keine Vorinformationen hatte. Nicht nur, dass die drei Stunden echt lang waren, sondern auch noch, dass ich einen Daddy mit seinen drei Kids zu beobachten hatte. Neben Klimaanlage, Radio und Nintendo habe ich mich mächtig anstrengen müssen, alles zu verstehen. Letztendlich habe ich es nicht mal geschafft, meinen Report zu schreiben. Das kann ich jetzt zuhause tun.

Während des Visits haben die Kids so viele unterschiedliche Spiele gespielt, so dass mein englisches Repertoire diesbezüglich erweitert wurde. Unter anderem haben die Kids mit Feldtafeln Zilli, Billi und Willi gespielt. Ich dachte ich sehe nicht richtig. Die Geschichte ist eine meiner Lieblingsgeschichten in meiner Kindheit gewesen. Die Neuauflage des Buches habe ich vor einigen Jahren von meiner Familie geschenkt bekommen. Da waren so viele Assoziationen da. Unglaublich. Innerlich musste ich ganz schön schmunzeln, denn die Geschichte hatten die Kids gut drauf. Sie ist hier nicht anders erzählt, als ich sie kenne.

Nun sitze ich zuhause, habe noch schnell ein paar Leckereien zu essen gekauft und gönne mir ganz klassisch mein Feierabendbier.

Thomas ist seit Donnerstag in Österreich und hat glücklerweise nicht zu viel zu tun. Das Material funktioniert genauso gut wie in Australien. Am Dienstag fährt er dann nach Spanien und wird dort die Testvorführung begleiten. Ich drücke ihm die Daumen, dass dort auch alles gut voran geht und am Ende ein neuer Auftrag für seine Firma raus springt. Leider konnte er nicht mal eben einen Abstecher in die Heimat machen; dafür ist er derzeit zu weit weg vom Schuss. Naja, er kommt ja Ende März.

Ich hatte Besuch, den ich heute morgen wieder am Flughafen abgesetzt habe. Wir hatten eine nette Zeit hier und waren viel unterwegs. Jetzt bin ich von dem ganzen Trubel der letzten Tage ganz schön geschafft und könnte eigentlich sofort ins Bett gehen.

Die Arbeit auf meinem Schreibtisch beginnt sich zu türmen. Wenn ich es auch liebe und das so lange herbei gewünscht habe, entscheide ich mich heute für einen ruhigen Ausklang der Woche. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mein Postfach bei google ist leer. Alle haben zu tun und ich nichts zu lesen. Ach ja, doch, ich gönne mir den Spaß ab und an mal bei spiegel online zu lesen und habe den neuesten "Ausrutscher" von dem Herrn in Bayern gelesen und gehört. Du meine Güte, immer wieder einen Lacher wert und zugleich sträuben sich mir alle Nackenhaare. Gibt es eigentlich noch gute Vorbilder in Germany?

Bildquelle: http://www.artshaw.com/artshaw%20seiten/deutsch/kinderbuecher/selbstgeschrieben/zilli.htm

Sunday, February 18

Zwischen den Toren - Between the gates

Es ist 21.18 Uhr und der Sonntag neigt sich dem Ende. Die Zeit vergeht wie immer – schnell. Gerade habe ich noch den Staubsauger geschwungen und für den morgigen Tag alles aufgeräumt. Es gibt eine Menge zu tun.

Gestern und heute habe ich mein Einführungstraining bei Anglicare absolviert und schon die ersten Konzeptideen für die Uni entwickelt. Das Wochenende bewegte sich zwischen aufstehen- arbeiten- denken -feiern – denken und schlafen – denken- aufstehen – denken - arbeiten- denken - putzen und wieder denken - schlafen.

Auf einmal ist meine komplette Energie wieder da, die heute Mittag noch ihren Weg vom Magen über den Mund ihren Ausweg suchen wollte. Dank Atemtechnik und Reiki konnte ich das Ganze noch bremsen. Der Alkoholkonsum in den letzten Tagen sowie die vielen guten Neuigkeiten der letzten Woche katapultierten mich aus dem Keller ins All. Kein Wunder, dass bei so einer Geschwindigkeit Übelkeit aufkommt. Keine Zeit, dass ich mich daran gewöhnen kann; der Schalter ist abrupt umgelegt.

Zwischendurch schlage ich mich mit diversen Papieren rum (Steuernummer und Antrag wegen meiner Registrierung) sowie mit den Vorbereitungen für Thomas’ Geschäftsreise.

Ansonsten bin ich die Samstag und Sonntag rum gerannt. Zwischen den Toren, Tor vorne, Tor hinten, Schloss vorne, Schloss hinten, Klingel vorne, Klingel hinten. Wer ist da? „Yes please wait I’m coming.“ Dazu diverse Codenummern für die Schlösser merken, den Ablauf dieser Besuche merken, die Namen verstehen, aufpassen, dass Mama und Papa sich nicht begegnen und dass das Kind nicht ohne elterliche Aufsicht ist, wenn der andere Elternteil noch nicht da ist. Geld kassieren, denn die Besuche müssen auch bezahlt werden, Berichte schreiben, die jeder verstehen möchte und dennoch aufpassen, dass man nicht vor Langeweile einpennt. Ich weiß, passt gar nicht zusammen, war aber so. Die Besuche an sich waren relativ unspektakulär. Heute habe ich zwei Stunden einem Papi mit seinem Baby zu gesehen. Aufgepasst, was er macht, wie er es macht, wann er die Windel wechselt, ob er sich auch die Hände wäscht, ob das Kind zu jeder Zeit in Sicherheit ist und nebenbei Notizen machen. Wenn die Kleine heute schon nach einer Stunde geschlafen hätte (Besuch ging 2 Stunden) und der Papi dann auch, hätte ich gar nicht gewusst, wo ich hinsehen sollte. Mein Gähnen versuchte ich zu unterdrücken, meine Gedanken jedoch waren ganz woanders.

Den Arbeitszeitnachweis ausfüllen, zuhören, was die anderen so erzählen, mich über diverse Strukturen wundern und dann am Ende schnell aufräumen und weg. Und genau dann beginnen die meisten Teamer ihre Erlebnisse der leitenden Kraft vor Ort zu erzählen. Sicher alles spannend, aber doch nicht, wenn die Zeit rum ist. Ich will nach Hause und denke, dass das nicht wahr sein kann. Was ist so schwer, zwischendurch die leere Zeit zu nutzen?

Egal, nun bin ich also einsetzbar und warte auf die nächsten Termine. So ab und an mal ein paar Stündchen arbeiten bessert die Kasse auf und schult mein Know how.

Morgen stelle ich mein erstes Konzept fertig und schicke es an die Uni. Das Ganze wird dann am Donnerstag diskutiert. Die noch offenen Unbekannten müssen noch beschrieben und konkretisiert werden. Mein Kopf platzt, meine Ideen sprühen und ich bin traurig bald alleine zu sein.

Friday, February 16

Fairy tale

Wer von Euch hat mir so viel positive Energie geschickt? Vielleicht hat meine Schwester eine Bestellung im All aufgegeben.

Und nun bin ich kurz vor dem Herzinfarkt. Nicht nur, weil ich bei Anglicare den Job habe. Nicht nur, weil ich vom australischen Berufsverband die volle Anerkennung meines Studiums bekommen habe.

Sondern ...
Und das ist on top ...

Habe ich heute das mega Traumjobangebot an der Curtin University erhalten. Wenn ich mich jetzt nicht zu dä... anstelle, dann ich habe ich einen Sechser im Lotto plus Zusatzahl.

Ich könnte schreien vor Freude und muss mich bremsen. Noch habe ich nichts unterschrieben. Dennoch bin ich voller Euphorie und will das hier raus lassen.

Der Sekt liegt im Kühlschrank und will getrunken werden, nachdem ich meine überschüssige Energie beim Laufen raus geschwitzt habe.

Wednesday, February 14

Mach den Sekt auf

Es gibt was zu feiern!

Meine liebe Kollegin, die zeitgleich mit mir den Continent gewechselt hat und nach Melbourne gezogen ist, hat gestern vom australischen Berufsverband bestätigt bekommen, dass ihr Studium hier voll anerkannt ist. Sie hatte nach mir beantragt und vor mir nun das erste Ergebnis schwarz auf weiß bekommen. Ich hatte noch keine Post und war beunruhigt.

Heute um 13.36 Uhr habe ich mich an den Briefkasten gewagt und konnte den Brief vom APS raus nehmen. Das ich aufgeregt war, muss ich keinem erzählen, der das ganze Prozedere mit bekommen hat.

Das Ergebnis lautet: "On the basis of the evidence submitted in your application, your Diplom Psychologin from Technische Universitaet Berlin in Germany is judged to be equivalent to a six year accredited sequence of study in psychology completed in Australia. Thus you would be eligible to become a full Member of the Australian Psychological Society...." Auf deutsch: Mein Abschluss wird voll anerkannt.

Jetzt kann ich meine Registrierung beantragen und die volle Mitgliedschaft im australischen Berufsverband. Bei der Registrierung gibt es noch einige Kniffligkeiten, die aber sicher der grundsätzlichen Registrierung als Psychologist nicht mehr im Wege stehen. On Top geht es um den Titel, den man hier in Western Australia beantragen muss. Ich werde berichten.

Ich bin erleichtert und habe gerade das Gefühl, das einiges voran geht. Ein erster Job ist auch gefunden, bei dem ich letzten Montag mein erstes Teamtreffen hatte. In 1,5 Stunden wurde dort eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung abgearbeitet, straff organisiert und moderiert. So wie es sich gehört und ich werde sehen, ob sie dieses Tempo halten.

Begonnen wurde die Teamsitzung mit einem Aboriginal Acknowledgement:
Ngaala kaaditj
Noongar moort keyen
Kaadak nidja boodja
(We acknowledge Noongar people as the original custodians of this land)
Alle Teamer haben das gemeinsam gelesen und gesprochen. Den Sinn verstehe ich (Aboriginal werden als die Wächter und Besitzer des Landes anerkannt), aber den Hintergrund habe ich noch nicht erschlossen. Auf jeden Fall finde ich das auf den offiziellen Präsentationen von Anglicare immer wieder. Es scheint so etwas wie eine Grundhaltung zu sein und zum Leitbild zu gehören.

Saturday, February 10

Festivalstimmung

In Perth wurde gestern das 55. Festival von den Aboriginis (Noongar) und den Veranstaltern eröffnet. Die Aboriginis haben das Feuer zum Rauch gebracht und in englisch sowie ihrer eigenen Sprache das Festival zu einem Fest des Miteinanders erklärt. Immerhin gehört Perth und die Gegend drum herum eigentlich den Noongars bzw. gehörte. Die Zuschauer waren begeistert und klatschten. Der Chor sang das Lied der Noongars und wurde anschließend ebenfalls mit viel Beifall beglückt.

Zwischendurch denke ich, dass das doch alles nicht wirklich ehrlich ist. Denn wenn man mit dem Ottonormalverbraucher über Aboriginis spricht, wird geflüstert und gewarnt vor diesen Menschen. Hier ist davon kein Hauch zu spüren. Eine schöne Zeremonie zu Beginn des ältesten Festivals der südlichen Hemisphäre.

Das australische Jugenorchester untermalt die filmische Neuinszenierung von Peter und Wolf. Eine wunderbare Animation in herrlicher Abendstimmung. Die Geschichte von Peter und der Wolf passt irgendwie gut zum Thema: Aboriginis und Weiße. Die Botschaft, vergeben zu können und einen gemeinsamen neuen Weg des Zusammenseins sowie des Umgangs miteinander zu finden, kommt rüber. Keine Ahnung, ob das Absicht des Veranstalters war.

Ich erinnere mich noch an die Führung in der Art Gallery Perth und daran, dass die Noongars versucht haben, dieses Land (ihr Land) wieder in ihre Verwaltung zu bekommen. Viele andere Stämme und Regionen haben dies geschafft. Doch hier wurde anders entschieden.

Und nun standen die Ältesten des Stammes hier. Was sie wohl wirklich dachten? Sie sprachen als die Ancestors (Vorfahren, Stammväter) zu uns. Was für ein Gefühl muss das sein, so vielen Weißen in die Augen zu sehen und das Leid nach der Besatzung in der Erinnerung zu haben? Wie fühlen sie sich als Ancestors ernst genommen, wenn sie doch nur eine repräsentative Rolle spielen. Und von den Weißen sind sie sowieso nicht die Vorfahren, sie sind die Vorfahren ihres eigenen Stammes und des Landes Australiens. Sie sprechen eine komplett andere Sprache, sehen anders aus und leben weiter in der Minderheit. Ob sie wohl auch mit Stolz erfüllt sind?

Als die Veranstaltung zu Ende war, sind wir am Ausgang an zwei von den Noongars vorbei gekommen. Sie winkten mir zu und lächelten. Ich war so perplex, wäre das doch eine gute Gelegenheit gewesen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Schade.

Bildquelle
http://perthfestival.com.au/index.cfm?go=events.view&category=outdoor&event=overture

Thursday, February 8

Be proud of

Dies ist der 131. Blogeintrag. Und es ist ein guter Tag inne zu halten. Der Weg bis hier war nicht immer einfach. Manchmal war der Weg mit Emotionen zugepflastert, die einen solchen Nebel gemacht haben, so dass wir z.T. nicht mehr durch sehen konnten. Und sicher wird uns das immer wieder so gehen. Heute aber sind wir stolz. Stolz auf das, was wir gemacht haben. Froh, dass wir hier sind.

Während ich noch in den Kinderschuhen stecke, was meinen beruflichen Neustart betrifft, ist Thomas um viele Schritte weiter. Noch ein Tag und sein Superprojekt in der Firma ist geschafft. Am Montag verlässt das Material den australischen Flughafen und steuert auf Europa zu. Thomas wird ca. 10 Tage später hinterher fliegen und Rede und Antwort stehen.

Wir blicken zurück auf die letzten Monate bei seiner neuen Firma und wie sehnsüchtig er dieses Projekt haben wollte. Dann war es soweit und er war mit all seinen Kräften gefordert. So oft ist er nach Hause gekommen, kurz vor dem Verzweifeln, weil dieses und jenes mal wieder nicht funktionierte. Was gestern ging, war ein Tag später nicht mehr aktuell. Zwei Schritte vor, einen zurück. Sicher haben ihn viele in der Firma beneidet und auch gedacht, dass das alles nicht funktionieren kann.

Heute gab es die abschließende Feuerprobe und alles hat geklappt. Der Chef ist begeistert, ist es doch sein spezielles und wahrscheinlich wichtigstes Projekt. Es ist gemeistert und Thomas gelingt es ganz leise, seinen Erfolg zu benennen. Ich übernehme das in meiner Euphorie. Ich freue mich so sehr für ihn. Niemals wäre das in Berlin möglich gewesen, dort wäre er ein Rad im Getriebe geblieben. Hier hat er eine neue Chance bekommen und sie genutzt.

Ich bin echt stolz und will das hier festhalten, weil es Erfolg und Bestätigung zugleich ist. Für all das, was wir dafür aufgegeben haben.

Saturday, February 3

Neue Horizonte










Eine Freundin sagte neulich: "Das Geld liegt hier auf der Straße. Man weiß nur nicht wie man es aufheben soll."

Recht hat sie und deshalb beginnen wir über "das WIE" nachzudenken. Unser Picnic am Strand gestern setzte einige Ideen frei.










Ist es nicht ein unglaublich guter Ort die Gedanken schweifen zu lassen?

Tuesday, January 30

Yes

Die letzten Tage hier in Perth waren eine klimatische Herausforderung für uns. Wir hatten teilweise über 40 Grad und einen Wind, der mit voller Power und höchster Hitzestufe aus der Steckdose kam. Unglaublich wie uns dieses Wetter gelähmt hat. Weder draußen noch drinnen war es auszuhalten. Alles was wir tun konnten war, uns unter die Aircondition zu legen oder den Wellen im Meer die Stirn zu bieten, um wenigstens etwas Abkühlung zu erheischen. Sowie die Aircondition ausgeschaltet oder wir aus dem Wasser wieder raus waren, schlug uns die Hitze ins Gesicht. Nachts schlafen ging ebenfalls nur mit kühler Luft aus der Steckdose. Davon habe ich mittlerweile einen steifen Hals.

Gestern habe ich mit einem Psychologen aus Queensland telefoniert, der mir hinsichtlich meiner Berufsanerkennung einen ordentlichen Schrecken eingejagt hat. Ich will das hier nicht im Detail schildern, aber ich war in der Folge dieses Gespräches am Boden und meine Energieakkus unter Null. Dank Thomas konnte ich mich zügeln und meinen Puls runter fahren.

Aber
Ich habe einen Job. Jippi.

Friday, January 26

Australia Day










Für die Australier ist dies ein Nationalfeiertag, der am 26. Januar begangen wird. 1788 setzten die ersten Einwanderer Australien ihren ersten Fuß auf dieses Stück Erde (first fleet). Wie wir alle wissen waren die ersten Siedler Sträflinge aus England, die mit dem Schiff von Kapitän Arthur Phillip gekommen sind. Dennoch ist dieser Tag so etwas wie die Geburtsstunde des fünften Kontinents.

1818 wurde dieser Tag dann offiziell zum Nationalfeiertag erklärt. 1988 feierte Australien seine 200jährige Geschichte. Offiziell wird dieser Feiertag als Tag erklärt, an dem alle Bevölkerungsanteile Australiens incl. ihrer Kulturen, die die Geschichte und die Einheit (gemeinsam) feiern (sollen). Für die Aboriginis ist dies wohl der schwärzeste Tag, für einige ist es ein Trauertag, für andere ein Tag der Invasion und wieder andere der „Tag des Überlebens“.











Wir haben diesen Tag gemeinsam mit ein paar Freunden bei ca. 40 Grad im Kings Park verbracht. Der Wind war heiß (so als ob man sich einen Fön ins Gesicht hält und die höchste Hitzestufe anhat), die Leute gut drauf und das Feuerwerk einmalig. Eine halbe Stunde durften wir dieses Spektakel aus sicherer Entfernung genießen.

Tuesday, January 23

Und es ist Sommer

Bei herrlichem Sonnenschein, einem eben solchen Blick auf das Meer habe ich bereits meine Joggingrunde heute morgen absolviert.

Der leichte Wind bläst den Salzgeruch durch die Gegend und beflügelt mich beinahe die ganze Küste abzulaufen. Die vielen Sonnenanbeter in Person (nicht das Insekt) haben ihre Handtücher bereits ausgebreitet, schnorcheln, surfen, schwimmen oder lesen.

Die umliegenden Parkplätze sind voll (10.30), alle Neuankömmlinge müssen sich gedulden, um einen Platz zu erheischen. Das Warten ist kurzweilig, denn es ist so viel zu sehen und zu beobachten. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Leute am Strand sind und ihre Arbeit heute Arbeit sein lassen. Das ist sicher nicht so, denn es sind viele Urlauber hier und ich glaube, es sind auch noch Ferien.

Ich kann nur allen empfehlen, denen der Winter in Deutschland nicht willkommen ist, hierher zu reisen und diesen wunderschönen Flecken Erde zu bewundern und zu genießen.

Manchmal fragen wir uns, ob wir das eigentlich noch wahrnehmen oder ob es schon zu einer Gewohnheit geworden ist. Abends mal eben mit einem Bier an den Strand fahren und den Sonnenuntergang genießen, oder in ca. 15 Minuten am Surfspot zu sein oder der Küste am Abend noch einen sportlichen Abgang bieten - all das gehört zu unserem Alltag.

Wenn wir mit dem Auto an den Strand fahren gibt es eine bestimmte Stelle, an der man auf einmal den ganzen Blick auf das Meer hat. Es verschlägt uns immer noch den Atem, auch wenn wir wissen, dass da gleich das Meer ist. Ab und an fragen wir uns immer noch gegenseitig: Wo bist Du?

Im Nachgang und im Jetzt betrachtet bereuen wir unseren Schritt hier zu sein nicht. Jetzt fühlt es sich relativ leicht an. Leben kann man überall. Wie - das hängt von jedem selbst ab. Auch wenn ich gefühlstechnisch immer noch Achterbahn fahre, entdecke ich zunehmend meine verstaubten Energien wieder. In solchen Momenten könnte ich die ganze Welt umgraben und hätte immer noch Energie.

Monday, January 22

Die Sieben Zwerge

Es war einmal …

… und wer denkt, Australien liegt hinter dem Mond, der irrt.

Zu später Stund erscheinen die sieben Zwerge auf dem Bildschirm, sprechen deutsch und „verlieben“ sich in Schneewittchen. Wir sehen zu und schlafen dabei ein. Schließlich wissen wir ja, wie das mit dem Schneewittchen ausgeht und der deutsche Zauber verliert unsere Aufmerksamkeit. So geschehen im Sender SBS letzte Woche.

… Besuch zu Beginn der Woche auf seiner Rückreise aus dem Norden und Durchreise nach Sydney. Ein gemeinsames Sightseeing in Perth und anschließend bei Wein und Essen die ersten Eindrücke ausgewertet. Wir werden ein wenig neidisch, da unsere Gäste schon bei den Delfinen im Norden waren und diese aus unmittelbarer Nähe sehen durften. Die Bilder verschärfen mein Interesse, demnächst auch mal dort hin zu fahren. Ich bin beeindruckt wie groß die Delfine sind und glaube, dass ich es vorziehe, diese aus sicherer Nähe zu betrachten. Die Augen der Delfine schauen direkt in die Kamera und vermitteln ein unheimliches Gefühl. Schaut der mich an?

… die Schule ist vorbei. Das Lernen hat mich gefordert und Spaß gemacht. Eine Menge zurück gewonnener Energie beflügelte mich, einige Bewerbungen abzuschicken, denen ich nun hinterher telefonieren muss. Es scheint üblich, schon im Anschreiben darauf hinzuweisen, dass man sich am … telefonisch meldet und nachfragt, wie der Stand der Dinge ist.

… In nicht mal acht Wochen bin ich schon in Deutschland und werde dort vier Wochen „Urlaub“ machen. Die Vorfreude steigt und die Spannung ebenfalls. Die Träume sind immer mehr gefüllt von Personen, die in Deutschland leben. Mein Unterbewusstsein arbeitet auf Hochtouren und bereitet mich auf die vielen Wiederbegegnungen vor.

… Die Nachrichten vom Sturm in Europa und Deutschland haben uns erreicht und sogar die Western Australia widmet eine Seite diesem Jahrhundertsturm.

… Die zunehmende Wasserknappheit in WA verlockt zu absurden Ideen. So ist geplant, dass ein 3000 km langer Kanal vom Norden in den Süden gebaut werden soll, damit wir hier in Zukunft nicht vertrocknen. Alles befindet sich noch im Status der Diskussion. Andere Alternativen hinsichtlich eines bewussteren Umgangs mit dem Wasser außer den bestehenden Wasserrestriktionen bleiben undiskutiert.

… Am kommenden Freitag wird der Australia Day begangen (Nationalfeiertag). Schon seit einer Woche werden wir darauf vorbereitet, dass wir diesen Event auch nicht verpassen.

… Thomas arbeitet fleißig und verbessert sein Surfkönnen weiter. Ich sehe zu und bin beeindruckt. Mittlerweile kommt das Surfbrett nicht mehr vom Dach des Autos, damit wir jederzeit ans Wasser können und Thomas seine Fertigkeiten ausbauen kann.

… Das Brotbacken habe ich aufgegeben. Der Mutterkuchen (Sauerteig) scheint den Geist weg geschickt zu haben und damit auch meinen Erfolg als Bäckerin.

… Der Sommerschlussverkauf lässt uns an die Zeiten in Deutschland erinnern, zu denen es dort so etwas auch noch gab.

… Gerade erfahre ich, dass der Freund meiner Bekannten (Arzt in Melbourne) nun auch Macht über Stempel hat, die bestätigen, dass unsere kopierten Dokumente echt sind. Wenn wir unsere Berufsanerkennung in der Tasche haben würde es mich nicht wundern, wenn auch wir (Psychologen) dies tun dürfen. In Deutschland würden wohl alle wichtigen Instanzen die Hände über den Kopf zusammen schlagen und ihre Macht über die Stempel davon schwimmen sehen.

… Weitere Erlebnisse und Erkenntnisse lassen mich den Kopf schütteln. Ein Land voller Kontraste und Absurditäten.

Friday, January 12

Gagadju

Wie leben Eingeborene in Australien? Auch das ist an diesem Unterricht gut, nicht nur Sprache lernen, sondern auch kulturelle Einblicke gewinnen, die von den populären Darstellungen abschweifen.

So haben wir heute also ein Video über die Aboriginis, die Gagadju, in der Kakadu Area (Nähe Darwin) gelernt, dass sie nicht nur vier, sondern sechs Jahreszeiten haben. Wenn man als Tourist in den Kakadu Park reisen will, benötigt man eine außerordentliche Genehmigung. Diese Area gehört den Eingeborenen, die immer noch in der Lage sind, nicht nach dem Kalender ihre Jahreszeiten einzuteilen, wie wir es kennen, sondern ihre Umwelt "lesen".

Die sechs Jahreszeiten sind: The wet, Bungerang, Yeggay, Woodgang, Goorung, Goonomalong

The wet: Regen, Regen, Regen (Januar bis März). Die Gagadju leben während dieser Zeit in den Bergen, da im Tal alles überschwemmt ist. Und wenn man als unwissender Tourist zu dieser Zeit diese Gegend bereist, ist man nicht gut beraten. Alles steht unter Wasser.

Bungerang: Wenn der Regen abnimmt, die Stürme und die Luftfeuchtigkeit zunehmen und ein Wind kommt, der ab und an als Thunderstorm mit Regen erscheint, dann ist das ein Zeichen, dass eine neue Jahreszeit beginnt. Der grüne Grashüpfer ist ebenfalls einer der Symbole, die den Wechsel signalisieren. Die Cicaden beginnen ihre Geräusche zu machen. Derjenige, der das schon mal gehört hat, hat in etwa eine Vorstellung. Ich kann das leider nicht beschreiben, wie das klingt. Es fehlen mir die Worte. Vielleicht wie viele Grillen im Graben, nur tausende mehr.

Yeggay: Die Billabongs werden wieder belebt und sind mit Wasser gefüllt. Billibong ist nicht nur eine Sportfirma, sondern ein Begriff aus der Aboriginiwelt und bedeutet "Wasserloch". Das neue Leben erwacht. Die Gagadju kommen aus den Bergen ins Tal und blühen auf, wie all die vielen Pflanzen um sie herum. Diese Jahreszeit steht für Wiedergeburt der Natur. Die Kinder genießen das Plantschen im Wasser, es ist ein Ort, der einem Spielplatz gleicht.

Woodgang: Die Billabongs beginnen zu schrumpfen. Für die Vögel wird es immer einfacher, die Fische zu fangen. Es wird wärmer. Damit es keine großen Buschfeuer gibt, werden absichtlich Feuer gelegt, die in der Abenddämmerung von alleine erlischen. Nur wenn es gebrannt hat, kann die Blüte einer besonderen Pflanze (The Gras tree) erblühen. In Aboriginal Sprache heisst dieser Baum: Balga (siehe Bild).

Goorung: Diese Jahreszeit ist die heisseste. Die Natur bereitet ihre Arme zum Pflücken aus und kommt einem Supermarkt gleich. Die Früchte der Pflanzen können gegessen werden. Eine besondere Vogelart tanzt den eleganten Tanz, die Bienen sorgen für ausreichend Nektar. Die Aboriginis sammeln den Nektar, in ihrer Sprache: collect suggabag. Den Honig holen sie aus den Bäumen, indem sie dem Baum zuhören und das Summen darin entdecken. Mit eigenen Händen "ernten" sie den Nektar ohne Schutz. Warum? Weil die echte australische Biene nicht sticht. Vorsicht, niemand von uns weiß, ob es eine einheimische oder eingewanderte Biene ist, die da um uns herum schwirrt.
Das Wasser ist nicht mehr da. Nur noch das Wasser in den Bäumen, das nur die Eingeborenen finden und entdecken, spendet 2 Liter (pro Baum). Damit kann man überleben.

Goononamlong: Es ist die Zeit, zurück in die Berge zu gehen. Diese Jahreszeit signalisiert den Wechsel zwischen der trockenen und der nassen Jahreszeit. Kein Wind, absolut hohe Luftfeuchtigkeit. Die Aboriginis können im Tal nun nichts mehr tun und nutzen ihren Aufenthalt in den Bergen zum sprechen, kochen, lernen und so weiter. Also auch keine Reisezeit für uns dorthin.

Die Aboriginis können in der Regel nicht schreiben, sie sprechen ausschließlich und das in ihrer Sprache. Für warme Sachen gehen sie allerdings nicht mehr Kängruhs jagen. Die Zeiten sind vorbei. Dennoch gibt es Stämme, die über Generationen hinweg ihr Wissen per Wort verbreiten.


Auf der Schulbank

Es ist unglaublich, ich habe meine erste Woche Englischkurs absolviert und bin außerordentlich müde, von diesem vielen Lernen und Hausaufgaben machen. Auf einmal waren die Tage wieder sehr lang für mich. Morgens um 5.30 aufstehen, um 8.15 mit dem Unterricht beginnen und Nachmittags die Hausaufgaben erledigen (bis 23.00). Ich entdecke meine Energien wieder und bin froh lernen zu dürfen sowie einen festen Tagesablauf zu haben.

Nachdem wir am Montag ausreichend und umfangreich getestet wurden, um dem entsprechenden Lernlevel zugeordnet zu werden, landete ich dann in einer Klasse mit 12 Studenten. Die Gruppe besteht aus Japanern, Koreanern, einem Kolumbianer, einer Schweizerin und einer Deutschen :-). Nachdem ich Montag vormittag noch dachte, was ich da eigentlich soll und meine Fluchtgedanken für einen Moment Überhand gewannen, bin ich froh geblieben zu sein.

Der Unterricht ist sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Wir müssen viel sprechen, lesen, hören und schreiben. Gestern habe ich meinen ersten Artikel zum Thema: Cinema - a dying species? geschrieben. Nebenbei lernen wir auch, wie solche Artikel sturkturiert sein müssen und binden unsere praktischen Erfahrungen, Einstellungen etc. mit ein. Das war ziemlich umfangreich. Einen ersten "Test" habe ich auch schon hinter mir, ging um das Leseverständnis einer Story von Roald Dahl. Das Ergebnis, dass ich heute bekommen habe, zeigt mir, dass ich meine Schwächen woanders habe. Lesen, Verstehen und auch Sprechen gehören zu meinen Stärken, aber meine Grammatik ist ausbaufähig. Nächste Woche muss jeder 10-20 Minuten eine Präsentation machen, die anderen in etwas unterrichten. Ich habe noch keine Idee, welches Thema ich wählen , aber mir ist klar, dass ich das ganze Wochenende daran sitzen werde. Unsere "Lehrerin" gab mir heute zu verstehen, dass ich nicht in dieser Schule sitzen muss. Sie meint, mein Englisch ist gut genug und kann nur im Rahmen von diversen Tätigkeiten (z.B. ehrenamtlich arbeiten in meinem speziellen Bereich) verbessert werden. Sie schreibt mir eine Referenz für meine Bewerbungen. Also werde ich doch nur zwei Wochen die Schulbank drücken. Drei Bewerbungen habe ich gestern bereits abgeschickt und denke nicht wirklich daran, auch nur eine Antwort zu erhalten.

Ganz zufällig und ein bißchen abschweifend von unserem Thema in den letzten Stunden heute sind wir auf kulturelle Unterschiede gekommen. Eine Japanerin erzählte, dass sie Kochen lernen muss. Auf die Frage, warum sie das lernen muss, antwortete sie, um einen Freund haben zu können. Etwas verwirrt waren die Blicke derer, denen dies absolut fremd erscheint. Der Lehrer sagte dann auch, dass sie das Kochen nur für sich lernen muss und nicht für andere. Sie nickte zögerlich (schließlich hat sie viele Monate eine Kochschule in Japan besucht) und konnte den Bedeutungsunterschied nicht wirklich verstehen. Also wurde die Diskussion darüber vertieft. Sie machte noch einmal deutlich, dass wenn man als Frau kochen kann, man dann einen Freund oder Mann bekommt. Ansonsten hat man schlechte Karten. Da wir ein paar Nationen in unserer Klasse vertreten haben tauschten wir uns sodann darüber aus, wie es bei den anderen ist. Verry interessant! Nur der Kolumbinaer, die Schweizerin und ich beschrieben die Gleichwertigkeiten von Mann und Frau in unseren Herkunftsgesellschaften.

P.S. Die Schweizerin flüsterte mir zu, dass man als Frau gut im Bett sein muss, alles andere ist egal.

Saturday, January 6

Über die Einsamkeit

Es gelingt mir tatsächlich, den ganzen Tag zu Hause (hier in Perth) zu verbingen, ohne einmal vor die Tür gegangen zu sein. Wie warm ist es draußen?

Abends schlägt das schlechte Gewissen zu, den Tag "vergeudet" zu haben, nicht laufen gegangen zu sein, nicht wirklich etwas zu Stande gebracht zu haben. Morgen wird alles anders!

Der Tag beginnt in der Regel um 7.00, ein kurzes Frühstück und dann an den Rechner. Emails checken (wer hat geschrieben, hat überhaupt einer geschrieben?). Anschließend so dahin. Und dann weiter so dahin. Danach immer noch so dahin. Später warten. Bis das Garagentor geht und dass das so dahin abgelenkt wird. Endlich nicht mehr allein.

Das es möglich ist, in einem fremden Land und einer anderen Kultur zu leben, ohne auch nur ein Wort die Sprache des jeweiligen Landes zu sprechen ist so einfach. Glücklich macht es nicht. Das kann ich schon mal sagen. Und im beschriebenen Extrem betreibe ich dies auch nicht. Es gibt aber durchaus Tage ...

Wann hört es endlich auf zu dauern? Eine Postkarte, die bei mir an der Wand hängt und die ich nicht wirklich jeden Tag lesen will. Ich muss dann überlegen, was das "es" bedeutet. Das Leben, das temporäre Warten, das Alleinsein, Alles? Oder, wann kann ich mehr erzählen, wie Einsamkeit sich anfühlt, ohne dass der Zuhörer aus allen Wolken fällt und sich Sorgen macht. Von den Sorgen habe ich nichts. Sie rücken meine eigenen Gedanken nicht beiseite und öffnen Horizonte.

Neue Menschen kennen lernen, neue Kontakte halten, Fragen beantworten, das soziale neue Umfeld erforschen, sich selbst noch mehr spüren, ohne etwas damit anfangen zu können, nicht mehr täglich zum Bäcker gehen und Schwarzbrot kaufen, nicht mehr mal eben auf ein Bier verabreden, keine gemeinsamen Schnittpunkte mehr haben, um sich etwas erzählen zu können oder auszutauschen, auf Emails und Anrufe warten, auf Besuch warten, der gleich vorbei kommt, weil man Geburtstag hat, sich neu definieren, sich neu beruflich integrieren und lernen, wie und womit gearbeitet wird - all das Fehlen und noch viel viel mehr füttert die Einsamkeit stetig und macht mich mürbe, wenn ich nicht aufpasse.

Sich mit Menschen treffen, die ich niemals treffen würde, wenn ich dazu nicht gezwungen wäre, Dinge unternehmen, zu denen ich in Deutschland schon keine Lust hatte, darüber nachzudenken, meine Bilder auf Augenhöhe zu bekommen, weil ich sie nicht an die Wand nageln kann. Auch das gehört dazu.

Und dennoch sagen können, dass ich den Schritt und die bewusste Herbeiführung dieses Umbruchs noch nicht bereue. Das ist mein Lichtblick. Mal sehen, was ich in einem halben Jahr sagen werde.

Nach Hause (nach D.) zu kommen und wieder gehen zu müssen. Ich habe keine Vorstellung davon, ob mich dann ein ähnlich intensiver Abschied erwarten wird. Werde ich mich auf meine Rückkehr nach Perth freuen? Wann werde ich wieder kommen können, um meine Liebsten zu sehen?

Und wann werde ich wissen, wo mein Zuhause ist?

Friday, January 5

Real Life

Morgen ist es soweit. Wir freuen uns darauf, einen Freund aus der Heimat am Flughafen in Perth in Empfang zu nehmen. Noch nie habe ich mich so auf einen Besuch gefreut und hoffe, dass ich noch viele Male ein derart ähnliches Gefühl hier erleben darf.

Viele Freunde beschäftigen sich mit dem Gedanken, uns hier an einem der einsamsten Orte der Welt zu besuchen. Doch leider spielen die Arbeitsumstände in Deutschland und andere Gründe gegen konkrete Planungen so weit um die Welt zu reisen. Ich akzeptiere das und bin dennoch traurig darüber, dass die Arbeit einen so großen Einfluss auf private Vorhaben hat. Was muss passieren, damit sich das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit in ein Gleichgewicht bringt?

Das tägliche Lesen der Zeitung hier und die vielen Gespräche mit Menschen, die hier beruflich integriert sind, geben so einiges Interessantes über die Arbeitswelt in Western Australia preis. Das Durchschnittsgehalt eines Australien beträgt brutto ca. 36.000 Dollar !!! Rechnet das bitte selber in Euro in (durch 1,67) und dann überlegt mal, ob Ihr mit diesem Gehalt auskommen würdet. Das der Lohn hier wöchentlich ausgezahlt wird (ist die Regel) hat einen besonderen Grund. Wäre das nicht so, würden die meisten ihr Geld (bei monatlicher Auszahlung) bereits zu Beginn des Monats aufgebraucht haben. Die hohe Verschuldung treibt die Geschäftemacher an. Beispielsweise wird damit geworben, dass man sich jetzt eine Couch kaufen kann, sie aber erst 2010! bezahlen muss. Wer kann denn so kalkulieren, zumal die Couch dann nichts mehr wert ist und wahrscheinlich schon eine neue her muss. Der Bauernfang funktioniert. Die Leute "kaufen". Sie leben eben im Hier und Jetzt.

Der Arbeitsmarkt boomt weiter. Die Fachkräfte fehlen und werden weiterhin aus dem Ausland eingeschifft, damit der Markt bedient werden kann. Immer wieder frage ich mich, warum so ein Hype um meine berufliche Anerkennung gemacht wird, wenn deutlich wird, wie wenig oder wie schlecht die Leute hier ausgebildet sind. Auch ein Friseur (nichts gegen Friseure) hat ein Diplom als Abschluss. Das kann schon mal verwirren.

Junge Leute, ca. 25 Jahre, stellen sich in Firmen vor, ohne einen Abschluss, aber dafür schon in teilweise 10 unterschiedlichen Firmen gearbeitet zu haben. Zum Teil wissen sie nicht, was sie wirklich verdienen. In Lohnverhandlungen sprechen sie von Stundenlöhnen. Was das umgerechnet auf einen Monat bedeutet, bleibt dem Arbeitgeber überlassen. Um so mehr wundert es mich, dass sich die Kriminalität in Grenzen hält, wenn einige ihr Geld am Abend des Lohntages in den Pubs versaufen und am Folgetank einen Sickday (Krankentag) nehmen. Wenn Sie dann mal wirklich krank sind, haben sie diese Sickdays nicht mehr und erscheinen eben krank auf Arbeit. Dort sitzen sie ihre Zeit ab, leisten nicht wirklich was.

Gute Fachkräfte bekommen oder sie für eine längere Zeit als sechs Monate an eine Firma zu binden, ist echt schwer. Viele nutzen Westaustralien sicher als Sprungbrett, um ins Land zu kommen und dann in die Easternstates zu ziehen (z.B. Melbourne, Sydney). Es gibt eine reale Kluft zwischen den Territorien West- und Ostaustralien. Ein Vergleich zum ehemaligen Osten und Westen in Deutschland kann in etwa dieser Situation standhalten (nur umgekehrt: hier ist der Osten up to date und der Westen hinterher). Wenn man gefragt wird, ob es einem gefällt, dann darf man nur mit "Yes, very well" antworten. Kritische Gedanken sind nicht willkommen. Man wird schon mal schräg angesehen, wenn man erzählt, dass beispielsweise Berlin fehlt (aufgrund der kulturellen Möglichkeiten und Anzahl der Events).

Das man Kompromisse eingehen muss, wenn man in ein anderes Land zieht ist absolut klar. Doch auch das hat seine Grenzen. Eine komplette Verbiegung des eigenen Selbst führt nicht zu Echtheit. Auch hier müssen alle lernen, dass Kritik nicht immer etwas Schlechtes ist und das eine Seite mehre Perspektiven hat.

Es gibt also eine Menge zu tun.