Friday, November 3

Das Paket

Habe ich schon gepackt, weil doch nicht alles in den Koffer passt. Eines habe ich bereist vor zwei Wochen abgeschickt. Ein Zweites wird morgen aufgegeben. Per Seeweg kostet ein 10kg Paket genau 52€. Sollte dies per Luftfracht verschickt werden ist das mal eben der doppelte Preis. Auf dem Seeweg muss man mit 11-15 Tagen rechnen. Ich kann warten.

Der auszufüllende Paketschein schreckt zunächst ab. Was da alles rauf muss? Inhalt, Zollwert etc. Zum Glück kann man auch schreiben „… for own use“ und „no commercial value“. Ich bin gespannt wie alles ankommt. Grundsätzlich werden alle eingehenden Pakete in Australien aufgemacht. Schmuggeln von Dingen, die nicht erlaubt sind, geht also nicht. Die Liste der Lebewesen, Waren und Gegenstände, die nicht eingeführt werden dürfen ist 4 Seiten lang. Am Ende weiß man gar nicht mehr, was am Anfang stand und beginnt wieder von vorne und macht sich eine eigene Stichwortliste. Schließlich gibt man es auf, überhaupt ein Paket zu packen. Mama, Papa können keine Schokolade, keine Lebkuchen, keinen Kaffee, keine Tiere, keine Pflanzen, kein Fieberthermometer, keine was weiß ich noch alles schicken. Da ist es ja echt eine Herausforderung etwas zu finden, was dann ins Paket darf.

Junge Akademiker

Ich wusste gar nicht, dass ich noch zu dieser Zielgruppe gehöre, denn mittlerweile bin ich 37. Dennoch durfte ich Rede und Antwort stehen zum Thema „Auswandern“. Die Beratungsstelle für Auswanderung Berlin (Raphaels Werk) fragte an, ob ich für ein Interview zur Verfügung stehe. Ja unter meinen Bedingungen kein Thema. Ich war vor allem gespannt darauf, was da für Fragen gestellt werden; auf mehr nicht.

Ups.

Und dann kommt der nette Fotograf mit und bringt das Konzept gehörig durcheinander. Hätte ich das gewusst wäre ich doch vorher zum Friseur gegangen, hätte noch schnell ein paar Umzugskisten organisiert und das Arbeitszimmer von Eisis ausgeräumt …

Wie ein Artikel mit Foto entsteht weiß ich nun. Vor und während des Interviews wurde ich immer wieder wegen diesem einen Foto abgelenkt. Ich glaube, die Journalistin auch. Wir waren dennoch nicht aus der Ruhe zu bringen und haben bei einigen Verrenkungen meinerseits (für das Foto natürlich) uns bemüht, den Faden immer wieder aufzunehmen. Zwei Stunden Schwerstarbeit. Gott sei dank musste ich nicht meine Kleidung wechseln.

Die Drahtbürste

September und Oktober durfte ich bei Eisis wohnen. Das wisst Ihr ja mittlerweile alle. Was Ihr nicht wisst ist, dass wir so viel gelacht, philosophiert, nachgedacht, diskutiert, geplant, getrunken und am Rande über die Herstellung der Drahtbürste gesprochen haben. Außerdem haben wir uns mit neuen externen Festplatten versorgt, den Trockner in die Gänge gebracht, unsere Süppchen gekocht, uns abgesprochen wer wann morgens aufsteht, wer wann zum Frühstück kommt, Donnerstag etwas später gefrühstückt und das Skypetelefon mit allen erforderlichen Medien in Schwung gebracht. Somit steht der sprachlichen Kommunikation nun auch nichts mehr im Wege.

Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl unwillkommen zu sein. Es ist nicht zu unterschätzen, plötzlich (auch wenn man sich gut kennt) zu viert über zwei Monate zusammen zu leben. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Gastgeber darauf einstellen und zurück nehmen. Während meiner Zeit bei Eisis habe ich nicht nur das Arbeitszimmer blockiert, sondern auch den PC und das Internet. Wenn meine „Gasteltern“ nach Hause kamen, saß ich manchmal schon am Rechner. Wenn meine „Gasteltern“ ins Bett gingen saß ich schon wieder am Rechner. Zwischen den Mahlzeiten und Gesprächen auch. Ich weiß nicht was ich getan hätte, wenn es umgekehrt gewesen wäre und mein PC sowie Schreibtisch dauer belagert gewesen wäre.

Eisis: Ich danke Euch!!!

Monday, October 23

Sonnenaufgang leicht gemacht

Für die Nordhalbkugel:
Im Osten geht die Sonne auf.
Im Süden hält sie sich Mittags auf.
Im Westen wird sie untergehen.
Im Norden ist sie nie zu sehen.


Das hat uns dieses Wochenende eine Menge Grübelei verursacht. So haben wir doch tatsächlich darüber nachgedacht, ob die Sonne in Australien auch im Osten aufgeht. Wie man sich doch durch einige Erdmitbewohner durcheinander bringen lassen kann.
Natürlich geht die Sonne auch in Australien im Osten auf. Aber im Norden hält sie sich Mittags auf. Wir sind auf der Südhalbkugel!!!
Für die Südhalbkugel:
Im Osten geht die Sonne auf
Im Norden hält sie sich Mittags auf
Im Westen wird sie untergehen
Im Süden ist sie nie zu sehen

Haialarm

Die Zeitung "The Australian" schrieb am 13. Oktober 2006, dass zwischen Mandurah (75 km südlich von Perth) bis zum Norden, den sogenannten "Two Rocks", bis zum 5. März 2007 die Sharks Patrol fliegt. Hubschrauber überwachen das Annähern von Haien während dieser Zeit in Gegenden, in denen Schwimmer, Surfer etc. bedroht sein könnten.
Im letzten Jahr gab es 12 Bereiche, in denen Haie den Schwimmern gefährlich nahe gekommen waren. 200o wurde ein 49jähriger Mann von Haien angegriffen und verstarb.
Thomas erzählte, dass am Samstag viele Menschen am Strand und im Wasser waren bis die Hubschrauber oder ein Hubschrauber aufgetaucht sind. Das ist wohl ein Zeichen dafür, dass sich Haie im Wasser tümmeln. So standen diese vielen Sonnen- und Meeranbeter am Strand und beobachteten wie der Hubschrauber über eine längere Zeit eine bestimmte Stelle im Meer im Blick behielt.
57 Haie wurden 2005 gesichtet. In Mullaloo am 17. Januar 20065 sogar ein sechs Meter langer weißer Hai (in Australien "white pointer" genannt).
Heute war Thomas bereits wieder im Wasser und nutzte den Rücken der Wellen, um sich treiben zu lassen und Spaß zu haben. Ich ziehe es derzeit in Gedanken vor, dies aus sicherer Entfernung, wenn ich in Perth bin, zu beobachten.

Friday, October 20

Der Abschied hat schon lange begonnen

Komm doch sagt der Morgen und meint den Abend.
Du holst mich sowieso nicht ein.
Denn zwischen uns liegen der Tag und die Nacht.


Ich habe mich auf den Weg gemacht und als suchende Wanderin bereits von einigen wenigen Menschen verabschiedet. Unvorbereitet und dennoch zu Tränen gerührt. Unwissend darüber, welche Bedeutsamkeit wirklich dahinter steckt.

Abschiede fallen in der Regel nie leicht. Der bleibende Wehmutstropfen ist der Abschiedsmoment an sich. Er lässt das Herz schneller schlagen und regt die Tränensäckchen zur Wasserproduktion an. Der erste durch Wasser verklärte Blick wird sodann vom Hirn wieder geschärft. Das Rationale holt sich die Macht über die Emotionale zurück. Schnell vorbei sind diese Momente.

Die Farben des Abschieds sind bunt und beginnen beim Weiß und enden beim Schwarz. Diese Farben am äußeren Rand gehören dazu, damit das Bunte in seinen Abstufungen herrlich kräftig sein kann. Der Abschied ist mit so viel Freude, Trauer, aber auch Wut, Enttäuschtheit und Ärger verbunden. Der Spiegel dieser Emotionen droht manchmal zu zersprengen.

Der leichte Abschied: ist für mich tränenlos, vielleicht ist ein bisschen Bedauern dabei, aber auch nicht mehr. Grundsätzlich bin ich in Gedanken eigentlich nicht beim Abschiednehmen, sondern bereits in einem anderen Film. Ich habe die Bühne innerlich bereits verlassen. In der Erinnerung wird er für mich blass bleiben, wenn er trotzdem dazu gehört hat.

Der einfach gemachte Abschied: gehört eher in die Kategorie Dunkelgrau, Schwarz. Hier grämen sich mein Ärger und meine Wut über all die hilflos unkompetenten Mächtigen mit ihren Stempeln, über all die sich besser findenden und selbstherrlichen Charaktere, die auch ein Wörtchen mitreden durften und irgendwie dabei ausgerechnet meinen Weg kreuzten mussten. Beziehungsweise musste ich ihren kreuzen und sogar dafür Geld zahlen. Ihre Unfreundlichkeit, Scheinhaftigkeit und Ungenügsamkeit mit sich selbst interessieren mich nicht mehr lange. Adieu!!!

Der mittelschwere Abschied: regt schon mal das Herz an und erhöht den Puls. Die Hände werden feucht. Es ist zweifelsohne eine Steigerung zum leichten Abschied. Hier werden sich meine frisch gesäten Samen der Zukunft mit dem Wachsen gedulden müssen. Die Abstufung der Abschiede hat nichts damit zu tun, wie lange ich die Person kenne. Auch eben erste gewonnene Kontakte mag ich ungern Lebewohl sagen. Na das tue ich ja sowieso nicht. Es gibt immer ein Wiedersehen!!!

Der schwere Abschied: steht mir noch bevor. Berlin – du wunderschöne Stadt – du wirst mir fehlen!!! Wenn ich das letzte Mal in Mitte spazieren gegangen bin, wenn ich das letzte Mal aus der Straßenbahn aussteige, wenn ich das letzte Mal das Haus verlasse und wenn ich das letzte Mal durch diese wundervolle Baumallee gefahren bin, sehe ich am Ende nur noch kurz das Stadtschild Berlin im Rückspiegel. Berlin steht für mich für so viel mehr, dass hier keinen Platz haben kann und soll. Sind es doch zu private Momente, die nur mir gehören. Berlin ich komme wieder – irgendwann!!!

Der aller schwerste Abschied: steht mir noch bevor. Und doch bin ich schon lange mitten drin:

F.: Ich sehe dich in den letzten Tag so oft mit dem Gedanken „irgendwann werde ich dir das letzte Mal hinter her sehen“ und mein Herz wird mir schwer. Es ist unbeschreiblich, was vor allem dieser Abschied bedeutet.

C: Solange haben wir gebraucht, zueinander zu finden und umso mehr habe ich mich gefreut, dass wir eine Chance dazu hatten. Ich bin so froh, dass wir Berlin an manchen Abenden gemeinsam erkundeten. Denkst Du manchmal noch an „das Salz“ ??? Ich werde es nicht vergessen.

S: Ich bin erleichtert, dass unsere Worte zueinander gefunden haben. Im letzten Jahr wäre dieser Abschied halsbrecherisch gewesen und hätte wohl ein langes Schweigen nach sich gezogen. Schicke mir das große R, wenn ich es brauche.
R: Ich habe es gehört. Du hast gesagt: "... wenn ich das Geld mal in den Händen halte..." Na ich hoffe, dass Du es eines Tages tun wirst und zwar bei uns zu Besuch. Bis dahin bleibe sportlich. Im April 2007 laufen wir wieder den Berliner Halbmarathon zusammen.

M: Ich muss Dir nicht sagen, dass ich weiß, dass Du jetzt kämpfen musst, um Deine Tränen zu verbergen. Ich tue es dennoch. Wenn Du schlafen kannst, kann ich es auch. Wenn Du wach wirst, werde ich es spüren. Wenn es Dir nicht gut, werde ich auch dann in Gedanken bei Dir sein. Unser Band ist so stark, unsere Intution so gleich und unsere Kaft so verbindend.

D: Spare Deine Kraft. Du wirst sie brauchen. Gib Deiner Trauer Worte. Bleibe stark, damit Deine Liebste davon zehren kann. Nutze die unsichtbaren „Fäden“ der neuen Kommunikation. Es gibt soviel mehr zwischen schwarz und weiß. Die Ungeduld habe ich von Dir, ich werde nicht vergessen, dass Du schon einen Tag vor dem Geburtstag Dein Geschenk verteilst. :-) Dein Suppenhühnchen!!!

Ich vermisse Euch jetzt schon.

Suchender Wanderer

Der Sommer legt seinen Umhang ab, die bunten Blätter symbolisieren den Wechsel. Zwei Jahreszeiten begegnen sich. Der Herbst ruft den Regen, damit der getrocknete Boden Flüssigkeit aufnehmen kann.

Die Menschen laufen hektisch im Regen von einem Ort zum anderen. Sie versuchen dabei nicht nass zu werden und berauben sich selbst einer erfrischenden Erfahrung. Nach dem Nass kommt das Trocken, so ist der Rhythmus, der einfach überschaubar ist. Niemand muss ernsthafte Konsequenzen fürchten. Außer? Vielleicht einem Schnupfen.

Die Schultern sind hoch gezogen, der Blick ist tief nach unten gerichtet, die Augen eng zusammen gekniffen. Kann man da noch etwas erkennen? Sieht man in diesen Momenten noch, wo der Weg hinführt? Die Bewegung im Alltäglichen ist vertraut und führt in der Regel immer wieder zum gleichen Ausgangspunkt zurück. Nur ein ungewohntes Hindernis kann dazu führen, dass die Orientierung aus dem Gleichgewicht gerät.

Der unbewusst Suchende wird sich winden und anderen Personen oder dem Wetter die Schuld an der Unterbrechung der Gewohnheit geben. Der bewusst Suchende verhält sich hingegen ganz anders. Er lässt sich absichtlich aus dem Rhythmus bringen, ohne in Panik zu geraten oder gar Schuldige zu suchen. Häufig übersieht er aber auch, was das für ein Kraftakt ist. Nicht jeder Mensch ist ein Gleichgesinnter, gar verständnisvoller.

Einsamkeit ist dabei ein häufiger und vertrauter Begleiter, weil es so wenig Menschen gibt, die Gleiches suchen und erfahren. Die Einfühlung dieser in den Suchenden gelingt nur in den aller seltensten Fällen. Der Versuch dazu häufig auch. Der Wanderer kann nur mit einem Gleichdenkenden intensive Gespräche suchen und darf auch mal jammern, ohne dass das gleich wertend kommentiert wird.

Der Wanderer darf auch mal Fragen stellen, die ungewöhnlich sind. Nur muss er damit rechnen, keine Antworten zu erhalten. Er muss auch in Kauf nehmen, dass Antworten lange Zeit brauchen, obwohl er manchmal keine mehr hat. Die Ungeduld macht den Kopf kribbelig und hoch sensibel.

Verlassen kann er sich auf gar nichts außer auf sich selbst. Das macht das Ganze noch intensiver und anstrengender. Hilfe bekommt er nur, wenn er sie sich holt. Kaum Jemand ist in der Lage mal schneller oder vorausschauender zu denken, als der Wanderer selbst, obwohl das Ziel der Wanderung bekannt ist.

Niemand kann er einen Vorwurf machen, nur sich selbst, Zeit vergeudet, zuviel erzählt und eingebracht, zu viel gehofft und erwartet zu haben. Und immer ist er in seinem tiefsten Inneren allein und mit sich.

Schöne Begegnungen hat er durchaus. Menschen, die das Alltägliche vereinfachen, das Bett betten, ein schönes warmes Essen kochen ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Diese Wärme tut dem Wanderer wohl, kann er dabei auftanken und seine Seele baumeln lassen. Die Seltenheit solcher Erlebnisse bestimmt, was in guter Erinnerung bleibt.

Wednesday, October 18

Die Elster - Magpie

Wir lernen nie aus und die Erfahrungen sowie Erlebnisse von Thomas füttern beinahe wöchentlich den Schatzkoffer des Lebens und bereichern uns ungemein.
Thomas fährt in der Regel mit seinem Fahrrad zur Arbeit durch einen Park. Regelmäßig wird er an einer bestimmten Stelle von Elstern attackiert. Der Sturzflug kommt von hinten und endet auf dem Helm (zum Glück). Nein nein, das ist nicht witzig, sondern ernstzunehmen. Thomas sagte, dass es echt bedrohlich ist.
Guckst Du hier...

Die meiste Zeit des Jahres sind ihre Angriffe nicht zu befürchten, aber für ca. 4-6 Wochen verteidigen sie ihre Gegend (August bis Oktober), in der sie die Nester haben, äußerst übermotiviert. Wenn man daran vorbei geht oder fährt (wie Thomas), dann wird man als Eindringling gedeutet. Was heisst das in der Realität? Die Elstern fliegen tief und warnen das andere Geschöpf der Natur damit. Gelegentlich kommt es dann auch zu pickenden Handlungen auf dem Kopf des Feindes.


Was sollte man in diesen Fällen tun?

  • den Bereich meiden, schnell gehen
  • andere Menschen warnen
  • die Elstern im Auge behalten und vorsichtig weiter gehen
  • Augen auf die Rückseite der Kopfbedeckung nähen, malen. Eine umgekehrt aufgesetzte Sonnenbrille würde auch helfen.
  • einen Regenschrim tragen oder irgendwas über dem Kopf (Plastiktüten gehen auch)
  • beim Rad fahren: vom Rad absteigen, nicht mit dem Stock schlagen (das erregt die Gemüter und Angriffslust)
  • den Stock als Abschreckungsmittel einfach nur halten, oder
  • eine rote Markierungsfahne am Rad abbringen

Bildquelle

www.calm.wa.gov.au/plants_animals/bird_magpie.html

Textquelle

www.nationalparks.nsw.gov.au/npws.nsf/Content/The+Australian+magpie

Monday, October 16

Macht der Stempel

Wenn man einen Stempel hat, dann ist man wer. Verfügt man dann doch über ausreichend Macht über Jemanden, der genau diesen Stempel benötigt. In Gedanken reiben sich einem die Hände, endlich mal wieder einer, der abhängig ist von meiner Laune und meiner Macht.
Dieses Spielchen muss ich nun seit mehren Monaten mit spielen. Die Regeln sind dabei so ungleich verteilt, dass ich mir jedes Mal wie ein Kind, ein Student, ein Bittsteller oder eine Bettlerin vorkomme, wenn ich einen Zug spielen will. Es ist unglaublich, was sich in unseren Behörden, Ämtern und öffentlichen Einrichtungen so alles tümmelt und Entscheidungsmacht hat.
Mittlerweile, kurz nach einem Anfall von Wahnsinn, habe ich zumindest einen Stempel ergattern können. Anders kann ich es gar nicht mehr bezeichnen. Obwohl erkämpft würde es doch wohl noch besser treffen. Leider (oder zum Glück) hatte ich keine Waffen und hätte (entschuldigt diese Gedanken) so manches Mal gerne eine in meiner Tasche gehabt. Ich kann so manch andere Person verstehen, die davon tatsächlich Gebrauch gemacht hat oder zumindest in einer anderen Art gewalttätig wurde.
Zumindest habe ich nun mehrere Stempel unter der übersetzten Studienordnung, die den Australiern mal zeigt, was wir hier alles so während der vielen Semester treiben; und auch mein Beleg dafür, was ich denn genau gemacht habe ist von vielen Stempeln verschönert. Die Certicates of Character trudeln allmählich ein, die ich mir zum Glück nicht so erkämpfen musste. Danke all denen, die mir einen guten Charakter bescheinigen. Alles muss noch kopiert werden, noch mal abgestempelt werden; diesmal vom Notar (findet mal einen Notar, der bezeugt, dass Person X der Person Y einen guten Charakter hat). Dank Eisi habe ich so Jemanden gefunden. Ohne Beziehung wäre dies ein aussichtloses Unterfangen.
Zwischendurch gaben die Guidelines/Richtlinien für die Anerkennung in Australien noch Folgendes zum besten: Alle bereits zertifizierten und beglaubigten Kopien müssen auch noch von der Botschaft gestempelt werden. Als ich das las, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mein Streben nach offizieller Anerkennung aufzugeben. Habe mich sowieso schon lange gefragt, wann dieser Punkt kommt. Hier war ich so weit. Bei wieder klarem Gedanken habe ich dann doch erstmal nach Australien geschrieben und angefragt, ob das tatsächlich gemacht werden muss. Es gab nach ein paar Tagen und Nächten dann Entwarnung.
Das Papierpaket ist mittlerweile so groß, dass es die 5kg überschreitet. Alles muss in deutscher Sprache (beglaubigte Kopien) und in der Übersetzung (ebenfalls beglaubigt) eingereicht werden. Mein Lebenslauf will noch mit rein und es fällt mir schwer, mich in die Struktur der australischen Form (die selbstverständlich ganz anders als unsere ist) einzufinden. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich meinen Aufenthalt hier in Deutschland verlängern muss, um wirklich alles zusammen zu haben. Gott sei dank meldet sich dann mein Hirn und gibt mir zu verstehen, dass ich mal locker bleiben soll und die viele Zeit auch in Australien damit verbringen kann, um mich selbst, meinen Marktwert, meine Qualifikation und meinen Charakter aufzupolieren.
Trügerisch verlockend, wie die schöne Kulisse im Park. Ich glaube, wenn ich es hier (in Berlin) nicht fertig bringe, dann wird das mein Lebensprojekt.

Trügerisch aber wunderschön



Brown Snakes

http://www.usyd.edu.au/anaes/venom/snakeimages/Dugite2.JPG

Unter dem angegeben Link kann man nun sehen, welche Schlange heute Thomas' Weg kreuzte.
Mit dem Bike unterwegs im Park auf seinen wochenendlichen Erkundungen dachte Thomas, dass ein großer Ast auf dem Weg liegt. Um so näher er kam musste er feststellen, dass sich dieses Objekt bewegte. Aus dem Ast wurde eine ca. 1,50 m lange Schlange, die, nachdem sie sich ebenso wie Thomas erschrocken hatte, das Weite suchte. Zum Glück.
Ein Parkranger erzählte Thomas, dass diese Schlange zu den giftigsten Australiens gehört und ihr Biss tödlich ist. Generell soll es wohl eine große Gefahr für Radfahrer sein, denn die Schlangen spüren keine Bodenvibration, wenn sich ein Fahrrad nähert und bleiben demzufolge an ihrem Platz. Sollte es zu einer bissigen Begegnung kommen hat man 15 Minuten Zeit, die über Leben und Tod entscheiden. Also immer ein Handy dabei haben und die Notrufnummer einspeichern!
In der Ausgabe der Schweriner Zeitung von diesem Wochenende war über einen Vorfall berichtet worden, bei dem ein Mann von einer Schlange fünfmal gebissen wurde, einen Herzinfarkt erlitt und zum Glück durch ein Gegengift gerettet werden konnte.
Man stelle sich mal vor, nicht nur einmal, sondern gleich fünfmal gebissen zu werden. Ich glaube, mein Herz würde auch einen Sprung machen und aussetzen.

Sunday, October 8






















Ca. 60 km von Perth entfernt schaffte es Thomas am Freitag noch gerade in den National Park. Es war bereits 16.30 und nur weil der Ranger noch vor Ort war, konnte Thomas noch in den Park. Die anderen waren bereits dort und haben ihr Zelt aufgeschlagen. Es ist Weinblütenfest im Avon Valley. Nach einer kurzen Irrfahrt durch das Gelände fand Thomas seine Gesellen und verbrachte eine Nacht im genannten Weintal in seinem Zelt. Aufgrund der Schließzeiten des Parks war es nach 16.00 nicht mehr möglich, irgendwo etwas zu kaufen (das tut man ja auch vorher). Eigentlich fehlten nur das Gas für den Kocher oder das Benzin für das Licht. Kurzerhand wurde die Benzinleitung des Autos angezapft, um das Grillen am Abend nicht platzen zu lassen. Not macht eben erfinderisch.

Camping im Avon Valley




Frühling




Sunday, October 1

30°

Die Frisur sitzt (nun ja, bei kurzem Haar nicht wirklich schwer, da braucht man nicht mal Drei-Wetter-Taft), der Frühling hat begonnen, alles blüht und fällt nicht braun vom Stamm (obwohl der Herbst wunderschön ist). Das Leben beginnt, der Atem haucht es hinaus, lässt die Knospen sprießen und die Farben frohlocken. Mit der Wärme kommt die Trockenheit, die lt. Thomas eine angenehme ist und von den Meeresbriesen etwas aufgelockert wird. Der Salzgeschmack des Meeres liegt in der Luft und lässt jeden dürsten. Ich habe den Zeitpunkt meines Fortgangs gut gewählt, von einem wunderschönen Herbst hier in den Frühling. Wenn ich im März im nächsten Jahr wieder komme, werde ich hier vom Frühling begrüßt. Ich gebe zu, dass mir das gefällt.
Hier ein paar Infos zum Klima:

Mountainbiking


Nächstes Wochenende wird Thomas erstmals mit seinem Bike und anderen sportlich Aktiven die Umgebung, die auch hügelig ist (ca. 45 Minuten entfernt von unserem Haus) erkunden. Von seinem letzten Wettkampf in Dunsborough sind Spuren an Armen und Beinen geblieben, die immer noch rötlich verfärbt sind und teilweise Bläschen schlagen (was ist das???).
Die Nachbarin wünscht mehr Kontakt, sie geht auch gerne surfen … Nun muss Thommy ran, nicht an die Nachbarin im engeren Sinne, sondern sie zur zweiten Surfstunde mitnehmen. Ich schmunzle.

Huntsman

Schon der dritte Eintrag zum Thema Spinnen. Thomas wollte es erstmal nicht erzählen, dann aber doch. Schlussendlich musste er heute wieder gewalttätig werden, um die ca. 8 cm große Spinne mit braunem Fell zu töten. Bei seiner Annäherung hat sie die Vorderbeine aufgestellt. Zum Glück ist sie nicht gesprungen. Ich bleibe gefasst. Auf jeden Fall werden die Tiere auch in der Wohnung größer. Thomas meinte, dass er sie schon gesehen hätte, aber da war sie eben noch viel kleiner. Diese Spinne hat er also unterschätzt. Zum Glück tun diese Huntsman-Spinnen keinem was. Lediglich die Scheu und Angst sowie der im Inneren aufkommende Ekel führen zu unkontrollierten Reaktionen. Ich würde erstarren oder den Raum nie wieder betreten oder jedes Mal alle Wände absuchen oder schnell weglaufen oder meinen Blutdruck spüren oder schreien. Ob ich die Courage hätte, so eine große Spinne zu töten, weiß ich nicht. Ich würde wohl auf Thomas warten und die Spinne im Zimmer einsperren.

Irgendjemand hat mal gesagt, dass man während der Nacht einiges an Kleintieren (natürlich unbeabsichtigt) verschluckt. Nur der Gedanke, dass ich nachts zum Wanderweg werde, macht mich doch etwas unruhig.
Schon der dritte Eintrag zum Thema Spinnen. Thomas wollte es erstmal nicht erzählen, dann aber doch. Schlussendlich musste er heute wieder gewalttätig werden, um die ca. 8 cm große Spinne mit braunem Fell zu töten. Bei seiner Annäherung hat sie die Vorderbeine aufgestellt. Zum Glück ist sie nicht gesprungen. Ich bleibe gefasst. Auf jeden Fall werden die Tiere auch in der Wohnung größer. Thomas meinte, dass er sie schon gesehen hätte, aber da war sie eben noch viel kleiner. Diese Spinne hat er also unterschätzt. Zum Glück tun diese Huntsman-Spinnen keinem was. Lediglich die Scheu und Angst sowie der im Inneren aufkommende Ekel führen zu unkontrollierten Reaktionen. Ich würde erstarren oder den Raum nie wieder betreten oder jedes Mal alle Wände absuchen oder schnell weglaufen oder meinen Blutdruck spüren oder schreien. Ob ich die Courage hätte, so eine große Spinne zu töten, weiß ich nicht. Ich würde wohl auf Thomas warten und die Spinne im Zimmer einsperren.

http://www.amonline.net.au/factSheets/huntsman_spiders.htm

Westcoasteagle gegen Sydney …

Das Wochenende ist ein langes, denn am Montag ist in WA frei. Es ist Feiertag – Queen Elisabeth-Day. Nebenbei sei erwähnt, dass Feiertage, die auf das Wochenende fallen grundsätzlich am Montag nachgeholt werden. Es gibt dann einen Tag frei, wenn Sonntag Feiertag ist. Damit hat man ca. 10 Tage mehr frei, zusätzlich zu den im Schnitt 20 Urlaubstagen, die einem zustehen, wenn man in Arbeit ist.
Wie soll es anders sein. Thomas hat das Wochenende wieder etwas vor und sucht weiterhin die Gemeinschaft. Am Samstag haben die Footballer (also nicht Fußballer) gegen Sydney gespielt und mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Beim Barbecue und selbst gebrauten Bier lässt sich so ein Nachmittag schon mal gut verbringen. Auch dabei lernt man immer wieder neue Leute kennen. Die Herzlichkeit, die Thomas entgegen schlägt, ist beeindruckend. Viele fragen woher er ist und interessieren sich sogar dafür, ob er aus dem Westen oder Osten stammt. Einige waren selbst schon in Berlin. Es ist nachvollziehbar, dass man bei diesem Interesse gut in den Kontakt kommt. Viele fragen dort schon nach mir und was ich machen werde, wenn ich da bin. Zugleich merken sie in den Gesprächen an, dass ich sicher Arbeit finden werde. Ich bleibe gespannt.

Probezeit

Lasst uns einen trinken. Thomas hat es geschafft und rückgemeldet bekommen, dass er bleiben darf und soll. Thommy, ich gratuliere Dir. Das, was Du bisher geleistet hast ist unglaublich und Du darfst stolz sein, es bis hierhin so gut geschafft zu haben. Prost. Ich habe den Sekt schon kalt gestellt und die Gläser in der Hand.
Der Monatsabschluss in der Firma war wieder so gut, dass abends Pizza und Bier mit den Mitarbeitern geteilt wurden. Schöne Geste, alle zumindest per Essen daran teilhaben zu lassen.

Jackpot

Deutschland zockt. 26 Millionen im Jackpot. Ein Lottospieler wird eher vom Blitz getroffen, als das er im Lotto gewinnt. Warum tippen wir dann trotzdem? Na ist doch klar, einmal all seine Träume erfüllen. Einige haben wahrscheinlich auch die naive Vorstellung, dass sie selbst Träume erfüllen können, die eher von immaterialen Dingen bestimmt sind (ist das wirklich naiv?). Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht: was wäre wenn…? Was wäre, wenn Du/Ihr ein Millionengewinn einstreicht? Ich stelle mir das ungefähr zweimal im Jahr vor und das bringt mich in so eine Energie, die die Glückshormone kaum noch räsonieren kann. Unglaublich, was da im Inneren ausschließlich per Vorstellung passiert. Übrigens habe ich auch mal getippt. In Gedanken habe ich schon das Haus am Meer in Australien, meine ganze Familie versorgt und dem ganzen Anerkennungskram den Rücken gekehrt. Zumindest habe ich dadurch einen Moment der Leichtigkeit. Mittlerweile weiß ich, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen.
Es ist mittlerweile zu einer Strapaze für mich geworden, den perfekten Anspruch an das ultimative Transscript zu erreichen. Ich träume schon davon, wache morgens damit auf und gehe abends damit ins Bett. Am Mittwoch will ich da einen Stempel drunter sehen, egal von wem, Hauptsache ein Stempel. Dann kann ich endlich die letzten verbleibenden Wochen für anderes nutzen.

Monday, September 25

Adventure


7:35:16 war das Team in Dunsborough (ca. 300 km südlich von Perth) unterwegs. Thomas hat 3:13:21 gebraucht mit dem Fahrrad und in der Höhle (was auch immer er da getan hat). Er sagte, dass er von den 32 km mit dem Rad 8 km geschoben hat (das kann ich mir gar nicht vorstellen).
Hier sind die Ergebnisse und ein paar Fotos einsehbar:
Auf der Rückreise nach Perth haben sie dann auch noch Wale gesehen, die aus dem Meer gesprungen sind. Ich will auch!!!

Quelle des Bildes: http://www.dunsboroughwatersports.com.au/printmap.htm

Gedanklich abwesend

Neulich sagte eine Bekannte von mir, dass sie den Eindruck hat, dass ich nicht mehr wirklich hier bin und abwesend wirke. Das hat mir zu denken gegeben. Ich weiß nicht, ob andere diesen Eindruck bestätigen können. Diese Rückmeldung beschäftigt mich nun schon seit drei Tagen.

In der Tat bewegen sich meine Gedanken nun wieder mehr nach Perth. Täglich zähle ich nach dem Aufwachen die Tage und schneide den Kalendertag imaginär ab. Er wird stetig kürzer und um so präsenter wird meine Zukunft. Die Angst hat zurzeit Pause. Ich mache mir keine großen Sorgen, was ich in Perth zu tun haben werde. Meine Ideen entwickeln sich und machen mir Mut. Manchmal denke ich schon, ob ich das alles, was ich mir vornehme, auch zu schaffen ist. Meine freiberuflichen Tätigkeiten hier in Berlin sind für's erste abgeschlossen. Der Kurs für das nächste Jahr in Berlin ausgeschrieben. Am Freitag habe ich ein Projekt abgeschlossen und mich gefreut, diese intensive Erfahrung mit dem interkulturellen Team noch vor Austtralien machen zu dürfen. Der Migrationshintergrund dieser Berater hat mir bei der Bearbeitung ihrer Fälle viele Anregungen und Übertragungen eröffnet. Mein Blick ist geschärft. Die Linse ist geweitet und versucht, noch mehr zu erfassen, als vorher zu sehen war. Um so gespannter bin ich, wenn ich dann vor Ort als Ausländer leben werde und welche Erfahrungen sich einstellen.

Werde ich anders? Auch das ist nicht abwegig. Wir haben neulich schon gesagt, dass ich einen Verhaltensbogen führen sollte (im regelmäßigen Abstand), um Veränderungen nicht nur schleichend zu übernehmen, sondern bewusst erkennen zu können. Was könnten das für Fragen sein?: Lache ich weiter viel? Werde ich ein Pessimist? Wie gehe ich mit Abhängigkeit um? Bleibe ich individuell, oder gehe ich in der Einheitsmasse unter? Gebe ich Männern die Hand? Was tue ich, wenn ich ignoriert werde? Was ziehe ich an? Bleibt meine Angst vor den Tieren? Schreie ich laut, wenn ich eine Spinne sehe? Gehe ich ins Meer? Fühle ich mich einsam? Fehlt mir die Heimat? Wie verändert sich mein Tagesrhythmus? usw. Das ist hier eine lose Sammlung erster Fragen, die mir hier beim Schreiben in den Sinn kommen (ohne jeden Anspruch auf Wissenschaftlichkeit/Tiefgründigkeit). Aber ich kenne mich, diese Fragen werden Anlass sein, sie zu vertiefen und viel konkreter zu formulieren. Wieder eine Aufgabe mehr, die ich in Australien zu tun habe. Mein Fragebogen zur Lebenszufriedenheit steht bereits im Regal in Perth. Der wird nach meiner Ankunft in Perth gleich ausgefüllt.

Thomas war dieses Wochenende 300 km südlich von Perth unterwegs und im Team sportlich aktiv. Welche Höhlen und welche Strecke er mit dem Rad bewerkstelligen musste weiß ich zu dieser Zeit noch nicht. Ich hoffe, dass ich demnächst diese Lücke auch hier im Blog füllen kann.


Monday, September 18

Fabelhaftes aus der Tierwelt

Es nimmt kein Ende. Die beinahe täglichen Entdeckungen von Thomas in Flora und Fauna sind z.T. spektakulär. Obwohl wir alle wissen, dass Australien die meisten giftigsten Tiere der Welt hat und seine Spinnenarten wohl selbst nicht mehr zählen kann, reagieren wir überrascht und verängstigt, wenn Thomas von seinen Entdeckungen erzählt.
So gestern: Er hat am Fenster unseres Hauses (noch von außen) diese red spot spider gesehen und sie tatsächlich überleben lassen. Was sagt man dazu?
Thommy ist den Tieren wohl gesonnen und widmet sich eher anderen Beschäftigungen, als den giftigen Tieren nachzujagen. Nachdem er sich nun ein Surferoutfit angeschafft hat, incl. Brett und Segel, hat er bereits eine Stunde Surfunterricht erfolgreich bestanden. 5 Meter konnte er schon alleine surfen. Ich habe den Eindruck, dass Thomas nun bereits alles an australischen Sportarten einmal ausprobiert hat und sich ein neues Hobby (zusätzlich zu den anderen) sucht. Ich hoffe, dass mir genügend Zeit bleibt, da hinterher zu kommen.

Tuesday, September 12

Tiger Snake

http://www.australianfauna.com/tigersnake.php

Es muss nicht immer Kaviar sein

Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich mich derzeit um meine Unterlagen für die berufliche Anerkennung in Australien bemühe. Das ist eine nervenaufreibende und kräftezehrende Angelegenheit. Für den interessierten Leser hier mal ein Einblick:

Diplomzeugnisse: Kopien amtlich beglaubigen lassen und von einem in Australien anerkannten Dolmetscher übersetzen lassen. Es gibt dafür in Berlin eine Anlaufstelle, die die Unterlagen prüft, einscannt, per Mail nach Neuseeland (zum Übersetzer) schickt und dann natürlich die Kosten einstreicht.

Äquivalenzbescheinigungen: Damit auch alles gut geht (und das ist nicht mal eine Garantie für die Gleichstellung) habe ich von meinem Berufsverband, von der TU und von der Kultusministerkonferenz nun drei Bescheinigungen dieser Art. Kurios daran ist, dass jede dieser Instanzen unterschiedliche Studienzeiten angibt. Die sollten sich mal abstimmen. Für mich gut, denn damit kann ich mir das Beste raussuchen. In einem sind sie sich einig: Aus Diplom-Psychologin wird Master of Science in Psychology.
Academic Transcript: Es ist falsch gedacht, dass dies bisher Genannte ausreicht. Ich muss ein sogenanntes Transcript von meiner Uni (TU Berlin) abgestempelt haben, in dem alle meine Seminare, Vorlesungen, Praktika etc. mit deren Veranstaltungsnummern sowie Namen der Dozenten/Professoren, zu den Semestern zugeordnet aufgeführt sind. Da ich im September 2001 fertig geworden bin, musste ich mein Gedächtnis zunächst kräftig bemühen, um 6 Jahre Studium so fein aufzugliedern. Die Uni macht das natürlich nicht. Sie will ja auch erst international werden. Also war das meine Aufgabe. Mittlerweile habe ich auch das geschafft und dafür wohl 2 Monate gebraucht. Den Stempel erhalte ich nicht. Nachdem ich zunächst das Prüfungsamt bemühen wollte und dort nicht unterstützt wurde, habe ich die gesamte Uni und deren Verwaltungen angerufen bzw. aufgesucht, um einen Stempel zu erhalten. Ohne Erfolg.
Diplomarbeit: Es nimmt kein Ende. Nicht, dass ich lediglich den Titel, das Inhaltsverzeichnis, die Bestätigung der Professoren und die Zusammenfassung übersetzen lassen muss. Nein, ich muss nun auch noch die Wörter zählen, die die Diplomarbeit beherbergt. Das Ganze wird dann vom oben genannten Übersetzer in die englische Sprache übertragen. Jede einzelne Seite davon muss einen Stempel der Richtigkeit aufweisen.
Außerdem: Benötige ich schriftlich von zwei Personen die Aussage, dass ich über einen guten Charakter verfüge. Dieses muss notariell beglaubigt sein (ein polizeiliches Führungszeugnis hätte aus meiner Sicht gereicht). Eine eidesstattliche Erklärung meinerseits über die Richtigkeit meiner Angaben sowie diverse Bestätigungen von Supervisoren, die mich supervidiert haben. Und selbstverständlich mein Lebenslauf sowie zwei Referenzpersonen, die im Notfall angerufen werden können.
Das Ganze geht an den australischen Berufsverband APS, der das Assessment meiner Oversea-Qualification vornimmt.
Erst danach muss und kann ich mich beim Psychboard, das ist die Registrierungsstelle in Australien, für eine Registrierung bewerben. Ob die dann das Ergebnis des APS (hoffentlich positiv und ohne Auflagen) übernehmen, ist dahin gestellt.
Die Summe des emotionalen Stresses, der damit verbunden ist/war, ist unbezahlbar. Zum Glück weiß ich, was ich beim APS und beim Psychboard bezahlen muss. Hoffentlich kein Leergeld, denn eine Garantie auf Einstufung gibt es nicht. Das Geld für die Anträge wird nicht rückerstattet, wenn meine berufliche Qualifikation nicht anerkannt wird.

Schöne Aussichten.

Es muss eben nicht immer Kaviar sein, um andere Menschen zu beeindrucken.

Monday, September 11

Wohnen in Doubleview




Das genießt Thomas mittlerweile in vollen Zügen. Mit seinen Rädern kann er viele unterschiedliche Gegenden erkunden. Dieses Wochenende waren es zwei Parks in der Nähe, die auf den Bildern zu sehen sind.
In einem Park wurde der Wanderer gewarnt: Bitte nicht in den Rasen legen - Tiger Snakes. Zumindest wird man darauf hingewiesen.
Sonst noch: Nach der Einweihungsparty am Freitag bei deutschen Bekannten in Perth und einer Geburtstagsparty bei einem Arbeitskollegen am Samstag hat Thomas schnell sein soziales Pensum aufgetankt und wieder neue Kontakte geknüpft. U.a. hat er dort Jemanden kennen gelernt, dem sogar die deutsche Stadt Rostock etwas sagte (war mal in Deutschland auf Reise). So entstehen neue Verknüpfungen und zum Schluss gehört alles zusammen.
Zu dieser Geburtstagsparty hat Thomas sich besonders schick gemacht: Gürtel, Zollstock und Schraubenzieher sowie eine alte Kappe. Das hat er natürlich nur auf Bitte des Gastgebers gemacht, der 40 geworden ist und seine Feier als Mottoparty gestaltet hat. Neben vielem Essen und Tanzen wurde auch kräftig getrunken (so wie es in fast jedem Touribuch steht).

Saturday, September 2

Die ersten Besucher


Tierisch ernst
Ein kleiner Gecko ging auf Erkundung und das auf unserer Terrasse (Solange du da draußen bleibst, ist alles in Ordnung!).
S. erzählte, dass man mit Kakerlaken rechnen muss. Die gibt es drinnen wie draußen und sind größentechnisch unseren heimischen weit überlegen. Nicht auszudenken, wenn die von ihren Flügeln Gebrauch machen würden – Monster in der Luft. Meine Phantasie dreht durch und ich kaufe in Gedanken schon diverse Ungeziefergifte. Ich zwinge mich, diesbezüglich noch keine Liste anzulegen.

Menschlich ernst
Die erste Inspektion unserer Wohnung steht an. Die Mietagentin hat sich angekündigt und Thomas bringt alles auf Hochglanz. Aber er muss keinen Kaffee kochen, nicht zu Hause sein und nicht ablenken. Sie kommt auch so ins Haus, hat schließlich einen eigenen Schlüssel und kann in aller Ruhe ihren Rundgang durch die Räume machen. (Ob sie wohl mit Handschuhen über die oberen Kanten der Küchenschränke fährt und nach Staub Ausschau hält?)
Ich werde berichten.

Wie sage ich es?

Auch in meiner Firma wissen alle Kollegen von meinen Fortgang.
Die Klienten erfahren nach und nach von mir, dass ich ab 1.November nicht mehr kommen werde. Ich kann z. Zt. noch selbst entscheiden, wann ich es Ihnen sage. (Mit den Kollegen hat es ja per Buschfunk prima geklappt.)

Viele Klienten reagieren mit einem erstaunten Blick und skeptischen Fragen: „Oh, das ist ja schade … Immer gehen die, die so nett sind … Kannst Du nicht bleiben … Warum tust Du uns das an …“ (Körpersprachlich sind ihre Augen dabei weit geöffnet, der Mund ist zu einem spitzen O geformt, der Kopf etwas zur Seite geneigt.) Die nächste Frage ist dann: „Warum machst Du das und was machst Du dann?“ Ich antworte: „Ich ziehe nach Australien.“ Ein Schweigen folgt. Dann kommt: „WAAAS? Oder Was willst Du denn da?Die begleitende Mimik meines Gegenübers und die doch etwas lauter gestellte Rückfrage machen mich unsicher. Habe ich mich irgendwie unklar ausgedrückt oder warum klingt dieses WAAAS so entsetzt? Das hört sich an wie: „Bist Du verrückt … Ziehst Du in den Busch?“ Nach meinem Erstaunen über diese Reaktionen komme ich wieder in Schwung und versuche mit einfachen Worten und wenig Aufhebens zu erklären, was ich dort machen will. Es folgen: „Ach so … Ja stimmt, man muss mal was Neues machen … Wir werden Dich vermissen … Schreibst Du uns auch mal …“etc.

Einige Klienten beginnen sofort mit dem Planen eines Abschiedsgeschenks und binden mich in ihre Überlegungen gleich mit ein. Ich bin gerührt und mache ihnen klar, dass die guten Gedanken reichen und in meinen letzten Koffer nichts mehr rein passt. Und dann werden sie einfallsreich.

Mit einer Klientin habe ich neulich mal im Internet auf die Weltkarte gesehen. Ich konnte ihr Australien und Perth zeigen, wie weit das von Deutschland weg ist und wie ich dort hinkomme. Das wurde vorstellbarer für sie. Wahrscheinlich dachte sie vorher, dass Australien gar nicht auf der Erde liegt? Ihre Tränen trockneten jedenfalls schnell, ich war erleichtert, denn auf diese Momente und Begegnungen mit den Klienten habe ich mich nicht wirklich vorbereitet. Diese besagte Klientin äußerte im Weiteren, dass sie auch nach Australien geht. Ich musste innerlich schmunzeln. Auf was für Ideen sie kommen.

Jahreszeiten

Schon mal daran gedacht? Nur noch einmal für die nächsten Jahre habe ich im Herbst Geburtstag. Danach bin ich ein Frühlingskind. S. erzählte neulich, dass sie immer im Winter Geburtstag hatte und sich so oft wünschte, zu einer wärmeren Zeit im Jahr Geburtstag zu haben. Nun hat sie plötzlich im Sommer Geburtstag, denn sie lebt ja jetzt in Perth. Was Auswanderungen so alles mit sich bringen. Das grenzt ja beinahe an Zauberei.

Der Herbst kündigt sich an, die Blätter werden braun, das Wetter unbeständiger und die Dunkelheit legt schon um 20.30 ihren dunklen Schleier über die Stadt. In Australien wird es wärmer. Thomas hatte letzte Woche schon die ersten 27 Grad. Beständig ist es dort aber noch nicht, es befindet sich im Wechsel der Jahreszeiten. Der Frühling kündigt sich an. Im Sommer wird es um 4.30 hell. Kein Wunder, dass früher aufgestanden wird. Thomas erzählt, dass es schon ab 8.00 sehr heiß werden kann, da die Sonne sehr hoch steht. Da bleibt also nur die Morgenfrische für den Sport. Ich bin gespannt, ob ich auch aufstehen werde, wenn ich noch keine weiteren Verpflichtungen in Perth habe oder ob ich die Bettwärme bevorzuge.

Schon gewusst?

Das Ende unseres Mietverhältnisses am 31.08.2006 in Berlin ist nicht von weltlichem Interesse. (Für mich aber bedeutsam und damit berechtigt hier fest gehalten zu werden.) Schon eher die letztmalige Moderation von Ulrich Wickert der Tagesthemen oder die Niederlegung des Mandats von J. Fischer.

Aus der Bildzeitung: Dieter Bohlen ist neu verliebt; die Serie Verliebt in Berlin (abgekürzt VIB. Hmh? Hört sich nach einer Abkürzung aus dem Osten an) feiert den Showdown in Berlin-Friedrichshain.

Bedenkenswert: Der Iraner Präsident spielt das Katz und Maus Spiel weiter und hat erneut ein Ultimatum verstreichen lassen.

Aus Perth: Thomas treibt es weiter sportlich (z.B. Samstag 110 km mit dem Rad gefahren/Start 6.15!). Ein Freund fragte neulich, nachdem ich von Thomas Befinden berichtet habe, „Arbeitet Thomas auch?“

Thursday, August 31

„Obdachlos“

Dies war die letzte Woche in unserer Berliner Dachgeschosswohnung in Weißensee/Berlin. Am 31.08.2006 war die Wohnung bezugsfertig für den nächsten Mieter, wer immer dies auch sein mag. Frisch renoviert, polierter Holzfußboden, geputzte Fenster, leerer Kühlschrank und ein kalter Herd warten nun gespannt, wer demnächst Einzug halten wird. Die 125 m² wollen bezogen werden, die Terrasse und Sauna zum Entspannen genutzt werden bei einem schönen Blick über Teile Berlins. Wohnung ade - scheiden tut weh. Nun habe ich nach einem letzten Rundgang die Tür für immer geschlossen. Es gibt für mich keinen Grund mehr, die Stufen hoch zu gehen, denn diese Tür bleibt mir nun verschlossen.

Eine Symbolik, die gut zu meinem nächsten Vorhaben passt. Beruflich erwartet mich der berufliche Ausstieg, dann der Abstieg und mühsam werde ich mir danach Schritt für Schritt jede Treppenstufe erarbeiten müssen, um meinen Blick über den Dächern (von wo auch immer) wieder schweifen zu lassen.
Die Tür zu meinen Nachbarn ist nun geöffnet (Ich habe einen Schlüssel und muss nicht dauernd klingeln. DANKE!)
Trotzdem ich fühle mich obdachlos und habe immer noch nicht realisiert, was geschieht. Es ist als ob der Film neben mir läuft. Zurzeit habe ich also nur noch mich, meine Koffer, meinen Laptop und mein Handy. Mit diesem Gepäck bewege ich mich die nächsten Wochen zwischen Güstrow und Berlin. Das Ticket ist bezahlt; am 4. November hebe ich in Hamburg ab und werde ca. 24 Stunden (incl. Zeitverschiebung) bei Thomas sein. Es kommt mir vor, als ob wir uns ein halbes Jahr nicht gesehen haben. Das Zeitgefühl ist verloren gegangen, der Kalender zeigt täglich ein neues Datum. So langsam kann ich die noch verbleibenden Wochen auf einem Blick sehen. Es sind noch 9 Wochen!

Tuesday, August 29

Zum Wohl

Die Tage werden kürzer hier in Berlin, es wird zunehmender frischer. Der Wind hebt den Abend in herbstliche Gefilde. Zu wissen, dass ich bald wieder in die Sonne fahre hilft mir die triste Wetterzeit zu überstehen.
Heute ist der 28. August. Vor genau zwei Jahren haben Thomas und ich uns das JA-Wort in der zauberhaften Kirche in Badendiek gegeben. Zu dem damaligen Zeitpunkt wussten wir schon, dass Australien eine ganz besondere Bedeutung in unserem Leben hat. Denn zu Beginn 2004 sind wir von unserem ersten Australienurlaub voller Energie und Euphorie zurück gekehrt. Thomas hat mir den Antrag während des Sylvesterfeuerwerks in Sydney gemacht. Es gibt kaum eine schönere Kulisse. Als wir zurück kamen, waren wir fest entschlossen, dort wieder hin zu reisen oder gar zu leben. Wir hatten so viele Pläne zu diesem Zeitpunkt, die nach unserer Rückkehr schnell vom Alltag aufgebraucht waren. Aber eines ist geblieben, unser Wunsch nach spürbarer Veränderung.
Thomas hatte sich zu diesem Zeitpunkt(2004) per Bewerbung bei einer Agentur vorgestellt. In unserem USA-Urlaub im letzten Jahr kam dann die konkrete Anfrage aus Perth. Was war das für eine Aufregung in New York, als wir die Mails lasen, Thomas per Telefon Kontakt nach Australien aufnahm, seinen Flug von Berlin nach Düsseldorf in New York buchte, um zum ersten Mal seinen zukünftigen Arbeitgeber kennen zu lernen. New York verblasste, denn wir waren nur noch mit den Gedanken an Australien beschäftigt und nahmen diese, von so vielen Menschen geliebte Stadt, im Nebel wahr.
Im August letztes Jahres sind wir dann zum ersten Mal nach Perth für eine Woche gereist, um uns ein Bild zu machen. Wir konnten uns in dieser Woche auf den Alltag einlassen, erlebten kein Urlaubsgefühl. Unsere Emotionen fuhren mit uns Achterbahn, die einfach nicht anhielt. Thomas bekam seinen Vertrag zur Unterschrift. Wir hatten uns in Perth 2005 entschieden und wollten diesen Schritt wagen. Zurück in Deutschland, den noch nicht unterschriebenen Vertrag in der Tasche und damit auch all unsere Zweifel. Täglich telefonierten wir mit unseren Familien, täglich überlegten wir ob wir gehen sollen oder nicht. Unsere rationalen Gedanken und der Druck von außen trieben uns dazu, alles abzusagen. Der Arbeitgeber war enttäuscht. Die Familien erlöst, wir erleichtert. Doch das hielt nicht lange an, wie wir ja jetzt alle wissen.
Und nun sitze ich hier in der leeren Wohnung, habe mit unserem besten Freund angestoßen, blicke in Gedanken zurück und schaue in Hoffnung nach vorne. Meine emotionalen Kräfte verlassen mich. Ich nehme zum zweiten Mal Abschied von allem und kann diesen Rucksack kaum noch tragen. Die Zeit geht unaufhaltsam voran, besondere Begegnungen mit Freunden bestätigen mich in meinem Tun. Die Zeit die wir haben nutzen, um zu leben und zu spüren.
Ich feiere nun allein. Thomas ist schon im neuen Tag und hat die zwei Jahre voll gemacht. Mir bleiben noch genau 2 Stunden dafür. In aller Stille.

Sunday, August 27

Picknick


Am Swan River Picknick und den Muskeln Gutes tun. Entspannung ist angesagt.
Am Abend noch ein Bier und eine Zigarette mit der neuen Nachbarin rauchen.
Und fertig ist das Wochenende!

63 Minuten


















Eigentlich sollte es mal der Marathon in New York werden. Keinen Gedanken haben wir daran verschwendet, dass es erstmal der größte Lauf in Westaustralien werden wird. Thomas hat vorgelegt und ich muss nachziehen. 2007 steht der Termin schon in meinem Kalender. Dann werde ich auch dabei sein.

Thomas ist zusammen mit einem Arbeitskollegen und dessen Frau an den Start gegangen. Den für sie vorgesehenen Startblock D haben sie mal eben ignoriert und sind gleich von der Poolposition, also Startblock A, gelaufen. Das hat wahrscheinlich auch dafür gesorgt, dass die Zeit so gut geworden ist. Im Verlauf standen wenige Zuschauer an den Straßen. Naja ist eben kein Marathon. Das Wetter hat dafür für gute Laune und Zeiten gesorgt. Die Startzeit 8.00 war schnell vergessen.

BYO

Aktivwochenende in Perth: Thomas hat sich einen sportlichen Vorlauf verschafft, den ich hier erstmal aufarbeiten muss.
Samstag-Morgen:
Um 6.15 Treffen am Swan River und 50 km mit dem Rennrad. Achtung immer schön links fahren, denn von rechts kommen die Supersportler im Pack und fahren ein anderes Tempo mit ihrem Rennrad. Es ist noch dunkel und Thomas fährt ohne Licht, dafür aber in Begleitung in den Sonnenaufgang hinein. Kann ein Tag schöner beginnen? Ja man kann auch ausschlafen und sportlich träumen. Je nachdem, wie hoch das sportliche Aktivitätspotenzial ausgeprägt ist.
Samstag-Abend:
Den Abend dann in Hillarys ausklingen lassen bei einer Pizza mit netten Leuten und selbst mit gebrachtem Wein. Das nennt man BYO (bring your own). Es ist üblich, dass man die alkoholischen Getränke in die Kneipe mitbringen darf, wenn es dort keine Ausschank-Lizenz gibt. Für die Gläser zahlt man 3-5 € Korkgebühr.
Thomas erforscht täglich seine neue Welt und erfährt somit Schritt für Schritt wichtige Infos für Social-life.

12 Kilometer von der City zum Meer



http://citytosurf.activ.asn.au/

Für alle interessierten Sportler und Zuschauer kann man mit dem Link mal sehen, dass Sport Teil des Lebens ist in Australien.

Sunday, August 20

Im stillen Kämmerlein

Ich sitze im Kämmerlein, das immer im Notfall und für einsame Zeiten einen idealen Rückzugsort bietet, um allein zu sein mit dem Wissen um die Nähe der Familie. Übersetzt sitze ich im Arbeitszimmer meiner Eltern, in dem ich auch schlafe, wenn es mich am Wochenende in den Schoss der Familie zieht. Hier habe ich ein Stück Geborgenheit, fühle mich nicht so verloren und gut aufgehoben. Trügerisch lockt diese Umgebung alles zu vergessen, was gerade um einen selbst passiert. Rational ist dies jedoch nicht realisierbar. Ich habe ja bereits über die Unterschiede zwischen allein-, gemein- und einsam sein geschrieben.

Die Zeit vergeht im Schneckentempo, so oft habe ich bedauert, dass sie zu schnell läuft. Jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten, dass die noch verbleibenden Monate schneller vergehen also sie ursprünglich ablaufen. Nun denn, Geduld ist mein Thema und das Tempo auch. Manchmal überhole ich mich selbst in dem was ich tue und kann gerade noch den entwickelten Rauch sehen, der an mir vorüber zieht. Den Kolt aus der Tasche ziehen und pusten. Geschafft, weiter geht’s. Meine Tätigkeiten werden hier nun überschaubarer und wesentlich geordneter. Es kehrt allmählich eine Struktur ein, mit der ich nicht vertraut bin und die mich hadern lässt mit mir selbst. Meine Ungeduld meldet sich täglich zu Wort und füttert mein schlechtes Gewissen, so inaktiv zu sein. Dabei habe ich schon noch etwas zu tun-nämlich das Zusammensuchen diverser Unterlagen für meine berufliche Anerkennung in Australien. Die Vielfältigkeit und Komplexität dieser Anforderung verwirrt mich und bremst mich so sehr, dass ich bisher noch nicht wirklich viel erreicht habe. Kontrastprogramm ist angesagt, denn für mehr habe ich nicht gezahlt: Warten, dass die Monate vergehen und das eigene Profil schleifen bis der Arzt kommt. Dazwischen gibt es für mich nichts, das Bewegen zwischen diesen Polen ist vergleichbar mit einem Auto, das mit Kängurusprit betankt ist. Es ruckelt ganz gewaltig und man ich habe das Gefühl, keinen Schritt weiter zu kommen.

Ein Stück Heimat

Thomas hat bereits die meisten Kisten ausgepackt und Vieles einsortiert. Stühle und Tische bieten Platz für sechs; Schneewittchen ziert sich noch. Das Geschirr ist unversehrt (nur ein Glas ist zu Bruch gegangen) und macht sich gerade mit dem neuen Standort vertraut. Die rote Couch ist platziert und wartet auf den ersten Besuch. Der erste Schreibtisch hat schon schwer zu tragen; der Computer hat sich breit gemacht und funktioniert tadellos. Unsere neue Waschmaschine hat schon ihren ersten Dienst geleistet und ordentlich gewaschen. Aufgrund des Regens gibt es einen Wäschestau, der Trockner fehlt. Das weltbeste Bett der Welt steht seit der Ankunft an der richtigen Stelle und tut der Seele viel Gutes. Thomas hat nicht gefroren, super gut durchgeschlafen und erholt sich allmählich von seiner Erkältung. Ach ja und die Musik zaubert australische, aber auch andere, Töne und untermalt das Chaos (wozu brauchen wir da noch eine 5.1 Anlage?). Ein verwirrtes Kabel, von seiner Zugehörigkeit zu den Geräten undefinierbar, stellt die Verbindung zwischen Laptop und Anlage her. Eine DVD in deutscher Sprache spielt. Zukunft, ich komme.

Zufälle

Gibt es den Zufall wirklich? Oder ist alles Schicksal? Ist Schicksal im Wortgebrauch eigentlich nur negativ behaftet? Eine Vertiefung an dieser Stelle führe ich nicht an, zumal ich mit meinen Eltern dies umfangreich diskutiert habe. Und dann das:

In der letzten Woche sind gleich mehrere Dinge passiert, die ein Wort der oben genannten gut beschreiben würde. Thomas geht mit Daniel in Leaderville (Suburb von Perth) in die Kneipe (übrigens ähnlich wie der P-Berg in Berlin, nur kleiner). Sie quatschen dies und das. Es stellt sich heraus, dass Daniel als Architekt das Haus vom ehemaligen Chef von Thomas gebaut hat. In unser Nachbarhaus zieht eine Deutsche (zum Glück etwas älter – man weiß ja nie, wozu einen die Einsamkeit treibt). Ein Kollege von mir erzählt (allerdings schon einige Wochen her, um ehrlich zu bleiben), dass Daniel und seine Frau auswandern. Auf die Frage „Wohin?“ sagt er „…nach Perth“. Meine Schwester (Lehrerin) beginnt an einer neuen Schule und arbeitet mit einer Frau zusammen, die die Schwägerin eines engen Freundes aus Berlin ist. Ihre Horterzieherin ist eine ehemalige Schülerin von ihr. Die Exfrau meines engsten Studienkollegens heiratet einen Australier und lebt …? Na ja wie sollte die Antwort anders ausfallen: in Perth.

Sportarten

Beim Abholen der Möbel aus dem Lager des Agenten von TNT fällt Thomas’ Uhr in den Blick des Agenten. Eine rote Hightech Pulsuhr, die nicht so sehr leuchtet, aber jedem Sportler ins Auge sticht. Daraufhin angesprochen berichtet Thomas von seinem Hobby (Fahrrad fahren) und steht leibhaftig einem Teilnehmer des Ironman gegenüber. Schnell finden die beiden, dass nicht nur das Fahrrad fahren, sondern auch die zwei anderen Sportarten (Laufen und Schwimmen), in ihrer Summe Triathlon genannt, eine Verbindung zwischen ihnen herstellt. Im Ergebnis dessen wird Thomas gleich mit in die sportlichen Aktivitäten eingeplant und aufgefordert bei den Trainings dabei zu sein und mitzumachen. Das Ziel dieser gemeinsamen sportlichen Aktivitäten ist nicht, am kommenden Ironman zusammen teilzunehmen, denn Thomas hat bisher nur den Minimarathon mitgemacht. Da nun endlich auch die sehnlichst erwarteten Sporträder da sind steht diesem Vorhaben nichts mehr im Wege. Übrig bleibt die unterschiedliche Kondition, ein Hindernis aber keine Mauer.

Perth und Umgebung bietet sehr viele sportliche Möglichkeiten. Schwimmen muss man beispielsweise nicht nur im Meer. Etliche olympische Schwimmbäder bieten ausreichend Komfort und Schutz vor den Haien. Die Kletterhalle sorgt dafür, dass man nicht bei jedem Griff daran denken muss, ob da wohl gerade ein Untier sein Versteck hat. Beim Laufen muss man nur ausweichen, wenn sich einem etwas in den Weg stellt. Das Surfen, Kiten und Wellenreitern kann man hingegen nur auf der Welle. Schutz bietet der Neoprenanzug. Ob der ausreichend im Fall der Fälle ist bezweifle ich. Das Wandern ist des Müllers Lust - das Outback ist so nah. Fliegen, Fallschirm- oder Tandemsprünge sind erschwinglich, wenn man den Weg nach oben schafft und oben die Augen zu macht. Football schauen wir lieber im TV, Rugby ebenso und Cricket verstehen wir erst gar nicht. Soccer ist uns hingegen sehr vertraut – die Heimat schickt einen Gruß.

Sicher im Hafen



Nachdem unser Möbelcontainer am Sonntag in Fremantle angekommen ist waren folgende Dinge zu organisieren: 1. Termin mit dem Zoll (dort Zollerklärung abgeben) 2. Transport der Möbel zum Agenten (hat Agent organisiert) 3. Termin mit Quarantäne vereinbaren 4. Transport der Möbel zu unserem Haus.

Reibungslos, aber mit viel körperlicher Anstrengung verbunden, stehen nun die verpackten Möbel und Kisten in unserer Garage und blockieren den trockenen Platz unterm Dach für unser Auto. Die Quarantäne hat sich die Möbel am Freitag angesehen und darum gebeten, die Kisten: Schuhe und Blumentöpfe zu öffnen. Lobend haben Sie die Reinheit bei der Besichtigung erwähnt (ebenso die Sauberkeit unserer vier Fahrräder). Ein Besprühen mit diversen Chemikalien war nicht erforderlich, so dass Thomas die Möbel zeitnah von der Umzugsfirma in die Grand Prom fahren lassen konnte. Überwältigt von der Masse unseres Hab und Gutes haben sie eine Stunde gebraucht, die Möbel in den LKW zu packen (und auch wieder auszupacken). Ohne Thomas’ Unterstützung hätten die wahrscheinlich noch länger gebraucht. Ca. 1100 $ hat diese ganze Aktion (Zoll, Quarantäne und Transport) zusätzlich, der Umzug von Deutschland nach Perth hat ca. 5000 € € gekostet. Im Nachhinein betrachtet ist das doch eine gute Summe, die durchaus ihre Berechtigung hat.

Saturday, August 12

Land in Sicht

Die Reederei hat angerufen und das Eintreffen unserer Möbel für Sonntag angekündigt. Ab Montag/Dienstag sind sie dann verfügbar. Nach intensiver Recherche und vielem Fragen sind nun auch dem Spekulieren über die Inempfangnahme der Möbel und Kosten des Transports beendet. Thomas wird am Montag zum Flughafen zur Zollbehörde fahren. Dort muss man die Frachtpapiere, die Zollerklärung und den Pass vorlegen. Parallel dazu wird der Container zu einem Agenten gebracht, um dort mit der Quarantäne vor Ort zu prüfen, welche deutschen Gefahren möglicherweise eingeschleust werden und Australien gefährden. Erst danach können die Möbel ihre neue Herberge beziehen. Ohne einen Agenten wäre dieses Prozedere unmöglich, aber auch billiger. Nein im Ernst, man würde das alleine nicht machen können. Die Möbel werden also in unserer Garage abgestellt. Dann darf Thomas schon mal ein bisschen Weihnachten haben und sich über lange Entbehrtes freuen, wenn alles heil ist.

Im Gegenzug dazu ist die Berliner Wohnung ja nun fast komplett leer. Die letzten 14 Tage brechen an und wollen intensiv genutzt werden. Danach heißt es dann „Ade“ sagen und daran gewöhnen, sich nur noch einen Stockwerk hoch zu quälen anstatt 5. Für die weniger sportlichen ein beachtlicher Fortschritt. Für diejenigen, die wissen, was das eigentlich wirklich bedeutet und auch der persönliche Abschied immer näher rückt nicht wirklich.

Erden

Warum machen wir das? Was ist die Motivation, alles aufzugeben? „Abenteuer“-ja, und dennoch ist das nicht alles. Bei der realen Betrachtung und Reflexion der Dinge, die Australien zu bieten hat bleibt manchmal nur das Urlaubsland übrig. In einem Land leben, wo andere Urlaub machen. Reicht das? Reicht das auf Dauer und führt das zu einer Zufriedenheit, nach der wir gesucht haben und die wir in Berlin nicht hatten? Aus einer modernen Stadt wie Berlin nach Perth in die Provinz ziehen. Ja, Perth ist eine Provinz. Nicht nur, weil dort viel weniger Menschen leben, sondern weil das Leben an sich ganz anders funktioniert. Es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Das bisherige Leben wieder an einen Punkt bringen, an dem sich neue Relationen entwickeln. Erkennen, was einem wirklich wichtig ist. Wann haben wir schon mal die Möglichkeit an der Uhr zu drehen. Just in diesem Moment denke ich natürlich an den Rosaroten Panther („Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Stimmt das … Heut ist nicht alle Tage. Ich komme wieder-keine Frage).
Bitte keine Ratschläge, Wunderfragen, Warum-Fragen. Alles ist gut so wie es ist. Es wäre zu blauäugig, die Kulisse zu ignorieren und nur die Bühne zu betreten. Wie atmet dieses Land, wie funktioniert das Zusammensein, wie die Kommunikation. Wie fühlt es sich an, Ausländer zu sein und was macht das mit uns selbst. Spannende Fragen, die es zu erforschen gilt und die nach Antworten suchen. Dasein heißt nicht Hier- oder Dortsein. Dasein bedeutet wach sein, die Augen aufhalten und die Aufmerksamkeit bewusst auf das Leben richten. Es ist ein Luxus, diese Entdeckungsreise angetreten zu sein und es wird reich an Erfahrung machen. Es ist tatsächlich wie ein Lottogewinn mit dem Unterschied, dass am Ende mehr im Lebensrucksack ist.

Begegnungen

Wir haben lange nicht mehr so viele neue Personen kennen gelernt wie zu dieser Zeit. Sehr unterschiedliche Menschen kreuzen unsere Wege und gehen ein Stück mit uns gemeinsam. Das schafft eine neue Form von Verbundenheit, die den alltäglichen Begegnungen die Stirn bietet. Bei so Manchem habe ich mich dabei ertappt, bereits jetzt daran zu denken, dass dieser Weg nur ein kurzer ist und wir größtenteils wieder alleine weiter gehen. Ich bin froh, dennoch diese Bekanntschaften gemacht zu haben und fühle mich in diesen kurzweiligen Gesprächen gut aufgehoben. Hier finde ich die Art von Verständnis, die ich suche. Hier ist es legitim auch Zweifel zu äußern. Hier bauen wir uns gegenseitig auf und malen uns die Zukunft aus. Einige Male haben mich diese Treffen recht durcheinander gebracht und ins Loch geschubst. Wir schonen uns nicht mit Neuigkeiten und malen eben nicht alles rosarot.

Emotionen

Ich befinde mich in einer langen Abschiedsphase (beruflich wie privat). Die zunächst bereits eingestellte Distanz zu allen noch beruflichen Erfordernissen für die letzte Zeit ist aufgeweicht und nimmt die Nerven in Anspruch. Viele Kollegen sind bereits in Kenntnis gesetzt, dank meiner Information oder des Buschfunks. Einige Klienten werden informiert. Es ist noch gut Zeit, all dieses in Ruhe zu Ende zu bringen und Aufgaben zu übergeben. 10,5 Jahre in einer Firma neigen sich dem Ende und wollen erinnert werden.
Ich wundere mich immer wieder darüber wie es mir gelingt nach außen eine Ruhe auszustrahlen, die nicht wirklich ein Abbild meines Inneren darstellt. Die Erwartungshaltung vieler Freunde, aber auch der Familie „Das schaffst du schon“ führt eher dazu, mich immer mehr ins Schneckenhäuschen zurück zu ziehen und weniger über meine wirklichen Gedanken zu berichten.
Thomas ist beruflich stark eingebunden; Kontakte im Privaten bahnen sich zierlich an.
Viele neue Personen kreuzen unseren Weg und schaffen eine Art von Verbundenheit. Dennoch folgt nach jedem kurzem Hoch ein mittleres bis schweres Tief. Die Einsamkeit bzw. das Empfinden dieses Zustands lässt sich nicht aus dem Gemüt streichen, sie will gelebt und erlebt werden. Sie ist stark, behindert und vermittelt ein Gefühl von Alleinsein und verleitet auch dazu, alles bisher Unternommene in Frage zu stellen. Mitunter treibt es die Einsamkeit so weit, dass man nur noch in sein Nest will, zurück zu allem und unter tauchen. Der Verstand hat zu tun und gewinnt dabei auch mal die Oberhand.

Down Under

Fakten: Die Berliner Wohnung ist dank guter Geister und Manneskraft renoviert; unser neues Auto ist wieder heil und sieht besser aus vorher; der Wasserzufluss zur Waschmaschine ist hergestellt; die Jalousien im neuen Haus sind angebracht; die Möbel sind immer noch auf dem Meer; die Abfertigung des Containers im Hafen und diverse damit verbundene Maßnahmen sind von uns zu organisieren.
Neuigkeiten: Häuser kosten im Schnitt 450.000 $, die meisten Australier haben ein eigenes Haus und sind hoch verschuldet; es gibt keine Kredite zu einem Festzins; wird der Leitzins nur um 0,25 % erhöht, bedeutet dies für einige das Aus; dafür erhält man einen so großen Kredit ohne Eigenkapital und Sicherheit. Es hat den Anschein, dass Australien somit seine Einwohner an sich bindet. Perth ist mittlerweile die zweitteuerste Stadt Australiens, die Haus- und Grundstückswerte verdoppeln sich beinahe jährlich. Glück dem, der sich vor vielen Jahren dort ein Häuschen gebaut hat. Pech dem, der immer noch Mieter ist.

Wednesday, August 2

Alltag

Thomas in Australien schlägt sich durch.
Die Arbeit ist stressig und druckbesetzt. Die Mechaniker vor Ort fahren ein gewöhnungsbedürftiges Tempo. Sprachliche Auseinandersetzungen sind auszubauen; die Sprache hakt noch. Der oberste Chef bekundet Interesse und Sorge um Thomas. Sogleich hat er dann auch orgnaisiert, dass Thomas in die leere Wohnung eine Couch, eine Waschmaschine und Barhocker gestellt bekommt. Die Abholung unserer Möbel vom Hafen wird ebenfalls von der Firma organisert; ein Firmenwagen während der Reparatur unseres Autos zur Verfügung gestellt. Das hat Gänsehautcharakter und macht einen Moment von vielen leichter und angenehmer. Dennoch meldet sich das Heimweh; die Sehnsucht nach Geborgen- und Vertrautheit. Ein nicht zu unterschätzendes Gefühl, dass den Kloß im Hals ausmacht und täglich zum Vorschein kommt.

Regina in Berlin organisiert die Abwicklung der Wohnung, schlägt sich mit dem Internetzugang rum und vermisst Thomas.
Um alles ein wenig zu verkürzen, habe ich nun auch entschieden, bereits Ende Oktober nach Australien zurück zu gehen. Ein Leben aus dem Koffer kann ich nicht mehr lange aushalten. Ich komme mir wie zu Uni-Zeiten vor. Ein kleines Auto, mit stetig roten Warnlampen, die nicht ausgehen wollen und den Adrenalinspiegel im Verkehr zum Kochen bringen; eine Matraze, die allmählich Rückenschmerzen verursacht; ein Teller, eine Tasse, ein Messer, ein Glas - weniger als mein Startgeschirr zu meinem ersten Studium. Hat alles was und macht das ganze Abenteuer noch intensiver, reicht aber jetzt schon.

Berlin kühlt langsam wieder auf Normaltemperatur runter und Perth regnet sich ein. Gutes Wetter für die bevorstehende Renovierung.