Saturday, March 10

Thomas is back

and I'm happy.

Short talk:
T: Riechst Du diese Luft?
R: Ja.
T: Achte darauf, wenn Du in Deutschland bist.
R: Warum?
T: Weil es dort anders ist.
R: Ich habe es ja nicht so mit dem Riechen.
T: Schließ mal die Augen.
R: (Ich schließe die Augen)
T: Riechst Du es jetzt?
R: Ja ich rieche das Meer.

Es ist Samstag, Cottesloe am Beach (ca. 7:00 pm). Am Meer ist eine Ausstellung von Künstlern, die Skulpturen zum Thema: "In und am Meer" aufgestellt haben. Auf unserer Rücktour von Fremantle sind wir dort spazieren gegangen und haben es genossen, wieder zusammen zu sein. Die große Billardkugel schwimmt auf dem Meer und vertreibt sich ihre Einsamkeit, in dem sie Blicke auf sich zieht. Die Submarine steht am Beach und lässt uns hinein sehen. Wie es wohl wäre mit ihr abzutauchen. Ein überdimensional großer Fischer (aus Holz) zieht das Boot aus dem Meer. Eine Schwangere im Bronzekleid sitzt am Meer und genießt den Ausblick. Diverse andere Gegenstände schießen gen Himmel und lassen uns assoziieren, was sie wohl mit dem Thema zu tun haben.

In Fremantle wollten wir Thomas' neue Sonnenbrille abholen (Marke IC Berlin). Doch leider sah sie so dermaßen sch... aus, dass Thomas sich dazu entschied, diese nicht zu kaufen. Der Optiker unterdrückte seine Verärgerung, sagte aber, dass wir das Geld wieder bekommen. Thomas' Bemühen um eine Verhandlung bezüglich eines anderen Rahmens etc. stieß auf Widerstand. Der Optiker gab uns klar zu verstehen, dass er keine Geschäfte mehr mit uns macht. Konsequent und ungewöhnlich. Auf einmal bewegte mich die Frage, wer hier eigentlich der Kunde ist und war froh, dass Thomas nicht das restliche Geld bezahlt hat und nun mit Frust durch die Gegend läuft. Ist ja zum Glück nicht der einzige Optiker.

Entspannt haben wir uns danach mit einem Bier im little creatures (Brauerei) und dann bei Lifemusik in einem Pub bei Cocktail und Bier. Der erste Caipi hier, ohne Pitu. Hat trotzdem geschmeckt.

Es ist Samstag, wir haben den Nachmittag in Fremantle und den Abend in Cottlesloe am Beach verbracht. Der Sand unter den Füßen ist kalt, um so näher wir uns zum Wasser bewegen. Das Meer rauscht im Hintergrund, viele Menschen philosophieren über die Absichten der Künstler, die Kinder integrieren sich in die Kunstwerke und mißachten Schilder wie "don't touch". So manch Erwachsener übrigens auch.

Mein Antrag auf Registrierung als Psychologin ist im Briefkasten abgetaucht. Mein Schreibtisch um einen Papierstapel lichter.

Die Nächte werden wieder ruhiger, ich kann besser schlafen. Thomas kämpft noch ein wenig mit dem Jetlag und bereitet sich gedanklich auf seine Arbeit hier vor. So geht alles in einem Fluss weiter. Manchmal wird dieser Fluss wieder kurz vorm Austrocknen sein und manchmal wird der Regen wieder für Bewegung sorgen. Der Wind wird uns mal vorwärts, mal seitwärts und auch mal rückwärts treiben lassen. Unser kleines Boot wird all diese Herausforderungen meistern, solange wir am Steuer bleiben.

Thursday, March 8

Wenn die Sonne untergeht

























und 42 Grad den Tag lähmen, ist der Sapziergang am Abend eine wunderbare Form der Entspannung. So viele Menschen sind noch am Strand und wollen diesen unglaublichen Blick auf den Horizont des Indischen Ozeans nicht verpassen. Wenn man nur eine Minute weg sieht kann es sein, dass die Sonne bereits untergegangen ist. Mittlerweile taucht sie ca. 7.48 ins Meer.

Ich bin voller Freude, Thomas endlich wieder hier zu haben und werde in dieser trauten Zweisamkeit zum ersten Mal seit 2,5 Wochen schlafen wie ein Murmeltier.

Meine Unterlagen für die Registrierung habe ich nun fertig. Der Justice of Peace hat 45 Minuten gebraucht, um alle meine Papiere sorgsam abzustempeln. Alles umsonst, also kostenfrei! Ich musste schwören, dass ich die Person bin, die den Antrag unterschrieben hat und die restlichen 40 Minuten haben wir ein wenig Smal talk gehalten. Nun warte ich noch auf ein wichtiges Papier aus Deutschland, das Thomas mit bringt und am Samstag kommt alles zur Post. Wieder was geschafft. Dann heisst es warten.

Sunday, March 4

Einbrecher

Meine Augen haben dunkle Ringe, denn ich habe die letzte Nacht wach im Bett verbracht, auf jedes Geräusch lauschend. Mein Puls drohte aus meinem Hals zu springen.

Um 23.30 klopft es an meiner Tür. Da war ich sowieso noch auf. Tatsächlich traue ich mich an die Tür. Vor mir steht eine junge Nachbarin, die vollkommen aufgelöst war, weil bei ihr eingebrochen wurde. Sie hatte schon einen Freund angrufen, der sie abholen sollte und die Polizei in meinem Beisein kontaktet.

Ich brauche wohl nicht beschreiben, was mir durch den Kopf ging, als sie wieder weg war. Zumal die Polizei von einer gehäuften Einbruchserie in dieser Gegend sprach.

Bis gestern habe ich es so gut geschafft, die Nächte alleine zu verbringen. Was hatte ich für eine Angst davor, und war dann so erleichtert, dass ich gut schlafen konnte. Das war mit einem Schlag vorbei, als ich von dem EInbruch im Haus neben mir hörte.

Nun habe ich schon gecheckt, ob ich ins Hotel gehen kann. Doch das ist ausgebucht. Viele Freunde, die eine Bleibe haben, sind das Wochenende unterwegs. Es ist ja langes Wochenende wegen dem Feiertag.

Heute mittag habe ich von einem befreundeten Paar (das zum Glück zuhause geblieben ist) das Angebot bekommen, dort zu schlafen. Das werde ich wohl annehmen.

Auf einmal fühle ich mich so unsicher hier. Ich sehne Thomas Rückkehr herbei. Ich weiß nicht, wie das werden soll, wenn er nun regelmäßig overseas ist. Mein ganzer Rhythmus ist im Eimer.

Nebenan ist der Glaser und stellt wieder eine äußere Orndung her. In der Ferne ist wieder eine Alarmanlage zu hören. Im Radio hörte ich letzte Nacht von einem Vorfall, dass ein Mann mit einer Axt an einem Bankautomaten überfallen wurde. Auf einmal ist die komplette Wahrnehmung auf solche Dinge gerichtet.

Ich bin müde.

Saturday, March 3

Zukunft in den Sternen

Ich komme von einem netten Abend zurück; es ist hier nun Mitternacht und Thomas rief aus Spanien an. Alles ist bisher erfolgreich; alle sind zufrieden. Der Auftrag wird kommen. Da der Auftraggeber in Österreich sitzt benötigt er vor Ort Support. Thomas ist gefragt worden, ob er ein halbes Jahr vor Ort sein könnte. Spannende Frage, die beinahe dafür sorgt, den Erfolg bis hierhin zu überschatten. Schon steht die nächste Herausforderung an. Ich kommentiere das nicht, sondern warte erst mal ab. Gleiches habe ich Thomas geraten; er soll seinen Erfolg genießen. Ich verdränge, was das bedeuten könnte.

Wieder ist eine Woche rum. Meinen Job an der Uni habe ich noch nicht begonnen; die Mühlen mahlen hier genauso langsam wie bei uns. Eigentlich gut für mich, habe ich doch noch einiges für den Berliner Kurs zu tun, der dank ausreichender Teilnehmerzahl statt finden wird.

Morgen, Samstag, werde ich wieder bei Anglicare arbeiten und Abends hoffentlich ein wenig den Blick auf das Meer genießen können. Das ist in dieser Woche zu kurz gekommen. Ich bin außer heute Abend und letzten Montag nur zum Einkaufen von etwas Essbaren vor der Tür gewesen. Den Rest habe ich am Rechner verbracht. Meine Nächte sind kurz und das Aufwachen morgens dehnt sich weiter in den Tag hinaus.

In zwei Wochen habe ich bereits meine Koffer gepackt und bin um diese Zeit einen Tag später schon in der Luft. Auf dem Weg in die Heimat. Mich ergreift ein Gefühl von Freude und Mulmmigkeit zugleich. Wie es wohl sein wird, als Besucher zurück zu kehren. Berlin aus einer anderen Perspektive erleben, zuhause sein und wahrscheinlich genau das brauchen, was in Australien im Regal steht.

Leute treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Ich hoffe sehr, dass wir mehr als nur den Austausch über Geschehenes, kommunikativ bewältigen können. Wie schnell mir wohl die Puste ausgeht, alles immer wieder zu erzählen? Ich hoffe sehr, dass meine Blogeinträge den Großteil meiner "Informationspflicht" übernommen haben und wir andere Gesprächsthemen finden werden. Ich hasse Oberflächlichkeit und habe Sorge, dass für mehr nicht die Zeit ist.

Gerade dieser Satz bzw. die Verwendung dieser wenigen Worte ...nicht die Zeit... stimmt mich unzufrieden. So oft höre ich, habe keine Zeit usw. Ich habe an anderer Stelle dazu bereits geschrieben, was ich davon halte. Um so mehr muss und will ich mich in die Pflicht nehmen, über diesen Schwachpunkt hinaus zu kommen.

Was mich außerdem beschäftigt, ist die Frage, wann es und ob es wieder zurück geht in die Heimat. Wenn ich die Politik und den sich entwickelnden Arbeitsmarkt verfolge, denke ich, dass es eher schwieriger wird, nach Deutschland zurück zu kehren. Es wird wohl nur gehen, wenn einer von uns beiden ein Jobangebot hat. Wie alt dürfen wir sein, noch einmal zu beginnen? Wann ist der Zug abgefahren, ohne uns? Erwischen wir noch einmal den richtigen Augenblick?

Natürlich entscheiden wir in zwei Jahren unsere nächsten Schritte, vor allem wie es dann weiter gehen soll. Wenn ich daran denke, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage in Deutschland noch schlechter geworden ist, wird mir schlecht. Wie schwer wird diese Entscheidung sein und welche Konsequenzen wird sie haben? Ich weiß, dass einige von Euch nun einen Schreck bekommen und denken, die kommen nie wieder. Ich möchte es, kann dennoch nicht sagen, wie es am Ende aussehen wird. Wovon ich ausgehe, dass diese Frage noch schwerer zu beantworten sein wird, als die Frage 2006, nach Australien zu gehen.

Wenn ich mir meine Lebensbiografie ansehen, dann habe ich so oft neu angefangen und so viel Neues gelernt. Wird sich das bis an mein Lebensende weiter ziehen? Wenn ja, dann weiß ich, dass es noch mal einen Umzug geben wird.

Wohin? Das steht noch in den Sternen.

Monday, February 26

Ernie

Ernie ist ein Gecco, der sich in einem Schrank im Arbeitszimmer verirrt hat. Thomas hatte ihn noch am Abend vor seiner Abreise entdeckt. Als er ihn fangen wollte, war Ernie schon weg. Ich suche seitdem immer fleißig die Zimmer ab und schaue täglich unter meinem Bett nach. Mittlerweile begrüße ich Ernie morgens und frage, ob alles in Ordnung ist. Möglicherweise liegt er vertrocknet irgendwo zwischen den Klamotten. Vielleicht ist er aber auch schon wieder an der frischen Luft.

Thomas hat gestern (Sonntag) endlich wieder Ski fahren können und rief begeistert aus den Bergen an. Samstag war er in Salzburg und erlitt einen Kulturschock. Die vielen historischen Gebäude, Menschen und das Flair haben ihn sehr beeindruckt. Berlin war in seinen Gedanken sofort präsent. Gefühlstechnisch erlebt er diese Reise als zwischen den Stühlen und war bisher noch nicht in der Lage, die Emotionen und resultierenden Gedanken genauer zu formulieren.

Ich habe die erste Nacht alleine in Australien verbracht und bin heute morgen (9.15) noch mächtig müde. Nachdem sich die Wärme gestern so richtig ausgebreitet hat und kein Luftzug für Erfrischung sorgte, musste ich mit dem Geräusch der Klimaanlage einschlafen. Heute habe ich Nackenstarre. Ein Thunderstorm hängt im Himmel und lässt ein paar Regentropfen auf die Erde fallen. Das Ganze geschieht so behutsam und lässt die Hoffnung sterben, dass diese Frische zu einer wirklichen Erleichterung führt.

Sunday, February 25

Zilli, Billi und Willi

Für alle die, die diese Story von den drei Schweinen und dem Wolf kennen.

Nachdem ich nun endlich meinen Feierabend genießen kann, lasse ich meine Eindrücke von meiner Arbeit heute Revue passieren. Zunächst hatten wir ein Fotoshooting, bei dem Szenen nachgestellt wurden und ein Freund von Thomas und mir als "Papa" fungiert hat. Anschließend hatte ich drei Stunden Visit zu oberservieren, zu dem ich keine Vorinformationen hatte. Nicht nur, dass die drei Stunden echt lang waren, sondern auch noch, dass ich einen Daddy mit seinen drei Kids zu beobachten hatte. Neben Klimaanlage, Radio und Nintendo habe ich mich mächtig anstrengen müssen, alles zu verstehen. Letztendlich habe ich es nicht mal geschafft, meinen Report zu schreiben. Das kann ich jetzt zuhause tun.

Während des Visits haben die Kids so viele unterschiedliche Spiele gespielt, so dass mein englisches Repertoire diesbezüglich erweitert wurde. Unter anderem haben die Kids mit Feldtafeln Zilli, Billi und Willi gespielt. Ich dachte ich sehe nicht richtig. Die Geschichte ist eine meiner Lieblingsgeschichten in meiner Kindheit gewesen. Die Neuauflage des Buches habe ich vor einigen Jahren von meiner Familie geschenkt bekommen. Da waren so viele Assoziationen da. Unglaublich. Innerlich musste ich ganz schön schmunzeln, denn die Geschichte hatten die Kids gut drauf. Sie ist hier nicht anders erzählt, als ich sie kenne.

Nun sitze ich zuhause, habe noch schnell ein paar Leckereien zu essen gekauft und gönne mir ganz klassisch mein Feierabendbier.

Thomas ist seit Donnerstag in Österreich und hat glücklerweise nicht zu viel zu tun. Das Material funktioniert genauso gut wie in Australien. Am Dienstag fährt er dann nach Spanien und wird dort die Testvorführung begleiten. Ich drücke ihm die Daumen, dass dort auch alles gut voran geht und am Ende ein neuer Auftrag für seine Firma raus springt. Leider konnte er nicht mal eben einen Abstecher in die Heimat machen; dafür ist er derzeit zu weit weg vom Schuss. Naja, er kommt ja Ende März.

Ich hatte Besuch, den ich heute morgen wieder am Flughafen abgesetzt habe. Wir hatten eine nette Zeit hier und waren viel unterwegs. Jetzt bin ich von dem ganzen Trubel der letzten Tage ganz schön geschafft und könnte eigentlich sofort ins Bett gehen.

Die Arbeit auf meinem Schreibtisch beginnt sich zu türmen. Wenn ich es auch liebe und das so lange herbei gewünscht habe, entscheide ich mich heute für einen ruhigen Ausklang der Woche. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mein Postfach bei google ist leer. Alle haben zu tun und ich nichts zu lesen. Ach ja, doch, ich gönne mir den Spaß ab und an mal bei spiegel online zu lesen und habe den neuesten "Ausrutscher" von dem Herrn in Bayern gelesen und gehört. Du meine Güte, immer wieder einen Lacher wert und zugleich sträuben sich mir alle Nackenhaare. Gibt es eigentlich noch gute Vorbilder in Germany?

Bildquelle: http://www.artshaw.com/artshaw%20seiten/deutsch/kinderbuecher/selbstgeschrieben/zilli.htm

Sunday, February 18

Zwischen den Toren - Between the gates

Es ist 21.18 Uhr und der Sonntag neigt sich dem Ende. Die Zeit vergeht wie immer – schnell. Gerade habe ich noch den Staubsauger geschwungen und für den morgigen Tag alles aufgeräumt. Es gibt eine Menge zu tun.

Gestern und heute habe ich mein Einführungstraining bei Anglicare absolviert und schon die ersten Konzeptideen für die Uni entwickelt. Das Wochenende bewegte sich zwischen aufstehen- arbeiten- denken -feiern – denken und schlafen – denken- aufstehen – denken - arbeiten- denken - putzen und wieder denken - schlafen.

Auf einmal ist meine komplette Energie wieder da, die heute Mittag noch ihren Weg vom Magen über den Mund ihren Ausweg suchen wollte. Dank Atemtechnik und Reiki konnte ich das Ganze noch bremsen. Der Alkoholkonsum in den letzten Tagen sowie die vielen guten Neuigkeiten der letzten Woche katapultierten mich aus dem Keller ins All. Kein Wunder, dass bei so einer Geschwindigkeit Übelkeit aufkommt. Keine Zeit, dass ich mich daran gewöhnen kann; der Schalter ist abrupt umgelegt.

Zwischendurch schlage ich mich mit diversen Papieren rum (Steuernummer und Antrag wegen meiner Registrierung) sowie mit den Vorbereitungen für Thomas’ Geschäftsreise.

Ansonsten bin ich die Samstag und Sonntag rum gerannt. Zwischen den Toren, Tor vorne, Tor hinten, Schloss vorne, Schloss hinten, Klingel vorne, Klingel hinten. Wer ist da? „Yes please wait I’m coming.“ Dazu diverse Codenummern für die Schlösser merken, den Ablauf dieser Besuche merken, die Namen verstehen, aufpassen, dass Mama und Papa sich nicht begegnen und dass das Kind nicht ohne elterliche Aufsicht ist, wenn der andere Elternteil noch nicht da ist. Geld kassieren, denn die Besuche müssen auch bezahlt werden, Berichte schreiben, die jeder verstehen möchte und dennoch aufpassen, dass man nicht vor Langeweile einpennt. Ich weiß, passt gar nicht zusammen, war aber so. Die Besuche an sich waren relativ unspektakulär. Heute habe ich zwei Stunden einem Papi mit seinem Baby zu gesehen. Aufgepasst, was er macht, wie er es macht, wann er die Windel wechselt, ob er sich auch die Hände wäscht, ob das Kind zu jeder Zeit in Sicherheit ist und nebenbei Notizen machen. Wenn die Kleine heute schon nach einer Stunde geschlafen hätte (Besuch ging 2 Stunden) und der Papi dann auch, hätte ich gar nicht gewusst, wo ich hinsehen sollte. Mein Gähnen versuchte ich zu unterdrücken, meine Gedanken jedoch waren ganz woanders.

Den Arbeitszeitnachweis ausfüllen, zuhören, was die anderen so erzählen, mich über diverse Strukturen wundern und dann am Ende schnell aufräumen und weg. Und genau dann beginnen die meisten Teamer ihre Erlebnisse der leitenden Kraft vor Ort zu erzählen. Sicher alles spannend, aber doch nicht, wenn die Zeit rum ist. Ich will nach Hause und denke, dass das nicht wahr sein kann. Was ist so schwer, zwischendurch die leere Zeit zu nutzen?

Egal, nun bin ich also einsetzbar und warte auf die nächsten Termine. So ab und an mal ein paar Stündchen arbeiten bessert die Kasse auf und schult mein Know how.

Morgen stelle ich mein erstes Konzept fertig und schicke es an die Uni. Das Ganze wird dann am Donnerstag diskutiert. Die noch offenen Unbekannten müssen noch beschrieben und konkretisiert werden. Mein Kopf platzt, meine Ideen sprühen und ich bin traurig bald alleine zu sein.

Friday, February 16

Fairy tale

Wer von Euch hat mir so viel positive Energie geschickt? Vielleicht hat meine Schwester eine Bestellung im All aufgegeben.

Und nun bin ich kurz vor dem Herzinfarkt. Nicht nur, weil ich bei Anglicare den Job habe. Nicht nur, weil ich vom australischen Berufsverband die volle Anerkennung meines Studiums bekommen habe.

Sondern ...
Und das ist on top ...

Habe ich heute das mega Traumjobangebot an der Curtin University erhalten. Wenn ich mich jetzt nicht zu dä... anstelle, dann ich habe ich einen Sechser im Lotto plus Zusatzahl.

Ich könnte schreien vor Freude und muss mich bremsen. Noch habe ich nichts unterschrieben. Dennoch bin ich voller Euphorie und will das hier raus lassen.

Der Sekt liegt im Kühlschrank und will getrunken werden, nachdem ich meine überschüssige Energie beim Laufen raus geschwitzt habe.

Wednesday, February 14

Mach den Sekt auf

Es gibt was zu feiern!

Meine liebe Kollegin, die zeitgleich mit mir den Continent gewechselt hat und nach Melbourne gezogen ist, hat gestern vom australischen Berufsverband bestätigt bekommen, dass ihr Studium hier voll anerkannt ist. Sie hatte nach mir beantragt und vor mir nun das erste Ergebnis schwarz auf weiß bekommen. Ich hatte noch keine Post und war beunruhigt.

Heute um 13.36 Uhr habe ich mich an den Briefkasten gewagt und konnte den Brief vom APS raus nehmen. Das ich aufgeregt war, muss ich keinem erzählen, der das ganze Prozedere mit bekommen hat.

Das Ergebnis lautet: "On the basis of the evidence submitted in your application, your Diplom Psychologin from Technische Universitaet Berlin in Germany is judged to be equivalent to a six year accredited sequence of study in psychology completed in Australia. Thus you would be eligible to become a full Member of the Australian Psychological Society...." Auf deutsch: Mein Abschluss wird voll anerkannt.

Jetzt kann ich meine Registrierung beantragen und die volle Mitgliedschaft im australischen Berufsverband. Bei der Registrierung gibt es noch einige Kniffligkeiten, die aber sicher der grundsätzlichen Registrierung als Psychologist nicht mehr im Wege stehen. On Top geht es um den Titel, den man hier in Western Australia beantragen muss. Ich werde berichten.

Ich bin erleichtert und habe gerade das Gefühl, das einiges voran geht. Ein erster Job ist auch gefunden, bei dem ich letzten Montag mein erstes Teamtreffen hatte. In 1,5 Stunden wurde dort eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung abgearbeitet, straff organisiert und moderiert. So wie es sich gehört und ich werde sehen, ob sie dieses Tempo halten.

Begonnen wurde die Teamsitzung mit einem Aboriginal Acknowledgement:
Ngaala kaaditj
Noongar moort keyen
Kaadak nidja boodja
(We acknowledge Noongar people as the original custodians of this land)
Alle Teamer haben das gemeinsam gelesen und gesprochen. Den Sinn verstehe ich (Aboriginal werden als die Wächter und Besitzer des Landes anerkannt), aber den Hintergrund habe ich noch nicht erschlossen. Auf jeden Fall finde ich das auf den offiziellen Präsentationen von Anglicare immer wieder. Es scheint so etwas wie eine Grundhaltung zu sein und zum Leitbild zu gehören.

Saturday, February 10

Festivalstimmung

In Perth wurde gestern das 55. Festival von den Aboriginis (Noongar) und den Veranstaltern eröffnet. Die Aboriginis haben das Feuer zum Rauch gebracht und in englisch sowie ihrer eigenen Sprache das Festival zu einem Fest des Miteinanders erklärt. Immerhin gehört Perth und die Gegend drum herum eigentlich den Noongars bzw. gehörte. Die Zuschauer waren begeistert und klatschten. Der Chor sang das Lied der Noongars und wurde anschließend ebenfalls mit viel Beifall beglückt.

Zwischendurch denke ich, dass das doch alles nicht wirklich ehrlich ist. Denn wenn man mit dem Ottonormalverbraucher über Aboriginis spricht, wird geflüstert und gewarnt vor diesen Menschen. Hier ist davon kein Hauch zu spüren. Eine schöne Zeremonie zu Beginn des ältesten Festivals der südlichen Hemisphäre.

Das australische Jugenorchester untermalt die filmische Neuinszenierung von Peter und Wolf. Eine wunderbare Animation in herrlicher Abendstimmung. Die Geschichte von Peter und der Wolf passt irgendwie gut zum Thema: Aboriginis und Weiße. Die Botschaft, vergeben zu können und einen gemeinsamen neuen Weg des Zusammenseins sowie des Umgangs miteinander zu finden, kommt rüber. Keine Ahnung, ob das Absicht des Veranstalters war.

Ich erinnere mich noch an die Führung in der Art Gallery Perth und daran, dass die Noongars versucht haben, dieses Land (ihr Land) wieder in ihre Verwaltung zu bekommen. Viele andere Stämme und Regionen haben dies geschafft. Doch hier wurde anders entschieden.

Und nun standen die Ältesten des Stammes hier. Was sie wohl wirklich dachten? Sie sprachen als die Ancestors (Vorfahren, Stammväter) zu uns. Was für ein Gefühl muss das sein, so vielen Weißen in die Augen zu sehen und das Leid nach der Besatzung in der Erinnerung zu haben? Wie fühlen sie sich als Ancestors ernst genommen, wenn sie doch nur eine repräsentative Rolle spielen. Und von den Weißen sind sie sowieso nicht die Vorfahren, sie sind die Vorfahren ihres eigenen Stammes und des Landes Australiens. Sie sprechen eine komplett andere Sprache, sehen anders aus und leben weiter in der Minderheit. Ob sie wohl auch mit Stolz erfüllt sind?

Als die Veranstaltung zu Ende war, sind wir am Ausgang an zwei von den Noongars vorbei gekommen. Sie winkten mir zu und lächelten. Ich war so perplex, wäre das doch eine gute Gelegenheit gewesen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Schade.

Bildquelle
http://perthfestival.com.au/index.cfm?go=events.view&category=outdoor&event=overture

Thursday, February 8

Be proud of

Dies ist der 131. Blogeintrag. Und es ist ein guter Tag inne zu halten. Der Weg bis hier war nicht immer einfach. Manchmal war der Weg mit Emotionen zugepflastert, die einen solchen Nebel gemacht haben, so dass wir z.T. nicht mehr durch sehen konnten. Und sicher wird uns das immer wieder so gehen. Heute aber sind wir stolz. Stolz auf das, was wir gemacht haben. Froh, dass wir hier sind.

Während ich noch in den Kinderschuhen stecke, was meinen beruflichen Neustart betrifft, ist Thomas um viele Schritte weiter. Noch ein Tag und sein Superprojekt in der Firma ist geschafft. Am Montag verlässt das Material den australischen Flughafen und steuert auf Europa zu. Thomas wird ca. 10 Tage später hinterher fliegen und Rede und Antwort stehen.

Wir blicken zurück auf die letzten Monate bei seiner neuen Firma und wie sehnsüchtig er dieses Projekt haben wollte. Dann war es soweit und er war mit all seinen Kräften gefordert. So oft ist er nach Hause gekommen, kurz vor dem Verzweifeln, weil dieses und jenes mal wieder nicht funktionierte. Was gestern ging, war ein Tag später nicht mehr aktuell. Zwei Schritte vor, einen zurück. Sicher haben ihn viele in der Firma beneidet und auch gedacht, dass das alles nicht funktionieren kann.

Heute gab es die abschließende Feuerprobe und alles hat geklappt. Der Chef ist begeistert, ist es doch sein spezielles und wahrscheinlich wichtigstes Projekt. Es ist gemeistert und Thomas gelingt es ganz leise, seinen Erfolg zu benennen. Ich übernehme das in meiner Euphorie. Ich freue mich so sehr für ihn. Niemals wäre das in Berlin möglich gewesen, dort wäre er ein Rad im Getriebe geblieben. Hier hat er eine neue Chance bekommen und sie genutzt.

Ich bin echt stolz und will das hier festhalten, weil es Erfolg und Bestätigung zugleich ist. Für all das, was wir dafür aufgegeben haben.

Saturday, February 3

Neue Horizonte










Eine Freundin sagte neulich: "Das Geld liegt hier auf der Straße. Man weiß nur nicht wie man es aufheben soll."

Recht hat sie und deshalb beginnen wir über "das WIE" nachzudenken. Unser Picnic am Strand gestern setzte einige Ideen frei.










Ist es nicht ein unglaublich guter Ort die Gedanken schweifen zu lassen?

Tuesday, January 30

Yes

Die letzten Tage hier in Perth waren eine klimatische Herausforderung für uns. Wir hatten teilweise über 40 Grad und einen Wind, der mit voller Power und höchster Hitzestufe aus der Steckdose kam. Unglaublich wie uns dieses Wetter gelähmt hat. Weder draußen noch drinnen war es auszuhalten. Alles was wir tun konnten war, uns unter die Aircondition zu legen oder den Wellen im Meer die Stirn zu bieten, um wenigstens etwas Abkühlung zu erheischen. Sowie die Aircondition ausgeschaltet oder wir aus dem Wasser wieder raus waren, schlug uns die Hitze ins Gesicht. Nachts schlafen ging ebenfalls nur mit kühler Luft aus der Steckdose. Davon habe ich mittlerweile einen steifen Hals.

Gestern habe ich mit einem Psychologen aus Queensland telefoniert, der mir hinsichtlich meiner Berufsanerkennung einen ordentlichen Schrecken eingejagt hat. Ich will das hier nicht im Detail schildern, aber ich war in der Folge dieses Gespräches am Boden und meine Energieakkus unter Null. Dank Thomas konnte ich mich zügeln und meinen Puls runter fahren.

Aber
Ich habe einen Job. Jippi.

Friday, January 26

Australia Day










Für die Australier ist dies ein Nationalfeiertag, der am 26. Januar begangen wird. 1788 setzten die ersten Einwanderer Australien ihren ersten Fuß auf dieses Stück Erde (first fleet). Wie wir alle wissen waren die ersten Siedler Sträflinge aus England, die mit dem Schiff von Kapitän Arthur Phillip gekommen sind. Dennoch ist dieser Tag so etwas wie die Geburtsstunde des fünften Kontinents.

1818 wurde dieser Tag dann offiziell zum Nationalfeiertag erklärt. 1988 feierte Australien seine 200jährige Geschichte. Offiziell wird dieser Feiertag als Tag erklärt, an dem alle Bevölkerungsanteile Australiens incl. ihrer Kulturen, die die Geschichte und die Einheit (gemeinsam) feiern (sollen). Für die Aboriginis ist dies wohl der schwärzeste Tag, für einige ist es ein Trauertag, für andere ein Tag der Invasion und wieder andere der „Tag des Überlebens“.











Wir haben diesen Tag gemeinsam mit ein paar Freunden bei ca. 40 Grad im Kings Park verbracht. Der Wind war heiß (so als ob man sich einen Fön ins Gesicht hält und die höchste Hitzestufe anhat), die Leute gut drauf und das Feuerwerk einmalig. Eine halbe Stunde durften wir dieses Spektakel aus sicherer Entfernung genießen.

Tuesday, January 23

Und es ist Sommer

Bei herrlichem Sonnenschein, einem eben solchen Blick auf das Meer habe ich bereits meine Joggingrunde heute morgen absolviert.

Der leichte Wind bläst den Salzgeruch durch die Gegend und beflügelt mich beinahe die ganze Küste abzulaufen. Die vielen Sonnenanbeter in Person (nicht das Insekt) haben ihre Handtücher bereits ausgebreitet, schnorcheln, surfen, schwimmen oder lesen.

Die umliegenden Parkplätze sind voll (10.30), alle Neuankömmlinge müssen sich gedulden, um einen Platz zu erheischen. Das Warten ist kurzweilig, denn es ist so viel zu sehen und zu beobachten. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Leute am Strand sind und ihre Arbeit heute Arbeit sein lassen. Das ist sicher nicht so, denn es sind viele Urlauber hier und ich glaube, es sind auch noch Ferien.

Ich kann nur allen empfehlen, denen der Winter in Deutschland nicht willkommen ist, hierher zu reisen und diesen wunderschönen Flecken Erde zu bewundern und zu genießen.

Manchmal fragen wir uns, ob wir das eigentlich noch wahrnehmen oder ob es schon zu einer Gewohnheit geworden ist. Abends mal eben mit einem Bier an den Strand fahren und den Sonnenuntergang genießen, oder in ca. 15 Minuten am Surfspot zu sein oder der Küste am Abend noch einen sportlichen Abgang bieten - all das gehört zu unserem Alltag.

Wenn wir mit dem Auto an den Strand fahren gibt es eine bestimmte Stelle, an der man auf einmal den ganzen Blick auf das Meer hat. Es verschlägt uns immer noch den Atem, auch wenn wir wissen, dass da gleich das Meer ist. Ab und an fragen wir uns immer noch gegenseitig: Wo bist Du?

Im Nachgang und im Jetzt betrachtet bereuen wir unseren Schritt hier zu sein nicht. Jetzt fühlt es sich relativ leicht an. Leben kann man überall. Wie - das hängt von jedem selbst ab. Auch wenn ich gefühlstechnisch immer noch Achterbahn fahre, entdecke ich zunehmend meine verstaubten Energien wieder. In solchen Momenten könnte ich die ganze Welt umgraben und hätte immer noch Energie.

Monday, January 22

Die Sieben Zwerge

Es war einmal …

… und wer denkt, Australien liegt hinter dem Mond, der irrt.

Zu später Stund erscheinen die sieben Zwerge auf dem Bildschirm, sprechen deutsch und „verlieben“ sich in Schneewittchen. Wir sehen zu und schlafen dabei ein. Schließlich wissen wir ja, wie das mit dem Schneewittchen ausgeht und der deutsche Zauber verliert unsere Aufmerksamkeit. So geschehen im Sender SBS letzte Woche.

… Besuch zu Beginn der Woche auf seiner Rückreise aus dem Norden und Durchreise nach Sydney. Ein gemeinsames Sightseeing in Perth und anschließend bei Wein und Essen die ersten Eindrücke ausgewertet. Wir werden ein wenig neidisch, da unsere Gäste schon bei den Delfinen im Norden waren und diese aus unmittelbarer Nähe sehen durften. Die Bilder verschärfen mein Interesse, demnächst auch mal dort hin zu fahren. Ich bin beeindruckt wie groß die Delfine sind und glaube, dass ich es vorziehe, diese aus sicherer Nähe zu betrachten. Die Augen der Delfine schauen direkt in die Kamera und vermitteln ein unheimliches Gefühl. Schaut der mich an?

… die Schule ist vorbei. Das Lernen hat mich gefordert und Spaß gemacht. Eine Menge zurück gewonnener Energie beflügelte mich, einige Bewerbungen abzuschicken, denen ich nun hinterher telefonieren muss. Es scheint üblich, schon im Anschreiben darauf hinzuweisen, dass man sich am … telefonisch meldet und nachfragt, wie der Stand der Dinge ist.

… In nicht mal acht Wochen bin ich schon in Deutschland und werde dort vier Wochen „Urlaub“ machen. Die Vorfreude steigt und die Spannung ebenfalls. Die Träume sind immer mehr gefüllt von Personen, die in Deutschland leben. Mein Unterbewusstsein arbeitet auf Hochtouren und bereitet mich auf die vielen Wiederbegegnungen vor.

… Die Nachrichten vom Sturm in Europa und Deutschland haben uns erreicht und sogar die Western Australia widmet eine Seite diesem Jahrhundertsturm.

… Die zunehmende Wasserknappheit in WA verlockt zu absurden Ideen. So ist geplant, dass ein 3000 km langer Kanal vom Norden in den Süden gebaut werden soll, damit wir hier in Zukunft nicht vertrocknen. Alles befindet sich noch im Status der Diskussion. Andere Alternativen hinsichtlich eines bewussteren Umgangs mit dem Wasser außer den bestehenden Wasserrestriktionen bleiben undiskutiert.

… Am kommenden Freitag wird der Australia Day begangen (Nationalfeiertag). Schon seit einer Woche werden wir darauf vorbereitet, dass wir diesen Event auch nicht verpassen.

… Thomas arbeitet fleißig und verbessert sein Surfkönnen weiter. Ich sehe zu und bin beeindruckt. Mittlerweile kommt das Surfbrett nicht mehr vom Dach des Autos, damit wir jederzeit ans Wasser können und Thomas seine Fertigkeiten ausbauen kann.

… Das Brotbacken habe ich aufgegeben. Der Mutterkuchen (Sauerteig) scheint den Geist weg geschickt zu haben und damit auch meinen Erfolg als Bäckerin.

… Der Sommerschlussverkauf lässt uns an die Zeiten in Deutschland erinnern, zu denen es dort so etwas auch noch gab.

… Gerade erfahre ich, dass der Freund meiner Bekannten (Arzt in Melbourne) nun auch Macht über Stempel hat, die bestätigen, dass unsere kopierten Dokumente echt sind. Wenn wir unsere Berufsanerkennung in der Tasche haben würde es mich nicht wundern, wenn auch wir (Psychologen) dies tun dürfen. In Deutschland würden wohl alle wichtigen Instanzen die Hände über den Kopf zusammen schlagen und ihre Macht über die Stempel davon schwimmen sehen.

… Weitere Erlebnisse und Erkenntnisse lassen mich den Kopf schütteln. Ein Land voller Kontraste und Absurditäten.

Friday, January 12

Gagadju

Wie leben Eingeborene in Australien? Auch das ist an diesem Unterricht gut, nicht nur Sprache lernen, sondern auch kulturelle Einblicke gewinnen, die von den populären Darstellungen abschweifen.

So haben wir heute also ein Video über die Aboriginis, die Gagadju, in der Kakadu Area (Nähe Darwin) gelernt, dass sie nicht nur vier, sondern sechs Jahreszeiten haben. Wenn man als Tourist in den Kakadu Park reisen will, benötigt man eine außerordentliche Genehmigung. Diese Area gehört den Eingeborenen, die immer noch in der Lage sind, nicht nach dem Kalender ihre Jahreszeiten einzuteilen, wie wir es kennen, sondern ihre Umwelt "lesen".

Die sechs Jahreszeiten sind: The wet, Bungerang, Yeggay, Woodgang, Goorung, Goonomalong

The wet: Regen, Regen, Regen (Januar bis März). Die Gagadju leben während dieser Zeit in den Bergen, da im Tal alles überschwemmt ist. Und wenn man als unwissender Tourist zu dieser Zeit diese Gegend bereist, ist man nicht gut beraten. Alles steht unter Wasser.

Bungerang: Wenn der Regen abnimmt, die Stürme und die Luftfeuchtigkeit zunehmen und ein Wind kommt, der ab und an als Thunderstorm mit Regen erscheint, dann ist das ein Zeichen, dass eine neue Jahreszeit beginnt. Der grüne Grashüpfer ist ebenfalls einer der Symbole, die den Wechsel signalisieren. Die Cicaden beginnen ihre Geräusche zu machen. Derjenige, der das schon mal gehört hat, hat in etwa eine Vorstellung. Ich kann das leider nicht beschreiben, wie das klingt. Es fehlen mir die Worte. Vielleicht wie viele Grillen im Graben, nur tausende mehr.

Yeggay: Die Billabongs werden wieder belebt und sind mit Wasser gefüllt. Billibong ist nicht nur eine Sportfirma, sondern ein Begriff aus der Aboriginiwelt und bedeutet "Wasserloch". Das neue Leben erwacht. Die Gagadju kommen aus den Bergen ins Tal und blühen auf, wie all die vielen Pflanzen um sie herum. Diese Jahreszeit steht für Wiedergeburt der Natur. Die Kinder genießen das Plantschen im Wasser, es ist ein Ort, der einem Spielplatz gleicht.

Woodgang: Die Billabongs beginnen zu schrumpfen. Für die Vögel wird es immer einfacher, die Fische zu fangen. Es wird wärmer. Damit es keine großen Buschfeuer gibt, werden absichtlich Feuer gelegt, die in der Abenddämmerung von alleine erlischen. Nur wenn es gebrannt hat, kann die Blüte einer besonderen Pflanze (The Gras tree) erblühen. In Aboriginal Sprache heisst dieser Baum: Balga (siehe Bild).

Goorung: Diese Jahreszeit ist die heisseste. Die Natur bereitet ihre Arme zum Pflücken aus und kommt einem Supermarkt gleich. Die Früchte der Pflanzen können gegessen werden. Eine besondere Vogelart tanzt den eleganten Tanz, die Bienen sorgen für ausreichend Nektar. Die Aboriginis sammeln den Nektar, in ihrer Sprache: collect suggabag. Den Honig holen sie aus den Bäumen, indem sie dem Baum zuhören und das Summen darin entdecken. Mit eigenen Händen "ernten" sie den Nektar ohne Schutz. Warum? Weil die echte australische Biene nicht sticht. Vorsicht, niemand von uns weiß, ob es eine einheimische oder eingewanderte Biene ist, die da um uns herum schwirrt.
Das Wasser ist nicht mehr da. Nur noch das Wasser in den Bäumen, das nur die Eingeborenen finden und entdecken, spendet 2 Liter (pro Baum). Damit kann man überleben.

Goononamlong: Es ist die Zeit, zurück in die Berge zu gehen. Diese Jahreszeit signalisiert den Wechsel zwischen der trockenen und der nassen Jahreszeit. Kein Wind, absolut hohe Luftfeuchtigkeit. Die Aboriginis können im Tal nun nichts mehr tun und nutzen ihren Aufenthalt in den Bergen zum sprechen, kochen, lernen und so weiter. Also auch keine Reisezeit für uns dorthin.

Die Aboriginis können in der Regel nicht schreiben, sie sprechen ausschließlich und das in ihrer Sprache. Für warme Sachen gehen sie allerdings nicht mehr Kängruhs jagen. Die Zeiten sind vorbei. Dennoch gibt es Stämme, die über Generationen hinweg ihr Wissen per Wort verbreiten.


Auf der Schulbank

Es ist unglaublich, ich habe meine erste Woche Englischkurs absolviert und bin außerordentlich müde, von diesem vielen Lernen und Hausaufgaben machen. Auf einmal waren die Tage wieder sehr lang für mich. Morgens um 5.30 aufstehen, um 8.15 mit dem Unterricht beginnen und Nachmittags die Hausaufgaben erledigen (bis 23.00). Ich entdecke meine Energien wieder und bin froh lernen zu dürfen sowie einen festen Tagesablauf zu haben.

Nachdem wir am Montag ausreichend und umfangreich getestet wurden, um dem entsprechenden Lernlevel zugeordnet zu werden, landete ich dann in einer Klasse mit 12 Studenten. Die Gruppe besteht aus Japanern, Koreanern, einem Kolumbianer, einer Schweizerin und einer Deutschen :-). Nachdem ich Montag vormittag noch dachte, was ich da eigentlich soll und meine Fluchtgedanken für einen Moment Überhand gewannen, bin ich froh geblieben zu sein.

Der Unterricht ist sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Wir müssen viel sprechen, lesen, hören und schreiben. Gestern habe ich meinen ersten Artikel zum Thema: Cinema - a dying species? geschrieben. Nebenbei lernen wir auch, wie solche Artikel sturkturiert sein müssen und binden unsere praktischen Erfahrungen, Einstellungen etc. mit ein. Das war ziemlich umfangreich. Einen ersten "Test" habe ich auch schon hinter mir, ging um das Leseverständnis einer Story von Roald Dahl. Das Ergebnis, dass ich heute bekommen habe, zeigt mir, dass ich meine Schwächen woanders habe. Lesen, Verstehen und auch Sprechen gehören zu meinen Stärken, aber meine Grammatik ist ausbaufähig. Nächste Woche muss jeder 10-20 Minuten eine Präsentation machen, die anderen in etwas unterrichten. Ich habe noch keine Idee, welches Thema ich wählen , aber mir ist klar, dass ich das ganze Wochenende daran sitzen werde. Unsere "Lehrerin" gab mir heute zu verstehen, dass ich nicht in dieser Schule sitzen muss. Sie meint, mein Englisch ist gut genug und kann nur im Rahmen von diversen Tätigkeiten (z.B. ehrenamtlich arbeiten in meinem speziellen Bereich) verbessert werden. Sie schreibt mir eine Referenz für meine Bewerbungen. Also werde ich doch nur zwei Wochen die Schulbank drücken. Drei Bewerbungen habe ich gestern bereits abgeschickt und denke nicht wirklich daran, auch nur eine Antwort zu erhalten.

Ganz zufällig und ein bißchen abschweifend von unserem Thema in den letzten Stunden heute sind wir auf kulturelle Unterschiede gekommen. Eine Japanerin erzählte, dass sie Kochen lernen muss. Auf die Frage, warum sie das lernen muss, antwortete sie, um einen Freund haben zu können. Etwas verwirrt waren die Blicke derer, denen dies absolut fremd erscheint. Der Lehrer sagte dann auch, dass sie das Kochen nur für sich lernen muss und nicht für andere. Sie nickte zögerlich (schließlich hat sie viele Monate eine Kochschule in Japan besucht) und konnte den Bedeutungsunterschied nicht wirklich verstehen. Also wurde die Diskussion darüber vertieft. Sie machte noch einmal deutlich, dass wenn man als Frau kochen kann, man dann einen Freund oder Mann bekommt. Ansonsten hat man schlechte Karten. Da wir ein paar Nationen in unserer Klasse vertreten haben tauschten wir uns sodann darüber aus, wie es bei den anderen ist. Verry interessant! Nur der Kolumbinaer, die Schweizerin und ich beschrieben die Gleichwertigkeiten von Mann und Frau in unseren Herkunftsgesellschaften.

P.S. Die Schweizerin flüsterte mir zu, dass man als Frau gut im Bett sein muss, alles andere ist egal.

Saturday, January 6

Über die Einsamkeit

Es gelingt mir tatsächlich, den ganzen Tag zu Hause (hier in Perth) zu verbingen, ohne einmal vor die Tür gegangen zu sein. Wie warm ist es draußen?

Abends schlägt das schlechte Gewissen zu, den Tag "vergeudet" zu haben, nicht laufen gegangen zu sein, nicht wirklich etwas zu Stande gebracht zu haben. Morgen wird alles anders!

Der Tag beginnt in der Regel um 7.00, ein kurzes Frühstück und dann an den Rechner. Emails checken (wer hat geschrieben, hat überhaupt einer geschrieben?). Anschließend so dahin. Und dann weiter so dahin. Danach immer noch so dahin. Später warten. Bis das Garagentor geht und dass das so dahin abgelenkt wird. Endlich nicht mehr allein.

Das es möglich ist, in einem fremden Land und einer anderen Kultur zu leben, ohne auch nur ein Wort die Sprache des jeweiligen Landes zu sprechen ist so einfach. Glücklich macht es nicht. Das kann ich schon mal sagen. Und im beschriebenen Extrem betreibe ich dies auch nicht. Es gibt aber durchaus Tage ...

Wann hört es endlich auf zu dauern? Eine Postkarte, die bei mir an der Wand hängt und die ich nicht wirklich jeden Tag lesen will. Ich muss dann überlegen, was das "es" bedeutet. Das Leben, das temporäre Warten, das Alleinsein, Alles? Oder, wann kann ich mehr erzählen, wie Einsamkeit sich anfühlt, ohne dass der Zuhörer aus allen Wolken fällt und sich Sorgen macht. Von den Sorgen habe ich nichts. Sie rücken meine eigenen Gedanken nicht beiseite und öffnen Horizonte.

Neue Menschen kennen lernen, neue Kontakte halten, Fragen beantworten, das soziale neue Umfeld erforschen, sich selbst noch mehr spüren, ohne etwas damit anfangen zu können, nicht mehr täglich zum Bäcker gehen und Schwarzbrot kaufen, nicht mehr mal eben auf ein Bier verabreden, keine gemeinsamen Schnittpunkte mehr haben, um sich etwas erzählen zu können oder auszutauschen, auf Emails und Anrufe warten, auf Besuch warten, der gleich vorbei kommt, weil man Geburtstag hat, sich neu definieren, sich neu beruflich integrieren und lernen, wie und womit gearbeitet wird - all das Fehlen und noch viel viel mehr füttert die Einsamkeit stetig und macht mich mürbe, wenn ich nicht aufpasse.

Sich mit Menschen treffen, die ich niemals treffen würde, wenn ich dazu nicht gezwungen wäre, Dinge unternehmen, zu denen ich in Deutschland schon keine Lust hatte, darüber nachzudenken, meine Bilder auf Augenhöhe zu bekommen, weil ich sie nicht an die Wand nageln kann. Auch das gehört dazu.

Und dennoch sagen können, dass ich den Schritt und die bewusste Herbeiführung dieses Umbruchs noch nicht bereue. Das ist mein Lichtblick. Mal sehen, was ich in einem halben Jahr sagen werde.

Nach Hause (nach D.) zu kommen und wieder gehen zu müssen. Ich habe keine Vorstellung davon, ob mich dann ein ähnlich intensiver Abschied erwarten wird. Werde ich mich auf meine Rückkehr nach Perth freuen? Wann werde ich wieder kommen können, um meine Liebsten zu sehen?

Und wann werde ich wissen, wo mein Zuhause ist?

Friday, January 5

Real Life

Morgen ist es soweit. Wir freuen uns darauf, einen Freund aus der Heimat am Flughafen in Perth in Empfang zu nehmen. Noch nie habe ich mich so auf einen Besuch gefreut und hoffe, dass ich noch viele Male ein derart ähnliches Gefühl hier erleben darf.

Viele Freunde beschäftigen sich mit dem Gedanken, uns hier an einem der einsamsten Orte der Welt zu besuchen. Doch leider spielen die Arbeitsumstände in Deutschland und andere Gründe gegen konkrete Planungen so weit um die Welt zu reisen. Ich akzeptiere das und bin dennoch traurig darüber, dass die Arbeit einen so großen Einfluss auf private Vorhaben hat. Was muss passieren, damit sich das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit in ein Gleichgewicht bringt?

Das tägliche Lesen der Zeitung hier und die vielen Gespräche mit Menschen, die hier beruflich integriert sind, geben so einiges Interessantes über die Arbeitswelt in Western Australia preis. Das Durchschnittsgehalt eines Australien beträgt brutto ca. 36.000 Dollar !!! Rechnet das bitte selber in Euro in (durch 1,67) und dann überlegt mal, ob Ihr mit diesem Gehalt auskommen würdet. Das der Lohn hier wöchentlich ausgezahlt wird (ist die Regel) hat einen besonderen Grund. Wäre das nicht so, würden die meisten ihr Geld (bei monatlicher Auszahlung) bereits zu Beginn des Monats aufgebraucht haben. Die hohe Verschuldung treibt die Geschäftemacher an. Beispielsweise wird damit geworben, dass man sich jetzt eine Couch kaufen kann, sie aber erst 2010! bezahlen muss. Wer kann denn so kalkulieren, zumal die Couch dann nichts mehr wert ist und wahrscheinlich schon eine neue her muss. Der Bauernfang funktioniert. Die Leute "kaufen". Sie leben eben im Hier und Jetzt.

Der Arbeitsmarkt boomt weiter. Die Fachkräfte fehlen und werden weiterhin aus dem Ausland eingeschifft, damit der Markt bedient werden kann. Immer wieder frage ich mich, warum so ein Hype um meine berufliche Anerkennung gemacht wird, wenn deutlich wird, wie wenig oder wie schlecht die Leute hier ausgebildet sind. Auch ein Friseur (nichts gegen Friseure) hat ein Diplom als Abschluss. Das kann schon mal verwirren.

Junge Leute, ca. 25 Jahre, stellen sich in Firmen vor, ohne einen Abschluss, aber dafür schon in teilweise 10 unterschiedlichen Firmen gearbeitet zu haben. Zum Teil wissen sie nicht, was sie wirklich verdienen. In Lohnverhandlungen sprechen sie von Stundenlöhnen. Was das umgerechnet auf einen Monat bedeutet, bleibt dem Arbeitgeber überlassen. Um so mehr wundert es mich, dass sich die Kriminalität in Grenzen hält, wenn einige ihr Geld am Abend des Lohntages in den Pubs versaufen und am Folgetank einen Sickday (Krankentag) nehmen. Wenn Sie dann mal wirklich krank sind, haben sie diese Sickdays nicht mehr und erscheinen eben krank auf Arbeit. Dort sitzen sie ihre Zeit ab, leisten nicht wirklich was.

Gute Fachkräfte bekommen oder sie für eine längere Zeit als sechs Monate an eine Firma zu binden, ist echt schwer. Viele nutzen Westaustralien sicher als Sprungbrett, um ins Land zu kommen und dann in die Easternstates zu ziehen (z.B. Melbourne, Sydney). Es gibt eine reale Kluft zwischen den Territorien West- und Ostaustralien. Ein Vergleich zum ehemaligen Osten und Westen in Deutschland kann in etwa dieser Situation standhalten (nur umgekehrt: hier ist der Osten up to date und der Westen hinterher). Wenn man gefragt wird, ob es einem gefällt, dann darf man nur mit "Yes, very well" antworten. Kritische Gedanken sind nicht willkommen. Man wird schon mal schräg angesehen, wenn man erzählt, dass beispielsweise Berlin fehlt (aufgrund der kulturellen Möglichkeiten und Anzahl der Events).

Das man Kompromisse eingehen muss, wenn man in ein anderes Land zieht ist absolut klar. Doch auch das hat seine Grenzen. Eine komplette Verbiegung des eigenen Selbst führt nicht zu Echtheit. Auch hier müssen alle lernen, dass Kritik nicht immer etwas Schlechtes ist und das eine Seite mehre Perspektiven hat.

Es gibt also eine Menge zu tun.

Sunday, December 31

Zwischen Wäsche waschen und Heroinjunkee

Es ist der letzte Tag im Jahr. Die Wäscheberge unserer Reise verschwinden Schritt für Schritt in der Waschmaschine und landen auf der Wäscheleine. Es hat den Anschein, als wären wir drei Wochen unterwegs gewesen. Das Auto haben wir ordentlich geschrubbt; die vielen Heuschreckenschwärme auf den Straßen gen Süden und zurück haben ihr Abbild hinterlassen und sind auch tod noch hartnäckig. Da kann man nur mit Bürste arbeiten. Anschließend den schönen Landcruiser wieder zurück gebracht und fertig.

Der Tag rückt voran und endet für uns (so ist unsere Planung) im Kings Park in Perth beim Picnic mit zwei Freunden. Also noch schnell diverse Häppchen zubereiten und schon geht es um 6.00 in den Park. Ich denke noch im Stillen, warum hier alles immer so früh los gehen muss. Thomas sagt, sonst ist es doch schon dunkel. Na und, begegne ich, es ist doch Sylvester.

Im Park genießen wir den Ausblick auf Perth und das lustige Plaudern über dies und das. Mit zunehmender Stunde gen 24.oo Uhr wird es kälter und feuchter. Es ist halb elf; der erste fängt an zu gähnen, die zweite zu frösteln. Ach ja, das halten wir wohl nicht mehr länger aus. So trennen wir uns um diese Zeit und fahren nach Hause. Und das Feuerwerk? Gibt es nicht.

Auf dem Weg nach Hause wollen wir noch eine Flasche Sekt kaufen, was unmöglich ist. An den Tankstellen bekommt man keinen Alkohol und die Bootleshops haben schon zu. Na gut, dann muss das Bier herhalten.

Wieder in unserer Wohnung beschließen wir auf die Hauptstraße zu gehen und hoffen, vielleicht doch ein Feuerwerk zu sehen (am Scarborough Beach). Da wir uns nicht mitten auf die Straße stellen können, gehen wir zur Bushaltestelle und können dort wenigstens das Bier abstellen und warten. Es ist zehn vor zwölf.

Aus der Ferne sehen wir einen torkelnden Menschen mit einer Flasche in der Hand auf uns zu kommen. Er kann kaum noch geradeaus gehen, aber dennoch auf uns zu. Der Count down läuft und wir sind komplett abgelenkt von dieser Person, die sich nun zu uns gesellt hat.

Er hat sich gerade Heroin gespritzt, die Flasche Whisky fast geleert, ein Foto von seinem Sohn um den Hals und sucht sein Auto. Ah ja. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass er von seiner Frau getrennt ist (nachvollziehbar) und von dem Heroin nicht weg kommt (eine Spritze = 1000 Dollar; woher hat der das Geld? Diese Frage beantwortet er uns nicht, klärt uns aber über die Leichtigkeit, Alkohol zu klauen auf und dass das für uns Weiße noch einfacher ist. Warum? Weil niemand auf die Idee kommen würde, dass das Weiße tun.). Ich denke so, dass das Klientel ist, dass beispielsweise Anglicare betreut. Das Leben ist eine einzige Ruine.

Wir verständigen uns; in der Ferne hört man das Krachen der Feuerwerkskörper. Sehen können wir es nur nicht. Und wir verpassen den Jahreswechsel. Schnell mit dem Bier angestoßen und "Happy new year" gesagt. Fertig. Das Jahr ist rum. Wir machen, dass wir weg kommen und lassen den jungen Mann stehen, der gerade von einer Horde Jugendlicher umlagert wird (wahrscheinlich wegen dem Whyski).

Wieder zurück, skypen wir mit der Heimat und machen den Fernsehr an. Vielleicht wird ja das Feuerwerk von Sydney noch einmal gezeigt. Die haben ja schon zwei Stunden vorher den Jahreswechsel hinter sich gebracht.

Achtung, diese Sendung ist für Jugendliche unter 15 nicht geeignet. Es kommen Sex und Crime darin vor. Ah, jetzt kommen die Mitternachtsspitzen. Falsch. Es kamen die Musikvideos, die tagtäglich bei Viva hoch und runter gespielt werden. Kein Feuerwerk von Sydney!

Manchmal ist es ziemlich absurd, die Grenzsetzung auf der einen und diese Zügellosigkeit auf der anderen Seite in einem zu erleben. Was für ein Kontrastprogramm.

PROSIT NEUJAHR!

Saturday, December 30



Reise vom: 23.12.-30.12. 2006

Gefahrene Kilometer: ca. 2000 km

Anzahl der Übernachtungen: 7 Nächte

Orte der Übernachtungen: Emu Beach (Albany), Peacful Bay (Walpole), Augusta, Hamelin Bay

Gesehen: Albany, Whaleworld Museum (Albany), Mt. Clearence (Albany), Stirling Ranges (Bluff Knoll), Elephant Rocks, Green Pools, The Gap, Naturale Bridge,Valey of Giants, Pemberton, Mageret River

Aktivitäten: Bluff Knoll bestiegen, Tree Top Walk gegangen, Gloucester Tree hoch geklettert, diverse 4WD Unternehmungen, Besuch der Kirche am 24.12. in Albany, Strandspaziergänge

Anzahl Reisefotos: 440

Anzahl Fotos für die Öffentlichkeit: 85

Schon während unserer Reise kam es uns vor, als wären wir viel länger unterwegs. Die vielen unterschiedlichen Eindrücke konnten gar nicht so schnell verarbeitet werden. Deshalb haben wir uns entschieden, den Mageret River nur über die Caves Road zu durchfahren und ein andermal zu besuchen.
Die größten Herausforderungen für mich waren, den Gloucester Tree zu besteigen und im Meer baden zu gehen.



Sunday, December 24

Erinnerung

Der Himmel ist bedeckt und verdeckt die klare Nacht. Die Sterne und ihre Bilder sind nicht zu sehen. Den Weihnachtsmann haben wir schon aufgegessen :-).

Gestern noch war alles anders. Deutlich zeigte uns der Blick nach oben, wo wir sind. Das Kreuz des Südens machte sich breit und ließ den Himmel erleuchten. Wo sind wir? In Australien!

Weihnachten mit dem einzigen Familienfoto in der Hand, das mich, seit dem ich unterwegs bin, jeden Tag in die Nacht begleitet. Es erinnert mich und weckt meine Sehnsucht.

Hallo Ihr, könnt Ihr mich denn nicht sehen? Warum bleibt Ihr stumm, wenn ich auf Eure Gesichter tippe und im Stillen Eure Namen rufe?

(Ich erinnere mich an das Zustandekommen dieses Fotos: " Ja, stellt Euch so auf, dass von jedem ein Fuß zu sehen ist. Nebeneinander und versetzt. Ja, gut. Klick. Das Foto ist im Kasten. Damit das Zuordnen später nicht schwer fällt, gleich noch ein Foto von Euch mit einem Lächeln. Super! Danke." Das war Ostern 2006 in Lubmin. Zu dieser Zeit wussten Thomas und ich schon, dass wir nach Australien gehen. Unsere Familien noch nicht. Was ich nicht wusste, dass das zweite Foto mein Wegbegleiter nach Australien wird.)

Ich danke Euch.

Weihnachten im "Outback"

Trotz der zivilisierten Umgebung hatten wir keinen Handyempfang mehr. Dann sagen wir immer, jetzt sind wir im Outback. Obwohl das nicht stimmt. Egal, auf einmal fehlt etwas, was beinahe "lebenswichtig" geworden ist.

Unseren Heilig Abend haben wir in Albany verbracht. Um 17.30 sind wir zuällig an einer evangelischen Kirche vorbei gekommen und sahen, wie die Menschen hinein gingen. Konten wir mit unseren kurzen Hosen auch rein? Klar, jeder war willkommen und wurde am Eingang vom Pastor begrüßt. Was uns wohl erwarten würde. Ein Krippenspiel sollte aufgeführt werden. Das kleine Programm versprach Kurzweiligkeit, eine Mischung aus Krippenspiel und Liedersingen. Der Pastor kam erst am Ende zu Wort und sprach alle seelig.

Ganz anders als wir es kennen, erlebten wir die Aufführung der Geburt von Jesus. Alle mitwirkenden Akteure wurden zunächst vorgestellt. Eine junge Frau führte mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit durchs Programm. Sie las einen Abschnitt aus dieser Geschichte vor und die Akteure spielten die Situation dann nach. Keiner von ihnen musste etwas sagen. Somit konnten viele kleine Kinder mitwirken, die den Text nicht auswendig lernen mussten und blamiert wurden, wenn sie diesen vergessen hatten. Zwischendurch wurden Weihnachtslieder gesungen.

"Silent Night" war das einzige Lied, das wir kannten. Hier schwappten unsere, vor allem meine, Emotionen über und schlugen wie Wellen über mich zusammen. Ich konnte nicht mal mit summen, so fest saß der Kloß im Hals und trieb mir das Wasser in die Augen.

Als das Krippenspiel zu Ende war, wurden alle anderen Kinder gebeten, nach vorne zu kommen und zusammen die Krippe aufzubauen. Am Ende saßen sie dann dort alle zusammen und lauschten den abschließenden Worten des Pastors.

Nach einer halben Stunde war der Weihnachtszauber vorbei, die Tränen getrocknet. Draußen an der Tür noch ein Handdruck vom Pastor und dann wieder weiter.

Monday, December 18

Christmas Carols

Nun ist Weihnachten offiziell mit Liedern und Musik über die Weihnachts- und Winterzeit eingesungen. Diese Tradition geht schon einige Jahrhunderte zurück und wird nicht nur in Australien begangen. Die Menschen treffen sich, zünden Kerzen an und singen gemeinsam.
Am Ende gibt es dann auch schon mal ein Feuerwerk zu sehen.

Während ca. 6000 Menschen sich an der Clock am Scarborough Beach trafen, warenThomas und ich bei Arbeitskollegen zu Gast. Dort machten wir BBQ und genossen bei einem Espresso den Ausblick auf das Feuerwerk. Für einen Moment dachte ich, wir haben schon Sylvester.

Beeindruckt von dem Bemühen der Kollegen von Thomas, uns in ihren Kreis zu integrieren, haben wir den Abend davor bei der Weihnachstfeier von Thomas' Firma verbracht. Im "formal dress" wurde kräftig getrunken und gefeiert. Um 12.00 Mitternacht war pünktlich Schluss und alle strömten nach Hause. Ich war sehr überrascht, wie häufig Thomas angesprochen, mit ihm geplaudert und gescherzt wurde. Er hat seinen Einstieg gefunden und ist sehr gut integriert. Bei so einem Anlass hatte ich Gelegenheit, neue Leute kennen zu lernen und sie mich. Das Interesse an uns "Neuen" war doch recht groß.

Es dauerte nicht lange und der Alkohlpegel in den Adern stieg. Schließlich hatte man ja auch nur ca. 4,5 Stunden Zeit, um kostenlos zu trinken, zu essen und zu tanzen. Ich erinnere mich daran, in diversen Büchern über Australiern gelesen zu haben, dass Ingenieure viel tinken. Das bestätige ich mit dem Zusatz, Frauen auch!

Saturday, December 16

Lost Contact

Der Kontakt nach Hause beginnt Routine zu bekommen. Die täglichen Anrufe, Skypekontakte oder Mails werden kürzer und weniger. Manch einem fällt es gar schwer, auf nur eine Mail zu antworten, geschweige denn von alleine Kontakt aufzunehmen.

Der Startzauber ist vorbei. Anfängliche Interessensbekundungen sind beinahe verflogen oder vom Alltag verschluckt. Keine Zeit mehr, um eine Zeile zu schreiben. Ich verurteile das nicht, bin dennoch traurig darüber. Es ist wie jeden Tag an den Briefkasten gehen und keinen Brief bekommen zu haben. Die Enttäuschung wächst mit jedem Tag.

Ich wundere mich darüber, dass das Internet und seine Kommunikationsplattformen immer noch zu viel Zeit für den ein oder anderen in Anspruch zu nehmen scheinen. Dabei muss man nicht mehr zur Post gehen, weil man keine Briefmarke mehr hat, man muss keinen Umschlag suchen, den man doch noch vor ein paar Tagen in der Hand hatte und jetzt plötzlich nicht mehr findet, man muss nicht fünfmal den begonnenen Brief weg werfen, weil die Handschrift versagt. Wie einfach soll es noch gehen?

Keine Zeit. Was für ein schlagendes Argument. Weiß doch jeder, dass das die erste Antwort ist auf die Frage "Warum schreibst Du nicht?". Elke Heidenreich hat mal gesagt (im Zusammenhang mit "Keine Zeit zum Lesen"), dass das eine schlechte Ausrede ist. Zeit hat man immer, es kommt nur darauf, wofür man sie sich nimmt und wie man mit der eigenen Zeit umgeht.

Das Skypen mit meinem Zuhause ist z.T. sehr lustig. Es beginnen sich Startrituale zu etablieren. Manchmal ist das Mikrophon nicht an, manchmal geht die Camera nicht an und man muss noch einmal wählen. Manche sprechen zu leise oder der Ton geht verloren. Nach kräftigem Schütteln des Mikros funktioniert es dann wieder. Manchmal sitzen wir still vor der Kamera und versuchen von den Lippen abzulesen. Manchmal rufen uns mehrere Leute gleichzeitig an und ich muss eine Sofortnachricht schicken, dass ich gerade mit jemand anderen telefoniere. Einige verstehen diese Nachricht und andere wiederum können mit dem Skypeprogramm nicht umgehen, lesen das also nicht und versuchen es permanent weiter.

Mit dem Faxen ist das auch so eine Sache. Da das Telefon ja nicht sagt "Achtung hier kommt ein Fax, nehmen Sie den Hörer bitte nicht auf, sondern warten sie ab, bis das Papier gedruckt ist". Gar zu häufig war meine Mam zu schnell am Telefon und das Fax musste den Leitungstod sterben. Ich kann aber auch nicht jedes Mal vorher anrufen und sagen, dass gleich ein Fax kommt. Dann kann ich auch gleich am Telefon bleiben. Mittlerweile kann ich etwas anfangen mit den Mails hinsichtlich meiner erfolglosen Faxzustellungen. Ich dachte zuerst immer, dass mein Kontingent erschöpft war. Aber nein, da war jemand zu ungeduldig zuhause :-). Kann ja nur besser werden.

Ich umarme Euch!

W wie Wissenswertes

Buschfeuer: Sicher hört Ihr täglich in den Nachrichten davon, dass es in Victoria und Tasmanien viele Buschfeuer gibt. Alleine in der vorletzten Nacht sind 9 Häuser abgebrannt. Teilweise sind die Flammen 6 meter hoch. Es wird vermutet, dass einer dieser Brände durch das Verbrennen von Müll im Garten verursacht wurde. Ich weiß nicht, ob man diesen Mann schon gefunden hat oder er in seinen eigenen Flammen untergegangen ist.

Haiattacke: Vor ein paar Wochen wurde ein 14- oder 15-jähriger Junge von einem Hai angegriffen und ihm das Bein oberhalb des Knies abgebissen (habe ich schon geschrieben). Nun benötigt er eine Bluttransfusion, die er jedoch ablehnt, weil er Zeuge Jehovas ist (ohne Kommentar).

Aboriginis: Das Treffen mit einer in Australien gebürtigen jungen Frau (mein Alter, also 36) war sehr interessant. Beim Thema Aboriginis hat sie mich gewarnt, diesen Leuten in die Augen zu sehen. Ich sollte sie auf jeden Fall meiden, da sie unberechenbar und sehr "böse" sind. Bei der Rückfrage, wie sie dazu steht, dass hier so viele Kulturen friedlich und integriert zusammen leben, nur die Aboriginis nicht, antwortete sie, dass sie darüber noch nicht nachgedacht hat (wird Zeit!).

Kindergeld: Jede frisch gebackene Mutter erhält 4000 Australische Dollar bei der Geburt eines Kindes und den folgenden. Das hat zur Folge, dass viele jüngere Mädchen schon Kinder bekommen, mit dem Motiv 4000 AD zu kassieren. Sie sitzen z.T. rauchend mit den Kindern im Schlepptau vor den Shopping Malls und haben große Kartons dabei (z.B. Musikanlagen). So kann man das Geld doch viel "sinnvoller" dem Staat zurück geben, oder?

Magersucht: Einer Studie zufolge sind immer mehr 10-jährige Mädchen magersüchtig. Hier fängt eben alles früher an. Bei meiner Beobachtung in den Straßen sah ich dann auch gleich mehr Frauen, die ungesund dünn waren, Mädchen auch.

Briefe versenden: Wenn der Briefumschlag lediglich eine Postkarte enthält und keinen Brief, dann kann man das beim Postamt sagen, so dass der Brief billiger wird. Das beruht auf Vertrauensbasis. Außerdem kann man sich hier seine eigenen Briefmarken kreieren. Wenn Euch eines Tages ein Brief mit unserem Bild auf dem Umschlag erreicht müsst Ihr nicht glauben, dass wir zu Bekanntheit in Australien gekommen sind.

Freundlichkeit: Nicht jeder Australier ist freundlich. Ich beobachte immer mehr gestresste Gesichter in den Läden und ein ungesundes wie auch ungepflegtes Aussehen. Wenn es an die Schließzeiten geht, wird man schon mal beinahe samt Stuhl und Tisch von der Straße geräumt. Da hört die Freundlichkeit auf. Die Autofahrer verhalten sich häufig sehr ungeduldig und reagieren schnell unangemessen (hupen sofort, wenn es eine Sekunde länger dauert). Mitdenken im Verkehr lernt man eben nicht in der Fahrschule.


Thursday, December 14

Es weihnachtet?

Ja überall. Siehst Du denn nicht den Schmuck und die hell erleuchteten Häuser um Dich herum? In der Stadt, da steht ein riesen Baum mit Weihnachtskugeln und die Einkaufspassagen übertreffen sich gegenseitig im Geschmack.

Natürlich sehe ich das, wenn ich unterwegs bin. Doch macht das Weihnachten aus? Abends werde ich von Mücken gestochen, morgens von der Sonne geweckt und tagsüber muss ich meine Haut vor ihr schützen. Wenn ich Plätzchen backe wird es noch wärmer. Der schöne Geruch stirbt im Raum. Meine Familie ist nicht bei mir und ich nicht bei ihr. Sie fehlen sowie das Gewohnte drum herum (Schnee, Kälte).

Aber in Deutschland liegt doch in der Regel kein Schnee zu Weihnachten? Das kann doch nicht der Grund sein?

Natürlich nicht, wie ich schon sagte. Es fehlt mir das Heimelige, Kuschlige im Rahmen meiner Familie. Es fehlt mir die Stimmung, wenn es draußen dunkel ist. Es fehlt mir das Licht, das man von außen nicht sehen kann.

Wie meinst Du das denn?

Naja, ich meine damit, dass die Stimmung etwas ist, was von innen heraus kommt gekoppelt mit dem mir Bekannten und Vetrauten drum herum. Heilig Abend wird hier nicht begangen. Das war für mich der schönste Abend während dieser Zeit.

Ja aber das hast Du doch schon in der Schule gelernt.

Stimmt. Aber was man eben nicht vorher lernen kann, ist das Gefühl, das zu Weihnachten gehört. Näher zusammen rücken, nette Gespräche haben, gemeinsam Gedichte oder ein paar Buchpassagen lesen. Zusammen sitzen und Musik hören, den Kindern beim Auspacken ihrer Geschenke zu sehen und schon gar nicht wie es ist, ohne Familie zu sein.

Dann fahre doch einfach nach Hause.

Das ist unmöglich.

Warum?

Es kostet zu viel und außerdem sind die Flüge voll ausgebucht.

Okay, also musst Du hier bleiben. Was wirst Du tun?

Ich fahre mit Thomas in den Süden, wir werden Weihnachten auf der Straße verbringen, uns an unseren ersten Australienurlaub erinnern und natürlich an unsere Familien denken. Damals haben wir das Ganze ganz toll gefunden, zumal wir dachten (zu dieser Zeit), dass das ein einmaliges Erlebnis sein wird. Nun hoffe ich, dass wir im kommenden Jahr wieder mit unseren Familien zusammen sein können.

Der Süden wird Dir gefallen, auch wenn Du dort Deine Familie nicht dabei hast. Nimm ein Fliegengitter mit und mache Dir schöne Tage.

Schöne Weihnachten!

Sunday, December 10

Vor der Tür

Der Dezember macht sich schön für die Sonne und trägt sein bestes Kleid für den Sommer. Nicht mehr lange und wir werden uns anpassen müssen, damit wir gut durch die kommenden warmen Sommermonate kommen. Für die zweite Dezemberwoche sind die ersten 40 Grad vorausgesagt und ich bin voller Spannung wie es sich damit dauerhaft aushalten lässt.


Beim Brotbacken entwickelt sich im Haus ein ähnliche Hitze. Es schnuppert als ob es draußen eher Minusgrade sind. Auch die Plätzchen im Ofen verbreiten einen vorweihnachtlichen Duft, den ich mit Kälte und Schnee assoziiere. Deshalb haben wir wahrscheinlich auch den Nikolaus vergessen.

Beruflich habe ich mich weiter zu orientieren und die kommenden Monate fleißig die Sprache zu lernen bzw. den Wortschatz auszubauen. Bummelzug ist wieder angesagt. Alles geht langsamer. Ich musste aus dem Schnellzug aussteigen und sicher noch ein paar Ehrenrunden mit einem weniger schnellen Gefährt drehen. Kurzum, den Job habe ich nicht bekommen, aber das Angebot mich in zwei Monaten wieder zu melden. Das Interesse an meiner Arbeitskraft besteht auch über den ersten fehlgeschlagenen Versuch hinaus. Das ist mein Trostpflaster. Mein Ego war angekratzt und meine Enttäuschung lähmte mich für einige Tage. Mein Selbstwertgefühl stieg die Treppe hinunter und machte es sich im Keller gemütlich. Aha, so sieht die Welt also von unten aus.

Alle sind beschäftigt, nur ich nicht. Die Arbeit liegt vor der Tür, die Zeitung ist am Wochenende mit attraktiven Stellenangeboten voll. Ich stehe vor einer verschlossenen Tür, deren Schlüssel ich noch nicht gefunden habe. Weiter suchen, weiter suchen etc. Im Januar beginnt mein Sprachkurs und anschließend werde ich ein 1:1 Sprachcoaching in Anspruch nehmen. Bis dahin gehe ich nicht putzen, nicht kochen oder Kisten packen.

Eine nervlich aufregende Woche liegt hinter uns, Jobabsage und mein Kellergefühl, Altlasten in Deutschland, fehlende kontinuierliche Kontakte zu Freunden in der Heimat, ein zerstückeltes Wochenende, die Zusammenstellung der Unterlagen für Thomas berufliche Anerkennung und und ...

Die Wochen vergehen schnell, es gibt jeden Tag zu tun; u.a. Freunde in unserer neuen Welt treffen. Das gemeinsame Backen von Plätzchen bei unseren Berliner Freunden mit musikalischer Begleitung von Nena (Weihnachtslieder für Kinder) bescherte mir ebenso Gänsehaut wie die Reiseplanung nach Australien eines sehr kranken Freundes aus Deutschland. Ein Picknick am Strand bei Sonnernuntergang sowie ein paar Bier am Samstagabend im Hafen mit einem Arbeitskollegen von Thomas sorgten für weitere Abwechslung und schöne Momente.

Unsere Hilfe beim Umzug eines anderen Kollegens von Thomas am Samstag war überschaubar und bereits nach drei Stunden getan. Der Blick in das neu erworbene Haus für 500.000 AD ließ mich wiederum erschrecken. Für eine halbe Million Dollar habe ich etwas anderes erwartet. Ich sah ein altes Haus, dass ich wohl erstmal komplett entkernen würde, verschachtelte kleine Räume usw. Der Garten und der sich anschließende Park werten das Ganze dann doch auf. Dennoch war mir klar, dass hier nicht das Haus, sondern ausschließlich das Grundstück bezahlt wurde. Klar wurde mir, dass ich mit meinen Erwartungen niemals ein Haus kaufen kann, weil es einfach unbezahlbar sein wird.

Tuesday, December 5

Advent Advent

http://fotoalbum.web.de/gast/medikon/250_km_noerdlich_von_Perth


360 Fotos haben wir mit zwei Kameras am letzten Wochenende im Norden von Perth gemacht. Eine beachtliche Menge, wenn man weiß, dass wir dafür 250 Kilometer gefahren sind und von Samstag um 14.00 - Sonntag um 19.00 Zeit hatten.

Westaustralien bekommt Farbe für mich. Ich hatte wenig Vorstellungen davon, was sich landschaftlich (außer dem Bekannten) an Motiven bietet. Nicht nur, dass es dafür keinen langen Weg von unserem Lebensort bedarf, sondern auch so eindrucksvoll ist.

Als Thomas die erste Zeit hier alleine gelebt hat, sagte er, dass die Wochenenden einem Urlaub gleich kommen. Ich kann dies mit den frischen Eindrücken und Erlebnissen nur bestätigen. Eine ganze Woche wurde durch knappe 1,5 Tage weg gewischt und kam einem Kurzurlaub gleich. Der Erholungswert ist gigantisch.

Unsere erste gemeinsame Wochenendreise entflohen wir mit dem ausgeliehenen (kostenlos) 4WAuto und einer Menge Campingutensilien dem Alltag. Auf unserer Karte waren einige Wege eingezeichnet, die man ausschließlich mit so einem Auto fahren kann. Das Abenteuer lockte und wir konnten nicht umhin, uns diesem zu wiedersetzen. Dennoch mussten wir recht schnell erkennen, dass unsere Karten dafür nicht ausreichten und wir irgendwann im Busch landeten, es spät war und der Sand immer sandiger wurde.


Wer das Fotoalbum ansieht, weiß, dass auch ein 4WCar im Sand stecken bleiben kann. Solange drum herum genug Autos fahren ist dies auch nicht so schlimm. Man kann wieder raus gezogen werden. Wenn aber unklar ist wie oft am Tag oder in der Woche Autos durch abgelegene Buschwege fahren sieht das alles schon anders aus. Zumal wir auch noch diese große Schlange (wie lang auch immer) gesehen haben. Für mich war spätestens nach diesem Anblick klar, dass ich dieses Auto nicht verlassen würde und wenn ich im Auto viele Tage verbringen müsste.


Wir haben für unseren Weihnachtstripp gen Süden noch einiges an Vorbereitungen zu treffen. Unter anderem müssen wir uns Stulpen besorgen, die einer Schlange zumindest das Zubeißen erschweren und einen uns in Sicherheit fühlen lassen. Feste Wanderschuhe sind ein Muss, auch wenn es heiß ist. Vor allem aber ist klar, dass man nich tgenug Wasser an Bord haben kann (für den Fall der Fälle). Ein Handy ist weniger wertvoll, man hat ja keinen Empfang. Spätestens nach diesem Hinweis auf dem Handy "no signal" weiß man, dass man im Busch und damit auf sich alleine gestellt ist.

In der Nähe der Stadt Cervantes befindet sich der Nambung Nationalpark. Hier kann man schwimmen in einsamen Buchten, den Delfinen beim morgendlichen Tummeln nah am Strand begegnen, wandern und einiges an Wildlife sehen. Das häufigste Reiseziel hierher sind wohl die bis zu 4 Meter hohen Kalksteinsäulen (die pinnacles). Wind, Wetter und Zeit haben ihr übriges getan, damit diese bizarre Landschaft mit ihren Skulpturen entstehen kann. Ab und an kam mir der Gedanke, ob hier wirklich die Natur ihre Hand im Spiel hatte oder ob es sich beispielsweise um eine große Grabstätte handelt (manchmal brennt meine Phantasie eben mit mir durch).

Friday, December 1

45 Minuten

Mein erstes Vorstellungsgespräch habe ich nun hinter mir. 45 Minuten non stop english, ca. 15 Fragen von zwei Personen in angenehmer Atmosphäre am Freitag um 15.00.

Das wäre also geschafft; ich habe einen Eindruck gewonnen, wie das hier so läuft und weiß nun, dass es vom Ablauf und den Fragen nicht anders als in Deutschland ist. Auch hier musste ich über meine Erfahrungen reden, meine Stärken und Schwächen kundtun, meine beruflichen Pläne in Australien beschreiben und Haltung zu bestimmten Aussagen einnehmen.

Im Nachgang denke ich, dass mein englisches Vokabular möglicherweise dazu führen wird, dass ich den Job nicht bekomme. Vielleicht ist es aber auch meine berufliche Qualifikation, denn sie haben mir im Gespräch mehrfach zu verstehen gegeben, dass der Job relativ einfach und wenig anspruchsvoll ist. Ob es mir gelungen ist, den Zusammenhang zwischen Sprache lernen und Arbeitserfahrungen zu sammeln darzustellen, weiß ich nicht.

Dienstag oder Mittwoch werde ich schlauer sein und eine Antwort erhalten.

Unser bester Freund sprach zu Beginn dieser Woche davon, dass ich mit dem Bummelzug fahren darf. Ich bin so lange mit dem Schnellzug in Deutschland gefahren, so dass ich nun auch mal in aller Ruhe überlegen darf, was ich machen will. Recht hat er. Aussteigen, wo es mir gefällt und nicht die Strecke in einem durchfahren. Genießen, was ich sehe und erlebe. Kreative Gedanken entwickeln sich in mir, die langsam zu einem Fluss werden. Ihre Quelle ist das außen, ihr Ziel sind meine Ideen. Wenn ich dabei noch Geld verdienen könnte wäre alles gut :-)